Abenteuer Hausverkauf in Kanada [FOLGE 2]

by Marc Lautenbacher

Immobilienmakler, Versicherungsvertreter und Gebrauchtwagenhändler gehören nicht gerade zu derjenigen Personengruppe von Zeitgenossen, die wir überschwänglich mit Sympathien überschütten würden. Doch wir sollten eines Besseren belehrt werden, dass „Makler nicht gleich Makler“ ist.

Im Verlauf unserer langen Odyssee, unser doch relativ großes Haus zu verkaufen, hatte sich am 12. April 2016 ein Immobilienmakler gemeldet, ein Monsieur T.. Er fragte uns am Telefon, ob er mit einem seiner Kunden das Anwesen besichtigen dürfe, denn es passe genau zu deren Anfrageprofil. Es sei ein junges Ehepaar aus Québec, das aktuell in den USA lebt und das wieder nach Kanada zurück wolle, um mit den Eltern in ein gemeinsames Haus zu ziehen. Der Besuch sei jedoch völlig unverbindlich und ohne Maklergebühren für uns, da Monsieur T. einen Vertrag mit ihnen habe! Nach dem Motto „Nur wer wagt, gewinnt“ vereinbarten wir am 14. April einen Termin – es war ein herrlicher, sonniger Tag im Vorfrühling mit blauem Himmel. Wie bestellt für eine Hausbesichtigung also!

Eine Hausbesichtigung sollte man am Tag und möglichst bei bestem Wetter vereinbaren!

 

Pünktlich um 11 Uhr kam Monsieur T., ein sehr sympathischer, junger Mann, mit seinen Kunden vorbei. Sie waren geradezu begeistert und positiv, das Haus sei genau das Richtige! Schon zwei Tage später rief uns Monsieur T. an – im übrigen die allererste Rückmeldung eines Interessenten – um uns mitzuteilen, dass sein Kunde sich für ein anderes Objekt entschieden hätten. Mist, was war nun schon wieder der Grund? Monsieur T., der Makler, hatte jedoch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und ich erzählte Marie die ganze Geschichte, da sie um 11 Uhr Vormittags bei der Arbeit war. „Vielleicht eine Option für später?“ meinte sie.

Alles muss aussehen wie im Ikea-Katalog

Sieben Tage später, am 19. April dann rief uns ein Monsieur F. an. Er wolle unser Haus besichtigen, da er sein Büro verlegen müsse, aber im Viertel bleiben wollte. Ob er schon Morgen nach der Arbeit vorbeikommen könnte? Selbstverständlich gerne, denn wir hatten am selben Tag vormittags einen Besichtigungstermin mit einem Monsieur C.F. zu absolvieren und alle Räume waren tadellos geputzt und perfekt hergerichtet – wie im Ikea-Katalog. Unsere Gäste im B&B hatten wir gebeten, ihre Zimmer entsprechend vorzubereiten. Man muss wissen, dass zu jedem Besichtigungstermin das ganze Haus in einen Tipp-Top sauberen Zustand gebracht werden und private Gegenstände weggeräumt sein mussten! Im Sommer kam zusätzlich der Garten dazu.

Alles muss so aussehen wie im Showroom eines Möbelhauses!

 

