Partnerschaften in Kanada

von Peter Iden

Diese Ratschlaege gab ich auf Anfrage in 2009 an eine interessierte Partei in Deutschland weiter, die etwas ueber moegliche Partnerschaften in Kanada wissen wollten. Als langjaehriger Partner in unserem Geschaeft, sowie aus den Erfahrungen von Bekannten, Freunden und Kunden, sind mir die Staerken sowie die Schwaechen einer Partnerschaft in Kanada sehr bekannt.

Es gibt verschiedene Typen von Partnerschaften: Grundsaetzlich eigentlich nur zwei – „private“ und „incorporated“, aber mit Varianten. Ontario und BC haben in dieser Hinsicht sehr aehnliche provinzielle Gesetze. In anderen Provinzen (wie z.B. Quebec) bestehen einige Unterschiede, aber generell gesehen laeuft alles in derselben Bahn.

Eine eigene Firma oder Partnerschaft in Kanada zu registrieren, ist kinderleicht und billig. In Ontario kostet es $ 60 und gilt 5 Jahre, wonach die „Registration“ erneuert werden muss. In anderen Provinzen laeuft es aehnlich problemlos. Am leichtesten ist es, einen Firmen-Namen unter seinem eigenen Namen zu registrieren (z.B. „Bernie Smith Plumbing“). Dadurch bekommt man keine Probleme, wenn man einen Namen wie z.B. „ABC Plumbing“ registriert, so eine Firma jedoch bereits existiert. Durch das sogenannte „Prior Useage Law“ kann die andere Firma (die diesen Namen bereits vielleicht seit Jahren benutzt) die Aufgabe des Namens verlangen. Eine teure Angelegenheit, wenn die Rechnungen, Formulare Geschaeftskarten usw. bereits gedruckt sind und vielleicht der neue „Van“ bereits den neuen Namen aufgemalt bekam.

Ich schreibe aus Erfahrung. Unser erster Firmen-Name wurde bereits von einer anderen Firma benutzt. Wir bekamen einen Brief von ihrem Rechtsanwalt (eine sogenannte „Cease and Desist Order“) unseren neuen Namen sofort aufzugeben oder mit gerichtlichen Konsequenzen zu rechnen. Es hat uns nichts gekostet, den Namen zu aendern, aber die Erfahrung bleibt bestehen.

Meine Frau und ich fuehren unser Geschaeft seit 35 Jahren als private Partner, und zwar sehr erfolgreich. Aber wir sind auch in einer Branche taetig, wo die normalen Regeln nicht zutreffen, obwohl wir hoellisch aufpassen muessen, dass wir keine davon brechen, weil wir unabhaengig fuer die Regierung arbeiten. Und es gibt sehr viele Regeln fuer uns.

Am allerwichtigsten in einer Partnerschaft ist es, dass zuerst die individuellen Verantwortlichkeiten, also die Gebiete, auf denen jeder Partner arbeitet und fuer die er/sie allein verantwortlich ist, klar und schriftlich identifiziert werden. Diese Gebiete muessen allerdings fuer andere Partner durchsichtig sein.

Jeder Firma MUSS schriftliche “Standard Operating Procedures” festlegen, sodas im Falle einer Abwesenheit des/der anderen Partner(s) waehrend der Ferien, durch Krankheit, oder sogar im Todesfall eines Partners ein anderer Partner dessen Verantwortlichkeiten weiter fuehren kann.

Auch bei uns sind die Gebiete, auf denen wir arbeiten, stark abgegrenzt, d.h. ich erledige den Aussendienst, unsere Tochter den Innendienst und, weil sie eines Tages die Firma uebernehmen wird, auch (bisher noch etwas begrenzt) den Aussendienst. Meine Frau ist Buchhalterin und macht daher (sehr verstaendlich) unsere Buchhaltung. Unsere 55 Agenten in Kanada erledigen die „Fussarbeit“ (wenn notwendig), arbeiten jedoch total unter unserer Kontrolle.

Sehr wichtig ist „outsorceing“, wobei man bestimmte Arbeiten an Aussenseiter abgiebt, weil man sie selbst nicht machen will oder kann.

