Unimog Abenteuer in Canada: Manitoba & Saskatchewan

von Stefan Dr. Kelbch

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17. Juni 2016

Im Visitor Center von Manitoba decken wir uns mit Karten und Infomaterial ein. An einer Tankstelle wird noch die erste Fishing Licence für Manitoba gekauft. $ 37 für ein Jahr Gültigkeit. Kürzere Laufzeit lohnt nicht.

Jetzt reicht es aber mit der Fahrerei.
Am Caddy Lake im Whiteshell Provincial Park stellen wir SUMO für die Nacht ab.
Bei einem Spaziergang zum See und einem kleinen Flüsschen sehen wir ein komisches Tier: Fast durch den Pelzhandel ausgerottet, jetzt Wappentier von Canada: Mr. Beaver.

Durch die Zeitverschiebung sind wir schon sehr früh wach und machen uns bald auf den Weg durch den Whiteshell Park. Early bird zahlt sich aus:  drei Weißwedel-Hirsche sind auch so früh unterwegs. Wir fahren zu den Rainbow Falls, die – entsprechend der geringen Höhendifferenzen hier in der Gegend –  bescheiden ausfallen.
Es gibt einen kleinen Steg, der ideal zum Angeln ist. Also erstmals das Angelzeug rausgeholt und ein paar Mal den Blinker ausgeworfen. Beim zweiten Wurf schon ein Biss, ein kleiner Hecht geht an die Angel.

Zu klein, um sich als Abendessen zu lohnen, also wieder rein mit ihm in den See. Habe noch zwei beinah-Bisse (Attacke auf den Blinker, als ich ihn schon herausziehe), aber keinen Biss mehr. Um 10 Uhr reicht es und es geht weiter.
Nach ein paar km sehen wir ein kleines Schild „Petro-Forms“. Wat is dat denn?
Wir stoppen und erfahren, dass es sich um achäologische Steinlegungen uralter, indigener Stämme in Form von Tieren und Menschen handelt. Das müssen wir natürlich sehen. Sie sind auf fast ebenen Steinplateaus im Wald zu finden, Bieber, Schildkröten, Schlangen und Undefinierbares.

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Petro-Form: Schildkröte aus Steinen gelegt

Ein riesiger Steinkreis mit Lagerfeuern zeugt davon, dass diese Stätte noch heute von den Natives verehrt wird. Überall sind bunte Stofffetzen an die Bäume gebunden und an vielen Stellen findet man Opfergaben in Form von Kleingeld, Schmuck u.a. Kuriositäten. Ein Paar Socken, ein alter Pullover und ein 20$-Schein waren auch zu finden.
„Boah,  $20, warum hast du die nicht mitgenommen?“ – wird so mancher fragen, der keinen Respekt vor solchen Orten hat… Und außerdem, wer weiß, was für uralt-indianische Flüche einen treffen, sollte man diesen Ort entweihen. Könnte fast so schlimm kommen, wie eine uralte Zigeunerin auszulachen…
Wir haben auch etwas für die Geister dieses Orts geopfert, man kann ja nie wissen…

Bald darauf verlassen wir den Park und kommen bald nach Selkirk, wo wir tanken und
6 inch und 1 foot vertilgen (bei Subway wird noch in imperialen Einheiten gemessen und berechnet).
Dann wird die Landschaft langweilig: Straßen laufen immer geradeaus, schneiden sich rechtwinkelig. Rechts Kartoffeln, links Wiesen mit Kühen, dann mal  umgekehrt und alle 5 Meilen eine Siloanalage. Kann man stundenlang erleben, besonders im Süden von Manitoba. Noch ein paar Hirsche.
Elke lotst uns an das Ufer des Lake Manitoba, den zweit-größten See bei Winnipeg. Der größere Lake Winnipeg ist der 10.-größte Frischwassersee der Welt. Dort stellen wir uns am Strand einer aufgelassenen Campinganlage direkt am Wasser ab. Da Samstag ist, sind einige Familien mit ihren Kindern beim Baden. Auch wir streifen die Badeklamotten über und versuchen das kühle Nass. Etwas sandig und flach, aber erfrischend. Blauer Himmel, die Sonne scheint warm, wir sitzen unter Palmen… ääh, Pappeln und genießen kanadisches Bacardi Feeling!
Aus Nordwesten ziehen aber sehr dunkle Wolken heran…
02:38 Uhr: Mit einem Donnerschlag fahren wir aus den Betten, ein Blitz muß ganz in der Nähe eingeschlagen haben, so laut war der Knall. Es ist fast taghell vom andauernden Wetterleuchten. Ein Blitzkonzert ohnegleichen. Dazu dann ergiebige Regenfälle. Nur langsam schlafen wir wieder ein. Als es hell wird sehen wir, dass der halbe Campground unter Wasser steht.

