Indianische Heilmittel in Kanada

von Peter Iden

„Essiac“ ist eines der indianischen Heilmittel, welches mehreren meiner Bekannten und Freunde dabei half, ihre Krebskrankheit zu ueberwinden, oder zumindest den Fortschritt der Krankheit erheblich zu verlangsamen. Die Ingredienzen dieser pflanzlichen Praeparation wurde in 1922 von einem Ojibwa-Patienten an eine Krankenschwester namens Rene Caisse weiter gegeben. Rene praktizierte ihren Beruf von 1922 bis 1974 in Bracebridge, Ontario. Sie gab dem Praeparat den Namen „Essiac“ (ihr Name rueckwaerts buchstabiert).

Die Zusammensetzung aus pflanzlichen Mitteln war lange Zeit ihr Geheimnis, und sie wurde mehrmals wegen ihrer Beteuerungen der krebsheilenden Wirkung ihres „Essiac“ von Aerzten und ihren Organisationen angegriffen.

Ein Jahr vor ihrem Tod in 1978, im Alter von 89 Jahren, gab sie das Rezept an die kanadische Firma Resperin Corporation Limited weiter. In 1995 wurden die Rechte zur Herstellung und zum Vertrieb von Essiac auf die Firma Essiac Canada International uebertragen. Die Firma vertreibt das Heilmittel heute weltweit.

Das Produkt besteht aus proportionell kontrollierten Bestandteilen von „Burdock Root“ (Klettenwurzel – Arctium lappa), Turkish Rhubarb (Wilder Rhabarber – Rheum officinale), Sheep Sorrel (Schaf-Sauerampfer – Rumex acetosella) und Slippery Elm Bark (Rinde einer Ulmenart – Ulmus rubra). Einfach aber scheinbar wirksam!

Allerdings gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise fuer die positive Wirkung von Essiac gegen Krebs. Die Aerzste und ihre Organisationen haben sich bisher geweigert, irgend welche Tests durchzufuehren. Das ist natuerlich in Uebereinstimmung mit den pharmazeutischen Firmen, welche heute saemtliche Medikamente herstellen, die zwar teilweise praeventativ sind, jedoch nicht heilend. Mit Heilung diverser Krankheiten koennen sie keinen Profit machen!

Jede Pflanze hat ihre Zeit, zu der die Konzentration der in ihr enthaltenen aktiven Heilmittel die hoechste ist. Rinde wird im Fruehling „geerntet“, Blaetter kurz vor der Bluete, Wurzeln im Herbst, wenn sie die groesste Ansammlung der Substanzen fuer das Ueberleben im Winter enthalten.

Nadelpflanzen gehoerten zu den wichtigsten Quellen fuer indianische Medizin. Besonders die Beeren des Wacholder wurden gegen Erkaeltungen, bei Wunden, Entzuendungen, Verbrennungen, Rheumatismus, Kopfschmerzen, Insektenbissen usw. benutzt.

Auf einer unserer Wanderungen sagte ich einem alten Indianer, dass ich Durst haette. Er pflueckte einige Nadeln von einem Nadelbaum, gab sie mir und sagte: „kaue sie, dann wirst du keinen Durst mehr haben!“. Wacholder-Beeren waeren sogar besser gegen Durst, meinte er.

Das Wissen der heutigen Indianer ueber die natuerlichen Heilpflanzen ist groesstenteils verloren gegangen. Es waren die „Medicine Men“, also praktisch die „Aerzte“, welche
die Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende alten Rezepte von Generation zu Generation uebermittelten. Die europaeischen Missionare hielten diese alten Ueberlieferungen fuer Aberglauben und versuchten sie zu unterdruecken. Die heutige Medizin jedoch erkannte viele von ihnen als wahr an, und benutzte sie als Basis fuer moderne, allerdings heute meistens synthetisierte Medikamente. Natuerliche Medikamente haben aber in den letzten Jahrzehnten sehr viel ihrer urspruenglichen Popularitaet zurueck gewonnen.

