Skurriles aus Kanada Nr. 22

von Bernadette Calonego

Eureka am Baggersee

verfasst von Bernadette Calonego, Vancouver

Foto Bernadette Calonego

 

Es ist nicht einfach, mit einem Gast aus Neufundland in British Columbia herumzureisen.  Vor allem, wenn er ein Fischer ist. Walbeobachtung kann ich schon mal vergessen, denn er sieht jedes Jahr so ziemlich alles, was es an Meereswesen gibt: Orcas, Finwale, Buckelwale, Zwergwale, Delphine, Robben, schwimmende Lederschildkröten, Tümmler, Haie und so weiter. Bären gibt`s in Neufundland auch, und Elche findet man an jeder Ecke.

Von den Mammutbäumen im Küstenregenwald ist der Neufundländer zwar erst sehr beeindruckt. Aber als er die Holzstämme entdeckt, die an den Stränden von British Columbia liegen und nicht genutzt werden dürfen, werden sie zum Ärgernis. „Was für eine Verschwendung“, klagt er jedesmal, wenn er das Treibholz sieht. „Damit könnte ich alle Winter meines Lebens durchheizen!“

Das verstehe ich. Also ändere ich die Taktik. Ich will ihn in einem Restaurant mit einer Fischart vertraut machen, die es in Neufundland nicht gibt: Lingcod oder Lengdorsch.

Aber auch das geht daneben:  Die Kellnerin serviert ihm ein klitzekleines Stückchen Fisch mit einen Häufchen Reis für 25 kanadische Dollar (plus Steuern und Trinkgeld). Er findet das skandalös. (Später gesteht er mir zwar, dass der Fisch schmackhaft mariniert war, aber das erfahre ich wirklich viel, viel später.)

Das tolle warme Klima der kanadischen Südwestküste behagt dem Neufundländer auch nicht lang. Schnell ist es ihm zu heiß. Vor allem bringt die Sonne die Hummeln zum Fliegen. Und nichts fürchtet der Neufundländer mehr als Hummeln und Bienen! Da bricht echte Panik aus.

Was ihn aber wirklich freut, sind die Fischerboote in den Häfen, die lustige Namen tragen: „Y-knot“ (Wortspiel für Why not?), „SleeplessNights“ oder „She`s-O- fish-Al“ (She`s official).

Dass die Fischer in British Columbia das ganze Jahr über aufs Meer fahren können, während in Neufundlands Norden, wo er lebt, von Dezember bis April die Bucht vor seinem Haus fest zugefroren ist, treibt ihm allerdings fast die Tränen in die Augen.

An einem sonnigen Tag kann ich dennoch ganz unerwartet einen Erfolg verbuchen. Wir wandern zu einem Baggersee auf der Insel Texada, der für seine schöne Türkisfarbe bekannt sein soll. An jenem Tag war der See leider ganz normal blau und an manchen Stellen schlammgrün. Der Neufundländer schimpfte: „Bei uns zuhause haben wir Dutzende von Baggerseen, und niemand macht daraus eine Touristenattraktion!“ Was stimmt.

Eine überraschende Begegnung rettet indes den Tag – sie rettet sogar die ganze Reise. Etwas bewegt sich im Gras. Plötzlich ist der Neufundländer völlig aus dem Häuschen, und ich höre ihn rufen: „Eine Schlange! Eine Schlange! Eine Schlange!“

Es ist die erste Schlange, die er in seinem Leben in der Natur gesehen hat. Eigentlich ist es nur ein Schlängelchen, eine „garter snake“ oder Strumpfbandnatter. Völlig harmlos und sehr klein.

Aber der Neufundländer nimmt nun eine echt positive Erfahrung nach Hause.

Jetzt habe ich schon einen Plan: Nächstes Mal fahre ich mit ihm ins Okanagan-Tal, wo es Klapperschlangen gibt, was ich persönlich bezeugen kann.

Wenn ihn das nicht beeindrucken wird, dann weiß ich auch nicht weiter.

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