KANADAS STÄDTE – DAWSON CITY

by Heidi Giebl

ihre Bedeutung … Historisches und Kurioses …

Dawson City – 240 km südlich vom nördlichen Polarkreis und ca. 120 km von Alaska entfernt, 64. Breitengrad – eine der interessantesten Städte im Yukon Territory; einst Hauptstadt vom Yukon Territorium und heute gerade einmal ca. 1.400 Einwohner. Dawson City, die legendäre „Goldgräberstadt“ liegt an der Mündung des Klondike in den Yukon River. Ende des 19. Jahrhunderts war Dawson für kurze Zeit die größte Stadt westlich von Winnipeg und nördlich von Seattle. Dawson City, eine Stadt mit wechselvoller und abenteuerlicher Geschichte.

Die First Nations (Tr’ondëk Hwëch’in) nutzten jahrhundertelang bis 1896 das Gebiet als einen im Sommer bewohnten Fisch- und Lagerplatz der Han namens Tr’ochëk.

 Das Klima in Dawson City ist subarktisch mit relativ vielen Niederschlägen. Die Winter können sehr kalt sein mit Temperaturen um -30 °C; es wurden auch schon extreme Temperaturen von bis zu -55 °C gemessen.

Gegründet wurde Dawson 1896 zu Beginn des Klondike-Goldrausches und benannt wurde der Ort nach dem kanadischen Geologen und Geograph, George Mercer Dawson (1849 – 1901), der die Region erforschte und sich als herausragender Wissenschaftler einen großen Namen gemacht hatte.

Eine wichtige Rolle spielte dabei Joseph Francis Ladue (genannt „Joe“), der als Gründer der Stadt gilt. Ladue arbeitete in einer Goldmine in Alaska und beschäftigte sich mit Goldgewinnungstechniken. 1892 überquerte er den Chilkoot-Pass und eröffnete 1894 zusammen mit Arthur Harper einen Handelsposten auf einer der Inseln im Yukon. Als Ladue von den riesigen Goldfunden erfuhr, erwarb er vorausschauend große Flächen Land an der Mündung des Klondike. Er verlagerte seine Sägemühle nach Dawson und erwarb nach und nach immer mehr Land, ließ Blockhäuser errichten, gewährte Kredite und war zu der Zeit einer der beliebtesten Männer am Klondike. 1897 benannte Ladue die Stadt nach George Mercer Dawson, der umfangreiche Vermessungen und Kartierungen im Westen Kanadas durchführte und dessen Aufzeichnungen zu Zeiten des Goldrausches neu veröffentlicht wurden.

Der Goldrausch von Dawson City … anders als alle vorhergehenden!

Am 17. AUGUST 1896 stießen George Carmack, Tagish Charlie (auch Dawson Charlie genannt) und Skookum Jim Mason (Keish) am Rabbit Creek (später umbenannt in „Bonanza Creek“), einem Zufluss des Klondike River, auf Gold … der BEGINN des KLONDIKE GOLD RUSH. Dieser Fund war Auslöser für den größten und berühmtesten Goldrausch der Geschichte. Dabei muss auch der Name Robert Henderson genannt werden, der eigentlich als erster 1896 im Klondikebecken (Indian River) Gold gefunden hatte. In Whitehorse befindet sich eine Gedenkstatue mit Inschrift der vier Namen der Prospektoren. Der größte Ansturm auf Dawson erfolgte, nachdem 1897 zwei Dampfschiffe (Excelsior und S. S. Portland) mit den erfolgreichen „Glücksrittern“ nach San Francisco und Seattle zurückkehrten. Die Rede ist von über zwei Tonnen Gold auf der S. S. Portland (Seattle) und Gold im Wert von $ 750.000 auf der Excelsior (San Francisco).

