Skurriles aus Kanada Nr. 7

von Bernadette Calonego

C`est really wild in Québec!

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von Bernadette Calonego, Vancouver

Hier ein nicht ganz ernst gemeintes Rätsel für Sie: Woran erkennt man eine englisch sprechende Kanadierin? Für sie ist Bernadette ein irischer Name. Woran erkennt man einen Kanadier aus der frankophonen Provinz Québec? Für ihn ist mein Vorname französisch.

Ja, Sie haben Recht. Frankophone Kanadier erkennt man natürlich auch daran, dass sie meistens in Québec leben. Als ich vor vielen Jahren das erste Mal nach Québec City reiste, dachte ich: Das wird ein Heimspiel. Schliesslich hatte ich in jungen Jahren intensiv Französisch in der Schweiz studiert. Einige von Ihnen ahnen jetzt sicher, was folgt.

Nämlich meine Entdeckung, dass Französisch in Québec und Französisch in Paris oder Genf überhaupt nicht dasselbe ist. All diese merkwürdigen nasalen Quetschungen und die verschluckten Silben (die Franzosen und Schweizer verschlucken auch, nur ganz anders)!

Glücklicherweise haben sich meine Ohren zwischenzeitlich daran gewöhnt. Ist auch wirklich notwendig – und das nicht nur in Québec. Kanada ist bekanntlich eine Nation mit zwei offiziellen Landessprachen. Aber in der Hauptstadt Ottawa komme ich meistens mit Französisch besser durch als mit Englisch. In den Ministerien und anderen Regierungsbüros muss es von Franko-Kanadiern wimmeln. Wer einen Regierungsjob will, muss praktisch „bilingue“ sein.

Erst hab` ich mich gewundert, dass englisch sprechende Eltern von Vancouver bis Neufundland ihre Kinder auf französische Schulen schicken. „French Immersion“ nennt man das in Kanada. Die Eltern wollen ihrem Nachwuchs eine Karriere als Staatsangestellte sichern. Es besteht also Hoffnung, dass diese Kinder eines Tages besser Französisch sprechen werden als die meisten Kanadier ausserhalb Québecs. Die kennen oft nur Floskeln wie „Bonjour“ und „Je m`appelle Dwayne“. Andere finden, dass ihnen in Kanada mit Mandarin-Chinesisch, Koreanisch oder Punjabi als Fremdsprachen besser gedient sei.

Was wirklich nicht abwegig ist. Lebt in Kanada nicht ein wundervolles Völkergemisch? Vielleicht sollte man das mit den Sprachen nicht ganz so eng sehen. Da nehme ich mir als Vorbild die junge HipHop-Band „Dead Obies“ aus Québec, die einen ganz lockeren Zugang dazu hat. In ihren Songs – Verzeihung, chansons – klingt das etwa so: „Montre-moi ton body, baby.“ Oder „Tu veux dress like us“. Und: „Je suis drunk“. Natürlich verärgert dieser kreative Sprachenmix die dogmatischen Hüter der französischen Sprache in Québec über alle Maßen. In meinen Ohren klingt das aber perfekt zweisprachig. C`est really wild, no?

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2 Kommentare

Bernadette Calonego 2. August 2016 - 14:36

Na klar, machen wir doch, lieber Marc!

Antworten
Marc Lautenbacher (Québec / Canada) 2. August 2016 - 00:45

Liebe Bernadette,
im Falle, dass es Dich einmal wieder nach Québec verschlagen sollte würde ich mich freuen, wenn wir einen Kaffee trinken gehen würden. Dann könnte ich Dir die Besonderheiten und Eigentümlichkeiten in Franko-Kanada noch ein wenig näher erläutern!
Mit allerbesten, kollegialen Grüssen aus Québec, der Hauptstadt Franko-Kanadas

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