Gute RESTAURANTS in der Provinz von Québec – [TEIL 2]

by Marc Lautenbacher
Haupteingang zur Auberge du Mange Grenouille in Le Bic (Québec)

Haupteingang zur Auberge du Mange Grenouille in Le Bic (Québec)

Sozusagen inmitten der kanadischen Wildnis, fast ganz im Osten der Provinz Québec, habe ich im vorvergangenen Sommer für unsere Leser in Le Bic ein fantastisches Restaurant mit angegliederter Herberge, dieses Mal zwei volle Tage lang, besucht. Und das war bereits das dritte Mal, zusammen mit meiner kanadischen Lebensgefährtin, die den vielen hiesigen Gaumenfreuden ebenfalls nicht abgeneigt ist.

Um zu verstehen, was ich unter kanadischer Wildnis meine, kann man sich durch meinen weiteren Beitrag leicht selbst einen Eindruck vom „Le parc national du Bic“ verschaffen. Nur einen Steinwurf vom „Mange Grenouille“ entfernt erstreckt sich ein Naturparadies wie es im Buche steht: Einsame Buchten, echter Urwald, die wilde Felsküste, wildlebende Robben im Sankt Lorenz Strom sowie landschaftlich besonders eindrucksvolle Stellen. Bei meinem ersten Besuch vor nunmehr knapp 13 Jahren fühlte ich mich dort so wirklich in Kanada!

Aber nun zurück zum Restaurant mit seiner weit über die Region hinaus bestehenden Reputation, welches im Jahr 2010 schon sein zwanzigjähriges Bestehen feiern konnte. Nicht zuletzt auf Grund der Detailverliebtheit von Inhaberin Carole Fauchet und ihrem Partner Jean Rossignol. Auf den gut gemachten Webseiten des Hauses sieht man genau, was ich meine. Schon wenn man das Restaurant betritt, wird man von einer Atmosphäre des ganz im viktorianischen Stil gehaltenen Interieurs eingefangen. Man fühlt sich viel eher in einer klassischen, romantischen Theaterinszenierung als in einem Gourmet-Tempel: mit liebevoll ausgesuchten Accessoires, exklusiver Büchersammlung im eigenen Leseraum, dezenter Beleuchtung, Kunstobjekten und stilvoller Möblierung sowie überall – „echte“ Kerzen, ganz ungewöhnlich für Kanada. Wobei es sich die Hausherrin nicht nehmen läßt, diese jeden Abend persönlich zu entzünden.

Eines der Zimmer in der "Auberge du Mange Grenouille" in Le Bic (Québec)

Eines der Zimmer in der „Auberge du Mange Grenouille“ in Le Bic (Québec)

Schimpfname für ein feines Restaurant ?

Wer etwas französisch kann, wird sich über den Namen des Hauses wundern, da er nichts anders als „Frosch-(Fr)Esser“ bedeutet. So nämlich wurden die Franzosen von ihren Erzfeinden, den Engländern, bereits im 17. Jahrhundert getauft und man hat aus diesem Grund, nicht ganz ohne Augenzwinkern, diesen (Schimpf)-Namen für das feine Haus gewählt.

„Das Leben ist viel zu kurz, um trostlos zu speisen!“ lautet das Motto der pünktlich zum Jubiläumsjahr neu dazu gestoßenen Küchenchefin Marie-Sophie Picard. Bei unserem kurzen Gespräch zum Porträtfoto im Garten erzählte sie mir ihren bisherigen, beruflichen Lebensweg, der nicht nur von „Guide Michelin“ gekrönten Häusern in ganz Frankreich gesäumt ist sondern ebenfalls von der Repräsentanz der Regierung von Québec in Paris und weiterer Spitzenhäuser der gehobenen Gastronomie. Auf meine Nachfrage zu ihrem Familiennamen, der häufiger in der Gegend des Huronen-Reservates Wendake vorkommt, wie ich weiß, antwortete sie mir: „Ja, mein Vorfahren sind tatsächlich Indianer vom Stamm der Huronen.“ Ein Umstand, der mir ihre Kochkunst noch ein wenig sympathischer gemacht hat.

Nur mal ein Beispiel: Tartar von frischem Lachs, dazu Stangensellerie mit ausgelöstem Hummerfleisch zusammen mit feinem Orangenpüree, darüber Krebsfond à la Vanille als Vorspeise. Danach Filet vom Heilbutt in Butter mit braunem Rum leicht gebraten, zusammen mit einem Schulterstück vom Wildschwein, geschmort mit eingelegten Tomatenstückchen, Anis-Soße und gedämpftem Weisskohl. Und dazu ein herrlicher Chablis, kredenzt von Elène, der Sommelière des Hauses. Es war ein wahrlich himmlischer Genuss, den wir am zweiten Abend mit einem Vier-Gänge-Menü, ganz nach Laune unserer indianischen Küchenchefin, noch die Krone aufsetzen durften.

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, daß wir nach dieser kulinarischen Offenbarung und einem ausgiebigen Spaziergang nur noch in unser Himmelbett gefallen sind. Und das bloß zwei Etagen höher in einem der zweiundzwanzig Zimmer der feinen Herberge. Wie heisst das Motto des Hauses so schön: „Für Liebhaber des Landes und der schönen Dinge des Lebens!“ (Marc Lautenbacher/Québec)


Auberge du Mange Grenouille
148, rue Sainte-Cécile
Le Bic (Québec) Canada
G0L-1B0
Telefon: (1) 418-736-5656

www.AubergeDuMangeGrenouille.qc.ca

Wissenswertes:

„Le parc national du Bic“ ist einer der 25 Nationalparks der Provinz von Québec, die in ihrer natürlichen Ursprünglichkeit vollständig bewahrt werden. Die Fauna und Flora dieser Ökosysteme darf durch keinerlei menschlichen Einfluss verändert werden, so die Statuten der Organisation „La société des Etablissements de plein air du Québec“, kurz SÉPAQ. Der Nationalpark, bekannt durch seine bedeutende Population an Robben und Greifvögeln, liegt direkt bei dem kleinen Ort Le Bic, nur 15 Kilometer vor der Provinzhauptstadt Rimouski und knapp 300 Kilometer nördlich der Stadt Québec. Er hat eine Gesamtfläche von 33,2 km² und gehört damit zu den kleinern Naturschutzgebieten. Zum Vergleich: Der Wood Buffalo National Park in Alberta mit einer Fläche von 44.802 km² ist der größte kanadische Nationalpark.

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2 Kommentare

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Daniela Gotta 10. Oktober 2015 - 12:16

Lieber Marc Lautenbacher, ich bitte um Kontaktaufnahme. Lieben Dank.
Daniela Gotta

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Bob 25. August 2013 - 21:46

Das ist natürlich ärgerlich. Ich kam erst vor Kurzem aus Quebec wieder. Aber ich freue mich schon auf meinen nächsten Trip und habe mir den Artikel gebookmarked! Danke auf jeden Fall dafür! 🙂 Gruß Bob

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