Essen alle Kanadier ohne Gabeln und mit den Ellenbogen auf dem Tisch?

von Peter Iden

Kanada - EssenDer Zweck von KanadaSpezialist ist in erster Linie, nicht-kanadische Besucher sowie Leser, die nach Kanada auswandern wollen, ueber das Land und seine Menschen zu informieren. Leider gibt es aber zu viele Leute, die glauben, Kanada zu kennen, jedoch in Wirklichkeit nur ein sehr oberflaechliches Wissen ueber unser Land haben. Das ist natuerlich ihre Sache, solange sie nicht versuchen, ihre Unkenntnisse und persoenlichen Auffassungen an andere Interessenten als “Wahrheit” weiter zu geben.

In meinen 56 Jahren in Kanada habe ich allerhand solcher Menschen kennen gelernt und immer wieder versucht, ihre Vorurteile durch faktische Informationen zu korrigieren. Die Einstellung, dass alles in Kanada so sein sollte, wie es in Deutschland ist, ist weit verbreitet bei Besuchern und Neu-Einwanderern. Dass es nicht so ist, ueberschreitet bei vielen ihre Toleranz-Grenze.

Hier ist ein typisches Beispiel. Interessant besonders, weil der Schreiber bereits seit 1996 in Kanada lebt, aber scheinbar nur limitierten Einblick in die kanadische Psyche und Lebensweise hat. Die Kommentare stammen aus den deutschen Kabel Eins Websites, die noch heute seine Meinungen verbreiten. Ich kann und darf als Kanada-Kenner solchen Unsinn nicht ohne Kommentare passieren lassen. Besucher und prospektive Einwanderer muessen die Wahrheit wissen.

“Ansonsten hat Kanada keine Kultur. Das klingt hart, ist aber so. Das Land selbst ist nämlich nur knapp 150 Jahre alt.”

(Er sollte kanadische Geschichte studieren. Der Kommentar, dass das Land erst knapp 150 Jahre alt ist, ignoriert die lange Einwanderungs-Geschichte des Landes. Da muss man sich doch wundern, warum die vielen Millionen von Einwanderern ihre „Ess-Kultur“ seit 1534, also beinahe 500 Jahren, saemtlich in ihren Heimatlaendern zurueck gelassen haben, anstatt diese an die primitiven, kulturlosen Kanadier weiter zu geben!)

“Kanadier lieben Burger, gehen gerne Essen, vorzugsweise mit Ellbogen auf dem Tisch und ohne die Gabel zu benutzen.”

(Die Frage, wie man mit den Ellbogen auf dem Tisch, nur mit einem Messer und ohne Gabel ueberhaupt irgend etwas essen kann, laesst der Autor offen).

“Viele kanadische Hausfrauen kochen nicht gerne, haben trotzdem oft zwei Backöfen, den einen für die Beilagen und den anderen für den Truthahn. Das ist die Kultur.”

(Kanadier essen Truthahn traditionell zweimal im Jahr: Thanksgiving und Weihnachten. Die Frage, ob nun kanadische Hausfrauen tatsaechlich jeden Tag nur Truthahn mit Beilagen in ihren zwei Backoefen bereiten, interessiert den Autor scheinbar nicht).

Es wuerde im Rahmen dieses Beitrags zu weit fuehren, die zahlreichen weiteren “Fakten” des Autors zu kommentieren. Seine urspruenglichen Kommentare ueber Kanada und Kanadier sind immer noch bei Kabel Eins einzusehen. Man sollte sie jedoch im Sinne seines eigenen Zugestaendnisses lessen:

“Ich habe nicht im üblichen Sinne ein Buch über Kanada geschrieben, sondern es ist ein sachlicher Bericht mit persönlichen Meinungen. Alle Informationen in meinem Buch sind Fakten.”

