Kanada – Die Wunder der Bruce Peninsula in Ontario – Teil 4

von Peter Iden

Die sandige Westkueste der Bruce ist landschaftlich total verschieden von der felsigen Ostkueste. Fuer Erstbesucher ist es eine eigenartige Erfahrung, von der Ostkueste zur Westkueste zu kommen. Im Gegensatz zur Georgian Bay, die an ihrer West-, Nord- und Ostseite von fast ununterbrochenen Felsen eingerahmt ist, ist die die Kueste des Lake Huron generell Flachland. Natuerlich gibt es auch an der Georgian Bay Ausnahmen, wie z.B. an der Sued- und Suedost-Kueste der Georgian Bay, die mit mehr als 50 km den laengsten kontinuierlichen Suesswasser-Strand der Welt bietet.

Fast die gesamte Spitze der Bruce ist entweder ein National Park (400 qkm) oder ein National Marine Park (112 qkm), also insgesamt 512 qkm, ein Drittel der Groesse von Schleswig-Holstein.

Die Bruce Westkueste ist zwar fast ebenso ununterbrochener Sand, weit laenger als an der Georgian Bay, aber der Tourismus hat sich hier noch keine Superlative ausgedacht Ausserdem sind nur wenige Strecken leicht erreichbar, weil nur die “Cottagers” sie kennen. An vielen der Straende sind allerdings auch oft gewaltige Felsenbrocken im Sand eingelagert, welche von den Gletschern dort deponiert wurden. Aber an drei leicht erreichbaren Lokalitaeten kann man Straende erleben, wie es sie nur am Lake Huron gibt. Sie sind ohne Zweifel einzigartig in ihrem Charakter und ihrer unglaublichen Weite.

Die “Singing Sands” der Dorcas Bay:

Etwa 10 km suedlich von Tobermory fuehrt eine kurze Strasse zur Dorcas Bay und dem “Singing Sands” Naturpark. Die Dorcas Bay ist etwa 4 km lang und 2,5 km breit, eingesaeumt im Norden von einem Teil des Bruce Peninsula National Parks, im Sueden von Cottages und einem weiteren Teil des National Parks, und zum Osten von der Sumpflandschaft der William Henry Marsh.

An der Dorcas Bay traf ich in 1963 meinen ersten Schwarzbaeren Auge zu Auge, sah meine ersten Klapperschlangen, fleischfressende Pflanzen, wilde Orchideen und viele andere Wildblumen. Damals konnte man noch mit dem Auto den Strand befahren. Heute muss man an der Strasse parken.

Man kann an der Dorcas Bay mehr als zwei Kilometer in die Bucht hinus waten, ohne mehr als nur die Waden nass zu machen. Wir sind noch niemals weit genug hinaus gelaufen, um schwimmen zu koennen.

Aber woher kommt der Name “Singing Sands” (Singender Sand)? Wenn ein starker Wind vom Westen weht – und das tut er fast immer dort – erzeugt der Treibsand ueber dem Festsand durch seine Reibung mit diesen ein feines, klingendes Geraeusch, welches man nur mit “Singen” beschreiben kann.

Die Sumpfgegend zum Osten der Bucht beherbergt die “fleischfressenden” pitcher plants (Kannenpflanzen), die eigentlich nur Insekten mit ihrem Saft anlocken, und diese dann zersetzen und als Nahrung aufsaugen. Auch den “sundew (Sonnentau) gibt es hier, und der macht auf eine andere Art und Weise genau dasselbe.

Und dann sind dort die Klapperschlangen, die “Massasauga Rattlesnakes”. Sie sind scheu und machen ihre Praesenz durch ein unmissverstaendliches “Klappern” bekannt. Es klingt allerdings mehr als ein Rascheln von Blaettern als ein “Ratteln”. Gute, feste und hohe Schuhe oder Stiefel sowie lange Hosen sind jederzeit ratsam in und um die Suempfe und in den Waeldern der Bruce. Aber nur wenige Menschen haben jemals die “rattlers” gesehen. An den Straenden der Westkueste droht keine Gefahr von Schlangenbissen.

Oliphant Beach und die Fishing Islands:

Von der Dorcas Bay kehrt man am besten zum Highway 6 zurueck. Zwischen Dorcas Bay und Oliphant gibt es zahlreiche kleine Straende und Fischerei-Haefen, aber die Strecke entlang der Westkeste ist lang, gewunden und zeitraubend. Etwa 95 km suedwaerts, wo der Highway 6 nach links (Osten) schwingt, fahren wir nach rechts (Westen) ab, auf der Settlement Road, dann nach Sueden auf der Quarry Road, dann rechts (nach Westen) auf der Sideroad 13 (Old Oliphant Road) bis zum Strand bei Oliphant.

Es ist ein erstaunlicher Strand, breiter und tiefer noch als Dorcas Bay, genau so seicht, aber mit dem Auto befahrbar. Auch hier kann man unendlich weit hinaus waten, ohne jedoch Wasser zu finden, das tief genug zum Schwimmen ist. Die davor liegenden „Fishing Islands“ schuetzen den Strand vor Stuermen. Hier trafen wir im September 2010 einen Deutsch-Kanadier, der sich mit 70 Jahren noch dem “Kite-Surfing” Sport widmete, nachdem er – wie wir – mehr als 15 Jahre Windsurfer war. Ein Gefuehl von Neid, dass wir nicht dabei geblieben waren, liess sich kaum vermeiden! Aber was soll’s; das Leben besteht aus vielen Phasen, und eine neue beginnt, sobald man eine alte hinter sich laesst.

Sauble Beach North and South:

Etwa 11 km suedlich von Oliphant erreichen wir Sauble Beach, zweifellos der Platz am Lake Huron, der den meisten krassen Tourismus bietet. Der Strand ist mit Autos befahrbar, und an heissen Sommertagen parken diese drei Reihen tief direkt am Wasser. Im Fruehling und Herbst jedoch ist er praktisch verlassen. Wir lieben diese Zeiten, um ihn zu besuchen.

Allerdings kann man selbst im Sommer dem Menschengetuemmel der Sauble Beach entkommen, wenn man am Strand entlang nach Sueden faehrt. Etwa 15 km kann man dem Strand folgen. Der Sand ist hart direkt am Wasser und es besteht keine Gefahr des Steckenbleibens, ausser wenn man sich nahe der Duenen bewegt. Oft muessen kleine Baeche durchfahren werden. Sie sind seicht und bieten ebenfalls keine Gefahren. Ausser den “Cottagers” besucht kaum jemand diese enorm lange Strandstrecke. Sie ist ein Teil der 30 km langen „Chippewas of Saugeen First Nation Reserve“, und das Land fuer die Cottages und auch den Ort Sauble Beach ist von ihnen an die vermietet.

Der Highway 21 fuehrt von Southampton (etwa 18 km suedlich von Sauble Beach) nach Owen Sound (31 km). Von dort kann man entweder den Highway 10 nach Toronto fahren (203 km), oder die Highways 26 ueber Collingwood, 124 ueber Shelburne und 10 ueber Brampton nach Toronto fahren (ebenfalls 203 km).

Fuer die gesamte Erkundung der Bruce Peninsula sollte man mindestens zwei Tage ansetzen, bestens drei bis vier, wenn man einige Zeit an den Straenden verbringen moechte.

Peter Iden

Brampton, Ontario, Kanada

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