Auch in Kanada: Wer rastet, der rostet.

von Heinrich Köpke

Ja, Sie haben Recht, wir werden alle älter, denn auch alle unter uns, die seit den Fünfzigern hier in Kanada wohnen, sind 50 Jahre älter geworden.
Und dennoch geht’s uns doch eigentlich allen gut, oder? – Oder lassen wir es uns nur gut gehen?

Hier im Haus der Heimat in Dorval, der Residenz der lustigen Senioren, gibt’s eine ganze Reihe deutschkanadischer Senioren, die regelmäßig ihrer Gesundheit helfen und sich vor dem Rost zu schützen versuchen. Hier wird also beinahe täglich Gymnastik geübt unter der Aufsicht einer erfahrenen Dame, die uns allen diese gesunden Übungen vorzeigt und uns anhält, alle nötigen Muskeln zu bewegen und gebührend anzustrengen, damit wir deren Nutzen nicht verlieren.

Andere unserer Bewohner haben es sich zur Gewohnheit gemacht, täglich eine oder mehrere Stunden durch den Ort zu wandern. Da unsere Vorstadt Montreals sehr viele reine Wohngegenden vorweisen kann, so ist das also beinahe ideal, denn man braucht sich nicht in Verkehrsstauungen zu verirren, sondern kann die kleinen Gärtchen der Nachbarn genießen und sich der Anlagen erfreuen. An Schlechtwettertagen gehen viele dieser Wanderer gern in ein nahe gelegenes, bedachtes und abgeschlossenes Einkaufszentrum und bekommen ihre körperliche Bewegung dadurch. Wir hatten sogar mal eine Dame bei uns wohnen, die es sich nicht nehmen ließ, täglich mit dem Autobus bis zur nächsten Vorstadt Pointe Claire zu fahren und sich dort einer Wandergruppe anzuschließen, die täglich zwischen 6 und 8 Uhr morgens im Fairview Einkaufszentrum ihre Märsche durchführte.

Im Untergeschoss unseres Hauses der Heimat, in der Treffpunkthalle, kommen nun auch schon fast alle verschiedenen deutschsprachigen Vereine unserer Gegend zusammen. Hier werden also kleinere Skat-Tourniere ausgespielt, Singabende abgehalten, Line Dancing (in Deutschland nennt man das Block Tanzen) Nachmittage durchgeführt, Schuhplattler Proben angesetzt, des Sonntags oft Tanztee mit einer deutschen Kapelle veranstaltet, ganz abgesehen von den Veranstaltungen des Hilfswerkes, denen ja die Halle gehört und die sich schon immer so sehr um das Wohl der Senioren kümmern.

Gestern abend, zum Beispiel, war ein Abend an dem die Sport– und Kulturgemeinschaft „Der Ring“ ihr 50 jähriges Jubiläum dort gefeiert hat unter Anwesenheit des heute 95 jährigen Gründers und über 125 Gästen, die sogar den deutschen Generalkonsul brachten.

Andere Vereine buchen monatliche Treffen, bei denen Wettspiele durchgeführt werden und bei denen man dann auch seinen Geist sehr rege halten muss. Da werden also Schachmeister gekürt, Kartenspielmeisterschaften ausgetragen, es wird gesungen und gelacht, alles Tätigkeiten, die uns dabei helfen, den Rost noch etwas warten zu lassen.

Und danach die größte Anstrengung des Tages: Mit dem Fahrstuhl bis in die zweite oder dritte Etage zu fahren zur eigenen Wohnung.

Kommen Sie uns doch mal besuchen www.hausderheimat.ca.

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