Unimog Abenteuer in Canada – Yukon und Alaska, Teil 4

von Stefan Dr. Kelbch

09. August 2016

Gletscher… in den Chugach Mountains

Beim Visitor Center für den Wrangell-St. Elias Nationalpark fragen wir nach der Wettervorhersage für McCarthy, bekommen aber keine zufrieden stellende Auskunft.
Damit die Fahrt nicht so langweilig wird, nehmen wir erst den Old Richardson Highway und dann die Edgerton Loop Road (endlich wieder Gravel!), als Shortcut zum Edgerton Highway nach Chitina. Dieser geht über in die  McCarthy Road, die teilweise nur aus Potholes besteht. Ursprünglich war die Straße ein Schienenweg zur Kennicott Mine, die bis 1938 Kupfer förderte. Die stillgelegte Bahntrasse wurde einfach mit Gravel aufgefüllt. Über eine alte Bahnbrücke fährt man drüber, eine weitere zerfällt so langsam. Von Chitina sind es noch 60 Meilen bis zum Ende der Straße bei McCarthy. An jeder Ecke Gletscherflüsse. Unterwegs sehen wir Alaska Yaks und schauen uns die Liberty Falls an. Ich gebe etwas Gas, denn  das Wetter ist spitze und wir wollen heute noch fliegen.
Nein, wir wollen keine Insekten, sondern mit einem kleinen Flugzeug die Gletscher der Wrangel-St. Elias Range von oben ansehen.


Gegen 15 Uhr kommen wir an und werden nach Flugbuchung sofort zum Flugplatz gefahren. Dort haben wir eine kleine 38 Jahre alte Cessna mit Pilot nur für uns.
90 Minuten geht es in die Berge, unglaubliche Panoramen und Ausblicke eröffnen sich.

 

Es ist unglaublich schön. Wir fliegen auch über das Bagley Icefield das über 30 km lang ist. Das Eis ist bis zu 2000 m dick.
Nach diesem tollen Flug sehen wir uns das Nest McCarthy an, hier ist noch etwas der Spirit des alten Nordens erhalten. Sogar ein „Luxusrestaurant“ im alten Saloon-Gebäude gibt es, in dem wir ein leckeres drei Gänge Menü verdrücken.
Dann laufen wir zurück zu SUMO und lassen den Wucher-Campground am Fluss links liegen.
Ein Stück zurück auf der McCarthy Road finden wir einen kleinen Weg, der von der Straße abgeht und zu einem versteckten, idealen Stellplatz führt.

Auf dem Rückweg über die McCarthy Road, sehen wir uns nun all das an, was am Vortag wegen Flug-Zeitdruck zurückgestellt worden war. Die beiden Brücken, die Gilahina Trestle Bridge, die Kuskulana Bridge und ein Fluss mit vielen Fishwheels am Chitina River.
Dann treffen wir wieder auf den Richardson Highway und setzen unseren Weg nach Valdez fort. Das Wetter meint es gut mit uns. Wir können sehr schöne Hochgebirgspanoramen sehen und den Worthington-Gletscher, der nahe an die Straße heran reicht.

Worthington Glacier

Ein tolles Hochgebirge-Panorama zeigt sich am Thompson Pass. Später erfreuen uns noch die Wasserfälle- Bridal Veil und Horsetail Falls.
Ein Abstecher zur Dayville Road vor Valdez führt uns direkt zum derzeitigen Salmon Run.

Mehr Lachs als Wasser

Pink und Silver Salmon sind am Endpunkt ihrer langen Reise angekommen. Sie laichen in den kleinen Bächen, die in den Prince William Sound fließen. Millionen von ihnen sind im Sound. Das freut natürlich die Seelöwen und die Bären am Ufer. Und die Möwen beißen auch schon mal am lebendigen Lachs ab. Ein faszinierendes Schauspiel der Natur.  Nach langer fotografischer Beschäftigung mit den Lachsen schauen wir uns noch Valdez an und fahren zum Valdez Glacier. Nun wird es Zeit SUMO abzustellen, was wir auf dem Glacier Campground dann auch tun.

Wir fahren die Airport Road zurück und noch mal auf die Dayville Road. Elke will noch mal nach Bären und Seelöwen suchen.
Und BINGO!
Beide lassen sich sehen und fotografieren.

