Unimog Abenteuer in Canada: British Columbia 2

by Stefan Dr. Kelbch

Eigentlich wollten wir heute einen Ruhetag einlegen, aber das Wetter hat sich deutlich verschlechtert. Das Barometer fällt. Wir paddeln noch einmal um den ganzen See herum, dann wird zusammengepackt und die 10 km Pothole Road zurück zum Cassiar gebrettert.  Das Wetter ist nieselig, bessert sich aber später.
Als Abkürzung nach Prince Rupert nehmen wir die Nass Camp Forestry Road.
„Not Maintained Road“, “Wilderness Road” warnen Schilder am Abzweig.
Das kann SUMO nicht schrecken. Tatsächlich ist die Road besser als mancher Highway, den wir schon gefahren sind. Nach 50 km erreichen wir New Aiyansh. Nette Totempfähle und ein China-Restaurant  gibt es in diesem Indianernest. Das Essen ist hervorragend.
Hier, im borealen Regenwald in Küstennähe, wachsen riesige Zedern, das ideale Rohmaterial für Totempfähle. Wir fahren weiter durch ein Lavafeld bis nach Canyon City (indianisch unaussprechbar “Gitwinkasiblkw“).  Dort gibt es viele weitere Totempfähle, 2 Fishwheels und eine wackelige Fußgänger-Hängebrücke über den breiten Nass River zu sehen.

SUMO auf dem Weg nach Gitwinkasiblkw (Canyon City)

Nun wenden wir SUMO’s Kühlergrill in Richtung Terrace.
Die Lavafelder, durch die wir lange hindurch fahren, ähneln etwas denjenigen in Teneriffa.


Ein netter Wasserfall und diverse Fotospots unterbrechen die Weiterfahrt. Bald wird es aber höchste Zeit für ein Nachtlager. Der erste Abzweig war eine Nullnummer (Forststraße in die Berge), doch dann findet Elke eine kleine Stichstraße zum Sand Lake, wo wir uns direkt am Wasser abstellen.

In Terrace am Morgen angekommen, finden wir heraus, dass hier heute, am Samstag, ein „Farmers Market“ stattfindet. Da gehen wir natürlich hin. Neben Obst und Gemüse gibt es auch selbst gemachte Marmeladen – Elke deckt sich ein. Wir essen einen Happen bei Gitarrenmusik eines „local musician“.
Noch mal bei Safeway einkaufen und tanken, dann fahren  wir auf perfekter Straße durch das schöne Tal des Skeena River. Es ist Wochenende und viele Leute angeln am Skeena. Pickup an der Straße abstellen, Wathose an und rein in den Fluß. Petri heil!
In Prince Rupert angekommen, zieht es uns zunächst zum Ferry Terminal. Vielleicht können wir einen  Fährplatz nach Bella Coola bekommen? Das Terminal hat schon zu, aber es gibt eine Telefon-Nr. Leider müssen wir da erfahren, dass vor dem 17. September keine Chance auf eine Überfahrt nach Bella Coola besteht.
Ok, dann muss SUMO eben weiter rollen. Wir gehen auf den einzigen kommerziellen Campground nahe dem Fährterminal und waschen mal wieder unser Wäsche… und treffen viele Deutsche. Klaus mit Frau stehen mit einem Mercedes Sprinter hier und warten auf ein Radlager. Schon ihre 4. Panne. Oops,  SUMO ist auch ein Mercedes…

Elke duscht und macht ihre Haare schön, ich schreibe für den Kanadaspezialist.com. Dadurch kommen wir erst spät vom Campground los. Es nieselt. Wir fahren nicht direkt zurück sondern erst nach Port Edward zur North Pacific Salmon Cannery. Bis 1981 war sie aktiv, nun ist sie ein noch gut erhaltenes National Heritage Museum. Wir sehen einige Videos über den kommerziellen Lachsfang im 19. und frühen 20. Jahrhundert, dann gibt es eine Führung durch das Fabrikgelände und die Gebäude.

Salmon Cannary: Was man so für den Lachsfang braucht…

Sehr interesssant.  Zurück auf dem Yellowhead Highway 16 fahren wir bei Regen bis  Terrace wo wir in Richtung Prince George abbiegen. Am Abzweig nach Kitwanga sehen wir uns die alte Kirche mit dem historischen Glockenturm und die Gitwangak Totempfähle an.
Am Battle Hill, einem Felsen, auf dem am Ende des 17 Jahrhunderts ein „Indian Fort“ gestanden hat, informieren wir uns über Kämpfe zwischen den diversen, damals hier ansässigen Indianerstämmen. Dann biegen wir in die kleine Hazelton Kitwanga Back Road ein. Nach ca. 25 km erreichen wir die Keynton Lake Recreation Site und haben einen ganzen See nur für uns. Leider regnet es ununterbrochen.