Wir müssen ein Stück zurück fahren und dann geht es weiter mit endlos geraden Straßen durch landwirtschaftliches Gebiet. Elke lotst mich auf kleine Gravelroads („ist kürzer“) von denen ein paar stellenweise so nett verschlammt sind, dass ich den Allradantrieb einschalten darf.
Der „Riding Mountain National Park“ ist unser Tagesziel. Wir fahren von Osten in den Park ein. SUMO fährt durch das einzige noch vorhandene Tor aus 1933, als der Park gegründet  wurde.

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SUMO entering „Riding Mountain NP“

Ein Abstecher zu einem kleinen See („Whirlpool Lake“) und dann geht es zum Parkmittelpunkt Wasagaming.
Etwas touristisch hier, aber der einzige Campground im Park mit warmen Duschen.
Als erstes zieht es uns zum heute hier stattfindenden Pow-Wow, das sich auf dem Campground schon durch Musik angekündigt hat. Indianische Trommelgesänge (genau: „ehja-ehja-ehja..“ usw.), und eine gefiederte Tanzgruppe.

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Anishinabe Indianer (oder „First Nations“ wie es politisch korrekt heisst…)

Eine kleine Ausstellung über alte indianische Lebenskultur ist auch vor Ort. Neben typischen Werkzeugen und Waffen werden auch eigenartige getrocknete Kräuter gezeigt, sind die zum rauchen?
Nebean werden typisch indianische Getränke und Snacks angeboten (Cola und Hot Dogs, aber auch ein Bannock-Burger).
Dann traben wir zur Park-Info und zum Strand/Hafen, wo eine steife Briese weht und die Brecher nur so gegen die Mole rollen. Erstaunlich, was ein mittelgroßer See bei Starkwind doch für Wellen produzieren kann.
Wir flanieren durch das Örtchen und sehen uns die Speisekarten an. Heute darf es mal wieder ein Restaurant sein. Wir bleiben im „Wigwam“ hängen und laben uns an Steak und Burrito. Jetzt aber zurück Richtung Heißwasser und Seife.  Frisch gereinigt und wieder gut riechend lassen wir den Tag ausklingen

Heute soll es nicht weit gehen, bis zum Lake Audy zu einem wunderschönen Wildnis-Campingplatz, ca. 20 km nach Norden. Dort wollen wir mal wieder Radfahren, da uns der junge Mann an der Park Visitor Information bestätig hat, dass dort viele „easy bike trails“ zu finden sind. Zunächst geht es noch vorbei am „wishing well“ von Wasagaming, wo man natürlich eine Münze rein werfen muss. Der Wunsch soll dann in Erfüllung gehen. Funktioniert aber irgendwie nicht. Vielleicht geht das erst ab einem Loonie oder Toonie?  Unterwegs sehen wir  zwei Weißwedelhirsche.  Bald erreichen wir den Audy Lake Campground und finden einen wunderschönen, riesigen Stellplatz direkt am See. Außer Wasser, Plumpsklos und free firewood gibt es hier nichts… bis auf: BISONS!
Hier lebt eine kleine Population der früher fast ausgerotteten Tiere  in einer sehr großen „enclosure“ (riesiger umzäunter Bereich). Schon auf dem Weg zum Campground sehen wir entfernt drei einzelne Bullen. Nur mit 500mm Tele zu fotografieren.

