Alkohol in Kanada – Teil 2

von Peter Iden

Alkohol in Kanada heute

Wein war in Kanada in den 1950’er Jahren groesstenteils unbekannt. Die vorwiegend britischen Einwanderer waren keine Weintrinker. Wer Wein wollte, musste sich mit Wein aus der kaeltefesten Concord-Rebe begnuegen, einer schleimigen Weintraube mit einem horrenden Nachgeschmack.

Wir fuhren generell alle paar Monate ueber die Grenze nach Quebec und kauften dort mehrere Gallonen des einzigen einigermassen guten und geniessbaren Weins, den “Queberac”, der dort aus franzoesischen, portugiesischen und anderen Wein-Importen gemischt wurde. Soweit ich weiss, gibt es ihn dort noch heute.

Es war illegal, diesen ueber die Quebec/Ontario Grenze zu importieren, aber natuerlich gab es dort keine Zollstationen und nur selten wurden Einwohner von Ontario dabei “geschnappt”.

Heutzutage kann man in den LCBO-Stores und anderen in Kanada mehr als 1,000 verschiedene Weinsorten aus fast allen Wein-Laendern der Welt kaufen, aber kanadische Weine nur aus Ontario und British Columbia. Ein in 1928 verfasstes Gesetz, der „Importation of Intoxicating Liquors Act“ (IILA) besteht noch heute und macht den Transport von Weinen aus einer Provinz in eine andere durch Privatpersonen illegal. In in Ontario Ansaessiger kann Privat-Bestellungen durch ein Ontario Weingut zu seiner Residenz anliefern lassen, jedoch keine Weine aus BC oder anderen Provinzen.

 

Die Gesetze fuer den Import auslaendischer Weine durch Privat-Personen (inklusive USA) sind ebenfalls noch auf dem Stand kurz nach dem Ende der Prohibition. Kanadier sowie Besucher duerfen nur 1,5 Liter Wein, ODER 1,14 Liter Alkohol, ODER 24 Flaschen/Dosen Bier zoll- und stuerfrei einfuehren. Die Zollabgaben werden ab 1. Januar 2010 freiggeben, allerdings nur fuer Weine.

Auch die Pubs oder Sports Bars haben heutzutage teilweise sehr ausfuehrliche Menues, und man bekommt in ihnen oft die besten Steaks und diverse andere Mahlzeiten, natuerlich auch Bier vom Fass (manchmal vor Ort in den „Brew Pubs“ gebraut) und ein gutes Sortiment von Weinen und gemischten Drinks.

Nur in zwei der kanadischen Provinzen sind die Wein-Gueter und Produzenten konzentriert, in British Columbia mit 205 Weinguetern, in Ontario mit 155. Quebec ueberraschte selbst mich mit 142 Weinguetern. Es ist keine “Wein-Provinz” mit grossen Weinguetern wie in BC und ON, aber es sind meistens kleinere “Cottage Wineries”, die ihre Weine in den “Eastern Townships” und anderen mehr suedlichen Regionen in ihren eigenen “Boutiques” verkaufen). Meistens werden sie jedoch nicht in groesseren Quantitaeten produziert. Quebec importiert noch immer fast alle dort in den Supermarkets und Monopol-Laeden erwerbliche Weine. In anderen Provinzen gibt es nur einen sehr begrenzten Wein-Anbau. SK, MB, PE, NL, NB und NS haben zwischen 1 und 15 “Wineries”, die jedoch oft nur Fruchtweine aus ihren eigenen Obstgaerten produzieren.

www.wineriesontario.com/winerieson.php
www.bcadventure.com/bcwines/bcwineries.htm
www.winesofcanada.com/quebec.html
www.nataliemaclean.com/wineries/canada.aspx

