Kanada und Kuba

von Peter Iden

Kuba ist nicht nur ein beliebtes Ferien-Ziel fuer Kanadier. Zahlreiche Europaer besuchen Kuba jedes Jahr. Nach dem 11. September 2001 erlebte der Tourismus nach Kuba zwar einen kurzen Abschwung in 2002, frischte sich jedoch schon in 2003 mit etwa 1,7 Millionen Touristen erheblich wieder auf. Heute sind es etwa 2 Millionen pro Jahr.

Die Statistik spricht fuer sich selbst: 50% dieser Touristen kommen aus Europa, davon 8% aus Deutschland, 7% aus Spanien, 9% aus Italien, 26% aus anderen Teilen Europas.

Was europaeische Touristen anbetrifft, gibt es z.B. an der Varadero Beach mehrere Hotels, die fast nur von Europaern bewohnt werden. Diese Hotels werden hauptsaechlich von deutschen, spanischen, italienischen, englischen sowie franzoesischen Tourfirmen ausgebucht.

Die Anreise aus Laendern ausser Kanada ist teilweise sehr lang und umstaendlich. Deutsche fliegen gewoehnlich ueber Halifax, Franzosen ueber die franzoesisch-karibischen Inseln, Englaender ueber die britisch-karibischen Inseln (Nassau, Bahamas ist populaer), oder man kann von Cancun, Mexico fliegen. Scheinbar gibt es aber auch einige wenige Direktfluege aus Deutschland.

Fluege direkt aus den USA sind nicht moeglich, ausser mit spezieller Erlaubnis der US Regierung, und die bekommt kein normaler Tourist. Die USA haben Kuba seit 1960 praktisch total “abgeschottet”, d.h. dass keine Gueter und lebenswichtige Waren aus den USA nach Kuba verschifft werden duerfen.

Der Grund fuer dieses “Embargo” war die Krise in 1961, waehrend der auf Kuba russische Raketen-Installationen von den USA beobachtet und fotografiert wurden. Das kommunistische Regime in Kuba unter Fidel Castro wurde von Russland finanziell unterstuetzt, sowie mit lebenswichtigen Sendungen von Esswaren, Technologie usw. beliefert.

Bevor diese Abschottung von Kuba durch die USA geschah, war die Insel das “Suenden-Kapital” der Karibik. Die Mafia war aktiv in den zahlreichen Spiel-Kasinos der Insel und in vielen anderen Geschaefts-Zweigen.

Viele der sogenannten “Ex-Patriates”, die vor oder nach der Abschottung der Insel entflohen, setzten sich nach Florida ab. Es waren vorwiegend Geschaefts-Leute, die unter der vorherigen korrupten Batista-Regierung sowie der Mafia-kontrollierten Touristen-Industrie erhebliche Profite machten.

Die Verstaatlichung ihrer diversen Firmen und Immobilien (groesstenteils durch extreme Korruption und Ausnutzung ihrer eigenen Landsleute erarbeitet), war und bleibt der Grund, warum sie seit fuenf Jahrzehnten dafuer kaempfen, Kuba vom “Joch des Kommunismus” zu “befreien”, sodass ihre Familien ihre ehemaligen immensen Laendereien – damals zwischen den Kubanern aufgeteilt, obwohl im Staatseigentum geblieben – wieder zurueck fordern koennen, oder zumindest “Wiedergutmachungs-Gelder” anfordern koennen!

Sicherlich, auch zahlreiche “normale” Kubaner flohen zu Tausenden aus Kuba (eine Parallele zu den deutschen Fluechtlingen aus dem Osten), denn viele hatten mit Hinsicht auf die von Diktaturen auferlegten politischen und wirtschaftlichen Nachteile und Begrenzungen kein Interesse, dort zu verweilen.

Abgesehen davon wollen nicht nur Millionen von Menschen aus ihren Heimatlaendern in die “reichen” Laender wie die USA und Kanada kommen (in Europa ist es ja Deutschland), weil sie sich dort eine Flucht aus der Armut und ein besseres Leben versprechen. Die kubanischen “Fluechtlinge” also universell als “Politische Fluechtlinge” zu kategorisieren, is absolut unkorrekt.

Ohne das Embargo (die Wirtschaftsblockade) waere Kuba wahrscheinlich schon lange nicht mehr kommunistisch, sondern haette sich wie andere ehemalig kommunistische europaeische Laender schon laengst von innen her befreit.

Das Embargo ist der Grund, warum sich das Castro-Regime so lange gehalten hat. Der “Kampf gegen den Kapitalismus” (vorwiegend die USA) gab den Kubanern – forciert oder nicht – einen Grund, sich mit den gewaltigen Nachteilen abzufinden, welche diese “Abschottung” mit sich brachte. Dazu gehoert auch die Korruption der heutigen Regierung.