Allerdings liegen seine “persoenlichen Meinungen” und die Fakten oft sehr weit voneinander entfernt. Meinungen sind selten Fakten.

http://www.kabeleins.de/doku_reportage/neues_leben/artikel/12069/

Dazu die Seiten 12069/02/, 12069/03/, 12069/04/ und 12069/05/ – “Experten-Tipps” ueber Auswandern, Arbeiten, Leben, seine persoenliche Geschichte, sowie seine Tipps zu Kanada.

Es sind die Worte des “Kanada-Experten” Ulrich Laux, kundgegeben auf der Website von Kabel Eins in einem Interview vor etwas ueber 2 Jahren. Dieselben Leute, die die Serie „Mein Neues Leben“ und „Mein Neues Leben XXL“ kreierten, und danach die weniger erfolgreiche Serie „Mein Neuer Job“, gefolgt von der Serie “Der Auswanderer-Coach“, welche schon nach 4 Sendungen abgebrochen wurde.

Zum Kredit des TV-Privat-Senders treffen jedoch ihre folgenden Kommentare auf viele Neu-Einwanderer zu: „Fehlendes Wissen über das Auswanderungs-Ziel, mangelnde Fremdsprachen-Kenntnisse und unrealistische Zukunftspläne zeichnen leider viele der im Fernsehen gezeigten Auswanderer aus.“ Sowie „…Auswanderungspläne aufgrund mangelhafter Planungen, wie der Lebensunterhalt in der neuen Heimat bestritten werden soll, (sind) von vornherein zum Scheitern verurteilt…“

Kein Wunder also, dass etwa 35% der Auswanderer nach Kanada wenige Jahre spaeter enttaeuscht nach Deutschland zurueck kehren (Quelle: Statistisches Bundesamt).

http://www.youtube.com/watch?v=0faCer2R9nI&feature=player_embedded

Zurueck zu Ulrich Laux: Er wohnt in dem kleinen Ort Peachland (5,000 Einwohner), etwa 400 km oestlich von Vancouver und 30 km suedlich von Kelowna, BC. Nicht gerade das Kutur-Zentrum von Kanada. Missionar-Arbeit fuer die Verbreitung deutscher kulinarischer Kultur waere dort sicherlich sehr erwuenscht, aber diese scheint sich auf das „Gasthaus“ und Schnitzel zu beschraenken. Ein Besuch eines der erstklassigen Restaurants im nahen Kelowna, z.B. Bouchon’s oder Fresco, waere vielleicht der beste Weg, die wahren Essgewohnheiten der Kanadier kennen zu lernen.

Laux hat sogar ein Buch ueber Einwanderung und Kanada geschrieben. Lesen moechte ich es lieber nicht. Wer in wenigen Paragraphen und im Fernsehen bereits so viel Unsinn verbreitet, kann das auch auf 165 Seiten nicht besser machen!

www.abenteuerkanada.de

Aus dem „Klappentext“: „Der Autor – Ulrich Laux – lebt mit seiner Familie seit 1996 in Kanada. Die vielen Überraschungen, seine Verwunderung und Ahnungslosigkeit in den ersten Jahren waren der Anstoß, dieses Buch zu schreiben.“

Es bleibt zu hoffen, dass sich seine Verwunderung und Ahnungslosigkeit, besonders ueber die kanadische kulinarische Kultur inzwischen im Neudruck seines Buches etwas veraendert hat.

Aber befassen wir uns doch einmal mit der Esskultur verschiedener Laender, darunter auch Kanada.

Den „Burger ohne Gabel“ kann ich allerdings nachfuehlen. Ich habe einmal so einen deutschen “Kultur-Banausen” zu einem Hamburger bei Harvey’s eingeladen. Der Mann nahm den Hamburger auseinander, kratzte die Zugaben (Ketchup, Senf, Zwiebel, Tomate usw.) ab, legte den Burger daneben und fragte nach einem kleinen Teller und Messer und Gabel.

