Cranberry – Nord-Amerika’s Preiselbeere

von Peter Iden

Es gibt eine Frucht in Nord-Amerika, die eine lange Geschichte hinter sich hat. Als die ersten „Pilgrims“ die Ost-Kueste des Kontinents erreichten, hatten sie mehrere Monate lang nichts als getrocknetes Fleisch und Brot gegessen. Skorbut und andere Krankheiten, welche mit dem Entzug von Vitaminen und anderen Elementen dank der einseitigen Ernaehrung in Verbindung standen, waren weit verbreitet under den Ankoemmlingen.

Die Pequot-Indianer der Kuesten-Region von Amerika machten die „Pilger“ – meistens Anhaenger der religioesen Quaker-Sekte, mit einer Pflanze bekannt, die sie in der Algonquian-Srache „Ibimi“ (Bitter-Beere) oder auch „Sassamanash“ nannten, und die durch ihren hohen Gehalt an den Vitaminen C, A und B eine heilende Wirkung fuer ihre Entzugs-Probleme hatte.

Die Bluete dieser Pflanze erinnerte die Pilger an einen Vogel aus ihrer Heimat, und so benannten sie die Beeren dieser Pflanze als „Kranich-Beere“ (crane berry). Dieser Begriff wurde spaeter zu „cranberry“.

Allerdings kannten die meisten Pilger und Einwanderer aus Europa die Preiselbeere nicht, denn sie kamen vorwiegend aus Gegenden, in denen sie nicht waechst. Cranberries und ihre naechsten Verwandten, die Preiselbeere und die Lingonberry, wachsen nur in den noerdlichen Regionen von Nord-Amerika, Europa und Asien.

Die englischen Seeleute hatten ihre „limes“ (Limonen), um Skorbut und andere Vitamin-Armut Krankheiten auf langen Seefahrten zu verhindern. Fuer die Festland-Seefahrer und die Walfischer von Neu-England wurde die „Cranberry“ zur Verhuetung dieser Krankheiten zum Standard-Mittel. Die Erforscher des Nordamerikanischen Kontinents – wie z.B. Lewis and Clarke, benutzten die von den Eingeborenen erhandelten getrockneten „Cranberries“ zum selben Zweck.

„Cranberries“ wurden jedoch auch fuer andere Zwecke verwendet. Die Indianer vermischten sie mit Hirsch- oder Bison-Fleisch, Zwiebeln und Fett, trockneten diese Mischung und nahmen sie als „Pemmican“ auf ihre Jagden und Wanderungen mit.

Der rote Saft wurde von ihnen als Farbmittel fuer Kleidung und Decken benutzt, diente zur Behandlung von Kratz- und anderen Wunden, und war ein Bestandteil indianischer Koch-Rezepte.

Noch heutzutage ist „Thanksgiving Turkey“ in den meisten kanadischen und amerikanischen Familien undenkbar ohne „cranberry sauce“.

Persoenlich benutzen wir in unserer Familie „home-made cranberry sauce“ als Zugabe zu Truthahn-Mahlzeiten und „Kaiserschmarren“, wir trinken „cranberry juice“, um das Harn-System zu staerken, als Vitamin-Zufuhr, und generell als erfrischenden Trunk, vermischt mit Apfel- oder anderen Saeften. Eine kleine Handvoll getrockneter Cranberries („Craisins“), jeden Morgen auf das „cereal“ gestreut, ist eine gute Vitamin-Quelle.

Ein gebackener Camembert oder Brie Kaese. mit „Cranberry Sauce“ bedeckt, ist ein Genuss, den wir uns oefter leisten.

Unsere „Cranberry Juice“ beziehen wir normalerweise von den „Iroquois Cranberry Growers“ auf der Wahta-Mohawk Indianer-Reservation in Bala, Ontario. Heute allerdings, am 3. Okober 2009, besuchten wir die Johnston’s Cranberry Marsh in Bala, etwas ausserhalb der Wahta-Mohawk Reservation, und auf unserem Heimweg nach Brampton gelegen.

Wir wollten die Ernte der Cranberries beobachten und fotografieren, wurden jedoch darin enttaeuscht, als man uns erklaerte, dass diese durch Biber verhindert wurde, die ihre Daemme dort bauten, wo sie die Bewaesserung der Teiche verhinderten. Diese „Story“ erschien mir als Naturalist ziemlich unglaubwuerdig.

