Tierwelt Kanada – die Lachse – Teil 2

von Peter Iden

Kanada - LachsDie Frage ist also: welche Lachse und Forellen sind die besten, oder vielmehr die gesuendesten: Pazifische, Atlantische oder Arktische? Bevor diese Frage beantwortet werden kann, zuerst einmal etwas mehr ueber die Lachse.

Die Lachse der Welt

Lachs (Salmon) ist der gebraeuchliche Name fuer mehrere Arten der Ordnung Salmonidae. Forellen (Trout) gehoeren zu derselben Ordnung. Vereinfacht gesehen sind Lachse “Wanderfische”, waehrend Forellen mehr oder weniger “ansaessig” sind. Aber auch Forellen “wandern” beschraenkte Entfernungen flussaufwaerts, um zu laichen.

Der Atlantische Lachs, (Atlantic Salmon – Salmo salar) ist als einzige Art nur im Nordatlantischen Ozean beheimatet. Obwohl er die meistverkaufte Lachsart in der Welt ist, wird er fast ausschliesslich in “Farmen” aufgezogen, und ist als “wilde” Lachsart auf der “Roten Liste”, d.h. mit dem Aussterben durch Ueberfischen bedroht.

Der Pazifik dagegen beherbergt ungefaehr ein Dutzend Arten der Familie Onorhynchus. Die beiden wichtigsten Arten in Kanada und dem Nord-Pazifik sind der “Blauruecken” (Sockeye Salmon – O. nerka, bis zu 40 cm lang) und der “Silberlachs” (Coho Salmon – O. kisutch, bis zu 85 cm). Der “Kokanee” ist die landgebundene Suesswasser-Art des Blaurueckens.

Auch sehr beliebt ist der “Buckellachs” (Pink Salmon – O. gorbuscha, bis zu 65 cm), anwesend im noerdlichen Pazifik bis Nord-USA und Korea. Bei Ozean-Fischern ist natuerlich der pazifische “Quinnat-Lachs” (Chinook Salmon – O. tschawytcha, bis zu 130 cm) als Kaempfer an der Leine bekannt. Eigenartigerweise ist Neuseeland das einzige Land suedlich des Aequators, in dem sich aus Nord-Amerika eingefuehrte “Chinooks” etabliert haben.

http://www.teara.govt.nz/en/trout-and-salmon/3

Den “Ketalachs” (Chum Salmon – O. keta, bis zu 95 cm) findet man entlang der Pazifik-Kueste von Oregon bis Alaska, sowie in Ostasien bis Korea, wo er ein wichtiger Speisefisch ist. Den “Masu-Lachs” gibt es nur vor Ostasien, waehrend der “Lenok-Lachs” landgebunden in den nord- und ostasiatischen Fluessen lebt.

Lachse werden in Suesswasser-Fluessen geboren. Einige Arten, wie z.B. der Silberlachs (Coho) verbringen 3 Jahre im Suesswasser, andere wiederum wandern schon nach wenigen Monaten in den Ozean, um spaeter wieder als Erwachsene in die Suesswasser-Fluesse zum Laichen zurueck zu kehren. Ob sie immer zu ihrem Geburtsort zurueck kehren, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, obwohl einige der Lachse, ausgeruestet mit “tracking devices” tatsaechlich in dieselben Fluesse zurueck gekehrt sind, in denen sie geboren wurden.

Die Pazifischen Lachse sterben in den Fluessen, nachdem sie gelaicht haben. Atlantische Lachse dagegen kehren in den Ozean zurueck und koennen ihren Brut-Zyklus mehrmals wiederholen. Trotzdem sind wilde Atlantische Lachse Seltenheit geworden, und die Freilassung von jungen Lachsen in den Fluessen um den nordatlantischen Ozean bringt die Bevoelkerung nicht sehr viel hoeher. Sie muss oft jaehrlich wiederholt werden, um mit dem Absterben der Lachse Schritt zu halten. Auch hier macht sich die Anwesenheit zahlreicher Lachs-Farmen sowie Ueberfischen nachteilig bemerkbar.

Alaska-Lachs

Alaska-Lachs wird allgemein als “Wilder Alaska-Lachs” angepriesen. Das stimmt zwar nicht ganz, denn auch Alaska-Lachse werden zuerst auf Farmen aufgezogen. Aber im Gegensatz zu Atlantik-Farm-Lachsen, die ihr Leben in den Kaefigen verbringen, bis sie ausgewachsen sind, werden die Alaska-Lachse sehr jung im Ozean ausgesetzt und die ausgewachsenen Lachse dort in Netzen gefangen.

Vor wenigen Monaten kauften wir zwei kleine Pakete geraeucherten Coho-Lachs. Die Pakete waren klar als “Wild Pacific Salmon” identifiziert. Nach dem Essen bekamen beide von uns Magenschmerzen und eine kleine Fischvergiftung. Ich fischte die Packungen aus dem Muell, und sieh da, der Lachs kam aus einem Land, in dem es keine Lachse gibt: China.

Tatsaechlich wird wilder Atlantik-Lachs und wilder Pazifik-Lachs vor British Columbia und Alaska gefangen, ausgenommen und geschnitten, um dann gefroren nach China transportiert und dort vorbereitet und verpackt zu werden.

Ungefrorenen Lachs gibt es nicht oder kaum. Selbst auf den Fangschiffen wird er bereits teilweise gefroren oder unterkuehlt, und ueber die langen Strecken in Nord-Amerika oder sogar nach Uebersee wird er natuerlich nur gefroren transportiert. Nur wenn man ihn direkt aus Alaska bestellt und in einer Trockeneis-Packung einfliegen laesst, kann man Pazifischen Lachs und Arktischen Lachs frisch geniessen. Aber die Preise sind unglaublich hoch.

http://www.wildpacificsalmon.com/site/680079/page/439406

http://www.northwest-seafood.com/wild_salmon_news.htm

Die endgueltige Antwort darauf, welchen Lachs man essen will oder kann, muss sich jeder Lachs-Esser selbst geben. Um die Meinung einer der vielen Naturschutz-Organisationen zu umschreiben: “Die Verbraucher sollten Lachsprodukte aus der Aquakultur meiden. Es sind dieselben multi-nationalen Konzerne, die in Deutschland norwegischen und schottischen Lachs verkaufen und in Kanada und anderen Laendern mit ihren Lachsfarmen die Wildlachsbestaende ruinieren. Auch in Europa hat die Zucht von Lachs fatale Folgen für die Gewässer, Wildlachsbestände und durch den hohen Fischmehlverbrauch auch auf die Fischbestände der Weltmeere.”

Leicht gesagt, schwer getan. Zumindest jedoch muessen in der EU wie auch in Nord-Amerika alle Fisch-Produkte auf ihren Verpackungen mit ihrem Ursprungsland identifiziert werden. Das laesst also nur noch die Frage “Atlantisch”, “Pazifisch” oder “Arktisch” offen.

Peter Iden

Brampton, Ontario, Kanada

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