Nachdem wir uns auf unserem Stellplatz eingerichtet und  die „Self Registration“ erledigt haben ($15), geht es mit den Rädern auf Tour. Einmal rund um den See, auf den einfachen Radwegen…
Der erste Teil des Trails geht immer an dem Bison-Zaun entlang. Elke bleibt plötzlich stehen und da ist sie: eine Herde von ca. 30 Bisons mit mehreren Jungtieren. Klickklickklick.
Etwas weiter, sollen wir nach Karte und Schildern abbiegen. Der Trail wird immer enger und bewachsener. Man kann unter dem ganzen Kraut die Löcher und Wurzeln nicht mehr sehen. Wir steigen ab und schieben. Nach 1 km ein kleiner „walk in campground“, kein Mensch hier. Elke wollte schon am Abzweig umkehren – jetzt aber nicht mehr. Also weiter schieben, irgendwann muss das doch mal besser werden. Wird es nicht. Es wird schlimmer. Matsch, umgefallene Bäume und Kraut ohne Ende. Verbissen kämpfen wir uns 3 km weiter bis wir an einem großen Schlammloch stehen und aufgeben. Hier geht es mit den Rädern nicht mehr weiter. Also alles wieder zurück. Freut die Moskitos, jetzt bekommen sie auch noch Nachtisch. So viel zur fachkundigen Info am Visitor Center und in allen Broschüren: „Easy bike trails“… na klar. Elke würde  den Typ am liebsten lynchen… Die Laune sinkt auf einen Tiefpunkt. Endlich erreichen wir wieder den Abzweig mit dem gut befahrbaren Weg.
Nach 1 km erhalten wir die Belohnung für die ganze Mühe, wir kommen der Herde der Bisons gaaanz nah. Langsam schleichen wir immer näher, die Bisons bleiben cool.

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Ich bin gerade am filmen, da kommt plötzlich ein voll gesatteltes Pferd angerannt (ohne Reiter)! Es ist völlig nervös, sieht die Bison- Herde, scheut und galoppiert wieder zurück. Die Bisons hat das auch erschreckt, sie hauen ab. Mistpferd! Aber wo ist der Reiter? Abgeworfen worden? Verletzt im Busch?
Wir radeln flott zurück zum Campground und informieren den Host, der die Ranger anruft.
Elke wird vom Ranger interviewt, sie machen sich auf die Suche. Später kommt der Behutete zurück und wir erfahren, dass das Pferd wieder eingefangen wurde. Es war bei einer Gruppe von drei Reitern als Ersatzpferd dabei, als es einem Bison begegnete und erschreckt die Flucht ergriff… Kein Reiter vom Pferd gefallen.
Nachdem wir schön gegrillt und gefuttert haben, nehme ich mir meine Angel und versuche mein Glück an dem einzigen kleinen Steg hier am Campground. Kann eigentlich nichts werden: Wind, hohe Wellen, aufgewühlter See…
1. Wurf mit Blinker – 1. Hecht. Ordentliche Größe, der fliegt nicht mehr rein.
Noch 5-6 Würfe und der 2. Hecht beißt an, 2 Nummern größer.  Jetzt reicht es, mehr können wir nicht essen. Das übliche Angler Foto, dann nehme ich die Fische aus und bereite sie für morgen Abend vor.

Abendstimmung und Sonnenuntergang über dem See am Lagerfeuer.  Fast schon kitschig. Wir beschließen, noch einen Tag zu bleiben und etwas zu relaxen. Der starke Wind, der den ganzen Tag ging, flaut gegen Abend ab.

Vor dem Relaxen steht aber noch etwas Arbeit. Zunächst widmen wir uns unserem Moskitoproblem. Obwohl alle geöffneten Fenster/Luken mit Moskitonetzen versehen sind, hatten wir letzte Nacht Unmengen der Blutsauger im Camper. Die Entlüftungsschlitze der Seitz/Vanglas Fenster können es nicht sein, die hatten wir schon abgeklebt. Aber die neue Dachluke über Elkes Bett zeigt bei näherer Inspektion für Moskitos riesige Einfallstore. Eine echte Fehlkonstruktion dieses Plissee-Moskitonetz. Aber mit solchen Dingen hatte ich gerechnet. 5 qm extra feine Moskitogaze haben wir dabei, die wir passend schneiden und alle Dachluken damit extra absichern. Problem sollte jetzt behoben sein.
Alle Werkzeug -Staukästen ausräumen und trocknen (sind leider leicht undicht) und die Vorgelege überprüfen sind weitere Wartungsarbeiten, die regelmäßig sein müssen. Elke bringt derweil das Innere des Campers auf Vordermann.
Dann ist  endlich Zeit für Muße.
Am Nachmittag fahre ich mit dem Fahrrad noch mal los und sehe unweit des Campgrounds einen Schwarzbär, der vor meinem E-bike  davon rennt und ein kurzes Wettrennen  auf dem Trail gestaltet, bevor er wieder in die Büsche entschwindet.
Am Abend braten wir die Hechte auf offenem Feuer. Lecker. Weniger lecker sind die vier Zecken, die mir Elke von den Beinen entfernen muss. Das ist halt Wildlife!