Den wahren Grund dafuer, dass in diesem Jahr dort keine Cranberries geerntet wurden, fand ich danach im Internet: Die Kosten zur Unterhaltung der Felder sind erheblich gestiegen, die Marktpreise sind durch Ueber-Produktion stark gefallen. Die Beeren kommen heute aus Nova Scotia, wo die Kosten und Loehne niedriger sind.

Cranberries wachsen in trockenen „Beeten“, etwa 1 Meter tief. Die Pflanzen sind „immerguen“, d.h. sie bleiben selbst durch den Winter gruen und produzieren mehrere Jahre lang ihre Beeren. Sobald der Ertrag sich vermindert, werden neue „beds“ (Beete) gepflanzt. Sie wachsen in Sand, und kommen von kleinen „cuts“, also von den erwachsenen Pflanzen abgeschnittenen Ablegern. Heutzutage wird diese Ableger-Pflanzung maschinell erledigt.

Im Fruehling werden die Sproesslinge mechanisch bewaessert. Die Cranberry Blueten muessen von Bienen befruchtet werden, und jede Cranberry Farm muss genuegend Bienenstoecke haben, um dieses zu ermoeglichen.

Dann kommt das Stadium, welches mir persoenlich nicht gerade behagt. Bestimmte Insekten-Arten, welche die Cranberry-Pflanzen bevorzugen, muessen chemikalisch kontrolliert werden. Ebenso werden chemikalische Duengemittel benutzt, um eine gute Ernte zu garantieren.

Die Ernte selbst ist heutzutage fast total mechanisch. Die Pflanzen wachsen auf trockenem Sandboden auf und werden regelmaessig bewaessert. Zur Erntezeit werden die „Becken-Beete“, in denen sie wachsen, zuerst total ueberflutet, dann werden die Beeren (die sich jetzt unter Wasser befinden), maschinell von ihren Pflanzen „befreit“ und schwimmen jetzt auf der Oberflaeche ihrer Teiche.

Dann kommen speziell fuer diesen Zweck bestimmte Maschinen, um die Beeren von der Oberflaeche der Teiche auf Foerderbaender zu schieben und auf Lastwagen zu verladen.

Von dort kommen sie in die verschiedenen Produktions-Staetten zur Verarbeitung. Etwas, das selbst heute noch nicht maschinell erledigt werden kann, ist das Sortieren der Beeren. Es erinnert irgendwie an das Maerchen von Aschenpuettel: „die guten ins Toepfchen, die schlechten ins Kroepfchen!“. Die Frauen sitzen an langen Foerderbaendern und sortieren die Beeren nach ihrer Farbe und Kondition.

Die gut aussehenden Beeren werden eingetuetet und fuer den Einzel-Handel beiseite gesetzt, die „schlechten“ werden fuer andere Zwecke verarbeitet. Cranberry ist eine sehr herbe und saeurehaltige Frucht und wir deshalb oft mit Aepfeln, Blaubeeren und anderen Fruechten vermischt, um Weine, Marmeladen, Gelees sowie Fruchtsossen herzustellen.

Eine relativ neue Anwendung der Cranberry-Produktion ist es, diese in Weine zu verarbeiten. Cranberry-Weine haben einen sehr angenehmen Geschmack, sie sind allerdings, wie viele andere aus Fruechten produzierte Weine, nicht in derselben Klasse wie Rebenweine.

Peter Iden.
Brampton, Ontario, Kanada

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1 Kommentar

Was essen Kanadier - Teil 4 - Über Beeren, Austern, Hummer, Cod Tongue, Tourtiere & vieles mehr! - KanadaSpezialist.com 19. Juni 2017 - 10:05

[…] Preisselbeeren Nord-Amerikas, hatte ich bereits im Kanada Spezialist im Oktober 2009 geschrieben: https://www.kanadaspezialist.com/2009/10/09/kanada-cranberry-nord-amerika-preiselbeere/376/ Cranberries sind Mitglieder der botanischen Untergruppe Vaccinium und wachsen wild in den Mooren […]

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