Kanadisches Freihandels-Abkommen

von Peter Iden

Kanada hat in 2009 die Freihandels-Verhandlungen mit den vier Mitgliedern der „European Free Trade Association“ (EFTA) abgeschlossen. Demnach koennen schon nach dem 1.1.2009 Gueter und Waren aus der Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island zollfrei oder mit reduzierten Zoll-Tarifen nach Kanada eingefuehrt werden.

Die vier EFTA-Laender sind die einzigen westeuropaeischen Laender, die nicht Mitglieder der Europaeischen Union (EU) sind. Kanada hat Freihandels-Abkommen mit diversen Laendern, durch die Importe aus diesen Laendern zollfrei oder zu geringeren Tarifen als aus Laendern, mit denen keine Abkommen bestehen, nach Kanada eingefuehrt werden koennen.

Der zollfreie Status oder verringerte Zollsatz wird durch verschiedene Tarife bestimmt, welche jedoch nur fuer Direkt-Importe aus solchen Laendern gelten.

Es gibt zahlreiche Waren, die zuerst in ein anderes Land eingefuehrt werden – meistens in die USA – und dann nach Kanada weiter geleitet werden. Auf diese trifft der hoechste Zollsatz unter dem „Most Favoured Nations Tariff“ zu (MFNT), der z.B. auf alle Laender der Europaeischen Union (EU) anwendbar ist.

Die „unterentwickelten“ Laender – zu denen auch China noch gehoert – duerfen nach Kanada unter dem „General Preferential Tariff (GPT) einfuehren, unter dem zahlreiche Waren zollfrei oder zu niedrigen Tarifen oder total zollfrei klassifiziert werden.

Die neuen Laender der EU, welche bis vor einigen Jahren ihre Waren noch unter dem guenstigen GPT nach Kanada einfuehren durften, hatten diesen beguenstigten Status durch ihre Beitritts-Plaene in die EU bereits verloren.

Das „North American Free Trade Agreement“ (NAFTA) zwischen den drei Laendern des nordamerikanischen Kontinents (Kanada, Mexiko und USA); der „Commonwealth Caribbean Countries Tariff“ (CCCT), bestehend aus den heutigen Laendern der 17 ehemaligen britischen Kolonien; der „Australian Tariff“ (AUT); der „New Zealand Tariff (NZT); der „Chile Tariff (CT); der „Costa Rica Tariff“ (CRT); sowie den „Canada-Israel Agreement Tariff“ (CIAT) bestimmen heute die Importe aus diesen Laendern.

Zwei weitere Tarife bestehen: „Least Developed Countries“ (LDCT – als zollfreie Entwicklungshilfe fuer rueckstaendige Laender); dann der „General Tariff“ (GT) fuer Laender, die aus handelspolitischen Gruenden in Kanada bis zu 35% Zoll bezahlen muessen. Ich kenne im Moment kein Land, welches davon beruehrt ist.

Wird es jemals oder in der naechsten Zukunft ein Uebereinkommen im Handel zwischen der Europaeischen Union (EU) und Laendern geben, mit denen sich Kanada handelsmaessig verbuendet hat?

Persoenlich glaube ich es nicht. Schliesslich ist die EU ja eine „Handelszone“, die der Handelsmacht der USA und verbuendeter Staaten politisch entgegen wirken soll, ganz gleich was die Konsequenzen besonders fuer die „neuen“ EU Laender sind.

Kanada und die USA verhandeln bereits seit einigen Jahren mit der mittelamerikanischen „Caricom“, einer Handels-Vereinigung von 27 karibischen Laendern, ueber den Eintritt in eine Handels-Organisation, die der erste Schritt zu einer Vereinigung saemtlicher Staaten von Nord-, Mittel- und Sued-Amerika waere.

Verhandlungen bestehen ebenfalls seit einigen Jahren mit der suedamerikanischen Handels-Vereinigung „Mercosur“ (Mercado Commun del Sur), der bisher die groessten Laender Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay angehoeren. Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Venezuela haben sich als Mitglieder beworben.

Das Endresultat dieser internationelen Handels-Konkurrenz ist kaum abzusehen. In konkreter politischer Terminologie sieht es praktisch so aus: „Ich bin groesser als du!“.

Die Tatsache, dass solche multinationale Handels-Abkommen die aermeren Laender in eine Preisspirale stuerzen, unter der dann niemand anders als die Armen der Laender leiden werden, interessiert die Politiker nicht.

In den neuen Laendern der EU ist diese Tatsache bereits klar erkennbar, und in den armen Laendern von Mittel- und Sued-Amerika wird es nicht anders ergehen!