Nun, pünktlich um 16.30 Uhr stand Monsieur F. mit einer vierköpfigen Delegation seiner Partner und Mitarbeiter vor der Türe. Auch sie diskutierten in unserer Anwesenheit völlig ungeniert über den Totalumbau des ganzen Hauses, nahmen schon genaue Masse auf und machten konkrete Pläne über Grundrissänderungen. Nach einer Stunde intensiven Gesprächen mit vielen Fragen verabschiedete man sich. Man wolle ein zweites Mal vorbeischauen. Tags darauf brachte ich selbst den Ordner mit der Gebäudeinspektion von 2007 in seinem Büro vorbei, für das sich Monsieur F. interessiert hatte. So konnte ich gleichzeitig einen Blick in sein bestehendes Büro werfen, eine Software-Schmiede, die von gut 20 Mitarbeitern belebt war. Schon wenige Tage später meldete sich Monsieur F. wieder, um am Nachmittag des 28. April wie angekündigt vorbeizuschauen. Dieses Mal kam er mit seiner Lebenspartnerin vorbei, Madame R., die sich ausgesprochen optimistisch zeigte und die an uns sehr konkrete Fragen stellte. Endlich ein Lichtblick – nach bislang sechs fruchtlosen Besuchen plus drei Telefonanfragen! Wir verabschiedeten uns frohgemut, denn alles sah nach einem baldigen Vertragsabschluss aus, hoffentlich. Ab da jedoch – leider totale Funkstille!

Fast vergessen hätte ich einen zweiten Besucher – an genau dem gleichen Tag – der sich erst für 18.30 Uhr angemeldet hatte. Im April war es zu dieser Zeit noch taghell und die Zimmer glänzten vor Sauberkeit. Es war Monsieur C.F., zufällig ein guter Bekannter meines Freundes hier in Québec, wie sich später herausstellte. Nur half auch das nicht, denn das Gebäude war letzt endlich zu groß für ihn und seine zwei Kinder. Schon wieder nichts.

Der 1. Mai, ein Sonntag, wurde abermals turbulent. Unsere Strategie war, nicht zwei Besichtigungen zur gleichen Zeit zu absolvieren sondern wir wollten uns auf jeden „Kunden“ voll konzentrieren können! Am Morgen, Anruf von Madame R.: sie wollte noch am selben Tag vorbeischauen, sie wäre interessiert. Schade, das ging nicht, denn es hatten sich bereits eine Madame B. und Monsieur M. am Vormittag angekündigt, eine Madame W. am Nachmittag. Sie war die allererste, die sich im übrigen für die Bed & Breakfast-Pension interessierte.

Eines der Badezimmer unserer Pension – mit Fenster in Richtung Sonnenaufgang!

 

Madame B. und Monsieur M. hatten ihre Tochter mitgebracht, die sich gleich in eines der Zimmer verliebte, wie sie sagte. Das Ehepaar gehörte zu den nettesten und sympathischen Interessenten und wir hatten ein gutes Gefühl. Man wollte sich in Kürze telefonisch wieder melden, ganz ehrlich. Kaum waren sie verabschiedet, da klingelte bereits Madame W. an der Türe. Das Wetter war wieder wie bestellt, ein herrlicher erster Maitag mit viel Sonne, die unser Haus ins allerbeste Licht rückte. Madame W. hatte uns schon am Telefon erzählt, dass sie sich insbesondere für die Bed &Breakfast-Pension interessieren würde. Sie sei seit Jahren für ein internationales Unternehmen unablässig im Ausland unterwegs und sie wolle sich nun in der Stadt niederlassen. Ihr Besuch dauerte fast zwei Stunden und Madame W. machte sich viele Notizen und stellte sehr konkrete Fragen zum B&B und dem Tourismusgeschäft. Es sei einer ihrer größten Träume, selbst eine kleine Pension zu führen, wie sie uns mit leuchtenden Augen verkündete! Marie und ich blickten uns wortlos an und dachten: prima, sie ist unsere Käuferin! Man verabschiedete sich überschwänglich und im Hinausgehen sagte sie, dass sich in Kürze telefonisch melden würde, ganz bestimmt, um mit ihrem Mann nochmals vorbeizuschauen. Leider hatten wir nie mehr etwas von ihr gehört. Nicht einmal auf Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter wurde reagiert.