Das Goldfieber ergriff die Menschen aller Schichten wie nie zuvor und aus allen Teilen der Welt – sogar bis aus Australien – strömten die „Stampeders“, wie die Goldsucher genannt wurden, herbei. Über 100.000 Menschen machten sich im Winter 1897/98 auf den Weg nach Norden, um an den Klondike zu kommen, dessen Namen sie kaum aussprechen konnten und überquerten unter schwierigsten Bedingungen den White Pass bzw. den berüchtigten Chilkoot Pass. Die „Golden Stairs“, das sind 1.500 ins Eis geschlagene Stufen am Chilkoot Pass, die es galt, mit schwerem Marsch- und Vorratsgepäck zu überwinden und hochzuklettern … x-mal musste diese Strecke bewältigt werden, denn die kanadischen Behörden verfügten, dass jedermann Lebensmittelvorräte für ein Jahr in den Yukon mitbringen musste. Andere versuchten, über Edmonton durch das Gebiet des Peace River in den Norden zu gelangen … keiner der Goldsucher kam angeblich an! Die wenigsten konnten sich in der Wildnis zurechtfinden, es war der „Weg der Tränen“… viele Stampeders erreichten ihr Ziel nicht oder mussten feststellen, dass die Claims der Klondike Goldfields längst vergeben waren und fanden kein Gold. Eine offizielle Statistik, die besagt, wie viele Menschen auf dem Weg nach Dawson ihr Leben verloren, gibt es nicht. Das Gold wurde unzähligen Menschen und der Stadt Dawson zum Schicksal.

Dawson, das ehemalige „Paris des Nordens“, ist auch heute noch untrennbar mit dem Klondike Gold Rush Ende des 19. Jahrhunderts verbunden. Auch die berühmten Guggenheims waren beim Klondike Gold Rush dabei und schöpften ihre Millionen in Dawson aus dem Klondike! Hier wurde von 1896 bis 1899 für ca. $ 29 Millionen Gold aus dem Boden um Dawson gefunden. Das Jahr der größten Goldproduktion war angeblich das Jahr 1900 mit über $ 22 Millionen Wert.

Dawson City wuchs während der Goldrauschzeit um 1898 auf über 40.000 Einwohner und war außerdem Hauptstadt des Yukon Territoriums, das sich im Jahr 1898 von den Northwest Territorien abspaltete. Alaska Commercial Company und North American Trading Company versorgten per Schiff den Ort mit Lebensmitteln und allen erdenklichen (Luxus-)Gütern.

Der „große“ Klondike Gold Rush endete um 1899, nachdem an den Stränden von Nome (Anvil Creek) im Nordwesten Alaskas große Mengen Gold entdeckt wurden. Mindestens 8.000 Goldwäscher verließen Dawson schlagartig, um nach Nome zu ziehen; diejenigen, die in der Stadt blieben, arbeiteten in der Goldgewinnung oder anderweitig weiter. Dawsons „große Zeit“ dauerte ungefähr zwei Jahre. Die Stadt mit ihren Bewohnern veränderte sich. Die Angehörigen der Goldwäscher zogen nach, die Vergnügungsstätten wurden auf die andere Seite des Flusses verlegt … die Männer mussten für dortige Besuche „über die Brücke“! Zu allen Zeiten war Dawson eine „sichere Stadt“, denn die kanadische Polizei, die Reiter der „Mounted Police“ in ihren roten Uniformen, hatte immer das Sagen und verhinderte schwere Verbrechen.

Dawson City … das ist der Klondike Gold Rush, das ist Jack London (1876 – 1916), das ist Robert William Service (1874 – 1958)!