Nach der Karte können wir auf der Burdick Forestry Road um den Keynton Lake herum bis nach Hazelton fahren. Also, zuerst ein Stück zurück auf der Zufahrt zur Rec site, dann rechts ab. Der Weg ist schmal, die Äste rücken immer näher. Ein Stück fahren wir, dann ist der Weg hinter der nächsten Kurve fast zugewachsen. Nur mit Machete und Kettensäge könnten wir ihn für SUMO passierbar machen. Also rückwärts bis zu einer Stelle, wo ich umdrehen kann. Dann die ganzen 20 km zurück bis nach Kitwanga.
Dort geht es dann wieder auf den Yellowhead Highway. Wir schauen uns vor Hazelton weitere Totempfähle am Weg an. Nach kurzem Besuch des Visitor Centers in Hazelton lenken wir SUMO zum ‚Ksan Historical Village.

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´Ksan Village

Hier stehen (neben Totempfählen natürlich) einige Long Houses der Gitksan. Wir besichtigen die Village mit Führung und kommen so in die Häuser herein. Was wir sehen und hören gibt uns einen informativen Einblick in die Kultur dieser Natives. War sehr schön. Elke kauft sich noch eine schöne Jacke mit traditionellen Gitksan Fischmotiven. Eine Hängebrücke führt nach Old Hazelton mit alten, restaurierten Pionier-Häusern.
Auf der Weiterfahrt nach Smithers stoppen wir in Moricetown bei einem Canyon des Bulkley River, wo gerade von Biologiestudenten Steelheadfische gefangen, gezählt und getagt (mit Sender versehen) werden. Elke navigiert SUMO dann zu den Twin Falls. Es geht in die Berge. Am Ende des Weges, am Trailhead zu den Falls, liegt eine kleine Recreation Area mit 4 Stellplätzen. Gut, hier bleiben wir. Mittlerweile schüttet es aus Kübeln, also erst mal Kaffeepause. Der Regen hat sich danach gelegt und wir kraxeln zu den Wasserfällen.
Wie der Name sagt, zwei fast identische Fälle, nebeneinander. Weit oben drüber liegt der Gletscher, der aber bei diesem Wetter nicht sichtbar ist. Auf dem Rückweg zu SUMO fängt es wieder an zu regnen und will wohl heute auch nicht mehr aufhören.

Es hat die gesamte Nacht geregnet und auch heute Morgen prasseln die Tropfen auf die Dachhauben. Beim Zurücksetzen hätte ich fast einen Baum touchiert – noch mal gut gegangen.
Wieder auf dem Yellowhead Highway fahren wir nach Smithers rein zum Meadows Assisted Living Seniorenheim. Wir wollen unsere Bekanntschaft aus Stewart, Kathie, die wir dort 1983 getroffen hatten, besuchen. Im Heim erfahren wir, dass Kathie schon vor einem Monat wieder ausgezogen ist, es hatte ihr da wohl nicht gepasst. Wir bekommen die Adresse ihres Trailer Parks in dem sie jetzt wohnt. Nach einigem Gesuche finden wir ihn und auch ihren Trailer. Ihr Auto steht vor der Tür. Wir klopfen, sie macht uns auf und wir stellen uns vor. Sie bittet uns herein und lädt uns zu Tee und Gebäck ein. Wir erkennen sie, trotz ihrer 80 Jahre wieder. Wir schwatzen eine ganze Weile und Kathi erzählt aus ihrem Leben.
Dann wird es langsam Zeit zum Aufbruch und wir fahren weiter.
Keine besondere Gegend, immer mehr kleine Rinder- und Pferdefarmen säumen den Weg. In Housten (nicht Texas, no problem) essen wir 1,5 Ft bei Subway zu Mittag. Gestärkt geht es weiter bis kurz vor Vanderhoof, wo wir nach Fort St. James abbiegen.
Nach 60 km erreichen wir den 2000-Seelen Ort, aber unser eigentliches Ziel ist das alte, historische Fort St. James. Wie 1983 schon, sehr schön gemacht mit kundigen House-Girls, die in historischen Gewändern Geschichten zum Fort, den  Menschen im 19. Jahrhundert und den Häusern zu berichten wissen. Die alten originalen Blockhäuser sind so eingerichtet wie 1806-1896. Man fühlt sich um 150 Jahre zurück versetzt.

