Skurriles aus Kanada Nr. 25

von Bernadette Calonego

Bingo!

 

Wollen Sie in den Genuss einer echt kanadischen Erfahrung kommen? Mein Vorschlag: Spielen Sie Bingo in einer kleinen Gemeinde – am besten zusammen mit mehreren hundert Leuten. Scheuen Sie sich nicht: Sie müssen keine Leidenschaft fürs Zahlenlotto empfinden. Sie müssen auch keinen Preis gewinnen wollen. Das Vergnügen stellt sich trotzdem ein, denn nichts ist so eindrücklich wie ein friedlicher Wettbewerb unter gleichgesinnten Kanadiern.

Am besten, man trifft mindestens eine Stunde vor Spielbeginn am Veranstaltungsort ein – sei es eine Gemeindehalle, Feuerwache, das Dorfpub oder Eishockeystadium. Ziehen Sie sich in Ruhe die ganz spezielle Atmosphäre rein.

Bingo ist ein Lebensretter in abgelegenen Gegenden.  Dort können Fernseher, iPad, Games, Walmart und Facebook die Bingo-Erfahrung nicht ersetzen. Bei meinem letzten Bingo-Turnier rannten die Bewohner von isolierten Dörfern den Veranstaltern fast die Tür ein. Der Anlass war als „Giant Stadium Bingo Fundraiser“ angekündigt. Etwa achthundert Leute kamen herbeigeströmt. Was mir sofort auffiel: Obwohl das Ereignis im Sportstadium stattfand, blieben die meisten Männer fern: Rund neunzig Prozent der Spieler waren Frauen.

Manche kamen herein und hielten bereits mehrere Geldscheine in der Hand, ausgebreitet wie ein Fächer.  Geld ist hier kein Tabu. Die Leute erwarben Zahlenkarten, Lotterielose, Chips und Getränkedosen, als gelte es,  alle Ersparnisse in einer einzigen Nacht zu verprassen.  Eine fast festliche Stimmung senkte sich über die Halle, als der Anlass mit einem „Kids Bingo“ begann. Kinder saugen dieses Spiel mit der Muttermilch ein. Ihre Karten sind gratis und sie dürfen auch nicht „Bingo“ rufen, das müssen die Erwachsenen für sie tun ( wird vom Gesetz vorgeschrieben). Aber das Bingofieber lernen sie schon von klein auf, und bei manchen bleibt es ein Leben lang.

Dann ging es ran ans Gemachte: Barpreise von 300 Dollar, 500 Dollar, 900 Dollar usw.  Zusätzlich gab es gigantische Geschenkkörbe zu gewinnen, mit denen man einen kleinen Haushalt hätte ausstatten können!

Wenn die Ansagerin die gezogenen Nummern ausrief, war es still wie in einer Kirche.  Die Spannung stieg mit jeder Zahl, bis jemand irgendwo rief “Bingo!“. Worauf die Ansagerin sofort den gewichtigen Satz ins Mikrophon sprach: „Bingo has been called.“ Nach diesen Worten lief sogleich ein Raunen durch die Halle, und die Köpfe drehten sich, um zu sehen, wer diesmal der oder die Glückliche war.

Beim Bingo ist aber selbst für Verlierer die Welt in Ordnung. Sie sind an diesem Abend Teil eines gemeinschaftlichen Ganzen, vereint durch die Hoffnung, dass man eines Tages doch noch groß herauskommen kann.  Das nächste Bingo kommt bestimmt!

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