Robert Service Cabin

Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Destination Canada

Jack London … auch ihn erfasste das „Goldfieber“! Als einer der ersten Goldsucher überquerte er den gefährlichen und steilen Chilkoot Pass und legte mit seiner „Belle oft the Yukon“ mehr als 600 km auf dem Yukon River zurück. Reich an Gold wurde Jack London mit seinem Claim Nr. 54 am nahen Stewart River allerdings nicht! Durch viele Entbehrungen und das harte Leben erkrankte er schon bald an Skorbut und kehrte nach Kalifornien zurück. Dort starb er mit nur 40 Jahren auf seiner Farm. Aber die Erfahrungen, die Jack London in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes im Yukon machte, waren sehr prägend und inspirierten ihn zu großartigem schriftstellerischem Schaffen. Berühmt wurde er als Bestsellerautor – Ruf der Wildnis, Wolfsblut, Der Seewolf, Lockruf des Goldes … – Jack London, zu seinen Lebzeiten erfolgreichster Autor der Welt! Vieles von dem, was er im Norden erlebt hatte, machte er später in seinen Romanen literarisch zu Gold!

Eine Nachbildung seiner Blockhütte, die ursprünglich in der Nähe des Stewart River stand, wurde in Dawson City errichtet und beherbergt ein kleines Museum. Maßgeblich an der Wiederentdeckung beteiligt war Dick North, Journalist und ausgezeichneter Jack-London-Spezialist. Er fand die Originalhütte mit Namenszug (Jack London, miner, author, Jan 27, 1898). Kurios dabei ist, dass sowohl in Dawson City als auch in Kalifornien ein Teil der Originalhütte steht: In Dawson steht heute die untere Hälfte der Hütte, in Oakland/Kalifornien die obere Hälfte. Der jeweilige fehlende Teil wurde rekonstruiert. Eine Bronzebüste von Jack London steht in Whitehorse.

Robert W. Service …, der „Barde des Klondike“ bzw. „The bard oft the Yukon“, auch seine Büste befindet sich in Whitehorse in der Mainstreet, literarisch die Nummer 1 im Yukon, weitaus populärer als Jack London … ! Das bekannteste Gedicht von Robert W. Service „The Spell oft the Yukon“ (Der Zauber des Yukon) steht auf einigen Hauswänden in Dawson! Robert W. Service, der eigentlich Bankangestellter in Dawson war, schrieb Songs („Songs of a Sourdough“) Gedichte, Balladen …oft „gewürzt“ mit viel schwarzem Humor (z. B. „The Cremation of Sam McGee“)! Die „Gaslight Follies“ treten in der Saison von Mai bis Oktober im Theater auf und spielen noch immer Robert W. Service Ballade „The Shooting of Dan McGrew“. Für Robert W. Service war der Yukon zeitlebens nicht nur das schönste, sondern auch das „verfluchteste“ Land. Seine Blockhütte steht noch an ihrem ursprünglichen Ort und ist eine Touristenattraktion.

Dawson musste immer wieder Schicksalsschläge verkraften! Im Frühjahr 1899 brannte die Stadt innerhalb weniger Stunden nieder, nachdem in einem Saloon Feuer ausbrach. Die Stadt wurde zwar sofort wieder aufgebaut, doch erlangte sie nicht mehr den alten Schwung.

Foto: Werner Walcher

Dawson City heute … eine Stadt mit inzwischen nur noch ca. 1.400 Einwohnern, die größtenteils vom Tourismus lebt, … und doch, auch fast 120 Jahre später, ist der Geist der damaligen Zeit noch spürbar. Dawson City sieht heute fast noch so aus wie kurz nach 1900. Jährlich – immer in der dritten Augustwoche – wird der Discovery Day (17. August) mit großen Umzügen, Filmen, Wettbewerben und viel Trubel gefeiert. Ja, und Diamond Tooth Gertie’s Gambling Hall, eine gegründete Nachahmung eines historischen Saloons und Spielcasino mit abendlichen Aufführungen von Cancan-Girls, erinnert an die Goldrauschzeit, als einige Stampeders über Nacht zu Millionären wurden. Sehr schnell wird das Gefundene wieder ausgegeben: „Work hard, play hard“ betont der Claimbesitzer Justin Millar, dessen Familie und Bergbaucrew interessante Touren zum Goldbergbau anbietet (www.goldbottom.com). Dawson City ist und bleibt ein Mythos.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Destination Canada