„Fleisch muss mit Messer und Gabel gegessen werden“, meinte er, waehrend wir uns unter den Blicken der vielen anwesenden unkultivierten Kanadier verkriechen wollten, die ihre Hamburger (oh Schreck) mit ihren Haenden anfassten und assen.

Nur gut, dass der Kultur-Experte aus BC nicht in Asien oder woanders lebt, wo fast alles entweder mit den Fingern oder mit “chopsticks” gegessen wird.

Die Begriffe „Hand Foods“ und “Finger Foods” scheinen in vielen europaeischen Laendern kaum bekannt zu sein. In Deutschland, wo selbst belegte Brote noch oft mit Messer und Gabel gegessen werden (besonders von der aelteren Generation), habe ich diesen Begriff nur selten gehoert, obwohl selbst bei Macdonald’s, in den Doener-Laeden und anderswo keine Messer und Gabeln mitgeliefert werden.

In den meisten Laendern jedoch ist das Essen mit den Fingern die herkoemmliche Art, also die Norm, fast alle Esswaren zu verzehren. Auch in vielen der ost-europaischen Laender werden zahlreiche Gerichte mit den Haenden gegessen, und in fast allen asiatischen Laendern ist der Gebrauch von Essgeraeten wie Messer und Gabel unbekannt.

Das gilt auch fuer die in westlichen Laendern (besonders in Nord-Amerika) bekannten “appetizers” wie chinese spring rolls, mini-quiche, wings, crackers with chese, pate oder sogar kaviar, pitas, sausage rolls, pizzas, hot dogs, deviled eggs, chicken fingers, buffalo wings, hamburgers und sandwiches. Viele dieser “finger foods” werden bei Parties als “hors d’oeuvres” (Appetit-Anreger) angeboten, wenn auch mit “toothpicks” angeboten (Zahnstochern), um die “finger foods” vom Servierteller abzuheben und damit schmierige oder fettige Finger zu vermeiden.

Auch Rippen und Rippchen, Kentucky Fried oder Swiss Chalet Chicken, French Fries (Pommes Frites) sind “finger foods”. Viele der ethnischen Esswaren, wie Tacos, Nachos, Samosas, Crostinis, Quesadillas, Bruschetta, Guacamole Chips, Kielbasa Puffs, Jerk, Jamaican Patties und andere werden mit den Fingern gegessen. Dasselbe gilt fuer Artischocken, Spargel, knusprigen Speck (crisp-fried bacon), belegte Brote (sandwiches), Maiskolben (corn-on-the-cob), Kuchenstuecke (nicht die weichen Kremtorten) und kleine Beeren (wie Weintrauben am Stiel) .

Dazu werden oft am Ende der Mahlzeit heisse oder kalte “finger towels” serviert, oder sogar ein Schuesselchen mit warmem Wasser, einer Scheibe Zitrone und einer Serviette, um die Finger zu saeubern.

Kanada hat kulinarische Kultur im Ueberfluss. Nirgendwo in der Welt gibt es mehr hochklassige Restaurants oder mehr ethnische Restaurants und Laeden, allerdings kaum in kleinen “Communities” wie Peachland. Wir brauchen keine europaeischen Kultur-Experten und Kultur-Missionare in Kanada. Die Diversitaet der kulinarischen Kulturen in Kanada hat heutzutage nicht ihresgleichen in der ganzen Welt.

Das trifft, nebenbei bemerkt, auch auf alle anderen Kulturzweige zu. Es ist allerdings fuer Leute, die darauf bestehen, dass nur ihre Kultur einzigartig ist, nicht sichtbar, weil sie sich nur in ihren eigenen beschraenkten “Kulturkreisen” bewegen, wie der Schreiber der obigen Kommentare ja ohne Zweifel bekannt gab:

“Kanada ist ein Mosaik, trotzdem bleiben die meisten Deutschen unter Deutschen. Wir haben auch kanadische Freunde, jedoch treffen ‘wir Deutsche’ uns öfter.” (Laux)

Peter Iden,
Brampton, Ontario, Kanada.

