Skurriles aus Kanada Nr. 23

von Bernadette Calonego

Ausgehen auf die komplizierte Art

verfasst von Bernadette Calonego, Vancouver

Dekoration auf einem Hochzeitskuchen in Neufundland

 

Wollt ihr wissen, wie Dating in Vancouver vor sich geht? In diesem Fall habt ihr zwei Möglichkeiten: Entweder ihr fragt eure Freudinnen und Freunde. Oder ihr schaut am Dienstagabend „First Dates“. Das ist  Vancouvers unterhaltsame Dating Reality-Show im Fernsehen.  Mitfiebern kann man bei beidem.

Schon die Existenz des Wortes „Dating“ zeigt an, dass es in Vancouver im allgemeinen ein bisschen formeller zugeht als in Mitteleuropa. Es gibt eigentlich keine treffende deutsche Übersetzung für „Dating“. Wir gehen einfach miteinander aus oder haben ein Rendez-vous.

Dating bedeutet aber in Kanada, dass man sich zum Zweck des näheren Kennenlernens trifft, das in einer festen Beziehung enden könnte. Das erhöht schon mal den Druck auf das Paar, das sich nicht einfach so locker vom Hocker zu einem Kaffee treffen und alles offen lassen kann.

Bei einer Einladung muss man deshalb manchmal nachfragen: „Ja, soll das nun ein Date sein?“ Dieses formelle Element passt nicht allen Männern und Frauen – vor allem wenn sie aus Europa eingewandert sind. „Ich gehe nicht mehr auf Dates“, klagte mein Kumpel F., männlich, vierzig, geschieden. F. stammt ursprünglich aus einem deutschsprachigen Land.  Er sagt, die Frauen wollten alle „Fine Dining“, das heißt essen in einem teuren Restaurant – auf seine Kosten. Und nach drei Dates müsse man sich schon definitiv äußern,  ob man an einer festen Beziehung interessiert sei oder nicht.  Als er sich nicht dazu durchringen konnte, stürmte die enttäuschte Dame wütend aus dem Esslokal.  Er blieb wie ein begossener Pudel zurück.

Auf der Mattscheibe würde sich diese Szene gut machen. Die Sendung „First Dates“ ist eindeutig vergnüglicher als das ungefilmte Kennenlernen in Vancouver – vor allem für die Zuschauer.

In „First Dates“ erleben wir hautnah das erste Treffen  zwischen paarungswilligen Vancouveriten mit.  Gefilmt wird die Dokumentarserie im Restaurant Earles im trendigen Yaletown-Viertel. Dort werden Menschen aufeinander losgelassen, die sich noch nie gesehen haben. Etwa die tätowierte Rothaarige, die Computerspiele sammelt, und der bebrillte Shorts-Träger, der Angst vor Frauen hat. Erholsam ist, dass die Sendung nicht politisch korrekt und deswegen fast ein bisschen unkanadisch ist. Lesbische Frauen küssen sich vor der Kamera.  Ein geschiedener Mann mit vier Kindern will eine offene Beziehung mit einer Hobby-Stripperin (die beiden ziehen schließlich zusammen), und ein schwuler Flugbegleiter will sesshaft werden und Kinder haben.  Alkohol löst den Kandidaten die Zungen und beschert uns aufregende Szenen.

Aber das erlöst uns nicht von der umständlichen Dating-Realität in Vancouver.

Wer`s ein bisschen informeller haben will, reist am besten in eine ländliche Gegend im Norden Kanadas, die einen Frauen- bzw. Männerüberschuss hat.  Dort sucht man das örtliche Pub auf, macht beim Dartsspiel oder Billiard mit, tanzt einen Jig, trinkt ein Bier oder zwei – und dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Als Alternative bieten sich der Dorfladen, das Bingo-Spiel oder eine der Kirchen an. Oder, wie in meinem Fall, der Fischerhafen.

Ende gut, alles gut!

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