Skurriles aus Kanada Nr. 15

von Bernadette Calonego

Prärieaustern und Walfett

Verfasst von Bernadette Calonego, Vancouver

Bisamratte mit Teigwarensalat

Bisamratte mit Teigwarensalat

Manchmal werde ich gefragt, was denn das Nationalgericht der Kanadier sei.

Bitte, können Sie mir eine leichtere Frage stellen? Die Quebecker würden vielleicht sagen: Poutine, ein Gericht, das aus Fritten und Käsewürfeln besteht und reichlich mit Bratensauce übergossen wird. Poutine hat in den vergangenen Jahren einen Siegeszug durch ganz Kanada angetreten und wird heute sogar bei McDonald`s angeboten.

Der Durchschnittskanadier ist ein Fleisch-Kartoffel-Mensch.

Das kann in der Form von Steak und Pommes, Hamburger in allen Varianten oder Sandwiches sein (die werden auch von Pommes begleitet). Das Fleisch ist in Kanada nicht so teuer wie in Deutschland. Das ist wichtig, weil das Grillen im Sommer so kanadisch ist wie der Ahornsirup. Die meisten kanadischen Konsumenten wollen für Esswaren nicht viel Geld ausgeben. Als Regel gilt: Die Portionen müssen groß und preiswert sein. Was man im Restaurant übrig lässt, darf man in einem „Doggy Bag“, einem praktischen Behälter, nach Hause tragen. Gerichte sind in der Regel entweder sehr süß oder großzügig mit Salz besprenkelt.

Zuhause tut`s meist ein Schnell- oder Fertiggericht wie Pizza, Sushi (preisgünstig in Kanada!), Fish and Chips, oder ein ganzes Familienmahl vom Chinesen. Zuhause wird das im Mikrowellenofen aufgewärmt und fertig ist das Essen! An der Arbeitsplatz wird oft ein Sandwich und Salat mitgenommen, oder die Kinder essen in der Schule. So hat sich das Abendessen zur Hauptmahlzeit entwickelt. Aber auch dort hält sich der Aufwand in Grenzen, da viele Kanadierinnen berufstätig sind.

In einem Einwanderungsland wie Kanada sind die Menschen natürlich vielen exotischen kulinarischen Einflüssen ausgesetzt. Aber die spart man sich in der Regel fürs Ausgehen auf. Kürzlich besuchte ich mit Freundinnen ein nepalesisches Restaurant an der West 4th Avenue in Vancouver. Wir aßen mariniertes Yak-Fleisch und Jakobsfrüchte, als wären wir in Katmandu.

Die großen Essen finden an Weihnachten, Ostern und Thanksgiving statt (oder je nach Kultur auch an anderen Festtagen). Das Menü beschränkt sich stark auf Truthahn, Kartoffelbrei, Bratensauce, Rosenkohl, Karotten und Kürbiskuchen. Ziemlich traditionell für ein junges Land.

In der Arktis aß ich auch schon Walfett, Karibusteak und Bisamratte (beim letzteren schaffte ich nur den knusprigen Schwanz, dann verging mir der Appetit). Im Norden von British Columbia machte ich Bekanntschaft mit „Prärieaustern“, einem beliebten Ragout aus Stierhoden. Als Journalistin muss man solche Dinge zumindest probieren. In Neufundland und Labrador konsumierte ich regelmäßig Elchfleisch, aber bei Robben- und Bärenfleisch sagte ich Nein Danke. Auch das fast schwarze Fleisch von wilden Seevögeln schmeckt mir nicht. Beim „Sunday Dinner“ in Neufundland, dem Land der Fischer und Meeresfrüchte, wird nicht etwa Fisch gegessen – das ist zu gewöhnlich und für den Werktag reserviert – , sondern Huhn oder Truthahn, „turr“ (Lumme), eingesalztes Rindfleisch, Kartoffeln, Steckrüben, Karotten, Erbsenmus, Grünkohl und viel, viel Bratensauce.

Es gibt in Kanada also viele regionale Gerichte, nicht anders als in Deutschland. Was heutzutage alle Menschen eines Landes wirklich verbindet – ob in Europa oder Kanada -, sind wohl Burger, Chicken Fingers und frittierte Zwiebelringe.

Hoch lebe das globale Nationalgericht!

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