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9 Kommentare

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Edmund sackbauet 23. August 2013 - 21:15

Lieber Peter,

Du hast in der Tat gut daran getan, mich nicht ernst zu nehmen, weil so hab ich es nicht gemeint hab. Das war eine kabarettistische Fingerübung. Dieses Genre, der absurden Reiseberichte wurde von den Wienern Bronner und Qualtinger erfunden und als Doppelconference zwischen einem blasierten Bildungsbürger und dem Proleten geführt. Travnicek hieß die Kunstfigur die quer durch die Welt geschickt wurde nur um überall festzustellen, dass er ohne Vermittlung des Reisebüros dort nie hingefahren wäre.

Es ging bei diesen und auch meinem Sketches nicht darum irgendein ganz nettes Land schlecht zu machen, sondern vielmehr darum sich mit dem spezifisch wienerischen ignoranten Proleten in sich selbst und im Wiener Publikum in selbstkritischer und ironischer und hoffentlich unterhaltsamer Art auseinander zu setzen. Ich hab das nicht nur über Wien gemacht, sondern auch über andere Gegenden die ich als meine Heimat empfinde. Dazu gehört neben Wien, dem Waldviertel auch Italien. Bayern wo ich lebe kriegt auch irgendwann sein Fett ab.

Wenn es mir nicht gelungen ist, dir wenigsten an der einen oder anderen stelle ein Lächeln abzuringen, habe ich meine Mission verfehlt. Mein Fehler nicht deiner. Wenn du dich sogar über mich geärgert hast, entschuldige ich mich dafür aufrichtig. Das war nicht meine Absicht. Mein Hohn galt wenn überhaupt meinen Landsleuten und mir selbst.

Ich hoffe ich konnte mit diesen Zeilen deinen Groll besänftigen. Vielleicht bist du einmal in der Stimmung dir das eine oder andere auf meiner Seite unter diese Betrachtungsweise anzuschauen oder anzuhören, und es kommt Dir doch noch ein Lächeln über die Lippen

Ich wünsche dir einen schönen Spätsommer in deinem schönen Land

Liebe Grüsse

Harry aus München

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Edmund sackbauer 1. August 2013 - 16:52

im Himmel sind die Engländer Polizisten, die Franzosen Köche, die Italiener Liebhaber, die Deutschen Mechaniker. In der Hölle……. kümmern sich die Kanadier um alles!

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Edmund sackbauer 1. August 2013 - 04:34

sind gerade mit dem Camper hier. Ob die Leute hier tolerant oder nur wurschtig sind, entzieht sich meiner profunden Analyse. Das Essen hier ist jedenfalls unter jeder Kanone. Einfach mal herum spazieren in down town wie in München, irgend wo reinfallen und anständig essen iss hier nicht. Ohne Stadtplan und oder app findet man nicht einmal einen Mc Donalds. bestenfalls aber eigentlich schlimmstenfalls einen Horton. Nicht in Toronto nicht in Kingston und schon gar nicht dazwischen. Ahornsirup mag zwar ein Naturprodukt sein, schmeckt aber nicht so. Tippe auf schieferöl gezuckert. Das was die hier Pizza nennen ist zum Kotzen. Schwammig feucht und fetttriefend. Die Qualität ist viel schlechter als in den Staaten. Die Preise auch im Supermarkt sind weit, bis 100 Prozent über deutschem Niveau.. Liter Milch für 3 Dollar Bier für nicht weniger als 2.50 im licensed market. Die Kultur ist deutlich anders als in den Staaten. Zurückhaltend ist ein Euphemismus. Augenkontakt scheint schlechtes Karma zu bringen, mehr als drei Worte hintereinander miteinander zu reden der sichere Tod. In den eintönigen geklonten englischen Siedlungen gibt es nicht wenig Geschäfte, sondern gar keine. Leben ohne Auto iss also nicht. Wenn man gut Englisch lernt, ist das schön für einen. Man kann einem Literaturclub beitreten. Zur Verständigung eignen sich Urdu oder Kantonesisch besser. Der intonationsfreie Akzent der asiatischen Einwanderer hat auf die ganze Bevölkerung abgefärbt. Wenn man jemand tatsächlich versteht,
ist der oder die über 60 und oder Ami.
iss zwar dank der natur ein schöner Urlaub, aber warum man hierher auswandern möchte entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Ein Klima zum Sterben. Heisse schwüle mueckenreiche Sommer gefolgt von arktischen Wintern, die die Leute unterirdisch verbringen. Skandinavischer Charme, gepaart mit englischer Küche. und der Alkohol ist zu teuer, als dass man sich Land und Leute schön saufen könnte.