Die Rinde von Weiden hilft gegen Fieber und Schmerzen. Die Rinde von wilden Kirschenbauemen (wild cherry) ist ein sehr gutes Beruhigungsmittel. Zahlreiche andere Pflanzen fanden Anwendung in einer Vielfalt von Krankheiten in Nord-Amerika vor dem Kommen der Weissen Rasse, z.B. Schafgarbe (Yarrow), Schwalbenwurz (Milkweed), Calamus, Salbeistrauch (Sagebrush), sowie verschiedene Mitglieder der Minz-Familie.

Aspirin ist eine der heutigen Medikamente, welches aus den natuerlichen Heilmitteln der Indianer abstammt. Weiden, Pappeln und Wintergruen enthalten Acetylsalicylsaeure. Die Indianer benutzten diese Pflanzenmittel, um Fieber und Schmerzen zu vermindern. Das heutige Aspirin wird jedoch chemisch synthetisiert.

Die Blausaeure (prussic acid) in Kirschbaumrinde wird noch heute als Extrakt in Mitteln gegen Husten verschrieben. Die Oele von Nadelbaeumen und anderen Pflanzen sind heute ein Bestandteil der meisten Mittel gegen Husten und andere Beschwerden der Atmungswege, sowie auch Mineraloele und andere pflanzliche Extrakte.

Die Indianer kannten die antiseptischen Eigenschaften von diversen Pflanzen, wie z.B. Nadelbaeume, Eichen, Hartriegel (Dogwood), Himbeeren, heimischer Sumac-Buesche, und viele andere Pflanzen, deren Saefte astringierende Bestandteile wie Tannin beinhalten, welche z.B. Blutungen anhalten.

Dann war da das Schwitzbad, das auch bei den nordischen Voelkern Europas als „Sauna“ bekannt ist. Hauptsaechlich zeremoniell, aber es wurde auch zur Austreibung von Fieber und zur Behandlung von Rheuma benutzt. Erhitzte Steine, mit Karaeutern bedeckt und mit Wasser uebergossen, waren die Quelle des heilenden Dampfes.

Aber auch nicht-pflanzliche Behandlungen wurden von den nordamerikanischen Eingeborenen angewandt. Tumore und Abzesse wurden aufgeschnitten. Pfeilspitzen und spaeter Gewehrkugeln wurden entfernt. Groessere Wunden wurden genaeht, und manchmal wurden sogar Koerperteile amputiert.

Ausgekugelte Gelenke wurden eingerenkt. Brueche wurden mit Holzstuecken geschient. Entzuendete Zaehne wurden ausgeschlagen oder ausgezogen. Schlangenbisse wurden ausgesaugt und mit Pflanzensaeften behandelt und dann mit Pflanzenblaettern verbunden.

Salbei (Salvia offizinalis, hier eine „eingewanderte Pflanze = „Sage“) ist natuerlich ein in Europa bekanntes Gewuerzkraut und Naturheilmittel. Aber auch in Nordamerika gab und gibt es Mitglieder der Salvia Pflanzen-Familie, welche den Indianern als Heilmittel bekannt waren.

„Sage“ in Nordamerika ist jedoch hauptsaechlich durch die mehreren Arten von „Sagebrush“ bekannt, ein grosser Busch mit haarigen Blaettern, die ebenfalls heilende Eigenschaften haben. Sie ist zahlreich in den trockenen westlichen Zonen Nordamerikas vertreten (wie z.B. in den „Badlands“ von Alberta).

Extrakte beider Pflanzenarten wurde gegen Probleme mit Verdauung, der Atempassagen, Nieren, Blasen und Leber benutzt. Sogar fuer Probleme der Sexualorgane (yep, die gab’s auch bei den „Indians“!). Ueberhaupt war „Sage“ eine „Medizin fuer alles“, fuer Haar- und Skalp-Probleme, als Antisepticum gegen Allergien, Erkaelltungen und Fieber (die gab’s auch schon), und als Nervenberuhigungsmittel.

Immergruene Pflanzenteile wie Zedernnadeln und -beeren wurden gekocht, oft mit Sage und „Sweetgrass“ vermischt und gegen Husten, Erkaeltungen und aehnliche Krankheiten getrunken.