Partnerschaften zwischen „Gleich-Interessierten“ und gleich trainierten Partnern fahren dabei am besten, denn besonders als Handwerker koennen sie sich dabei ergaenzen oder, wenn notwendig, auch einmal abloesen. Selbst in einer kleinen Partnerschaft – sagen wir einmal ein allein arbeitendes Ehepaar – sollten die Haupt-Arbeitsgebiete beiden Partnern bekannt sein und auch von ihnen individuell ausfuehrbar sein.

Eine Partnerschaft von einem Ehepaar, in der einer der Partner kein oder nur sehr wenig Interesse an der Arbeit des anderen hat, ist selten erfolgreich.

Absolut der beste Aspekt der Selbststaendigkeit, mit oder ohne Partner, ist dass man selbst Entscheidungen trifft, die im Arbeitnehmer-Verhaeltnis nicht moeglich sind. Man ist sein eigener Boss, persoenlich fuer Fehler und Erfolge verantwortlich. Man bestimmt seinen eigenen Einsatz, ungewollte Jobs koennen abgelehnt werden, mit unangenehmen Menschen braucht man sich nicht abzugeben. Also Freiheit im groessten Masse.

Gibt es noch Partnerschaften nur mit Handschlag? Sicher, aber ich kenne keine ausser solche zwischen Ehepartnern. Da ist Vertrauen auch aus anderen Gruenden so gut wie ein Vertrag.

Gibt es noch Geschaefts-Vereinbarungen nur mit Handschlag? In meinem Buch ja. Wir haben mit 75% unserer Geschaeftspartner keine Vertraege, obwohl wir gesetzlich eine “Power of Attorney” von ihnen haben muessen, damit wir in ihrem Interesse mit dem Zoll zusammen arbeiten duerfen.

Unsere Philosophie ist einfach: solange wir gute, verlaessliche Arbeit leisten, bleibt ein Kunde bei uns. Und das funktioniert schon 35 Jahre lang. Machen wir Fehler (und das kommt manchmal, wenn auch selten vor), dann stehen wir fuer diese ein. Machen wir zuviele Fehler, sind wir den Kunden frueher oder spaeter los. Ein Vertrag wuerde daran nichts aendern.

Von Partnerschaften zwischen „Ungleichen“ kann ich leider aus Erfahrung nichts Positives berichten. Sie fallen (meistens) nach wenigen Jahren auseinander. Die Gruende dafuer sind oft erstaunlich. Dafuer nur einige wenige Beispiele.

1.) Vier Bekannte eroeffneten in Toronto ein deutsches Restaurant. Wir waren bei der Eroeffnung dabei. Das eine Ehepaar verbrachte von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts mit Kochen, Saubermachen, Aufraeumen, Vorbereitungen fuer den naechsten Tag usw.

Die Frau des anderen Partners, auf unsere Frage, warum sie nicht in der Kueche mithalf: „Ich denk‘ nicht dran. Ich bin Buchhalterin, keine Koechin!“ Ihr Mann machte inzwischen Interviews mit zukuenftigen Serviererinnen, in einigen Faellen ziemlich intim wurden.

2.) Zwei „gleichwertige“ Partner, beide Maschinenbauer, einer ein deutscher Freund von uns, der andere Italiener. Es ging einige Jahre sehr gut, mit grossen Kontrakten im Flugzeugbau. Dann fand unser Freund heraus, dass sein Partner nebenbei Kontrakte angenommen hatte, ohne ihn davon in Kenntnis zu setzen, und diese von italienischen Bekannten bearbeiten liess, ohne den Profit mit seinem Partner zu teilen. Ende der Partnerschaft!

3.) Oder ein deutscher Baecker, der oft nach Las Vegas flog, um sein schwer erarbeitetes Geld dort zu verspielen. Er erhaengte sich, als er zusaetzlich zu seinen Schulden auch noch heraus fand, dass seine Frau waehrend seinen Abwesenheiten ein Verhaeltnis mit dem Partner angefangen hatte!

