Tierwelt Kanada – Die Lachse – Teil 1

von Peter Iden

Der Begriff “Lachs” (Salmon) ist so synonym fuer Kanada wie “Ahorn-Sirup” (Maple Syrup). Aber nur wenige Lachs-Esser, besonders in Europa, kennen die Geschichte der verschiedenen kanadischen Lachs-Arten, weil es in Europa nur den Atlantischen Lachs gibt.

Der Atlantische Lachs wird heute fast ausschliesslich in Lachs-Farmen aufgezogen, selbst im Pazifischen Kanada, wo er urspruenglich nicht beheimatet war. Atlantische Lachse werden fast 100% “kuenstlich” aufgezogen, d.h. in kontrollierten “Kaefigen”, die fast nur in den geschuetzten Buchten nahe den Auslaeufen der Fluesse befinden. Jaehrlich produzieren die Aqua-Farmen 1,6 Milliarden Tonnen Atlantik-Lachs, dreimal so viel wie wie wilde Lachs-Faenge.

Eine einzige norwegische Firma produziert heute 20% der Farm-Lachse weltweit. Ihre Atlantischen Lachse werden im Atlantik in Norwegen, Schottland, Kanada, Chile, Irland und den Faroe-Inseln aufgezogen. Im Ost-Pazifik befinden sich viele Hunderte von Farmen in Alaska, British Columbia, den USA (Washington, Oregon, Kalifornien), und in Sued-Chile. Auf der anderen Seite des Pazifik gibt es Lachs-Farmen in Russland (Kamchatka, Magadan, Primorye), Korea, und sehr zahlreiche in Japan. In Kanada gehoeren den Norwegern 91% der Fischfarmen im Atlantik und Pazifik. Selbst in den Pazifischen Regionen farmen sie nur Atlantische Lachse und nicht die eingeborenen Pazifik-Lachse.

http://www.stateofthesalmon.org/resources/maps/

Die Zucht von Atlantischen Lachsen bringt Probleme mit sich, die sich sehr negativ auf die Pazifische Lachs-Bevoelkerung ausgewirkt haben. Die in konzentrierten Massen aufgezogenen Atlantik-Lachse werden mit unnatuerlichem, chemikalisch angereichertem Futter aufgezogen. Weil sie in so konzentrierten Mengen in relativ kleinen Netzkaefigen leben, enden saemtliche Abfaelle auf den Seeboden unter den Kaefigen und verpesten das Wasser.

See-Kaefige (net pens) sind gewoehnlich “Netze” aus Stahl oder PVC. Sie sind entweder quadratisch oder rund, 10 bis 32 Meter breit und 10 Meter tief, mit einem Fassungsvermoegen von 1,000 bis 10,000 cbm. Bis zu 90,000 Lachse passen in die groesseren Netz-Kaefige. Ein Dutzend oder mehr solcher Kaefige werden oft zusammen ausgelegt, enthalten also eine Million oder mehr Lachse.

Die neuesten Plaene der grossen Fisch-Farm-Konzerne laufen darauf hin, zukuenftig auch andere Karnivoren der Fischwelt, wie Heilbutt, Thunfisch, Stockfisch und Snapper in See-Kaefigen aufzuziehen. Die meisten Fischarten sind Karnivoren. Die oekologischen Probleme und Nachteile von Fisch-Farmen koennen sich also nur noch verschlechtern.

Eine amerikanische Firma arbeitet augenblicklich (im Auftrag der europaeischen Firmen) an einer Art “Bio-Tech Lachs”, dessen Groesse durch genetische Veraenderungen auf das Doppelte des augenblicklichen Maximal-Gewichts gebracht werden kann. Niemand weiss natuerlich, welche Umwelt- und Gesudheits-Schaeden dieser “Frankenfisch” verursachen kann und wird.

http://www.tu.org/sites/www.tu.org/files/TROUT-Frankenfish.pdf

In British Columbia gibt es heute bereits mehr als 150 Lachsfarmen, hauptsaechlich in den Flussbuchten zwischen dem Festland und Vancouver Island, aber auch an der Pazifik-Kueste von Vancouver Island. Eine grosse Anzahl dieser “Exoten” sind waehrend Stuermen und aus anderen Gruenden aus den Kaefigen entkommen. Sie benehmen sich wie andere Lachsarten und konkurrieren jetzt mit den eingeborenen Lachsarten in bereits mindestens 85 Fluessen in Oregon, British Columbia und Alaska.