Das Resultat der absoluten Kontrolle durch die Regierungs-Monopole in allen Provinzen in Kanada ist natuerlich, dass die Preise von alkoholischen Getraenken weit ueber denen anderer Laender liegen, inklusive der USA. Allerdings gibt es auch in den USA etwa 18 Staaten, in denen die Alkohol-Gesetze denen von Kanada sehr aehnlich sind. In Oregon z.B. sind die Alkohol-Preise erheblich hoeher als in den Nachbar-Staaten. Faehrt man ueber die Grenze nach Kalifornien, so ist der erste Laden, den man am Highway sieht, der grosse „All Star Liquors“. Die Preise sind unglaublich niedrig im Vergleich zu Oregon und Ontario. Die Sued-Oregonians kaufen dort ihren Alkohol, und es gibt keine Kontrolle an
der Grenze zwischen den beiden Staaten. Der Sinn der Oregon-Gesetze leuchtet mir irgendwie nicht ein, denn auch in Washington, dem Staat noerdlich von Oregon, koennen die Oregonians ihren Alkohol weitaus billiger kaufen.

Der Grund dafuer (in Kanada und den USA) sind die hohen Steuern, auf die die Regierungs-kontrollierten Monopole nicht verzichten wollen. Darin liegt eine bestimmte Ironie, denn dieselben Regierungen fuehren auch Kampagnen gegen den uebermaessigen Gebrauch von Alkohol aus, der aus dem Profit genau derselben Substanz bezahlt wird, die sie “bekaempfen”.

Im Gegensatz zu anderen Laendern kosten regionale Weine und Biere z.B. fast dasselbe wie importierte Weine und Biere, nach meiner Meinung ein sehr grosser Nachteil fuer die kanadische Wein-und Bier-Industrie.

Wer also erwartet, dass regionale kanadische Weine billiger als eingefuehrte Weine sind, der irrt sich. Weine aus Kalifornien, Argentinien, Chile, Australien usw. sind oft billiger als kanadische Weine.

Es gibt z.B. chilenische Weine fuer $ 7,00 (fuer 750 ml), kalifornische fuer etwa $ 10,00, aber die meisten etwas besseren kanadischen Weine fangen erst bei etwa $ 12,00 an. Die groesseren LCBO-Laeden hier in Ontario haben spezielle Abteilungen, in denen man die besseren Weine aus vielen Laendern findet.

Das Ontario-LCBO fuehrt etwa 500 Biersorten aus aller Welt in ihrem Sortiment.

Aber das LCBO ist nicht die einzige Firma in Ontario, die alkhoische Getraenke vertreibt. Nach dem Ende der Prohibition wollte die Regierung nicht nur den Vertrieb von Alkohol kontrollieren, sondern auch den Vertrieb von niedrig-prozentigen Getraenken wie Bier. Aber die Ontario-Regierung wollte dieses nicht (wie in anderen Provinzen) selbst machen, sondern wies die Brauereien an, iher eigene Organisation zu formieren. Sie taten das als die „Brewers Warehousing Corporation in 1927, spaetre als „Brewers Retail umbenannt. Jede der kanadischen Brauereien hatte ihren Anteil in dieser Firma. Die drei Hauptfirmen waren Molson’s, Labatts und Sleemans.

Alle dieser Firmen wurden inzwischen von internationalen Bierfirmen aufgekauft. 49% von Labatts gehoert heute Annheuser-Bush, die von der belgischen Firma InBev aufgekauft wurden, 49% gehoert zu der Molson Coors Brewing Company in USA und Kanada, 2% gehoert der Sleeman Brewing Comapny, die von Sapporo in Japan aufgekauft wurde.

Die „Alcohol and Gaming Commission of Ontario“ (ACCO), eine Regierungs-Agentur, kontrolliert heute nicht nur den Vertrieb von Bier in Kanada, sondern auch die Aktivitaeten der vielen Spielkasinos in der Povinz.