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Peter Iden
Peter Iden 17. Juli 2012 - 16:32

Man kann ueber die kulinarische Seite von Kanada stunden- oder seitenlang diskutieren, Stefan. Deine gastronomische Abkunft respektiere ich natuerlich, aber mein Standpunkt dazu ist einfach. Gute Gastronomie mit dazugehoerigen Preisen
koennen sich kleinere Ortschaften nicht leisten. Obwohl Kelowna nicht gerade ein
„kleiner“ Ort ist (etwa wie Barrie, Ontario, zwischen 100,000 und 200,000 Seelen) fehlt doch die Menge an Kundschaft, um solchen Betrieben genuegend Gaeste zuzufuehren. Selbst ein MacDonald Restaurant braucht eine gewisse Bevoelkerungsdichte innerhalb eines bestimmten Umkreises, um finanziell zu existieren. Ich erinnere ein kleines „Restaurant Mozart“ in Sidney auf Vancouver Island. Schweizer Chef, Super Essen, charmante Bedienung von seiner Frau, aber zu weit von Victoria und als einzige Gaeste die Passagiere der Faehre zum Mainland. Das Restaurant ueberlebte leider nur kurze Zeit. Kulinarische Vielfalt guter Qualitaet findet man in allen Grossstaedten von Kanada (Kelowna gehoert nicht zu diesen). Man muss sie nur finden koennen, und das kann man nur mit Eingeweihten. Und natuerlich muss man den 0815 „Shopping Plaza Restaurants“ soweit wie moeglich fern bleiben. Weder ich noch irgendwer anders hat jemals behauptet, dass es hier so etwas wie die zahlreichen Familien-Restaurants in selbst den kleineren Ortschaften wie in Deutschland gibt. Aber auch bei den meisten dieser Klasse (und wir haben sie sehr oft in ganz Europa besucht) gibt es oft nur gute „Hausmannskost“. Gute Gastronomie ist teuer, und besonders in oekonomisch harten Zeiten wie jetzt haben Spitzen-Restaurants Probleme, zu ueberleben. Was meine Objektivitaet anbetrifft, verteidige ich Kanada gegen alle, die falsche Informationen ueber dieses Land verbreiten. Mr. Laux ist nur einer von denen, die schon laengere lokalisiert Zeit in Kanada leben, aber keine Ahnung vom Rest von Kanada haben.
Mit besten Gruessen,
Peter Iden.

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Stefan aus Kelowna 16. Juli 2012 - 04:54

Verehrter Herr Iden,

die Ansichten des Herrn Laux und dessen Meinung über Kanada sind wohl überzogen. Aber ehrlich gesagt klingt Ihre Verehrung für Kanada für mich auch schon ziemlich subjektiv und sehr wohlwollend, zumindest was die kulinarische Seite Kanadas betrifft. Ich wohne seit 2 Jahren in Kelowna. Ich bin Sohn eines Gastronomen und lege viel Wert auf Essen, gehe sehr oft zum Essen aus und koche auch selbst und meist aus frischen Zutaten.

