Ungeschriebene Geschäftsregeln in Kanada – Teil 2

von Peter Iden

Es gibt noch einige mehr Regeln als die, welche ich aus eigener Erfahrung im ersten Teil erwaehnte.

Bill Swanson, Chairman und CEO der amerikanischen Raytheon Company, hat diese Regeln in einem kleinen Buechlein niedergeschrieben. Seine Firma hat bisher mehr als eine Viertel Million dieser Buechlein versandt. Es ist 78 Seiten lang und kommt mit Kommentaren und Erklaerungen.

Hier sind Bill Swanson’s “Unwritten Rules of Management”:

1. Lerne zu sagen “Ich weiss es nicht”. Wenn du diesen Satz zum richtigen Zeitpunkt erinnerst, wirst du ihn sehr oft anwenden.

2. Es ist leichter, in eine Situation hinein zu kommen, als wieder aus ihr heraus zu kommen.

3. Wenn du nicht kritisiert wirst ist es moeglich, dass du nicht viel schaffst.

4. Suche nicht das, was nicht da ist. Viele wissen wie man das, was da ist, verbessert, aber wenige sehen das, was nicht da ist.

5. Wenn etwas auf einem Bild, einer Website oder sonst irgendwo erscheint, darfst du annehmen, dass die Welt es bereits weiss. Mach nichts Grosses daraus.

6. Arbeite fuer einen Boss, dem du es so sagen kannst, wie es ist. Denke daran, dass du deine Verwandschaft nicht auswaehlen kannst, aber deinen Boss kannst du selbst entscheiden.

7. Halte dich informiert ueber alle Entwicklungen, und versichere dich, dass ihre Vorteile tatsaechlich denen entsprechen, die erwartet wurden. Denke an „Newton’s Gesetz“.

8. Wie immer untergeordnet und belanglos auch deine fruehen Aufgaben sein moegen, gebe ihnen deine beste Aufmerksamkeit.

9. Beharrlichkeit und Hartnaeckigkeit ist die Disposition, trotz Schwierigkeiten, Entmutigungen und Gleichgueltigkeit dabei zu bleiben. Ein guter Starter ist besser als ein schlechter Vollender.

10. Um ein Projekt zu beenden, warte nicht auf andere, sondern ermutige sie und mache sicher, dass die Arbeit getan wird.

11. Bestaetige deine Instruktionen sowie die Verpflichtungen anderer schriftlich. Nehme niemals an, dass das, was fuer dich selbstverstaendlich ist, fuer andere genau so ist.

12. Sei nicht schuechtern, mach deinen Mund auf. Druecke dich klar aus und foerdere deine Ideen.

13. Die Erfahrung zeigt dass diejenigen, die wissentlich und selbstbewusst reden, meistens den Job bekommen.

14. Bemuehe dich, knapp und klar in muendlichen und schriftlichen Berichten zu sein.

15. Sei aeusserst vorsichtig in der Wahrheit deiner Aussagen.

16. Uebersehe niemals die Tatsache, dass du fuer einen Boss arbeitest. Halte ihn oder sie informiert und vermeide Ueberrraschungen. Was immer der Boss moechte, hat den Vorrang!

17. Versprechen, Termine und Kostenvoranschlaege sind wichtige Instrumente in einem gut organisierten Geschaeft. Versprechen lassen sich nicht vermeiden. Vermeide die Worte „Ich kann es leider nicht voreinschaetzen, weil es auf viele mir unbekannte Faktoren ankommt!“

18. Niemals schreibe eine Beschwerde an die Firmen-Spitze. Der schlimmste Fehler ist, eine Kopie an den Boss zu schicken.

19. Wer mit Aussenseitern zu tun hat, muss immer erinnern, dass er die Firma repraesentiert. Sei vorsichtig mit deinen Verpflichtungen.

20. Spreche nur in den einfachsten Worten. Denke daran, wieviel Zeit du in einem Fahrstuhl hast.

21. Rege dich nicht auf. Behalte deine Fuesse auf dem Boden.

22. Kultiviere die Angewohnheit, schnelle, klar umrissene Entscheidungen zu treffen.

23. Wenn du Entscheidungen triffst, denke daran, dass die „Pro’s“ leichter zu handhaben sind als die „Con’s“, aber dass dein Boss auch die „Con’s“ hoeren und sehen will.

24. Verliere niemals deinen Sinn fuer Humor.

25. Habe Spass an allem, was du tust. es wird sich auf deine Arbeit und dein Leben reflektieren. Niemand mag einen grantigen Menschen ausser ein anderer grantiger Mensch!

26. Man kann keinen Hausschuh putzen (dazu ist eine Anmerkung notwendig: nordamerikanische Hausschuhe sind flauschig und generell aus Schafwolle oder aehnlichen
Materialien. Es ist ein fuer Europaer ziemlich unverstaendlicher Vergleich, aber etwa wie „man kann einen Menschen aussen nicht besser aussehen machen als er innen ist“).

27. Du erinnerst 1/3 dessen, was du liest, 1/2 von dem, was dir andere erzaehlen, aber 100% dessen, was du fuehlst.

28. Behandle den Namen deiner Firma, als ob es dein eigener waere (ungefaehr wie Nr. 19 oben).

29. Wenn du eine Entscheidung treffen musst, denke als ob du auf der naechsten Ebene ueber dir stehst. Perspektiven aendern sich, je hoeher du steigst. Dein Boss muss weit mehr in Erwaegung ziehen als du.

30. Eine Person, die nett zu dir aber unhoeflich zu einem Kellner ist, ist keine nette Person.

31. Wenn sich Themen oder Probleme zu lang erstrecken, bringe sie auf die „Boden-Ebene“. Loese Probleme anstatt endlos ueber sie zu reden.

Nicht nur meine Anmerkung, aber auch die von Bill Swanson:

Keine Regeln sind wichtiger als Nr. 24 und Nr. 30. Diese Regeln zeigen den Charakter einer Person mehr als alle anderen!

Wer den Humor behaelt, behaelt sein seelisches Gleichgewicht und den Respekt anderer. Wer andere Menschen respektlos
behandelt, verliert sein Ansehen bei ihnen.

Soviel also zum „Knigge“ der nordamerikanischen Geschaeftswelt. Leider werden viele dieser wichtigen Regeln oft von europaeischen Geschaeftsleuten ignoriert, nach dem Motto: “Was bei uns funktioniert, muss auch hier funktionieren!”

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