Erzählung eines Einwanderers nach Kanada aus den 50er Jahren – Dritter Teil

von Heinrich Köpke

Den zweiten Teil finden Sie hier.

Wer hier schon länger wohnt lernt natürlich nicht nur die Sprachen seiner neuen Heimat sondern auch deren Sitten und Gebräuche. Wenn junge Einwanderer herkommen und Familien gründen, selbst wenn beide Partner aus dem gleichen Volksstamm hervorkommen, so findet man doch meist, dass die zweite Generation beinahe nur noch eine der Sprachen des Landes untereinander sprechen. Speziell natürlich wenn Einwanderer deutscher Herkunft sich mit Partnern anderer Länder und Sprachen oder auch den hier geborenen mischen. Bei der zweiten Generation findet man dann daher nur noch selten Hinweise auf die Herkunft der Grosseltern. Das ist wohl auch ganz natürlich.

Für uns Alte aber gilt weiterhin die Tatsache, dass wir uns im Alter gern wieder in unser Muttersprache unterhalten und miteinander in Verbindung gehen und bleiben. Und so ist es durchaus natürlich, dass wir uns gern mit anderen gleichgesinnten Kanadiern zusammentun, Vereine gründen und versuchen weiterhin Kontakte aufzunehmen. So kann man also feststellen, dass in allen Teilen Kanadas Vereine deutscher Kanadier entstanden sind, in denen nicht nur deutsch gesprochen sondern auch deutsche Kultur, Traditionen, und Gepflogenheiten ausgeübt werden. Zwar ist es in Misch-Ehen oft so, dass der deutsche Partner sich erst solchen Vereinigungen anschliesst, wenn der andere Partner verstorben ist, aber es gibt durchaus genug Beispiele von Ehepaaren, von denen nur ein Partner die deutsche Sprache beherrscht und aber den anderen Partner mitbringt, der sich dann oftmals das Geschehene oder Gehörte übersetzen lassen muss.

Hier in unser Gegend im Grossraum Montreals in Quebec gibt es immer noch viele solche deutschkanadische Vereinigungen, obwohl viele davon immer kleiner werden. Es ist nämlich so, dass die Jugend, d.h. unsere Kinder und Enkel, sich diesen Vereinigungen selten anschliessen, denn wer will schon mit seinen Eltern im gleichen Verein sein.

Vor etwa 20 Jahren waren Einwanderer Vereinigungen aber grosse Mode und es gab sogar Dachvereinigungen, die gleiche und ähnliche Klubs in mehreren Teilen des Landes zusammenfassen und vertreten wollten. Mit Staasbeihilfe von Ottawa aus wurde sogar der deutschkanadische Kongress gegründet, der sin eigenes Büro in der Landeshauptstadt öffnete, landesweite Tagungen veranstaltete und dessen überlebende Teile sogar heute noch in Ontario zu finden sind.

Nun hat sich ja auch aus politischen Gründen die Bevölkerung des Landes im Laufe der letzten dreissig Jahre sehr verschoben und so kommt es also, dass in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre viele Einwanderer aus Quebec in andere Teile Kanadas abgewandert sind, weil sie dort bessere Arbeitsmöglichkeiten fanden oder die zweite Sprache nicht lernen wollten.

Karl Heinrich Köpke

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1 Kommentar

Roswitha Kogler 10. Januar 2016 - 19:03

Hallo aus Österreich,
da meine Mutter – mittlerweile verstorben – auch 1956 nach Canada ausgewandert ist, hat mich ihr Artikel sehr interessiert und ich konnte einiges erfahren, was ich bis dato noch nicht wusste. Ihnen weiterhin viel Gesundheit in „ihrem“ Land.
Herzliche Grüße aus Österreich
Kogler Roswitha

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