Ich weiß nicht worauf Sie die folgende Aussage stützen „Kanada hat kulinarische Kultur im Ueberfluss. Nirgendwo in der Welt gibt es mehr hochklassige Restaurants oder mehr ethnische Restaurants und Laeden, … „,
aber ich persönlich bin nicht besonders begeistert von der Qualität des Essens hier. Nehmen wir beispielsweise mal den guten alten „Italiener“. Sehr schwierig hier was angemessenes zu finden was einer Pizza im italienischen Sinne nahe kommt. In ganz Kelowna gibt es unserer Meinung nach genau EINEN Italiener, dessen Pizza ok bis gut ist. Vergleiche ich das mit Deutschland, dann gibt es an jeder Ecke einer Stadt von der Größe Kelownas gute Italiener. Oder schauen wir uns die griechische Küche hier an. Wir waren – leider – bei allen griechischen „Restaurants“ hier in Kelowna. Ich erspare mir zu viele Details, aber wenn man Gyros in dünnen Scheiben bekommt die wie Roastbeef ausschauen und auch so ähnlich schmecken, und das „Zaziki“ nichts mit Joghurt, Essig, Gurken zu tun hat, sondern ein vor Mayo und Öl triefendes Aioli ist, dann weiß ich nicht was das mit griechischer Küche zu tun hat. Sowohl der „Grieche“ in ‚Rutland als auch der mitten in Downtown sind weit davon entfernt echte griechische Küche auf den Teller zu bringen. Sorry – ist leider so. Und nun wieder der Blick nach Deutschland. Dort gibt es so viele griechische Restaurants dass fast jeder „seinen“ Griechen hat, und bis auf sehr wenige Ausnahmen bekommt man anständiges gutes und vor allem authentisches Essen – vom Zaziki, über Gyros bis zur geschmorten Lammkeule. Die bloße Anzahl von ethnischen Restaurants sagt nichts über deren Qualität aus. Das deutsche Essen hier ist bis auf das „Gasthaus on the lake“ quasi nicht vorhanden – ist nicht weiter schlimm, spricht aber nicht gerade für kulinarische Vielfalt. Was haben wir noch? Der sogenannte „Donair“. Sorry, aber da muss ich mich wirklich totlachen. Was man hier geboten bekommt für sein Geld ist der pure Witz, im Vergleich zu den Dönern in Deutschland. Und das schon für 2-3 Euro. Indische Küche. Gibt es hier genauso wie in Deutschland, kann man auch nicht meckern, ist locker vergleichbar. Asiatische Bistros und Restaurants auf gutem Niveau gibt es hier ebenfalls (koreanisch, japanisch, kantonesisch), genauso wie in Deutschland. Was allerdings natürlich komplett fehlt hier in Kelowna bzw. in Kanada ist die Vielfalt. Ketten über Ketten (Moxies, Milestones, Oras, Cactus Club, White Spot, Earls, Joeys, Red Robin, Fatburger, und so weiter). Ich kann nicht verstehen wie man angesichts dieser erdrückenden Eintönigkeit von ethnischer und kulinarischer Vielfalt sprechen kann. Wo man in Deutschland von Stadt zu Stadt immer eine unterschiedliche Gastronomielandschaft vorfindet, mit Familienbetrieben und Gasthäusern aller Art, inklusive den ethnischen Restaurants guter Qualität, bekommt man hier immer und immer wieder die selben Menüs vorgesetzt in den kaum zu vermeidenden Franchise Ketten.

Ich finde dieses Land super, die Leute auch, aber bitte, bitte seien Sie etwas objektiver wenn es um die kulinarische Seite von Kanada geht.

Liebe Grüße,
Stefan

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Ralf Koenig 22. Juli 2011 - 04:47

Peter Iden behauptet !!!!!

Der 5-Sterne Resort, gegen den er sich aussprach, ist inzwischen
gebaut worden und bedeutet einen grossen Zustrom von Besuchern,
oekonomisch wertvoll fuer die Gegend.