Pelzlager in Ft. St. James

Bei der Ausfahrt vom Museumsparkplatz passiert endlich, worauf ich schon seit Halifax warte: In einer Nebenstraße steht ein Polizeifahrzeug. Wir fahren daran vorbei und schon setzt sich der Wagen hinter uns und macht seine Blinklichter an. Als alte Nordamerika-Hasen wissen wir natürlich was das heißt: Rechts ran, Motor aus, Fahrerscheibe runter und Hände ans Lenkrad. Ein hübscher, weiblicher Officer kommt zur Fahrerseite, stellt uns ein paar Fragen, will ein paar Papiere sehen und dann dürfen wir mit freundlichen Grüßen weiter fahren. Da war mal jemand neugierig…
Nun wird es wieder Zeit für ein Nachtlager was wir nach ca. 5 km Waldweg am Fish Lake North finden. Wieder haben wir einen kleinen See ganz für uns allein.

Das Wetter heute Morgen sieht gut aus. Nachdem uns SUMO wieder aus dem Wald geführt hat, fahren wir zurück auf den Yellowhead und biegen in Richtung Prince George ab. In Vanderhoof steht am Ortseingang ein schönes BC-Emblem mit dem Namen Vanderhoof in Blumen. Direkt dahinter ist das Visitor Center, wo wir unseren Morgenkaffee wegbringen und noch etwas Infomaterial mitnehmen. Von einem „Aussichtspunkt“ sehen wir wieder einmal einen der irrwitzig langen Güterzüge von „CN“ vorüber ziehen.
Die Stecke nach Prince George ist nicht sonderlich erbauend, so dass ich Elke nerve, nach Backroads in Richtung von Barkerville/Bowron Lake zu suchen. In Prince George angekommen, besuchen wir mal wieder Walmart und stocken verbrauchte Lebensmittel auf.
Wir haben uns eine Backroad-Tour rausgesucht, wissen aber nicht, ob wir sie durchgängig bis Barkerville befahren können. Kurz bevor wir zum Visitor Center aufbrechen wollen, um dies zu klären, kommt wieder ein Bewunderer von SUMO daher. Er trägt ein Tarnhemd, ist also vermutlich Jäger. Ich frage ihn, ob er sich hier im Backcountry auskennt und habe Glück: Er (Jäger natürlich)  erklärt uns sofort, dass die von uns ausgewählte Tour nicht funktioniert, da eine Brücke nicht mehr existiert. Er kennt unsere Backroad Mapbooks, weiß auch, dass diese die fehlende Brücke nicht verzeichnen, da er selbst damit navigiert. Aber er zeigt uns eine Alternative, die nicht weniger gut ist, als die von uns gewählte. Diese soll durchgängig bis Barkerville befahrbar sein. Wir machen uns auf den Weg und biegen bald in das Backcountry ab. Noch kurz befahren wir Asphalt, dann beginnt der Gravel. Am Anfang ist die Straße sehr gut, SUMO kann mit 80 Sachen darüber brettern.
Dann müssen wir einen Abzweig nehmen und unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt drastisch. Viele tiefe Potholes, niedrig hängende Äste, querliegende Bäume (die aber schon jemand vor uns mit der Kettensäge „behandelt“ hat) zwingen SUMO in die niedrigen Gänge. Die erste Recreation Site am Stony Lake ist nicht so schön, also weiter. Die nächste ist nur über einen engen Waldweg mit großen und tiefen Wasserlöchern erreichbar, aber überhaupt kein Problem. Am Ende des Tracks finden wir wieder einen wunderschönen Platz am Seeufer. Fische beißen zwar nicht, aber die Lage und Aussicht sind genial. Wir sind hier völlig allein.

Wir schlafen gut und wachen schon früh bei erstem Tageslicht auf. Nun müssen wir die Stecke nach Barkerville unter die Reifen nehmen. Der Weg wird immer schlechter und enger. Riesige Pfützen mit unbekannter Tiefe müssen durchfahren werden, die Brücken sehen auch nicht mehr sehr zuverlässig aus.

SUMO hat Spaß auf den Backroads!