„Bleibt mir bloß von meinen Lachsen weg!“

Die Lachse sind immer noch wie verrückt auf ihrem Todestrip.
Was man für ein wenig Sex alles in Kauf nimmt…
Auch der Rückweg von Valdez nach Glenallen ist schön, zwar keine Sonne, aber dafür hohe Wolken, die einige Gipfel frei stehen lassen, die wir auf dem Hinweg nicht sehen konnten. Berge, und Gletscher rundum, man kann sich kaum satt sehen.
In Glenallen gehen wir einkaufen und tanken bevor wir uns auf dem Tok-Cutoff Highway begeben. Am Anfang ist er etwas eintönig, wird aber stetig besser.
Etwa 10 km vor Tok biegen wir in einen kleinen Waldweg links ab und fahren 3 km bis wir einen schönen Stellplatz finden. Da wir früh Schluss gemacht haben, kann ich noch etwas Service bei SUMO machen und das defekte linke Standlicht reparieren (Sicherung hatte Haarriss). Wir haben einen schönen Blick auf eine Waldwiese, vielleicht zeigt sich ja noch etwas Wild heute Abend.

Wir kehren zurück auf den Tok-Cut-Off und tanken in Tok ein letztes Mal das relativ günstige Alaska Diesel. Nun geht es den Alaska Highway südwärts.
An einem Lookout mit ebener, trockener Asphalt-Parkfläche überprüfe ich die Vorgelege. Das letzte Mal hatte ich sie vor 5000 km kurz vor dem Dempster Highway gecheckt. Alles noch in Butter, kein Tropfen Öl fehlt.

Man @ work

Weiter geht es bis zum Visitor Center des Tetlin Wildlife Refuge, wo wir uns einen Film über dieses ansehen und eine alte Trapper Cabin im Wald besuchen.
Dann erreichen wir wieder einmal die Grenze zum Yukon. Die Uhr muss im Yukon wieder eine Stunde vorgestellt werden. 20 km hinter der Grenze ist die Grenzkontrolle. Die Lady quetscht uns ganz schön aus. Aber alles ohne Probleme. In Beaver Creek gehen wir in einer urigen Kneipe etwas essen.
Wir fahren nun durch eine Road Construction nach der anderen und biegen bei der Kluane Wilderness Lodge auf den alten Alaska Highway ab. Wenn man nicht weiß wo, verpasst man diesen Abzweig sehr leicht, nur eine schmale dirt road geht links ab. Wir fahren ein Stück und finden dann nach einem kurzen Seitenweg einen schönen Platz am Ufer des Kluane River. Angeln gebe ich nach einer Stunde auf, der Fluss fließt hier wohl zu schnell für Fische?

Zurück auf dem Alcan kommen wir durch  Burwash Landing am Kluane Lake. DIE Attraktion von Burwash Landing: die größte Goldwaschpfanne der Welt.
Der Kluane Lake ist der größte See des Yukon. An ihm entlang halten wir an diversen Viewpoints und fahren zum Congdon Creek Yukon Government Campground, wo wir auch 2008 übernachtet hatten.
Am südlichen Ende des Kluane Lake sehen wir uns die Ghost Town Silver City an, die 1920 aufgegeben wurde.  Der Zerfall ist seit 1983 natürlich fortgeschritten.

Günstige Silver City Immobilien

Für ein Foto mit dem Kluane Lake als Hintergrund muß ich natürlich auf eine Sand/Schotterbank fahren. Hoppla, da drehen ja die Reifen durch! Allrad rein, Hinterachssperre aktiviert und SUMO zieht sich problemlos raus. FOTO!
In Haines Junction mit dem Village Monument (Animal Cupcake) biegen wir auf den  Haines Highway ab.

Animal Cupcake

Ein kurzer Abstecher führt zum Kathleen Lake.
Unsere Bibel des Nordens, der „Milepost“, erzählt von einem Lachsfluss, an dem auch Bären fischen sollen, einige km die alte  Dalton Post Road nach Westen. Wir biegen in die kleine Dirt Road ab und finden nach einigen km eine kleine Recreation Area direkt am Zusammenfluss zweier  Creeks. Parkplatz, Mülleimer und Plumpsklos gibt es, keine sonstige Seele zu erblicken. Ein ruhiger Ort, um zu übernachten, denken wir… und bauen unser Lager auf. 3-4 Bald Eagle sind ganz in der Nähe und lassen sich gut fotografieren.