Es ist sogar einer der Spezial-Plaetze in der neuen TV-Serie „West
Coast Escapes“.

http://www.westcoastescapestv.com/
http://www.livingatthemanor.com/
http://trepaniermanor.blogspot.com/

Meine Auffassung von U.L. war also nicht daneben geschossen, denn
saemtliche meiner Beitraege im KanadaSpezialist (oder wo immer sie
sonst noch erscheinen) kommen niemals ohne erhebliche Recherchen
zustande.

HAHAHA
Wir sind gerade mit dem Wohnmobil an diesem „5-Sterne Resort“ vorbei gefahren (18.July.2011). Da steht nichts, eine Steinwueste, kein Hotel, nur ein ‚altes Musterhaus‘ plus ein schäbiger Eingang, null.
So viel zu den ‚erheblichen Recherchen‘ – der Mann hat keine Ahnung.

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John J Feller 1. Februar 2011 - 18:45

ich bin mit ueber 40 Jahren Canada mit dem Kommentar von Peter Iden absolut einverstanden. Allerdings gibt es immer noch einige „kanadische Gewohnheiten“ die mich immer noch erstaunen: zB ein Kellner der ein Bier und ein Glas an den Tisch bringt und das Glas nur rund 2 cm fuellt. Fuer mich ist halt ein Glas Bier immer noch mit einem Schaumkragen. Ellbogen auf dem Tisch oder eine Hand beim Essen im Schoss sind mir auch fremd. Meine Soehne gehen/gingen hier in eine Privatschule mit Uniform und Beobachtungen der Umgangsformen im und ausserhalb des Klassenzimmers. Benehmen ist also auch hier bekannt lebt sich aber neben dem ungezwungenen Lebenstil ganz friedlich zusammen. (gelebte Toleranz!) Ich bin auch erstaunt, dass in vielen Restaurants ein Flaeschchen mit einem – fuer meinem Geschmack – graesslichen Essig (neben Ketchup, Salz und Pfeffer) steht, damit die Leute davon ein paar spritzer auf die Pommes Frites tun koennen. Man muss ja nicht alles mitmachen und braucht auch von den Kanadiern nicht zu verlangen alles von uns zu uebernehmen. Jeder wird auf seine Art gluecklich.

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Stepanow 7. Januar 2011 - 17:11

Hahha, sind wir mal ehrlich, der Uli laux ist doch gefrustet weil er es in Kanada zu nix gebracht hat!! Ist schon komisch, er hat 2004 und 2006 bereits sein Buch “ Abenteuer Kanada“ veröffentlicht, jetzt im Jahr 2010 hat er eine neue Version rausgebracht, bei amazon.de für 28 Euro zu kaufen! Mal ehrlich, das Buch kauft doch keiner, zumindest nicht viele, es gibt billigere uns bessere Bücher über Kanada!!
Und was die Auswanderer angeht, hab selber viele Verwandte in Kanada, bin oft dort und meistens ist es so, dass die Leute die es in Kanada zu nix gebracht haben am meisten über Kanada schimpfen!!!

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Kerstin Auer
Kerstin Auer 7. Januar 2011 - 04:05

Hallo Peter,
habe mich über Deinen Artikel köstlich amüsiert. Wir haben hier in Merritt, BC auch ein paar deutsche Auswanderer, die an allem kanadischen was auszusetzen haben… die Kanadier hier nehmen’s aber meistens gelassen und fragen dann nur „Ja was hält Dich denn hier – es steht Dir frei zu gehen!“
Wir leben seit drei Jahren hier und ich bin sicher keine Expertin, kann aber eines sicher sagen: in Kanada kann man absolut nichts über einen Kamm scheren. Kanada steht keinem anderen Land etwas nach wenn es um Kultur und Vielfalt geht!
In diesem Sinne – Gruß aus BC
Kerstin

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