Die Europaer brachten Chinin von Mittelamerika mit, wo es aus der Rinde eines Baums gewonnen wurde und von den Inkas und anderen indianischen Volksgruppen gegen Kraempfe, Froesteln, Herzrhytmusstoerungen angewandt wurde. Die Europaer adoptierten Chinin als Anti-Malaria-Mittel. Praktisch also war das der erste bescheidene Anfang der „modernen“ Pharmazeutik. Auch Chinosol wird heute chemisch hergestellt.

Ein anderes Pflanzenmittel (Ipecac) kurierte die oft toedliche Dysenterie (Ruhr), und wird noch heute weltweit benutzt, um Erbrechen hervor zu bringen. Curare, das toedliche Gift an den Pfeilspitzen der Amazonas-Indianer, wird heute in der modernen Medizin zur Muskelentspannung benutzt. Ein Extrakt aus der Cascara-Rinde (ein Dornenbaum) wird noch heute als Abfuehrmittel gebraucht. Und Kokain (abgesehen von seinem illegalen Gebrauch), ein Extrakt aus den Blaettern der Coca-Pflanze (Erythroxylon coca), wurde langzeitlich als Anti-Schmerzmittel gebraucht, wird allerdings heutzutage ebenfalls chemisch synyhetisiert (Novocaine, Procaine).

All diese Substanzen waren den „Aborigines“ schon sehr lange bekannt, bevor sie das mittelalterliche (und in vielen Hinsicht medizinisch weit rueckstaendige) Europa erreichten.

Aber die Aborigines von Nord-Amerika hatten keinerlei Abwehr gegen die Krankheiten, welche die Weissen aus Europa brachten.

Tuberkulose, Pocken, Cholera, Syphilis, Typhus und andere “Zivilisations-Krankheiten” waren hier so unbekannt wie auch Alkohol, der noch heute ein grosses Problem fuer die Indianer ist.

Wie mir ein Ojibwa vor wenigen Jahren sagte: “Ihr Europaer trinkt schon seit Jahrtausenden Alkohol. Unsere Koerper haben sich noch immer nicht an diese fremdartige Substanz gewoehnt!” Das trifft vielleicht auf die nordamerikanischen Staemme zu, aber in Mexico brauten die Indianer ihren „Pulque“ und den „Mezcal“ aus dem Saft der Agaven (spaeter von den Mexikanern als „Tequila“ verfeinert und auf hohen Alkohol-Gehalt gebracht). Die Azteken benutzten den Maguey-Agavensaft als Basis fuer ihren „Tepoztecatl“. Und in grossen Teilen von Suedamerika bereiteten die Indianer ihren „Canim“ aus dem Saft der Manioc-Pflanze. Aber die meisten Staemme und indianischen Volksgruppen benutzten Alkohol nur waehrend religioeser Festlichkeiten, waehren der nur die Priester ihn trinken durften, jedoch nicht das allgemeine Volk. Allen dieser nur leicht alkoholischen Getraenke wurden magische und medizinische Wirkungen zugesagt.

Zuletzt eine persoenliche Note. Die Mayas fermentierten vor dem Kommen der Spanier einen auf Honig und Baumrinde basierten Met, den „Balche“, der noch heute in Mexiko von ihren Nachfolgern praepariert wird. Das Getraenk hatte eine starke religioese Bedeutung fuer die Mayas und wurde nicht nur als heilig angesehen, sondern auch als magisches Heilmittel. Die Spanier verbannten das Getraenk in ihrer Inbrunst, die „Wilden“ zur Christenheit zu bekehren. Ein Maya-Haeptling namens Chi ueberzeugte jedoch die Spanier von den gesundheitlichen Aspekten von „Balche“, und sie erlaubten wieder seinen Genuss. Heute wird im Yucatan in Mexiko ein Getraenk aus dem Honig der Xtabentun-Blume, Anis-Saat und Rum mit dem Namen „Xtabentun“ hergestellt, das wir uns von jedem Besuch in Mexiko mitbringen. Es ist tatsaechlich eine Super-Medizin an kalten Wintertagen, denn es transportiert unsere Sinne zurueck in die Waerme von Mexiko und der Karibik!

http://www.ojibwatea.com/essiac.htm

http://www.ojibwatea.com/essiac_description.htm

http://www.yvwiiusdinvnohii.net/articles/medroots.html

 

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

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