Bald Eagle auf „Ansitz“

Bären sind keine zu sehen, aber einige Lachse im Creek. Angeln ist für non-Natives leider verboten – zu wenige Lachse dieses Jahr.
Die Ruhe währt nicht lange. Eine Reihe von Pickups trudelt am frühen Abend ein und einige Elders mache es sich neben SUMO an einem Campfire bequem.
Als das Feuer brennt, laden sie uns in die Campfire Runde ein. Wir erzählen und lernen so einiges über das Leben hier in der Kluane Gegend. Alle sind irgendwie über drei Ecken miteinander verwandt. Wir grillen zusammen Würstchen am offenen Feuer und Elke spendiert eine Runde Marshmellows on the stick. Nach Essen und Palaver ziehen die Elders dann weiter zu einem Geburtstagsfest.
Dafür kommen jetzt die Youngsters zu diesem „Fishing Hole“.
Es ist Samstag und das Bier schmeckt – unverständlich, weil sie hier alle Budweiser trinken…
Geangelt wird so nebenbei. Einer holt tatsächlich zwei Sockeye Salmon aus dem Wasser. Das Fischen erfolgt hier entweder mit dem Gaff (bei sehr vielen Lachsen), oder mit der Angel. An der Angel hängt ein großer Dreizack Haken mit viel Blei. Dieser wird direkt am Zusammenfluss der Bäche quer rüber geworfen und ruckartig eingezogen. Die Lachse schnappen nicht nach dem Köder, sondern der Dreizack soll sich irgendwo am Fisch einhaken, also in Rücken, Flosse, Bauch oder sonst wo. Eine Art Gaff-Fishing mit der Angel.
Um 22 Uhr ziehe auch ich mich in den Camper zurück, während es draußen munter weiter geht.  Ab 23 Uhr sind alle weg und wir gehen in die Falle.

Während wir noch frühstücken, kommt einer der Natives mit seiner östereichischen Frau noch mal zum Angeln. Er zieht einen riesigen King Salmon (Chinook) aus dem Bach, ca. 25 kg. Der Fischkopf ist für seine Eltern (Fischsuppe), der Rest wird geräuchert oder kommt in die Kühltruhe. Mit Fischen und Jagen werden die Vorräte für den Winter angelegt. Auch die Jagdsaison hat begonnen, die ersten Cariboos wurden schon „geerntet“, wie es bei den First Nations heißt. Die hier ansässigen Natives gehören zu den  Champagne and Aishihik First Nations. Nach noch etwas Palaver fahren wir zurück auf den Haines Highway. Das Wetter ist sehr durchwachsen, die Landschaft aber sehr schön, leider ist wegen tief hängender Wolken zuwenig davon sichtbar. Am Million Dollar Falls Campground schauen wir uns die Wasserfälle an.
Nach dem Summit durch die Berge geht es bergab auf Meereshöhe. Bald danach erreichen wir erneut die Grenze zu Alaska.

An der Grenze geht es ganz flott, kein Problem. Wir kommen durch die „Bald Eagle Preserve“, es sind aber nur wenige da, die meisten kommen erst im Oktober zum letzten Salmon Run. Zwei Fischräder sind direkt neben der Straße im Fluß am drehen.

Fishwheel: Fischen für Dummys, alles geht automatisch, der Fluß treibt das Rad an.

In Haines angekommen, fahren wir zunächst zum Fährterminal, um unsere Überfahrt morgen nach Skagway zu buchen. Dann versuchen wir noch ein paar Bären zu sehen, die oft an einem nahe gelegenen Lachsfluß fischen. Wir erhaschen einen kurzen Blick auf eine Bärin mit zwei Jungen, aber weit entfernt. Der Rest des fischenden „Wildlife“ hat zwei Beine und Wathosen.
Zurück in Downtown Haines wird eingekauft und dann verziehen wir uns auf den „Haines Hitch-up RV Park“, einen Luxuscampground für $ 40, dafür aber mit WIFI und Laundry, die wir dringend brauchen. Bis zum Abend ist der Blog geschrieben und die Wäsche sauber und trocken in unseren Schränken.