Am Morgen verabschieden uns die Pelikane am See. Auch ein kapitaler Büffel gibt sich auf der Rückfahrt vom Lake Audy ziemlich nah am Weg die Ehre. Außerdem hört es nicht auf mit den Bären: wir sehen zwei  Schwarze.  Die Weißwedelhirsche, die immer wieder auftauchen, lohnen schon fast nicht mehr die Erwähnung.
In Dauphin, ein Stück außerhalb der Parks wird mal wieder bei Safeway eingekauft und getankt.
Noch kurz Kaffee mit Gebäck bei TH und wir fahren den nächsten Park an, den Duck Mountain PP.
Mit äußerster Mühe erklimmen wir mit SUMO den höchsten Berg von Manitoba, den „Bald Mountain“. Hier oben wird schon die Luft dünn. Unglaubliche 831 m sind wir hoch, als wir noch 15m zulegen und einen „fire watch tower“ erklimmen.  Schöne Aussicht auf die Ebene und den Riding Mountain NP.
Irgendwo im Duck Mountain Park wollen wir übernachten, aber kostenlos. Wir checken diverse Seitenwege ab, doch kein optimaler Stellplatz zeigt sich. Zwischendurch noch ein kurzer Spaziergang durch  den Wald zu einer weiteren Aussichtplattform, mit Blick auf einen entfernten See – so etwas sieht man hier ja so selten… Nachdem wir am zweiten Campground ($) vorbei fahren, biegen wir rechts ab zu einer Bootslaunch.
Bingo! Hervorragender Platz direkt am See, neben einem Steg.
Als erstes die Stühle und der Tisch raus und am Ende des Stegs aufgebaut. Kaffepause auf leicht schwankenden Bohlen inmitten des Sees im strahlenden Sonnenschein. Das Wasser ist  nicht kalt (20°C) und lockt. Also Badeklamotten an und rein in das glasklare Nass. Tolle Erfrischung und Vollbad gleichzeitig. Schweiß und Mückenschutzmittel werden sauber abgewaschen. Danach noch eine Stunde relaxen, bis es Zeit ist für den Fisch ist. Was gefangen? Ja, Sushi von Safeway.  Das lassen wir uns an unserem See-Platz  munden.

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Nicht genug Fisch auf dem Reis? Ok, ich versuche etwas mehr zu angeln, heute leider ohne Erfolg.

Schon um fünf Uhr sind wir wach, weil es im Camper wieder von Moskitos wimmelt. Wir hatten die Fenster offen gelassen (natürlich mit Moskitonetzen oben) – trotzdem war die Plage im Haus. Auch die Seitz- Fenster sind also nicht Moskito-dicht. Da wird noch etwas zu tun sein.
Als Gravelroad geht die Straße aus dem Park heraus, um dann als Asphaltband weiter bis zum Horizont schnurgerade Richtung Norden zu laufen. Wenig Abwechslung. Wälder und Sümpfe.
In The Pas halten wir für Kaffee und Internet,. Dann weiter geradeaus.
Vor Flin Flon, das an der Grenze zu Saskatchewan liegt, suchen wir nach einem Stellplatz, haben aber kein Glück. Na dann eben in den Bakers Narrows PP auf den Campground. Für nur $ 18 gibt es einen schönen Platz am See, direkt neben einem kleinen Badestrand. Das nützen wir natürlich aus. Ein Grad erfrischender als gestern.  Die heiße Dusche danach erzeugt ein fast ungewohntes Gefühl von Sauberkeit. Elke hat mal wieder eine Niete erwischt, ihre Dusche frisst einen Toonie (=2$, die  1$ Münze heißt Loonie, wegen dem Wasservogel darauf), spuckt aber kein heißes Wasser aus. Sie bekommt in morgen zurück. Später grillen wir, bis uns Donnergrollen zum Zusammenpacken zwingt. War aber falscher Alarm, das Gewitter zieht wieder ab.