4.) Mir wurde einmal eine „Partnerschaft“ von zwei Deutschen angeboten, in der ich 100% der Arbeit (als Pertner und General Manager) leisten sollte, sie aber 50% des Firmen-Profits einstreichen wollten (als „Vermittlungs-Gebuehr“). Einer der beiden war ein langjaehriger Freund, der von seinem „Partner“ von dieser Idee ueberzeugt wurde. Ende der Freundschaft!

Es koennen Sachen sein wie der Neid der Frauen auf das was sich einer der Partner privat leistet – Reisen, Parties, Kleidung usw. usw., waehrend die anderen Partner nur ihr (viel zu teures) neues Haus abzahlen koennen.

Ich koennte noch allerhand mehr Beispiele beschreiben. Alle diese Leute waren gute Freunde und Bekannte von uns.

Unsere Firma ist nicht „Limited“ oder „Incorporated“, weil es von Anfang an vorteilhafter fuer unsere Steuern war, eine private Partnerschaft zu sein.

Fuer bestimmte Situationen waere eine „Limited Partnership“ jedenfalls das Beste, sodass ein einzelner Partner nicht im Falle eines Scheiterns der Partnerschaft fuer irgend welche Schulden des anderen Partners verantwortlich gemacht wird.

Die Hinzuziehung eines Steuerberaters waere ebenfalls ratsam, denn frueher oder spaeter braucht man sowieso einen!

Die Frage ist aber eigentlich: warum eine Partnerschaft, wenn man es vielleicht auch alleine schaffen koennte. Dafuer muss man natuerlich eine finanzielle Basis haben, um mehrere Monate (oder vielleicht sogar Jahre) ohne viel Profit ueberleben zu koennen.

Wenn einer von zwei Partnern alles oder das meiste des „start-up” Kapitals dazu gibt, ist die Situation schon von Anfang an nicht ausbalanziert. Ebenso nicht, wenn einer der zwei Partner bereits ein paar Kunden hat, der andere aber keine. Das kann zu Zwistigkeiten fuehren.

Wir hatten Glueck in dieser Hinsicht, zwar kaum Ersparnisse, aber die Abfindung von drei Monatsgehaeltern (nachdem ich durch den Zusammenschluss meines Arbeitsgebers mit drei anderen Firmen am Ende 1974 meinen Abschiedsbrief bekam) genuegte zum Anfang. Die drei Firmen wurden saemtlich unsere ersten Kunden, genau wie mehrere andere ehemalige Angestellte, die aus der alten Organisation ausschieden und ihre eigenen Firmen gruendeten. Das ist wiederum das “Networking”, das ich etwas spaeter noch einmal als sehr wichtig fuer einen geschaeftlichen Erfolg hier in Kanada erwaehne.

Noch ein Ratschlag, der sehr wichtig ist. Eine der Partnerschaften eines Freundes ging unter, weil sie sich zu sehr auf einen einzigen Hauptkunden in einer Industriebranche konzentrierten. Als der Kunde seine Auftraege an andere Firmen vergab, verlor unser Bekannter seine Haupt-Einnahmequelle und musste sein Geschaeft schliessen.

Und noch ein (fuer mich sehr logischer) Tip: das Internet ist heutzutage eine Hauptquelle fuer die Suche nach Firmen, die bestimmte Arbeiten verrichten koennen.

Eine gute website bringt Geschaeft, ganz gleich in welcher Branche.

Eines ist klar: handwerkliche Berufe haben sich in Kanada schon immer besser gehalten als andere. Am allerwichtigsten dabei ist das „Networking“, d.h. wenn jemandem eure Arbeit gefaellt, die Qualitaet gut ist und ihr auch den menschlichen Anforderungen der Kanadier entgegen kommt – Freundlichkeit, persoenlicher Kontakt, keine uebermaessige Insistenz dass „Deutsche alles besser machen als Kanadier“, dann wird auch selbst eine kleine Partnerschaft oft weiter empfohlen werden.

Und so funktioniert es eben ueberall in Kanada!

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

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1 Kommentar

Selbstständig in Kanada - KanadaSpezialist.com 10. Februar 2017 - 12:09

[…] Diese Informationen ueberschneiden sich in gewisser Hinsicht mit einem bereits vorher geschriebenen Beitrag ueber […]

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