Fidel Castro hat diese Korruption nicht erfunden, sondern sie lediglich “institutionalisiert”. Korruption gibt es nicht nur in Kuba, sondern in allen Laendern Amerikas, und das bereits seit der Kolonialzeit, als sie aus Europa importiert wurde.

Die Korruption in Kuba ist mit der vormaligen Korruption in den ehemalig kommunistischen Laendern Europas vergleichbar, weil es in Diktaturen keine Rechenschaftspflicht gibt. Nicht dass diese in den Demokratien der Welt all zu genau genommen wird, was wir ja gerade zum Leidwesen der gesamten Welt erfahren haben!

Nur ein Beispiel: Prostitution ist in Kuba nicht erlaubt. Das haelt jedoch Prostituierte nicht davon ab, in den Touristen-Gegenden von Habana ihre Dienste oeffentlich anzubieten, waehrend einer der vielen Polizisten praktisch neben ihnen steht. Eine dieser Damen bot sich mir an, waehrend ich neben meiner Frau in einem Strassen-Restaurant eine Tasse Kaffee trank. Ein Teil ihrer Bezahlung geht sicherlich an dieselben Polizisten!

Kuba blockiert schon seit sehr vielen Jahren Radio- und Fernseh-Sender aus den USA, besonders die von den kubanischen “Expatriots” finanzierten, welche natuerlich mit ihren kontinuierlichen “Democracy for Cuba” ein grosser Dorn im Auge der kubanischen Regierung sind. Die Kubaner blockieren diese Sendungen, indem sie auf denselben (international registrierten) Wellenlaengen senden.

Die USA haben immer wieder versucht, die kubanische Blockierung von “imperialistischen” US Fernseh- und Radio-Sendern zu ueberkommen, aber ohne sehr viel Erfolg.

In 2004 jedoch wurden die US-Fernseh- und Radio-Sender Radio Marti” und “Television Marti” auf ein-C130 Frachtflugzeug verlegt, welche mit speziellen Geraeten zur Vermeidung kubanischer Blockierung versehen war. Heute kann man sie auch per Internet empfangen (allerdings nicht fuer Kubaner):

http://www.martinoticias.com/MMradio.asp

“Radio Free Europe” war das Gegenstueck dazu. Die Russen versuchten immer wieder seit 1946, diese Sendungen aus dem “freien demokratischen Westen” zu blockieren. Zuerst wurden sie vom RIAS Berlin (Radio in the American Sector) ausgestrahlt, seit 1949 (nach der russischen Blockade von Berlin) uebernahmen die Amerikaner den Sender, mit 100% deutscher Belegschaft.

Obwohl die US-Regierung bereits genau so lange versucht hat, die kubanischen Sender zu blockieren (illegal unter internationalen Gesetzen), bekamen sie erst in 2007 offiziell das Recht, kubanische Radio- und Fernseh-Sender zu blockieren.

Kuba erlaubt keine Internet-Anschluesse fuer Privatpersonen. Um es genauer zu formulieren, der normale Kubanner darf keinen Computer besitzen. Nur staatliche Organisationen duerfen es. Kuba hat nur zwei Internet Service Providers (ISP’s), und diese duerfen ihre Dienste nur an Hotels fuer den Gebrauch von internationalen Touristen oder an staatliche Organisationen und Firmen anbieten.

Es gibt allerdings mehrere “Cyber-Cafe’s”, in denen man fuer 5 Dollar pro Stunde Computer benutzen kann. In den Touristen-Hotels bezahlt man 6 bis 8 US-Dollars pro Stunde. Der normale Kubaner verdient $ 3 pro Tag, wenn er/sie in einem Touristen-Hotel arbeitet. Wenn nicht, ist sein/ihr Monatsgehalt selten mehr als $ 10 pro Monat!

Schulen haben Computer, aber keinen Anschluss an das Internet. Einige haben Zugang zum Internet, jedoch nur zu den von der Regierung dort platzierten Seiten. Und die kann jedermann jederzeit aufrufen, auch die angeblich blockierten Medizin-Foren und Fachdiskussionen.

Was die Interference der USA mit kubanischen Internet-Seiten anbetrifft, ist im Internet jedenfalls kein Anzeichen davon zu finden. Man kann die staatlichen websites ohne Probleme aufrufen.

Dass auch die Reklamen der Touristen-Firmen blockiert sein sollen (wie jemand mir kuerzlich schrieb, ist mir nicht ganz klar. Sie scheinen problemlos erreichbar zu sein.

Zweifellos wird saemtliche Benutzung des Internets, besonders E-mail, in Kuba strengstens ueberwacht.

Aber die “Abschottung” von Kuba geschieht von beiden Seiten, ohne irgendwelche Zweifel.

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

Ähnliche Artikel & Themen

Kommentar verfassen

[script_38]

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish.

Privacy Policy