Wir fahren das kurze Stück bis Fin Flon, doch woher kommt der komische Name?
Die Story:
Flin Flon ist benannt nach Josiah Flintabbatey Flonatin, einem Abenteurer aus der Roman „Die Stadt ohne Sonne“ von E. Preston Muddock aus dem Jahre 1914. Eine Exemplar dieses Romans wurde von Prospektoren in der Wildnis von Nord-Manitoba gefunden. Als dieselben in der Nähe von Flin Flon nach Mineralien gruben, fanden sie eine Menge Gold in einem konischen Erdloch. Einer der Prospektoren, Tom Creighton (nach ihm ist ein Nachbarort von Flin Flon benannt), erinnerte sich, dass Josiah Flintabbatey Flonatin im Roman von einem unterirdischen See durch ein Loch voller Goldadern an die Erdoberfläche geflohen war.  Er schlug vor, den Claim Flin Flon zu nennen, seine Kollegen stimmten zu und so kam der Ort Flin Flon zu seinem Namen. Gut dass er die Abkürzung gewählt hatte, sonst könnten die hiesigen Einwohner den Namen ihres Ortes heute noch nicht fehlerfrei aussprechen…

Wir schauen kurz bei der Visitor Info vorbei, um uns den Weg zum Laundromat erklären zu lassen. Dort erst mal große Wäsche – musste mal wieder sein. Parallel dazu einiges privates in der Heimat telefonisch und per Email geregelt. Noch ein kurzer Kaffee auf der Main Street von Flin Flon und es geht weiter Richtung Westen.
Wir überqueren die Grenze zu Saskatchewan und müssen die Uhren wieder Stunde zurück stellen. Lokale Gewitter streifen uns, SUMO wird erst durch den Regen auf Asphalt  gewaschen, später durch nasse Gravelroad wieder eingesaut.
Ein Schild zu den „Nipekamew Sandcliffs“ lässt mich spontan in einen kleinen Waldweg einbiegen und ein wenig mehr Offroad-Gefühl aufkommen, als auf der Gravelroad. Am Ende des Weges müssen wir noch 2 km laufen, bis wir das Sandsteinkliff erreichen. Ganz nett.
Nun wird es Zeit einen Camp-Platz zu finden. Wir blockern durch bis Lac La Ronge und finden auf dem dortigen PP einen Platz am See.
Bei der „self registration“ bleibe ich etwas schief stehen und bemerke kurz vor Abschalten des Motors ein Stottern desselben. Während Elke die Unterlagen ausfüllt, starte ich den Motor neu – aber er springt nicht mehr an. Mehrere Versuche scheitern.
Oh Mann, ist es diesmal soweit, ist der Mog jetzt im Eimer… ?
Moment mal! Tankanzeige war kurz vor Reserve gewesen und ich stehe schief – Dieselmotor trocken gefahren! Also auf vollen Tank umschalten,  Haube auf, Dieselhandpumpe 50-mal betätigen und SUMO springt sofort wieder an. Puuuh. Ich dachte es reicht noch bis morgen.