Eine eigenartige Tatsache ist, dass beide Organisationen (LCBO und die Beer Stores) Biere verkaufen, dass jedoch die Beer Stores ihre Biere von der LCBO kaufen muessen. Etwa 500 Beer Stores existieren heute in Ontario, mit einem Sortiment von etwa 300 Bier-Sorten kanadischer und amerikanischer Brauereien. Die Beer Stores verkaufen ihre Biere nur Kartonweise, mit 24 („two-four“) oder 36 Flaschen oder Dosen. Einzelne importierte Biere in Dosen und Flaschen werden dagegen nur in den LCBO-Stores verkauft.

Die Preise von Bier in den “Beer Stores” liegen etwa bei $ 2,00 pro Flasche. Eine nordamerikanische Flasche Bier enthaelt 341 ml. Eine europaeische Dose Bier (Flaschen werden nur in wenigen Faellen importiert) enthaelt 500 ml und kostet ebenfalls etwa $ 2,00.

Zwar gibt es in Kanada immer noch zahlreiche aeltere „Pubs“ nach hauptsaechlich irischem Muster, aber die meisten sind heute als Franchise-Ketten (wie Kelsey’s, Firkin’s und viele andere) in vielen Ortschaften angesiedelt und werden nicht mehr als „Pubs“ bezeichnet, sondern als „Sports Bars“, in denen Maenner und Frauen zusammen auf riesigen Fernseh-Bildschirmen oder Projektions-Leinwaenden die Spiele der Hockey-, Baseball- und (neuerdings) Fussball Saisons ansehen koennen – natuerlich mit der noetigen Kehlen-Befeuchtung!

www.canada.worldweb.com/RestaurantsBars/PubsSportsBars/
www.pubs.com

Wein in kanadischen Restaurants

Eine nordamerikanische Flasche Wein enthaelt 750 ml. Groessere Flaschen gibt es mit 1,500 ml, selten mit 3000 ml. Weine in “Tetra-Pacs” (einer schwedischen Erfindung) versuchen sich krampfhaft hier durchzusetzen, sind jedoch nur teilweise erfolgreich.

Das normale Glas Wein in einem kanadischen Restaurant hat einen Inhalt von 6 bis 8 fluid ounces (also 180 bis 235 ml) und kostet selten mehr als $ 4,00 bis $ 5,00.

Einige wenige Restaurants servieren 10oz. Glaeser (300ml), aber die kosten dann schon CAD 6.00 bis CAD 8.00. Das ist natuerlich schon beinahe eine halbe Flasche. Aus einer 750ml Flasche bekommt man also nicht mehr als etwa 2-1/2 Glaeser!

Diese Preise gelten natuerlich nur fuer „House Wines“ (Hausweine). Bessere Weine kosten erheblich mehr.

Kanadische Restaurants schlagen meistens 100% auf eine Flasche auf, wenn man sie bestellt. Eine $ 12,00 LCBO Flasche wird also fuer etwa $ 24,00 am Tisch verkauft.

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1 Kommentar

Heinrich Köpke 24. November 2009 - 03:18

Hier möchte ich noch hinzufügen, dass man in Quebec heute in beinahe jedem Lebensmittelgeschäft, auch die deren Hauptsitz in Ontario sein möge, sein Bier und eine Auswahl von Weinen kaufen kann. Auch jeder „Depanneur“, d.h. kleiner Laden der lange Stunden- meist bis 11 Uhr abends – offen ist verkauft Bier und viele Sorten Weine, die vom Quebec Liquor Board vertrieben werden. Quebec ist also wesentlich offener als Ontario in dieser Hinsicht.
Noch ein anderer Punkt: Die Zigaretten Schmuggler unter den Indianern kommen vorwiegend aus Akwasasne an der Grenze zwischen Ontario und den USA, denn von Kahnawake hier südlich von Montreal wäre es zu weit in die Staaten, weil ja unser Südufer hier in Quebec liegt und nicht in den Staaten.

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