Unterwegs in Nova Scotia, Kanada – Tag 4

von Peter Iden

Freitag, 7. Juni 2002 – Swissair Flug 111, Peggy’s Cove, Halifax, Murphy’s, Bluenose II, Martinique Beach, Liscombe Lodge.

Milde, aber immer noch regnerisch. Ohne grosse Eile brechen wir auf, halten zehn bis fuenfzehn Minuten am Denkmal fuer die 229 Toten dess Swissair-Fluges 111, der am 2. September 1998 wenige Kilometer von Peggy’s Cove in den Qzean abstuerzte. Dann zum Post Office im Leuchtturm von Peggy’s Cove (Sonderstempel fuer die Postkarten). Der Ort Peggy’s Cove selbst ist einer der beliebtesten Touristen-Ziele in Nova Scotia. Nach unserer Ansicht allerdings zu Unrecht, denn es gibt zahlreiche weit huebschere Orte an den Kuesten von Nova Scotia.

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Swissair_Flight_111
http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Swissair_Flight_111_memorials
http://www.novascotiaphotoalbum.com/Peggys-Cove-St-Margarets-Bay/

Halifax:

In Halifax finden wir die “Waterfront”, spannen unseren Regenschirm auf und beginnen unsere (kurze) Erforschung der “Halifax Docks”. Allzuviel ist dort nicht zu sehen, wenn man die Halifax Waterfront z.B. mit der Toronto Harbourfront vergleicht. Aber man darf solche Vergleiche nicht ziehen, sondern muss es so annehmen, wie man es in anderen Staedten und Laendern findet!

http://www.halifaxinfo.com/
http://www.halifaxinfo.com/historic-halifax.php
http://www.novascotiaphotoalbum.com/Halifax/
http://en.wikipedia.org/wiki/City_of_Halifax

Murphy’s Restaurant:

Waehrend wir in Murphy’s Restaurant auf unseren Tisch warten, setzt sich ein aelterer, unscheinbarer Herr neben uns und fragt freundlich, ob es uns stoeren wuerde, wenn er eine Zigarette raucht. Ich sage ihm ebenso freundlich: “Nur wenn Sie einatmen, aber nicht wieder ausatmen!” Er lacht und stellt sich vor: “Ich bin Gerard Murphy. Mir gehoert dieses Restaurant!” Es folgt eine laengere Unterhaltung ueber die Raucher-Gesetze in Ontario im Vergleich zu Nova Scotia.

Wir wollten eigentlich die “Harbour Hopper” Besichtigungstour in Halifax mitmachen, aber das erscheint sinnlos im stroemenden Regen. Weil die “Harbour Hoppers” (“amphibische” Land- und Wasserfahrzeuge) immer wieder am Restaurant vorbeifahren, frage ich Gerard, warum. “Well,” sagt er, “die gehoeren mir auch und sie muessen hier vorbeifahren. So bekomme ich mehr Gaeste!”. Dann geht er hinaus in den Regen, um dort seine Zigarette zu rauchen. Ausser dem Restaurant gehoeren ihm der gleich nebenan liegende Raddampfer “Harbour Queen 1”, das Walbeobachtungsschiff “Haligonian III”, und das Sportfischerei- und Touristenboot “Puffin”, die Segel-Yacht “Mar”, das Deep Sea Fishing Boot “Summer Bay”, das “Tugboat Theodor”, das Schnellboot “Peggy’s Cove Express” sowie der Geschenkladen vor dem Restaurant.

http://www.mtcw.ca/

Der “Schooner” Bluenose II:

“Morgen ist unser erster oeffentliche Segeltag der Saison in Halifax” sagt uns ein Matrose des beruehmten Zweimast-Schooners “Bluenose II”, welche wenige Docks vom Restaurant entfernt angelegt ist. Wir hatten sie in Lunenburg verpasst, wo sie bis vor einigen Tagen noch ihren “Winterschlaf” verbrachte. Ich bin sofort Feuer und Flamme, denn eine Segelfahrt auf der “Bluenose II” ist einer meiner langjaehrigen Traeume. Aber die Fahrt ist bereits ausverkauft, und mehr Plaetze werden erst am Morgen des naechsten Tages an Ansteher verkauft. Ausserdem hat die Bluenose keine Unterstaende an Deck, was bei dem weiterhin vorausgesagten Regenwetter nicht gerade gut aussieht! Also kaufen wir uns zwei “Bluenose-Regenjacken” und fahren weiter im Regen. Auf ein naechstes Mal, Bluenose! Inzwischen sehen wir uns die Original-Bluenose weiterhin auf den kanadischen Zehn-Cent-Muenzen an! Der Schooner wurde urspruenglich nach einer in Nova Scotia bekannten blauhaeutigen Kartoffelsorte mit dem Sptiznamen “Bluenose” benannt.

http://www.gov.ns.ca/nsarm/virtual/bluenose/default.asp?Language=English

Willie’s Sunflower Café:

