Abenteuer Hausverkauf in Kanada [FOLGE 1]

by Marc Lautenbacher

Mein Erfahrungsbericht über einen Immobilienverkauf in Kanada, über das Käuferverhalten und den teilweise skurrilen Begegnungen mit allerlei Zeitgenossen – im Verlauf von zwölf äusserst spannenden Monaten.

Im Herbst des Jahres 2015 reifte bei meiner kanadischen Lebensgefährtin Marie und auch bei mir der Gedanke, unser Haus in Québec-Stadt zu verkaufen. Dazu muss man wissen, dass wir knapp zehn Jahre zuvor, am 1. Juli 2007 das Anwesen samt einer bereits voll funktionierenden Bed & Breakfast Pension ohne nennenswerte Schwierigkeiten übernommen hatten. Damals völlig ohne Makler, von Deutschland aus, direkt vom Hausbesitzer, ziemlich einfach per Brief- und Email-Korrespondenz! Nach unserer Ankunft im März desselben Jahres verhandelten wir persönlich mit den beiden Eigentümern bis zum Kaufvertrag. Es war wirklich ganz einfach damals!

     

Wir hatten also beschlossen, noch eine volle Tourismus-Saison zu absolvieren, um dann nach exakt unserer zehnten Sommersaison in 2016 das Haus mitsamt B&B weiterzugeben. Vielleicht würden wir ja sogar einen neuen Besitzer finden, der nicht nur an der Immobilie interessiert ist, sondern der unser „Baby“ weiterhin hegen und pflegen würde. Wir hatten anfangs keine Ahnung, dass man uns doch mehr Steine in den Weg legen würde, als wir es in unseren kühnsten Träumen vorgestellt hatten. Waren wir doch noch meilenweit von unserem Ziel entfernt.

Anfangs hatten wir drei Szenarien entwickelt; das erste war, dass wir das komplette Anwesen behalten, den Beherbergungsbetrieb abmelden und die Gästezimmer an Langzeitmieter vermieten. Das Zweite war, dass wir unsere geräumige Wohnung im ersten Stock behalten und lediglich das Erdgeschoss, in welchem sich das B&B befindet, als Eigentumswohnung verkaufen, denn das Gebäude ist mit zwei Katasternummern im Grundbuch eingetragen. Wir gingen sogar soweit, schon konkrete Planungen für den Umbau vorzunehmen und Angebote einzuholen. Das dritte Szenario endlich war der Hausverkauf mit Umzug in eine neue Bleibe. Nach eingehenden Diskussion über die Pros und Kontras der jeweiligen Situation und den finanziellen Auswirkungen gewann schließlich das Szenario Nummer 3: der Totalverkauf war somit beschlossen. Dabei war uns klar, dass der Immobilienmarkt in den Wintermonaten ruht und wir erst im Frühling aktiv werden sollten. Insbesondere die Frage eines realistischen Verkaufspreises, welcher die Situation des hiesigen Immobilienmarktes berücksichtigt, beschäftigte uns mehrere Wochen.

Wie präsentiert man sein Haus

Nun galt es, die verschiedenen Wege auszuloten, um auf dem hiesigen Immobilienmarkt optimal präsent zu sein. Makler gehörten nicht zu der Personengruppe, die wir überschwänglich mit Sympathien überschütteten. Eine Freundin von Marie hatte vor kurzem erst ihr neues Haus über das Internetportal „DuProprio.com“ gefunden, welches die Besitzer dort nur wenige Wochen angeboten hatten. ‚Klingt gut!‘ dachten wir und telefonierten Anfang November mit der Kontaktperson dieser in Québec sehr populären Webseite: „Ohne Makler, Ohne Provision!“

Man bestätigte uns gleich, dass die Wintermonate die „laue“ Zeit sei, man jedoch rechtzeitig Vorbereitungen treffen sollte, um eine optimale Präsentation auf dem Portal zu gewährleisten. Dazu gehörte auch, das Gebäude von Innen und von Außen im gleichen Stil fotografieren zu lassen, damit sie mit dem übrigen Bildmaterial des Internetportals qualitativ gleichziehen sowie sämtliche technischen Daten und Masse zusammen zu tragen. Zudem war uns klar, dass der Markt in Kanada viel zu klein ist, um das Haus einzig und alleine als Pension erfolgreich an den Mann zu bringen. Deshalb hatten wir vor, unsere Immobilie im ersten Schritt als Zweifamilienhaus zu deklarieren, um an den gesamten Markt zu gelangen.

