Deutsche Schulverweigerer bekommen Asyl in den USA – Auch in Kanada möglich?

von Thomas Stuenkel

Ein deutsches Ehepaar ist der Meinung, dass in Deutschland der Lehrplan gegen christliche Werte verstoßen würde und ist deswegen in die USA ausgewandert. In Tennessee haben Uwe und Hannelore R. einen Antrag auf politisches Asyl gestellt, dem letztendlich auch stattgegeben wurde.

Dementsprechend darf das deutsche Ehepaar nun mit seinen fünf Kindern in Tennessee leben. Seit 2008 befindet sich die Familie bereits in Tennessee und unterrichtet seine Kinder zuhause.

Nach Auffassung der evangelikalen Christen verstößt der Lehrplan in Deutschland gegen christliche Werte. Die Begründung in dem Antrag auf Asyl war die Verfolgung der Familie wegen ihres Glaubens. Der Vater der Familie gab an, dass der öffentliche Lehrplan an Schulen in Deutschland in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren zunehmend gegen den christliche Werte verstoßen würde. Deshalb möchte er lieber die Kinder im Elternhaus unterrichten.

Seine ältesten Kinder wären in der Schule in Deutschland immer wieder Schikanen, Gewalttätigkeiten und Druck der Schulkameraden ausgesetzt gewesen. Ihm sei die Wahlfreiheit für Eltern wichtig, welchen Form des Unterrichts die eigenen Kinder erhalten würden. Die Polizei hatte im Oktober 2006 die Kinder abholen und zur Schule bringen müssen. Im November 2007 hat das Bundesverfassungsgericht ein Urteil gefällt, nach dem es Jugendämtern ermöglicht wird Eltern die Kinder wegzunehmen, wenn dies nötig sei. Dieses Urteil hat den Familienvater aus Bissingen an der Teck in Baden-Württemberg veranlasst, Asyl in den USA zu beantragen, da er daraufhin gewusst habe, dass er mit seiner Familie Deutschland verlassen müsse.

Die Regierung der USA kann gegen den am Dienstag stattgegebenen Asylantrag noch immer Einspruch einlegen. Eine Stellungnahme seitens der Einwanderungsbehörde wollte ein Sprecher des Amtes nicht abgeben.

Unterstützung bei dem Verfahren auf Asyl hat die deutsche Familie von der Home School Defense Association bekommen. Diese Organisation setzt sich in den Vereinigten Staaten für den Unterricht im elterlichen Zuhause ein. Mike Donelly, Vorsitzender der Organisation, sagte, dass man die Hoffnung hege mit dem Urteil die deutsche Meinung beeinflussen zu können. Die Familie aus Deutschland hat auch wegen dieses Grundes Rechtsbeistand von der Home School Defense Association erhalten.

In einer Erklärung ist Lutz Gorgens, deutscher Konsul des Südostens der USA, nicht näher auf das Urteil eingegangen. Allerdings hat er herausgestellt, dass es in Deutschland für Eltern eine große Fülle an Möglichkeiten für die Bildung Ihrer Kinder gebe. Die Bandbreite reiche von privaten über öffentliche Schulen bis hin zu Montessori- sowie Waldorf-Schulen, letztere würden durchaus alternative Lehrpläne anbieten. Der hohe Bildungsstand in Deutschland würde durch die allgemeine Schulpflicht garantiert.

Thomas Stünkel

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3 Kommentare

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Thomas Stünkel 28. Januar 2010 - 16:34

Hallo Peter,

mit „Auch in Kanada möglich?“ meinte ich, ob auch Kanada evtl. deutsche Familien als Asylanten aufnimmt.

Viele Grüße

Thomas

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Peter Iden
Peter Iden 28. Januar 2010 - 16:14

Nein, Thomas, so eine Situatio ist in Kanada unmoeglich. Home Schooling ist legal in allen Provinzen und Territorien. Allerdings variieren die Voraussetzungen von Provinz zu Provinz. In einigen muessen die Eltern beweisen, dass sie qualifiziert sind. In anderen wieder nicht. Es gibt mehrere „Home Schooling Associations“, d.h. Gruppen oder Gemeinden von interessierten Eltern. Bei diesen kann man weitere Informationen und auch Hilfe (wie z.B. ein Curriculum) erhalten. Da es in Kanada keine Registrierung fuer Schulkinder gibt, sind die Ziffern schwer zu bekommen, aber diverse Quellen setzen die Anzahl der „home-schooled kids“ auf zwischen 60,000 und 80,000, also etwa zwei Prozent der geschulten Kinder. In den USA ist es genau so, und die Zahl der „Home Schoolers“ wird auf ebenfalls etwa 2% geschaetzt, also etwa eine Million Kinder.
Beste Gruesse,
Peter Iden.

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Erwin Steyrer 28. Januar 2010 - 15:48

Also daß jemand der mit einem Schulsystem nicht einverstanden ist pol. Asyl bekommt ist eigentlich ungeheuerlich.Überhaupt bei einem Angebot wie in DE oder in At.Wenn es nicht so traurig wäre könnte mann an eine Nestroy Posse denken.Aber real betrachtet ist es eigentlich eine Beleidigung für wirklich Rel.Pol. u. Ethnisch verfolgte!Aber Typisch US.Amerikanisch.Dumm Dümmer am Dümmsten.

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