Nach dem Frühstück verwirkliche ich die grandioseste Idee des Tages: da direkt neben unserem Stellplatz ein Wasserhahn steht, packt mich der Putzfimmel und ich wasche SUMO mit Schlauch und Teleskopwaschbürste. Hinterher ist SUMO sauber und ich bin klatschnass und dreckig. Egal, das trocknet am Körper, dafür sieht SUMO wieder fast wie neu aus.
An der COOP Gas Station in Air Ronge füllen wir beide Tanks und machen uns auf den Weg.
Gestern las ich in alten Blogs von Jörg, dass sich in Edmonton eine auch auf Unimog spezialisierte Werkstatt befindet. Edmonton ist nicht mehr weit, eine große Wartung steht bald an und das Problem mit den hinteren Vorgelegen will ich irgendwann vom Tisch haben. Dazu brauche ich aber vermutlich Teile von Hellgeth, unserem Unimog-Spezialisten. Dummerweise gibt es weder in Lac La Ronge noch in Air Ronge ein Handynetz. Also kurz gestoppt und Jörg mit dem Satellitentelefon angerufen. Er arbeitet bei Hellgeth und kennt die Werkstatt. Nach einigen vergeblichen Verbindungsversuchen klappt es endlich. Jörg verspricht, sich um die Sache zu kümmern, er meldet sich Anfang nächster Woche.
Nun aber weiter Richtung Westen.  Der Asphalt endet und weiter geht es auf Gravel.
Bald zeigen sich dunkle Wolken vor uns und es fängt an zu regnen. Anfangs ist das noch ganz angenehm, der Regen bindet den Staub. Dann wird es langsam glatt und schmierig. Allrad rein. Das Fahren erfordert nun einiges an Konzentration, ich versuche Washboard, Potholes und weichen Stellen auszuweichen, gleichzeitig aber die 80 km/h zu halten. Eine Gratwanderung zwischen Rutschen und Vortrieb.
Tja, und mit dem sauberen SUMO, das ist auch vorbei. Der Schlamm saut die ganze Karre diesmal total ein. So dreckig war er noch nie. Tolle Idee heute Morgen. Elke hatte mal wieder recht.
Da das Wetter sich auf Dauerregen eingestellt hat, rutschen wir weiter der untergehenden  – nicht sichtbaren – Sonne entgegen… Elkes Laune nähert sich dem Tiefpunkt, erste Anzeichen von Cabin-Fever werden deutlich. Mistwetter, Schlamm ohne Ende, keine Möglichkeit zu wandern, Dauer-Gerüttel und das über Stunden…
Eine Abkürzung, die wir fahren wollten, ist gesperrt, Brücke morsch. Noch mehr Gravel-Umweg.  Zwei Versuche einen Stellplatz zu finden scheitern. Der letzte Campground, den wir anfahren, ist fast voll, teuer und völlig unattraktiv. Ein kurzes Stück weiter biege ich einfach in den nächsten Waldweg rechts ab und wir  finden unser kostenloses Plätzchen für die Nacht an einem kleinen Bach mitten im Meadow Lake Provincial Park.
Lange Diskussionen im Camper über den Verlauf der weiteren Tour. Endlos lange Schlamm-Straßen ohne Abwechslung sind nicht Wife-kompatibel. Kurzerhand werden viele hundert Plan-km gestrichen (z.B. der sehr lange Abstecher nach Yelllowknife – endlose Wälder und Sümpfe, flach) und beschlossen, den Icefield Parkway durch die Rockies in Alberta zeitlich vorzuziehen. Dann bleiben wir „in der Nähe“ von Edmonton, falls das mit der Werkstatt klappt. Und wir haben endlich wieder Abwechslung.

Der Morgen zeigt sich wieder freundlich, wir sind früh auf  und steuern mit SUMO den nächsten Campground an. Dumpen (Toilettenkassette leeren), Müllentsorgung  und die nächste SUMO-Waschung steht an. Diesmal ist aber die Wetteraussicht besser und die Gravelroad hat sich von einer Schlammbahn in eine nur leicht feuchte und nicht staubende, ordentliche Fahrbahn zurück verwandelt. Ich schrubbe SUMO und ändere wieder mein Erscheinungsbild (nass und dreckig). Diesmal ziehe ich mich nach der Waschorgie aber um.  Nun sind wir beide sauber und können in Cold Lake, der nächsten größeren Stadt auf Café gehen. Noch schnell ein paar Vorräte nachkaufen und dann lotst mich Elke zu einem schönen Municipal District Campground an einem flachen See. Dieser ist schön warm (21°C), was wir wieder für ein Vollbad ausnutzen.  Duschen werden völlig überbewertet!
Ein Gewitter, das um unseren Stellplatz herum zieht, verhindert ein gemütliches BBQ, ein leckerer Salat, den Elke gezaubert hat und zum Nachtisch frische Erdbeeren tun es auch. Bei der vorletzten Erdbeere legt das Gewitter dann richtig los.

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