Wenn ich in den folgenden Paragraphen mehr als Aktivist und nicht als Weitergeber von Fakten erscheine, moechte ich klar stellen, dass ich nur das Letztere bezwecke. Ich bin kein Fanatiker, der darauf besteht, niemals Farm-Forellen zu verzehren. Es ist einfach zu umstaendlich (und zu teuer) wilden Alaska-Lachs im Inland Kanada’s zu bekommen. Zumindest jedoch kann man den Atlantik-Lachs im Supermarket beiseite legen und den Pazifik-Lachs waehlen, auch wenn selbst dieser gewisse negative oekologische Elemente enthaelt
.
Wile Lachse suchen den Weg zu den Laichgruenden in denselben Gewaessern, in denen auch die Farmen ihre Kaefige platziert haben. Diese Fische muessen das verpestete Wasser durchschwimmen, um in ihre Laichfluesse zu gelangen. Auf ihrem Weg zu diesen fressen sie andere Fische aus diesen Gewaessern, die unter Umstaenden ebenfalls durch Farm-Abfaelle verseucht sind. Wenn sie ihre Fluesse erreichen, hoeren die Lachse auf, zu fressen.

Schlimmer ist jedoch dass auch die neugeborenen Lachse die Kuesten-Gegenden, in denen die Farmkaefige gelegen sind, auf ihrem Weg in den Ozean durchschwimmen muessen. Viele von ihnen sterben dabei durch die im Wasser vorhandenen Kot- und Futter-Abfaelle von zig-Millionen Farm-Lachsen, sowie durch die Antibiotica und andere Medikamente und Petsizide, mit denen das vorwiegend aus Fischmehl bestehende Futter der Fische behandelt wird. Viele andere wiederum sterben an den Parasiten und Krankheiten, die von den zusammen gepferchten Farm-Lachsen beherbergt werden und in die umliegenden Gewaesser entkommen sind.

Die Pazifischen Lachse sind in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden. Die meisten Fischer an der Westkueste haben sich wegen der schlechten Faenge auf andere Fischerei-Branchen umgestellt, z.B. auf Heilbutt, aber auch auf Garnelen und Krabben (King Crabs), sowie Muscheln.

“Sea Lice” (Fisch-Laeuse) sind praesent auf vielen wilden Pazifischen Lachsen. Aber sie sterben mit ihren “Gastgebern”, wenn diese in den Fluessen gelaicht haben. Die jungen Lachse haben weder Seelaeuse noch andere Lachs-Krankheiten. Aber waehrend sie die Gewaesser der Lachs-Farmen auf ihrem Weg in den Ozean durchschwimmen, setzen sich nicht nur Fischlaeuse auf ihnen fest, sondern sie werden auch anderen Lachs-Krankheits-Erregern ausgesetzt. Das Resultat ist katastrophisch: viele von ihnen ueberleben ihre Reise in den Pazifik nicht.

http://www.naturschatz.org/kanada/panfish.htm#4

Nach den schlechten Faengen wilder Sockeye-Lachse der letzten Jahrzehnte war der Pazifik vor der Kueste von Sued-BC im September 2010 ploetzlich mit vielen Millionen dieser Fische belebt. Ein Fischerei-Boot fing vor dem Eingang des Fraser River so viele Sockeyes in ihrem Schleppetz, dass sie es selbst mit ihrem Kran nicht heben konnten. Die Lachse mussten mit “Eimer-Netzen” aus dem Schleppnetz geholt werden. Der Kapitaen schaetzte den einmaligen Fang auf 25,000 bis 35,000 Sockeyes.