Absolut meine Meinung zu diesem Thema, aber ich sehe bereits die Anzeichen fuer die Probleme, welche diese Art von „Handelsvereinigung“ zwischen absolut ungleichen
Partnern mit sich bringt.

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5 Kommentare

Caro 2. April 2017 - 06:37

Howdy Herr Iden,

Ich möchte gern meinen Sattel (also gebraucht) aus Kanada mit nach Deutschland nehmen. Können Sie mir vielleicht weiterhelfen was ich beachten muss?

Vielen Dank im
Voraus!

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Peter Iden 4. Mai 2010 - 01:38

Ich habe das absichtlich ausgelassen, denn es ist ja noch kein „fait accompli“. Ich glaube aber nicht, das daraus im Endresultat viel werden wird. Es liegt naemlich in allen mir bekannten Freihandels-Abkommen ein Aspekt versteckt, der den meisten Bewohnern der Freihandels-Partner nicht bekannt ist. Vor „NAFTA“ waren die Zoll-Tarife in Kanada (auch aus den USA) sehr hoch, zwischen 8% und 25%. Fuer Kameras und andere Hi-Tech Geraete waren es 10%. Heute ist alles zollfrei, zumindest von den USA, Mexiko und anderen Handels-Partnern. Die Preise sollten eigentlich billiger werden, aber da die Verminderung der Zollsaetze ueber einen laengeren Zeitraum geschah, merkte keiner etwas davon. Vor der Ratifizierung des NAFTA waren die Zolltarife in Kanada allerdings schon langsam auf dem Weg nach unten. Eigentlich war das die usrspruengliche Basis unserer Firma: die Rueckforderung von ueberbezahlten Zollsaetzen war fuer uns und unsere Kunden sehr lukrativ. it NAFTA jedoch fielen die Zoelle sehr viel schneller.
Die Zoll-Einnahmen der kanadischen Regierung standen vor 1994 noch an zweiter Stelle hinter den Einkommens-Steuern. Ist es Zufall, dass die „Goods and Services Tax“ (Mehrwertsteuer) von 7% in 1991 in Kanada eingefuehrt wurde? Ich glaube nicht. Ist es Zufall, dass die Mehrwertsteuer in Europa in 1968 aus der Wiege gehoben wird, demselben Jahrzehnt der Erweiterung der EU und dem Fall der Zoll-Grenzen und den damit verbundenen Verlusten der Laender an Einfuhr-Steuern (besonders in Deutschland)? Ich glaube es nicht, denn ich bin schon zu lange im Einfuhr- und Zoll-Geschaeft (seit 1958).
Beste Gruesse, Peter Iden.

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Hungerbühler Mägi 16. Oktober 2016 - 18:38

Ich besuche im Sept.17 meine Tochter für 2 Wochen , die in Toronto wohnt und inzwischen auch Kanadierin ist. Darf ich für den Eigengebrauch in den 2 Wochen etwas Wurst vaccumiert und Backutensilien wie gemahlene Haselnüsse und Mandeln mitnehmen.
Danke und freundliche Grüsse aus der Schweiz
Mägi Hungerbühler

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Peter Iden 20. Oktober 2016 - 18:14

Keine Zoll-Probleme sind mit Mandeln und Nuessen voraus zu sehen, solange es sich nicht um grosse Quantitaeten handelt. Nebenbei bemerkt sind Mandeln und Nuesse jeder Art hier ueberall in den Supermarkets zu finden. Wenn nicht dort wo deine Tochter lebt, dann zumindest im naechsten Costco Einkaufszentrum, eine Kette die besonders in British Columbia und Ontario verbreitet ist.
Bei Wurst allerdings kann es Zoll-Probleme geben, besonders wenn die Vakuum-Verpackung von dir selbst gemacht wurde. Dosenwurst welche I’m Handel gekauft wurde bringt moistens keine Probleme, aber auch Wurstsorten jeder Art gibt es in Kanada massenhaft. Ich wuerde sogar sagen, dass das Sortiment von Esswaren in Kanada weitaus weitlaeufiger ist als in Deutschland, allein schon durch die mehr als einhundert Einwanderer-Volksgruppen, deren Esswaren in vielen Lokalitaeten in Spezial-Laeden und auch in vielen Supermarkets angeboten warden.

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Patrick 4. Mai 2010 - 00:05

hallo,
interessnt wäre es auch über die momentanen Verhandlungen zwischen Kanada und der EU über ein tiefgreifendes Freihandelsabkommen (CETA) zu berichten.
Geht auch dort heiss her, besonders die kanadische Agrarindustrie ist sehr abgeneigt!

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