„Pickups only“ steht an einer Brücke. Ok, wir haben SUMO’s Koffer auf seine Ladefläche geschraubt, also zählen wir uns mal auch als Pickup. Etwas schwerer sind wir aber schon…
Egal, einfach flott über die Brücken, bevor man es knacksen oder krachen hört. Alles geht gut, aber nun wird der Weg fast zum Trampelpfad, so zugewachsen ist er stellenweise. Hilft alles nichts, da müssen wir jetzt durch.
SUMO wird rechts und links von Blättern, Zweigen und Ästen gestreichelt.
Gaaanz langsam ziehe ich SUMO durch diese Natur-Waschanlage, denn es hat natürlich wieder geregnet. Ein paar Kratzer mehr, was soll’s. Zwischendurch immer mal kurz aufs Gas, bis ich wieder runter schalten muss, um durch wassergefüllte Krater zu fahren. Artgerechte Haltung eines Unimogs, sagt man dazu.
SUMO macht  es super Spaß! 1,5 Stunden brauchen wir, bis wir die Bowron Lake/Barkerville Road erreichen.  Die Naturwaschung hat nichts gebracht, sie kam zu früh. SUMO ist wieder saudreckig.
Zunächst geht es nach Barkerville. Diese hervorragend erhaltene kleine Goldgräberstadt sieht noch genauso aus wie 1983 und macht auch immer noch so viel Spaß bei der Erkundung.
Große  Stadtführung von einem „Hurdy Gurdy Girl“, Fred Wells One Man Show im Theater und die vielen liebevoll ausgestatteten Häuser mit lebendem Inventar lassen den Tag wie im Fluge vergehen.

Main Street von Barkerville

Nach diesem Kleinod von BC fahren wir noch nach Bowron Lake. Die alte Bowron Lake Lodge, bei der wir damals übernachtet hatten, ist niedergebrannt, jetzt ist da nur noch ein aufgegebener RV Park. Der Bowron Lake PP und der Kanu Circuit sind heute total durchorganisiert. Die Portagen können mit Kanu Radträgern „befahren“ werden, wir mussten damals jede Portage 3 Mal laufen – erst die Rucksäcke ans Ende der Portage tragen, dann zurück und das Kanu holen. Ca. 350 Kanus sind in der Hochsaison zur gleichen Zeit auf dem Rundweg – wir waren  ´83 froh, wenn wir mal ein anderes Kanu sahen. Nee, das ist nicht mehr so schön rustikal wie damals. Wir schauen uns noch einen neuen Film über den Park an, schwätzen mit der Rangerin und machen uns dann auf den Rückweg. Weils so schön war, biegen wir wieder in eine Backroad ab und finden nach ca. 6 km einen kleinen See (Altan Lake) ganz für uns allein.
Die Forstgesellschaften müssen für das Abholzen kleine Recreation Areas anlegen, meist nur 2-5 Campsites mit Picknicktisch & Feuerstelle, plus ein Plumpsklo. Sie liegen oft sehr abgelegen und sind daher wenig besucht.

Heute Morgen liegt Nebel über dem See und den Wäldern und es hat nur 5°C. Nach dem üblichen, gemütlichen Frühstück rumpele ich SUMO wieder die 6 km aus der Forest Road raus, bis wir die Barkerville/Bowron Lake Road erreichen. Westlich von Barkerville treffen wir wieder auf Asphalt. Da wir gestern in Barkerville im Theater die Geschichte von Fred Wells und der Entstehung des Ortes Wells gehört haben, müssen wir uns die ‚Old Town‘ aus den 1930er Jahren natürlich ansehen.

Wells

Alles ist gut restauriert und viele Gebäude sind mit Gemälden versehen. Wells ist heute ein Künstlerort.
100 km von unserer letzten Campsite entfernt, erreichen wir Quesnel, eine Stadt der Holz-und Papierindustrie. Die Stadt, die im  Tal des Fraser River errichtet wurde, liegt unter einer Dunstglocke, erzeugt von den Fabriken. Wir fahren bis zum Visitor Center, dort ist die Luft besser als im Industrie-Norden der Stadt und wir setzen uns im Sonnenschein an einen Picknicktisch und nutzen das freie Wifi des Centers. Wir nehmen uns die Zeit, um bei Kaffee und Teilchen mal wieder Mails zu checken und unsere Webseite zu aktualisieren.
Der weitere Verlauf der BC 97 nach Williams Lake ist nicht weiter interessant. In WL tanken wir für erstmalig wieder unter $1 pro Liter.
Dann biegen wir nach Westen ab, auf die BC20 nach Bella Coola. Ein ca. 1000 km Roundtrip, da eine Weiterfahrt per Fähre nach Vancouver Island wieder an fehlender Reservierung scheitert.

 

 

 

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