(Anmerkung: Willie’s Sunflower Cafe ist seit 2005 geschlossen. Ich erwaehne es hier nur, weil Willie langjaehrig ein Mitglied der Kanadamailing-Liste war und viele der Mitglieder ihn kennen lernten). Wer “Willie’s Sunflower Cafe” und Baeckerei in Musquodoboit Harbour finden will, sucht umsonst. Es sind noch einige Kilometer in der Richtung Martinique Beach und dem fuer Deutsche ebenso schwer auszusprechenden Oertchen Petpeswick, bevor man das Wegzeichen zu seiner Baeckerei sieht. “You can’t miss it” sagt man uns in Musquodoboit Harbour, und das stimmt. Willie kommt aus Bremerhaven und backt hier “European Style” Brot, Kuchen und Kekse. Natuerlich nehmen wir einiges davon mit, nachdem wir zwei Flaschen “Fernet Branca” bei ihm abliefern. Fernet Branca ist seine Leidenschaft. Willie’s “Sunflower Bread” essen wir noch zehn Tage spaeter, waehrend wir das vor wenigen Tagen gekaufte kanadische Brot schon wegwerfen mussten! Good stuff, Willie!

Martinique Beach:

Martinique Beach ist nicht all zu weit von Willie’s Cafe entfernt. Es ist nicht nur der laengste Strand in Nova Scotia, sondern auch der beliebteste Strand fuer “Haligonians”, die Einwohner von Halifax. Ein einsamer Kayakfahrer steuert sein Fahrzeug durch die meterhohen Brecher hinaus auf den Ozean, dreht dann spielend leicht um und laesst sich von den schaumigen Wellen wieder an den Strand surfen. Das Spiel wiederholt sich immer wieder, waehrend seine beiden Windhunde aufgeregt am Strand hin und her rennen. Als er endlich an den Strand zurueckkehrt, lecken die Hunde ihm die Haende und freuen sich. Ihr Herrchen ist gerettet!

Eine Frau im mittleren Alter spricht uns an: “Kann ich euch meinen Strand zeigen?”. Wir tragen unsere “Bluenose” Regenjacken, ich meinen Australischen Buschhut, meine Frau spannt ihren Regenschirm auf, so koennen wir nicht nasser als nass werden. Die Frau zeigt uns einen eigenartigen weissen Felsen. “Hier haben wir als Kinder mit ausgebreiteten Armen gelegen und geglaubt, dass wir in Gottes Naehe waren” erzaehlt sie. Aber die Touristen brechen immer mehr von dem Gestein ab, um es als Souvenirs mitzunehmen. “Der Felsen war in meiner Jugend meterhoch, aber jetzt ist er fast gleich mit dem Gras!” sagt sie etwas traurig. “Kommt doch mit, ich zeige euch meinen ganzen Strand!”. Aber es regnet wirklich immer staerker, und wir verabschieden uns von der freundlichen Frau. Diese Freundlichkeit der “Nova Scotians” gegenueber Fremden wird uns noch sehr oft begegnen!

http://www.highway7.com/t_places/place_0006_martinique.html
http://www.nsls.ns.ca/martinique-beach

Liscombe Lodge:

Unsere Entscheidung, im Regen weiter zu fahren, bringt uns durch viele huebsche Buchten und Seen, durch bergiges Land, mit kurvenreichen Strassen, manche von ihnen iemlich rauh, wie so viele Seitenstrassen in Nova Scotia. Ortsnamen wie Moosehead (Elchkopf), East Quoddy, Necum Teuch, Ecum Secum, Marie Joseph. Wir finden unseren wohlverdienten Luxus in der Liscombe Lodge. Unser Abendessen sind Muscheln, “Seafood Casserole” und Weine aus Nova Scotia. “Mussels” essen wir auf dieser Fahrt, wo immer wir koennen. Sie sind fantastisch! Ein Ehepaar aus Saarbruecken sitzt neben uns. Sie sind nur eine Woche hier und wollen morgen den gesamten Cape Breton Trail in einem Tag umfahren. Wahnsinn!

Liscombe Lodge ist Luxus inmitten der Waldwildnis, ein Spitzen-Resort am Liscombe River, wo selbst groessere Segel- und Motor-Yachten einen sicheren Ankerplatz fuer eine oder mehrere Naechte finden. Die Lodge gehoert der Regierung von Nova Scotia. Die Raeume in der Lodge sind gross und komfortabel, die zahlreichen “Cabins” sind gemuetlich und modern ausgestattet, Kueche und Bedienung erstklassig! Fuer eine “Special Rate” von $ 99 pro Nacht bekommen wir ein Zimmer mit Balkon und einer Aussicht auf den Fluss. Wir bleiben zwei Naechte.

http://www.liscombelodge.ca/

Der Teil “Unterwegs in Nova Scotia, Kanada – Tag 5″ folgt morgen.

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

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