Der Gold-Bergbau veränderte die Landschaft des Nordwestens für immer! Riesige Maschinen (Dredgen) sind für den effizienten Goldabbau im Einsatz und auch heute noch sind viele Goldminen aktiv. Freie Claims werden mit Hilfe von GPS aus dem Helicopter gesucht. Wie zu Beginn der Goldrauschzeit muss auch heute noch der Claim mit Pflöcken „abgesteckt“ und das Schürfrecht im Mining Office eingetragen werden. Die Gier nach Gold ist geblieben, auch weil die „Mutterader“ des Goldes angeblich bisher nie gefunden wurde!

Einen interessanten 360°-Rundumblick bietet der Aussichtspunkt „Midnight Dome“ (887 m) auf die durch Goldschürfung veränderte (auch verschandelte) Landschaft.

Aber auch die Mitternachtssonne, die am 21. Juni nur für einen kurzen Moment hinter den „Ogilvie Mountains“ untergeht, um sogleich wieder aufzugehen oder ab etwa Ende August mystisches Nordlicht (Aurora Borealis) bei klaren Nächten zu beobachten … eine Auffahrt auf den Midnight Dome ist immer ein besonderes Erlebnis.

Foto: Werner Walcher
Dawson City, jährlich im Februar auch Zwischenstation und „Zwangspause“ von mehreren Stunden für das legendäre Schlittenhunderennen über 1.600 km (Yukon Quest) zwischen Whitehorse und Fairbanks in Alaska. Die Strecke folgt dem historischen Weg des Klondike Goldrausches. Der Start ist in „geraden“ Jahren in Fairbanks, in „ungeraden“ Jahren in Whitehorse. In Dawson City, etwa Streckenmitte, können sich die Musher, die Schlittenhundeführer, mit Proviant versorgen. Das zehn- bis vierzehntägige Schlittenhunderennen, der Yukon Quest, gilt als das härteste bzw. schwerste Hundeschlittenrennen der Welt.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Destination Canada

Dawson City … die Stadt präsentiert sich mit ihren liebevoll restaurierten historischen Gebäuden wie eine Filmkulisse aus der Wild-West-Zeit und hat es geschafft, ihren ursprünglichen Reiz zu erhalten.

„Lockruf des Goldes“ …! Die Tourismuszahlen steigen, aber Dawson City verzichtet bewusst darauf, Hotelhochhäuser zu errichten; so dürfen beispielsweise im historischen Bezirk Häuser nur höchstens zwei Stockwerke hoch sein, die erhöhten Gehsteige sind wie einst aus Holzbohlen. Dawson City soll auch heute noch das Bild einer Goldgräberstadt bieten.

Dawson City … der weltberühmte Klondike Goldrausch von 1896 – 1898 veränderte auch den Verlauf der Geschichte vom Yukon Territory. Auch heute noch werden viele Geschichten aus der Zeit des großen Klondike Gold Rush erzählt! Dawson, eine (fast) unglaubliche, faszinierende Story! Viele Yukon-Bewohner sind Nachkommen der ursprünglichen Entdecker und der Abenteurer, die mit dem Klondike-Goldrausch kamen und für immer blieben.

Dawson City … 120 Jahre nach dem Klondike Gold Rush – noch immer ein magischer Ort! Dawson City, eine Stadt, die von ihrer Vergangenheit lebt!

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2 Kommentare

Arktischer Road Trip - KanadaSpezialist.com 20. November 2019 - 11:11

[…] Straße, die aus Dawson herausführt, ist gesäumt von hundert Jahre altem Bergbauaushub. Nach 20 Minuten biegt man links […]

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Simonek Gerhard 11. Oktober 2017 - 19:05

Ein beeindruckend informativer Bericht! +++

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