Neejekeewa’s Reise – Kanada – Teil 1

von Peter Iden

Vor wenigen Jahren schrieb ich dieses nach zwei Kanu-Fahrten, die erste allein, die zweite mit meiner Frau. Die „Sea of Grass“ (Gras-See) ist eine grosse Bucht des Pigeon Lake nahe Bracebridge in Ontario, ein Teil des Trent-Severn Waterway, ein Kanal-System, welches sich vom Ontario bis in die Georgian Bay und Lake Huron erstreckt.

Die Bucht ist zum grossen Teil mit „Seegras“ und Schilf bewachsen, ein fantastisches Habitat fuer viele Arten von Wildleben, im Wasser sowie auf dem Land. Zwischen den „Feldern“ findet man kleine offene Plaetze mit Seerosen und vielen anderen Wasserpflanzen, und der dichte „bush“ – ausser wo sich Cottages angesiedelt haben, reicht direktbis an das Wasser.

Es ist ein magischer Platz, wo man die Probleme der Welt eine Zeitlang vergessen kann und zurueck transportiert wird in die Zeit, als die Ojibwa Indianer diese Fluesse und Buchten in ihren Kanus aus Birkenrinde befuhren. Nur die Geraeusche und Begegnungen der Natur begleiteten sie.

Alle der Tiere in meinem „Gedicht“ kann man hier frueher oder spaeter antreffen und sehen oder hoeren.

„Neejekeewa“ ist der Name unseres Kanus. Es ist ein modernes Kanu aus Fiberglas, speziell gebaut fuer solche Plaetze, aber auch bestens fuer Flachwasser und Stromschnellen gebaut. Sein Name bedeuted „Freund“ in der Ojibwa-Sprache.

Zur Zeit des Pelzhandels, der Kanada fuer Siedler eroeffnete, gab es keine geschriebene Ojibwa Sprache. Die franzoesischen Jesuiten-Priester wollten die Indianer zum Christentum bekehren, aber das liess sich nicht ohne eine Schriftsprache machen. Also wurden die Ojibwa sowie andere Indianer- Sprachen von ihnen in das lateinisch-europaeische Alphabet „uebersetzt“.

Natuerlich ging das nicht ohne erhebliche Missverstaendnisse vor sich. Die Ojibwa selbst nannten sich „Anishnaabe“ (auch Anishinaabeg oder Anishinabe), was soviel bedeutet wie „die ersten Menschen“. Der Name „Ojibwa“ (auch „Ojibwe“) war wahrscheinlich leichter fuer die Jesuiten zu erinnern, obwohl er eigentlich den gehobenen Saum der Moccassins der Waldland-Indianer beschrieb.

Zu diesen gehoerten die Ojibwa, die Ottawa (Odawa), sowie auch die Algonquin-Staemme. Der Name „Chippewa“ ist amerikanisch fuer die Ojibwa, wird jedoch von den kanadischen Staemmen sehr ungern gehoert.

Es war weitaus leichter fuer mich, mein urspruenglich in Englisch geschriebenes „Gedicht“ ins Deutsche zu uebersetzen!

Die Ojibwa-Namen vieler Tiere und Pflanzen hatte ich bereits in den 1950’er und 1960’er Jahren recherchiert und aufgeschrieben, lange bevor man sie, wie heute, im Internet finden konnte.

NEEJEKEEWA’S REISE

Neejekeewa gleitet still
durch das Ried
der Graesernen See.

Es ist ein Tag
Tiere zu beobachten.
Nicht ein Tag,
sie zu jagen.

Der Mann taucht sein Paddel sanft,
ohne Geraeusch in das Wasser,
sodass er die Kreaturen der Wildnis
still anpirschen kann.

Ahmik, der Biber, schwimmt
langsam und vorsichtig
vor Neejekeewa her.

Er weiss, dass er heute
nicht gejagt wird.

Der Mann hat heute keine Fallen,
keine Angelrute,
keinen Bogen und Pfeile bei sich.

Als Neejekeewa zu dicht folgt,
klatscht Ahmik seinen Schwanz
laut auf das Wasser
und gleitet unter die Oberflaeche
zum Eingang seiner Burg.

Megeezee, der Fischadler,
kreist hoch ueber dem Wasser,
vefolgt von Ahndak, der Kraehe,
die ihn immer wieder anfliegt
und kaum seinen Krallen entkommt.

Peqwahkooquawahshe, der Haeher,
schreit aufmunternd und warnend
von einer Schwarzfichte am Ufer.

Shesheeb, die Ente, fuehrt ihre Brut
tiefer in das Schilf.
Sechs junge Shesheebans,
um sie vor Megezee, vor Kagagi,
vor Ahndag und anderen Raubtieren
zu verstecken.

Ogishkemuhnese, der Eisvogel,
rattelt laut ueber das Wasser.
Er ist keine Gefahr,
ausser fuer die kleinsten Fische.

Maung, der Loon, ruft laut
von seinem Nest im Schilf.

Maung liebt es, durch die Luft
und unter Wasser zu fliegen,
aber er ist sehr unbeholfen an Land.

Der Mann jagt Maung nicht.
Es besteht keine Gefahr fuer ihn.

Aber Maung spielt mit dem Mann,
taucht unter und wieder auf
in unerwarteten Plaetzen.

Ahzhkegun, der Barsch, schwimmt beiseite,
als der Schatten von Neejekeewa
ueber sein Versteck gleitet,
wo er auf seine Beute wartet.

Ogah, der Hechtbarsch,
versucht ihn schnell zu fangen,
aber Ahzhkegun ist schneller
und zieht sich in sein Versteck zurueck.
Dort lauert keine Gefahr auf ihn.

Mashkinoje, der Riesenhecht,
wartet am Rande des Schilfs auf alles,
was zwischen seine Saegezaehne passt.

Er ist eine Gefahr fuer alle kleineren Tiere,
selbst fuer die Shesheebans auf dem Wasser.

Hier geht es zum zweiten Teil

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2 Kommentare

Hans 7. November 2009 - 22:16

Toller Bericht und noch tolleres Gedicht.
Da sind zwar einige literarische Mängel drin, aber du beschreibst die Dinge sehr schön, sodass man sich gleich alles vorstellen kann. Es gibt den Eindruck von himmlischer Ruhe und Frieden, als sei der Ort am Ende der Welt. Wunderschön, danke dafür.

Antworten
Heinrich Köpke 19. Oktober 2009 - 17:34

Peter:
Das ist eine sehr nette Geschichte oder besser gesagt ein Gedicht, denn man fühlt sich unwillkürlich sofort im Kanu auf dem Waldsee, lauscht den Tieren nach und geniesst den Frieden. Wohl gemacht. Danke.

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