Hauspreis – für manche ein Fremdwort

Was uns bei allen bisherigen zehn Besuchen aufgefallen und auch dieses Mal der Fall war: kein Einziger verlor ein Wort über den Kaufpreis des Hauses! Nicht einmal in einem Nebensatz oder in einer indirekten Formulierung. Doch kannte ihn jeder, war er doch auf der Internetseite bei „DuProprio.com“ und bei drei weiteren Internetportalen, die wir inzwischen „gefüttert“ hatten, in großen, roten Zahlen ausgezeichnet. Was hatten wir falsch gemacht? Was war uns entgangen? War unser Anwesen zu erklärungsbedürftig? Hatten wir zu viel verlangt? Hinzu kam, dass sich nach all diesen zehn Besuchen niemand über weitere, konkrete Schritte mit uns unterhielt oder gar Kontakt mit uns aufnahm. Es gab bislang kein einziges, schriftliches Angebot oder gar einen Vorvertrag, den man hier „Kaufversprechen“ nennt („Promesse d’achat“). Wir hatten nicht die entfernteste Ahnung, warum?

Unser erklärtes Ziel war ja, noch vor Weihnachten desselben Jahres umzuziehen! Wir mussten unbedingt unsere Strategie ändern! Resultat unserer Überlegungen: wir brauchen einen Interessenvertreter, einen Mittelsmann, einen Menschen, der uns sympathisch ist und dem wir vertrauen, der mehr Möglichkeiten hat als wir und der zu einem angemessenen Honorar arbeitet! So einen Menschen nennt man Immobilienmakler.

Seitdem wir auf „DuProprio.com“ präsentiert waren, kamen ja fast wöchentlich Angebote von Maklern herein geflattert, die wir tapfer ignorierten. Offenbar forschten diese Haifische dort nach lukrativen Opfern. Da fiel uns der sympathische Monsieur T. wieder ein, der uns vor vier Wochen mit seinen Kunden besucht hatte. „Monsieur T. ist bestimmt unser Mann!“ sagte Marie und so schlossen wir am 9. Mai einen 14-seitigen Vertrag mit ihm ab. Am 12. Mai kam bereits seine Architekturfotografin, die das Haus für die Internetpräsenz der Immobilienmakler-Vereinigung von Innen und Aussen gekonnt in Szene setzte. Eine Woche später waren wir in seinem Netzwerk online.

Makler ist nicht gleich Makler!

Es sollte sich als guter Entschluss herausstellen, wenngleich wir unser Ziel erst in 8 Monaten (!) erreichen sollten, was wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wussten! Bald darauf stieg die Qualität der Besichtigungen beträchtlich. Will heißen, mit diesem Makler kamen auf einmal Leute mit ganz konkretem Kaufvorhaben zu uns – der ständige Hausputz sollte sich langsam lohnen! Ganz besonders interessant war, als uns Monsieur T. erklärte, dass die Leute in Kanada sich scheuen, direkt mit dem Hausbesitzer über Geld oder gar über Finanzen zu sprechen. Das sei eine kulturelle Eigenart, vor allem in Québec!

Vier Wochen später, Mitte Juni, kam unser sympathischer Monsieur T. fröhlich winkend mit einem ersten, schriftlichen „Kaufversprechen“ in den Händen. Ein Pluspunkt für ihn, alle Bedingungen waren akzeptabel und der Käufer, ein Architekt, wollte schon am 1. Oktober einziehen! Einziger Schönheitsfehler war, dass er sein Angebot volle 10 % unter dem von uns festgesetzten Kaufpreis vorlegte, somit unter der offiziellen Bewertung der Stadt Québec lag, zu deutsch: niedriger als der Einheitswert! Das war uns aber dann doch zu viel des Guten und wir schickten Monsieur T. mit unserem Gegenangebot von lediglich 5 % unter dem ursprünglichen Kaufpreis zurück, als Kompromiss. Nach einer Bedenkzeit von 10 Tagen und offenbar beleidigt lehnte der Architekt ohne weiteren Kommentar unser Gegenangebot ab. Wir standen also wieder bei Punkt Null da! So ein Mist.

(…Fortsetzung folgt)

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