Wir nehmen unser Breakfast im Chilcat Restaurant und Bakery ein. Hier hatten wir auch 2008 nach der damals sehr frühen Fährüberfahrt von Skagway nach Haines gut gefrühstückt. Es ist wieder lecker. Da wir noch viel Zeit bis zur Fähre haben, fahren wir noch mal zum am Ende des Lutak Inlet, in das der Lachs-führende Chilcoot River mündet. Hier hatten wir gestern ganz kurz Bären gesehen. Ob wieder welche da sind?    BINGO!
Mal sehen, wer der stärkere ist…

Eine Grizzly-Bärin mit zwei Jungen zeigt sich relativ nahe am gegenüber liegenden Ufer. Dann bewegen sich die drei auf eine Stichstraße hinter einer kleinen Brücke zu. Da müssen wir hin!

Was haben wir da den Leckeres?

Und tatsächlich kommen wir richtig nahe an die Bären ran. Diese bewegen sich immer weiter parallel zur Straße. Wir folgen ihnen langsam. Dann sind sie noch näher!
Elke klettert mit ihrer Kamera auf SUMO‘s Dach, um einen noch besseren Blick auf die Bären zu haben. Ich reiche ihr gerade die Kamera hoch, da laufen die Lümmels direkt hinter SUMO etwa 5 m von mir über die Straße. Ich war ziemlich fix wieder im Fahrerhaus und Elke knipst sich oben die Finger wund. Die drei Grizzlys laufen um SUMO herum und durch die Driveways und Vorgärten der Stichstraßen-Anwohner. „Get out of my garden“ ruft eine Frau, was die Bären nur wenig beeindruckt.  Die Jungen erkunden alles. Irgendwann verschwinden sie dann im Wald. Eine ganze Stunde haben wir die Bären verfolgt und mit Feldstecher und Kamera beobachtet. Das war Spitze!
Wir kehren zum Fähranleger zurück und kommen als eines der letzten Fahrzeuge auf die Fähre. Nach der einstündigen Überfahrt nach Skagway ersparen wir uns den Ort (es liegen drei Kreuzfahrtschiffe vor Anker, deren Inhalt durch die Straßen von Skagway wimmelt) und fahren direkt in Richtung Dyea, wo wir übernachten wollen. Dyea ist der Ort wo die Goldsucher 1896/97 anlandeten und der Chilcoot Trail begann.
Dann plötzlich eine alte Brücke: Durchfahrtshöhe 11 Fuß 5 inches. Wir sind mit Kanu 13 Fuß hoch. Also nix mit Dyea?
Ich laufe die Brücke ab und sehe mir die niedrigsten Punkte an. Das müsste doch eigentlich gehen…? Knapp aber nach Augenmaß ausreichend? Ich lasse Elke auf der Brücke voran gehen und bewege SUMO langsam auf dieselbe. Elke schaut, ob es passt. Und es passt (aber gerade so eben), wir sind drüben! Am Ende der Straße gibt es einen nagelneuen Campground, der sogar nichts kostet. Hier bleiben wir.
Vor dem Abendessen gehen wir noch etwas spazieren und finden eine angehende Touristenfalle für Kreuzfahrtteilnehmer, die gerade im Aufbau ist. Schlittenhundetouren werden schon angeboten und…
Ich traue meinen Augen nicht: 7 Unimogs stehen hier, um Touristen auf den „Gold Hill“ zu fahren. Gleicher Typ wie SUMO. Das darf ich ihm gar nicht erzählen, sonst will er sofort hin und mit seinen Kumpels spielen…
Lachse gibt es hier auch. Und Pilze im Wald, Unmengen. Der Herbst naht nun mit Riesenschritten. Die ersten Laubbäume färben sich schon gelb. Es wird langsam Zeit gen Süden zu ziehen.

Au der Rückfahrt nach Skagway sehen wir uns nun schon zum dritten Mal die Slide Cemetery an, hier liegen einige der Opfer einer Lawine die 1898 am Chilcoot Trail mehr als 70 Menschen getötet hat.

Hartes Leben und Sterben damals ’98…

Da schon am frühen Morgen Cruise Ship Touristen unterwegs sind, lassen wir  Skagway wieder links liegen. An der Grenze zum Yukon dauert es etwas, bis wir durch sind.

 

 

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