Die bekanntesten Kunstwerke der Küstenstämme

von Roland Kiemle

Die bekanntesten Kunstwerke der Küstenstämme der Haida, Tlingit, Bella Coola und Tshimshian-Indianer – waren die frei stehenden Totempfähle, an die 15 bis 20 m hoch, die gewissermaßen als Wappenschilder vor den Langhäusern aufgerichtet wurden, bei Begräbnissen, zur Erinnerung an verstorbene Häuptlinge oder auch einfach, um Macht und Prestige der Sippe zu demonstrieren und dekorativem Kunstsinn Genüge zu tun. Gewöhnlich wurde das Aufstellen eines Totempfahls von einem “Potlach” umrahmt, einem tage-, wochenlangen Fest, bei dem Gastgeber Geschenke zu verteilen hatten – und zwar so reichlich, dass sie die Gaben des vorangegangenen Potlach der Gegenseite in den Schatten stellten.
Die auf den Totempfählen am häufigsten abgebildeten Figuren waren die Wappentiere der einzelnen Clans: Frosch, Bär, Adler, Rabe, Wolf, Eule, Heilbutt und Donnervogel, Biber, Wal, wobei das ranghöchste Tier naturgemäß an der Spitze thronte. Bemalt wurden sie mit Farben aus Fichtenharz, Beeren und Wurzeln, deren Bindemittel ein Extrakt aus Spucke, Lachsrogen und feinzerkauter Zedernrinde war.

Die eigentliche Blütezeit dieser Kunstwerke setzte erst nach der Ankunft der Weißen und ihrer im Pelzhandel getauschten Stahlwerkzeuge ein. Doch so leicht das Zedernholz nun zu bearbeiten war, so rasch verrottete es auch in dem feuchten Pazifik-Klima. Länger als 5 oder 6 Jahrzehnte überdauerte selten ein Totempfahl, und viel älter sind auch -trotz moderner Konservierungstechnik – die Totems nicht, die im alaskanischen Sitka, Wrangell und Ketchikan, entlang der Küste von British Columbia und auf den Haida Gwaii (Queen Charlotte Islands) heute noch zu bewundern sind.

Longhouse auf Vancouver Island.

 

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