Skurriles aus Kanada Nr. 11

von Bernadette Calonego

Die grosse Versuchung

 

Von Bernadette Calonego, Vancouver

 

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Ich besitze keine Ranch und auch kein Kanu, dafür etwas viel Wertvolleres: Ich habe meinen eigenen Doktor. Allgemeinärzte sind Mangelware in Kanada, nicht nur in entlegenen Gegenden,  sondern auch in Städten wie Vancouver.  Die praktizierenden Ärzte sind so ausgelastet, dass sie nur selten neue Patienten annehmen. Zu meinem „Family doctor“ trage ich wirklich Sorge. Ich will meine Ärztin nicht verlieren. Denn erstens ist sie gut, und zweitens kann nur sie mich bei Spezialisten buchen.

Hätte ich sie nicht,  müsste ich in eine sogenannte Walk-in-Klinik gehen, das sind für alle zugängliche Praxen, in denen die Ärzte ständig wechseln und wo man oft stundenlang warten muss. Oder noch schlimmer: Ich müsste in die Notfallabteilung eines Krankenhauses, wo Patienten auch schon mal 24 Stunden warten müssen.

Nicht alle Kanadier haben soviel Glück wie ich. Gemeinden, die einen Allgemeinarzt anlocken wollen, müssen sich etwas Originelles einfallen lassen.  Das Dorf Scotch Creek in British Columbia, das schon seit zwei Jahren keinen Arzt mehr hat, hängt Poster auf, wie sie früher zur Erfassung von Verbrechern üblich waren: „5000 Dollar Belohnung für die Ergreifung eines Allgemeinpraktikers!“ Damit nicht ein falscher Eindruck entsteht, heißt es auf dem Poster: „Das ist kein Witz! Wirklich!“

Das Problem war sogar Thema des Films „Die große Versuchung “ aus dem Jahr 2014 , in dem ein kanadisches Fischerdorf einen Arzt mit falschen Versprechungen an sich binden will. Im Film geben die Dorfbewohner in Neufundland vor, Cricket spielen zu können, weil dies der Lieblingssport des Arztes ist, den sie zum Bleiben überreden wollen.  Der bekannte Schauspieler Taylor Kitsch verkörpert den Arzt im Film, der sich nach vielen Verwicklungen schließlich im Fischerdorf niederlässt.

Ich gebe zu: Um meine Ärztin zu behalten, würde ich auch ziemlich weit gehen.

Für mich ist sie einfach unbezahlbar.

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2 Kommentare

Gary Kiemle 16. August 2016 - 19:44

Liebe Frau Calanego,

Sie haben eine bewundernswerte Art, Unzulänglichkeiten des kanadischen Alltags in ein positives Licht zu rücken. Da hätte ich noch ein Thema für Sie: Maßeinheiten in englischsprachigen Kochrezepten (weil man bei einer Internetsuche zunächst nicht ersehen kann, ob das Rezept für USA, Kanada oder z.B. AUS/NZ gedacht ist) – ein Dauerbrenner auf deutschen Internetseiten.

Mit freundlichem Gruß,

Paul Franzen

Antworten
Bernadette Calonego 25. August 2016 - 17:24

Vielen Dank, Paul Franzen, für diesen Vorschlag. Das ist tatsächlich eine gute Idee. Ich werde mich bei Gelegenheit des Themas annehmen.

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