Skurriles aus Kanada Nr. 28

von Bernadette Calonego

Wenn der Chief kein Chef mehr sein darf

 

Kanada ist immer noch das Land der politischen Korrektheit. Dieser Pfad ist indes oft mit spitzen Steinen gepflastert. So haben die Schulbehörden von Toronto und dem Ballungsraum der Stadt das Wort „Chief“ von Berufsschildern entfernen lassen. Der „Chief Janitor“ zum Beispiel, der Chefhausmeister oder Oberhauswart, ist jetzt kein Chef mehr. Grund für den Schritt ist der Umstand, dass „Chief“ noch eine andere Bedeutung hat, nämlich Stammesvorsitzender oder Häuptling. Der Zeitung National Post erklärte der Sprecher der Schulbehörden sinngemäß, es habe mit dem Respekt gegenüber der indigenen Bevölkerung Kanadas zu tun.

Eine Kolumnistin der konservativen National Post bezeichnete darauf Kanada als das „dümmste aller Länder“,
in dem ein ursprünglich lateinisches Wort namens „caput“ (Anführer) nun plötzlich politisch inkorrekt sei.

Vor einigen Jahren gab es eine Kontroverse um das Wort „Squaw“, das indianische Frauen als abwertend empfanden. Das konnten viele Kanadier nachvollziehen. Aber „Chief“ ist kein indigenes Wort und weit herum in Berufsbezeichnungen gebräuchlich.

Ein anderer bislang harmloser Name an Schulen ist ebenfalls ins Zwielicht geraten: Der Vorsteher des Massey College, das Teil der Universität von Toronto ist, wird fortan nicht mehr mit dem traditionellen „Master“ bezeichnet, sondern „Head“ genannt. Schuld daran ist eine als Spaß gedachte Bemerkung von Michael Marrus, einem emiritierten Professor und Holocaustexperten. Als er mit Hugh Segal,  dem Master des Massey College, und drei Studenten am Mittagstisch saß, sagte er zu einem der Studenten: „Du weißt, dass er dein Master ist, nicht?
Spürst du die Peitsche?“ Das geriet dem Studenten, einem Schwarzen, in den falschen Hals. Er und andere Studenten beschwerten sich über Marrus, der Träger des höchsten Verdienstordens in Kanada ist. Zwischenzeitlich ist Marrus zurückgetreten und unterwirft sich einem Antirassismus-Training.

In einem Minenfeld von möglichen Fehltritten zu navigieren, ist manchmal selbst für Insider nicht einfach.
Die Bezeichnung „Indian“ für Indianer ist in Kanada schon lange offiziell verpönt. Aber der Experte Bob Joseph von der Gwawaenuk-Nation in British Columbia hat kürzlich eingeräumt, dass manche Indianernationen das Wort trotzdem in ihrem Stammesnamen führen. Die Osoyoos Indian Band bezeichnet sich als solche auf öffentlichen Schildern. Die Sechelt Indian Band nennt sich überall genau so. Eine Zeitlang galten das englische „aboriginal“ (eingeboren) oder „native“ (Ureinwohner) als salonfähig, aber manchen Gruppen der „First Nations“  gefallen diese Bezeichnungen überhaupt nicht. So braucht man derzeit am häufigsten „indigenous“ (Indigene), was auch die Regierung in Ottawa tut.

Bob Joseph gibt stets als Grundregel den Rat: „Gebrauche das, was sie sich selbst nennen.“

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