Also vereinbarten wir einen Gesprächstermin mit einer „DuProprio.com“-Mitarbeiterin, die uns zuhause besuchte und die wir mit allerlei Fragen bombardieren konnten. Sie käme dann auch gerne zum Fototermin Ende Januar, für den wir jedes Zimmer in einen Zustand bringen mussten, der dem Showroom eines Möbelhauses gleichkommt. Fotos von Außen waren, es war ja im Winter, leider nicht möglich.

Gut, wenn man davon im Januar ein Foto hat: Unser Garten in voller Blüte!

Doch konnten wir für die Außenaufnahmen auf mein Fotoarchiv zurückgreifen, das Bilder vom blühenden Garten, der herrlichen Holzterrasse und der Fassade unseres Hauses bei Sonnenschein in den Sommermonaten zeigt. Für den einmaligen Eintrittspreis von rund 1400 Dollar waren wir dann am 9. Februar 2016 bei „DuProprio.com“ offiziell online – auf Französisch und auf Englisch versteht sich. Es sollte spannend werden, sehr spannend!

Kein Allheilmittel: Hausverkauf im Internet

Bereits nach zwei Wochen kam die erste Anfrage, genauer gesagt am 16. Februar. Eine Frau wollte mit ihrer vierköpfigen Familie um 20 Uhr am Abend vorbeikommen. Keine gute Idee, denn ein Haus muss man bei vollem Tageslicht besichtigen, wie wir ihr am Telefon empfohlen hatten. Sie kamen also um 18 Uhr, schauten sich alle Zimmer an, insbesondere der erste Stock schien ihnen zu gefallen und sie stellten viele Fragen wie „Haben Sie einen zentralen Staubsauger?“ oder „Wann kommt die Müllabfuhr?“. Nach unserer telefonischen Nachfrage wenige Tage später teilte sie uns mit, sie müssten zu viele Modifikationen vornehmen, um es nach ihrem Geschmack zu verändern, denn sie suchten ein Haus sozusagen „schlüsselfertig“. Sie hatten die detaillierten Angaben auf unser Internetpräsenz offenbar nicht aufmerksam genug studiert.

Schon vier Tage später kam die zweite Besichtigungsanfrage. Herr V. hatte sich mit seiner Frau und den beiden erwachsenen Kindern einschließlich Architektin angekündigt. Sie wollten unser Haus in ein Zweifamilienhaus umbauen und diskutierten bereits vor Ort über ihre Pläne und waren geradezu euphorisch. Vor allem unser Badezimmer hatte ihnen gefallen. Wenige Tage später riefen wir ihn an. Herr V. sagte später, es sei zu kompliziert, das ganze Erdgeschoss mit dem B&B umzubauen, obwohl sie Feuer und Flamme während ihrer Besichtigung waren – komisch!

Auch das Badezimmer musste bei jeder Hausbesichtigung „Tipi-Toppi“ sein !

Dann war zwei Wochen lang Pause, jedoch am Sonntag, den 13. März ging es weiter. Madame C. war extra aus Montreal angereist (…das sind 280 km einfach!), zusammen mit Ihrem Mann. Sie zeigten sich über die Massen interessiert und fragten sogar nach dem Datum der frühesten Übernahme. Meine Freundin Marie sagte jedoch nach ihrer Verabschiedung: „Die, … melden sich bestimmt nicht mehr“, und sie sollte recht behalten.

Im übrigen hatten wir eine schöne, 8-seitige Broschüre von „DuProprio.com“ erstellt bekommen, die mit vielen Fotos gespickt war und die sämtliche wichtigen Einzelheiten über das Gebäude, seine Ausstattung und das Grundstück aufgelistet hatte – übersichtlich und leicht erfassbar. Die drückten wir jedem Besucher beim Abschied in die Hand, denn man weiß ja nie. Auch allen unseren Freunden und Bekannten sowie den Familienangehörigen von Marie gaben wir diese kleine Broschüre in der Hoffnung, dass sie bald ihre Wirkung zeigen würde.

Der Monat April sollte jedoch turbulent werden. Wir hatten den Eindruck, die Leute waren endlich aus ihrem Winterschlaf erwacht! Am 11. April besuchten uns Madame L. und Monsieur D., die sich abermals sehr positiv und sehr interessiert äußerten, uns auf telefonische Nachfrage wenig später wieder dieselbe Auskunft gaben: „Zu viele Umbaumaßnahmen!“ Wirklich seltsam, es standen doch alle Details des Hauses samt Bild bereits auf der Webseite bei „DuProprio.com“? Wieso liest das denn niemand?

(…Fortsetzung folgt)

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