Wildfeuer (Waldbrände) in Kanada – 2

von Peter Iden

Das Wunder der Nadelbaumzapfen


Die zapfenförmigen “Früchte” der Tannen, Fichten und ihrer verwandten Baumarten sind uns allen bekannt. Es sind allerdings keine Früchte in unserem Sinn dieses Begriffs. Nadelbäume sind Mitglieder der “Gymnosperm-Familie” im Pflanzenreich. Der griechische Begriff umfasst Saaten, die nicht (wie z.B. Nüsse) von Schalen bedeckt sondern “nackt” und in einem “Zapfen” behaust sind.

Die Evolution der Gymnosperm-Familie von Pflanzen geschah bereits Millionen Jahre vor der Entwicklung von Bienen als Bestäuber, obwohl zahlreiche andere Tierarten bereits damals – und auch noch heute – diese Funktion erfüllten. Im Gegensatz zu diesen geschieht die Bestäubung weiblicher Zapfen im Frühling durch den Blütenstaub, der mit der Hilfe von Wind viele hundert Kilometer ueberbrücken kann.
Alle Nadelbäume werden windbestäubt.

Der Zyklus der Natur (Feuer – Zapfen – Nährboden – Keimung – Pflanze – Wachstum – Zapfen – Feuer) ist heute genügend bekannt, um in einigen Gehirnen eine “Neudenkung” der bisherigen Feuerkontrollen zu erwecken. Denn je mehr für die Verhinderung von Waldfeuern ausgegeben wird, desto schlimmer scheinen sie zu werden.

Die Ökosysteme einiger Wälder sind tatsächlich total auf ein Leben mit Feuer eingestellt. Die “Redwoods” und “Lodgepole Pines” in Kalifornien und die Wälder des Westens sind Beispiele dafür. Alle 80 bis 100 Jahre werden diese Wälder von Wildfeuern mit extremer Hitze heimgesucht, und nur wenige der Bäume überleben.

Aber diese Bäume haben eine Strategie evolutioniert, in der nicht sie selbst wichtig sind, sondern ihre Saaten. Die sind eingebettet in “feuerfeste”, erstaunlich hitzebeständige Zapfen in ihren Kronen. Nachdem die Feuer enden, öffnen sich die Zapfen und befreien ihre Saaten aus ihrem “Zapfen-Gefängnis”.

“Feuer ist ein natürlicher Teil der Grassland- und Wald-Zyklen” (National Geographic, Nov.2017)

Der Begriff unter Wissenschaftlern für diesen Prozess ist “Serotiny”. Lodgepole Pines z.B. benötigen eine Temperatur von 50 bis 60 Grad Celsius bevor das Harz, welches ihre Zapfen versiegelt, schmilzt und die Saaten zur verbrannten Erde fallen.

Asche ist ein ausgezeichneter Dünger, der den Saaten eine gute “Kinderstube” für ihr Wachstum bietet. Diese Wälder regenerieren sich in Jahrzehnten.

Andere Nadelbaum-Arten öffnen im Spätsommer unter kurzem Hitze-Einfluss (heisse Sonne oder Feuer) ihre Zapfen und verstreuen ihre Saaten – darunter Weissfichten (white spruce), Weisskiefer (white pine) und Rotkiefer (red pine).

Die über einen Grossteil des borealen Ost-Kanada’s verbreiteten Jack Pines (Strauchkiefern, die von der Tundra und Taiga bis zu den Grossen Seen und dem Atlantischen Ozean beheimatet sind) benötigen ebenfalls hohe Hitzegrade, damit sich ihre Zapfen öffnen können.

Zum Zweck ihrer Regeneration brauchen auch sie Wildfeuer. Ihre Saaten wachsen nur in Gegenden in denen diese vorkommen.

Die grössten der borealen Wildfeuer sind Kronenfeuer, welche explosiv auf die Baumkronen hochbrennen und sehr schnell von Krone zu Krone “springen”und ihre Gase und Rauch in die hohe Atmosphäre freilassen.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung: Die Anzahl der roten Punkte auf der Karte in fast dem gesamten Norden Kanada’s bestätigen das Vorkommen zahlreicher Feuer, von denen die Aussaat der Jackpine-Saaten profitiert. Tatsächlich würde der Norden Kanada’s ohne diese Feuer ein total verschiedenes Landschaftsgepräge haben.

In Michigan geht man sogar soweit, in den Jackpine-Wäldern Feuer anzulegen, um die Zapfen zum Auswerfen ihrer Samen zu bewegen. Der Grund für diese Maßnahme ist jedoch, dass eine sehr seltene Vogelart, der Kirtland Warbler, nur unter jungen Jackpines seine Nester baut. Diese Vögel nisten nirgendwo anders als in Michigan, Wisconsin und Süd-Ontario. Wegen der Gefahr, dass sich die Feuer auf mehr belebte Gegenden ausbreiten könnten, werden dort heutzutage allerdings nur noch erhebliche Anpflanzungen von jungen Jackpines gemacht.

Die westliche “Douglas-Fir” ist eigentlich gar keine Tanne, auch keine Fichte oder Kiefer, sondern ein Mitglied der immergrünen Pseudutsuga-Gattung. Die zwei Variationen der Douglas-Fir gehören zu einer der wichtigsten und wertvollsten Holzarten der Welt und wachsen von Zentral-British Columbia bis Mexiko in den Küsten- und Berg-Gegenden. Sie unterscheiden sich von den anderen Konifern dadurch, dass Ihre Zapfen komplett zur Erde fallen.

Ihre Saaten, sowie auch die der verwandten “Balsam Fir” (Abies balsamea – der beliebteste “Tannenbaum”) keimen in fast allen Situationen auf dem Boden..

In Mexiko ist “Abies religiosa” (die heilige Tanne) Gastgeber für die jährlich aus dem Osten Kanada’s in die Staaten Michoacan und Estado de Mexico sowie auch in das nördliche Guatemala wandernden “Monarch Butterflies” während die westliche Bevölkerung dieser “kanadischen” Schmetterlinge ihre “Snowbird-Ferien” in Kalifornien und Nord-Mexico verbringt.

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