Eine sehr gute Nachricht fuer Lachsfreunde, und ein Beweis dafuer, dass der Mensch die Eigenheiten der Natur niemals voraussagen kann. Noch im letzten Jahr dachte man, dass die Sockeye Salmons dem Aussterben nahe sind. Trotzdem aber hat der rapide Anstieg der Lachs-Farmen verheerende Auswirkungen auf die gesamten Oekosysteme. Anderes Seeleben hat in der Umgegend der Lachs-Farmen keine Chance (Spiegel Online Wissenschaft).

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,701271,00.html

http://www.neues-deutschland.de/artikel/173496.lachsfarmen-zerstoeren-umwelt.html

http://www.cbc.ca/technology/story/2010/11/09/science-salmon-sea-lice-fish-farm.html

Bisher konnte jedoch noch niemand erklaeren, warum nach so vielen schlechten Lachsfang-Jahren ploetzlich Lachse in ungeahnter Anzahl auftauchten. Die Zyklen der Natur sind immer noch nicht voll erforscht, und oft noch unverstanden.

Allerdings ist bekannt dass ozeanische Temperatur-Schwankungen von nur wenigen Graden gewaltige Umschwuenge in den Fischwanderungen mit sich bringen. Der Untergang der Sardinen-Industrie der US-Westkueste in der Mitte des 20. Jahrhunderts ist ein gutes Beispiel dafuer. In den 1940’er Jahren machten Sardinen 25% des gesamten amerikanischen Fischfangs aus. Anfang der 1950’er Jahre gingen die gewaltigen “Sardine Runs” ploetzlich rapide abwaerts. Zwar war die intensive Fischerei der Kalifornier einer der Gruende fuer diesen Umschwung, aber es gab auch zur gleichen Zeit Aenderungen der Pazifik-Stroemungen und Temperaturen.

Die westamerikanische Kueste von Baja California bis British Columbia ist eine der produktivsten Fischerei-Gebiete der Welt. Es ist hier wo die Nordpazifische Stroemung gegen die Festland-Platte prallt und das kuehlere Wasser der unteren Schichten an die Oberflaeche bringt. Es ist angereichert mit Phytoplankton, den mikroskopischen Lebewesen, welche die Haupt-Nahrungsquelle vieler Fische aller Groessen sind, von Sardinen bis zu den Walen.

Aber wie die Sockeye-Lachse, so unterliegen auch andere Fischarten ihren Zyklen, die sich oft ueber 40 und mehr Jahre ausdehnen. Solche Zyklen existieren ueberall in unserer Welt, und die augenblicklich so populaere “Globale Erwaermung” ist nur einer davon, wenn auch mit sehr viel weiteren Auswirkungen als die “kleinen Zyklen”. Der oft publizierte, sich etwa alle 11 Jahre wiederholende (augenblicklich niedrige) Wasserstand der Grossen Seen, beruhend auf den Niederschlaegen im Sommer und Winter, ist ein anderer Zyklus der Natur, den ich persoenlich schon fuenfmal mit erlebt habe.

Bevor ich es vergesse zu erwaehnen: Woher stammt die rosa-rote Farbe des Lachs-Fleisches? Nun, wilde Lachse fressen Krill und andere winzige Schalentiere des Ozeans, Farm-Lachsen dagegen wird die chemisch produzierte Farbe in ihrem Fischmehl-Futter zugegeben, sodass ihr Fleisch nicht grau erscheint.

Die Frage, welche Lachse die besten, oder vielmehr die gesuendesten sind (Pazifische, Atlantische oder Arktische), werde ich im zweiten Teil beantworten.

Peter Iden

Brampton, Ontario, Kanada

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2 Kommentare

frank 3. Februar 2018 - 18:16

Name: Frank Mattheis

Betreff: Teil 2 lachsarten

Nachricht:
Hallo Peter, sehr interessanter Artikel! Wo finde ich denn Teil 2?
Gruß Frank Mattheis

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Was essen Kanadier - Teil 3 - KanadaSpezialist.com 13. Juni 2017 - 12:11

[…] Kanada im KanadaSpezialist geschrieben, und es hat sich auf diesem Gebiet seitdem nichts geändert: https://www.kanadaspezialist.com/2011/02/22/tierwelt-kanada-die-lachse-teil-1/3679/ […]

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