KANADAS STÄDTE – NELSON

von Heidi Giebl

Kurioses und Historisches …

Nelson, dieses historische hübsche Städtchen im Südosten der Provinz British Columbia mit ca. 11.000 Einwohnern liegt am Westarm des malerischen langgezogenen Kootenay Lake. Nelson, von der New York Times als „schönste Kleinstadt Kanadas“ bezeichnet, ist durch verschiedene Highways gut erreichbar; ca. 650 km beträgt jeweils die Entfernung nach Calgary bzw. Vancouver und ca. 55 km zur US-Grenze bzw. rund 230 km nach Spokane im US-Bundesstaat Washington. Durch die Lage am majestätischen Kootenay Lake und eingebettet in den markanten Selkirk Mountains mit dem mächtigen Kokanee Gletscher ist die Stadt ideale Drehscheibe für Wasser- und Bergsport.

Grandiose Bergketten, glasklare tiefe Seen und Flüsse, endlose Wälder und liebliche Täler bestimmen das Landschaftsbild rund um Nelson; landschaftlich spektakuläre Naturschutzgebiete in unberührter Wildnis sind Lebensraum für eine außerordentliche Artenvielfalt von Flora und Fauna. Die West-Kootenays sind bekannt für ihre Vielfalt an wild lebenden Tieren, z. B. Bergziegen, Schwarzbären, Grizzlybären, Bergkaribus. Das Klima ist mit vier ausgeprägten Jahreszeiten angenehm – die Sommer sind heiß und trocken und dauern oft mit warmen, sonnigen Tagen bis Ende September; die Winter sind relativ mild und außerordentlich schneereich.

Den besonderen Charme dieser pulsierenden Kleinstadt – auch „Queen City“ genannt – macht vor allem das bunte Gemisch seiner interessanten Bewohner aus. Hier leben neben alteingesessenen Familien und Stadtflüchtigen die Aussteiger der 1960er Jahre, Vietnam-Kriegsdienstverweigerer (sog. „Draft Dodgers“), Rastafaris sowie viele Künstler und Schriftsteller, die hier Inspiration und beständig Material finden – die Vielfalt der Einwohner prägt die lebendige Kunst- und Kulturszene und spielt für die Wirtschaft eine bedeutende Rolle! Auch für Filmemacher ist Nelson mit seiner idyllischen Umgebung ideale Kulisse und sehr attraktiv.

Nelsons Straßen sind von großen Laubbäumen gesäumt, die Wohnviertel liegen oft harmonisch an steilen Hängen und die Einwohner gelten als besonders freundlich – geprägt von der in Nelson noch sehr lebendigen Hippiekultur. Hier lebt es sich bunt und lebensfroh! Hier finden sich viele Coffee Shops und der Umgang mit Marihuana wird etwas großzügiger und entspannter gesehen als andernorts.
Die Stadtpolitik gilt als liberal.

 

Bekannt wurde das Gebiet um Nelson als 1886 Silber in der Region gefunden wurde. Ursprünglich hieß die Siedlung Salisbury bzw. Stanley und in dem Gebiet war der Stamm der Kutenai ansässig; die Region am Kootenay Lake für die Ureinwohner eine „heilige Stätte“. 1888 wurde der Ort nach Hugh Nelson, dem Vizegouverneur von British Columbia, benannt. Die ersten Pioniere lebten in Zelten und einfachen Hütten, doch schon um 1890 wurden erste Holzgebäude in der Gegend errichtet. Der Bergbauboom der Silver King Mine war ausschlaggebend für die rasante Entwicklung Nelsons. 1897 wurde Nelson bereits selbstständige Gemeinde und zählte ca. 3.000 Einwohner.

Die ideale Anbindung an Wasserstraßen und Eisenbahnlinien führte zu schneller Blüte. Schon zu Pionierzeiten errichtete Nelson ein eigenes Wasserwerk, ein Gaswerk und besaß zudem um 1900 ein ausgeklügeltes Straßenbahnsystem, das erste in BC. Nostalgisch ist eine Fahrt mit der wunderschön restaurierten Straßenbahn Nr. 23, die jahrzehntelang innerhalb Nelsons unterwegs war und heute als Touristenattraktion an der malerischen Uferpromenade  zwischen dem Prestige Lakeside Resort und dem Rotary Lakeside Park verkehrt und Geschichte lebendig werden lässt. Um die Jahrhundertwende richtete ein Großfeuer verheerende Schäden in der Stadt an. Daraufhin beschloss der Stadtrat, alle Gebäude der Innenstadt aus nicht brennbarem Material zu errichten. Sämtliche historischen Gebäude sind aus Backstein bzw. Stein gebaut und werden liebevoll erhalten und gepflegt … das Stadtbild bietet fast den gleichen Anblick wie vor über 100 Jahren. Lohnenswert ist der Besuch des Touchstones Nelson Museum of Art and History in einem der schönsten und bedeutendsten denkmalgeschützten Gebäude der Stadt (ehemals Postamt und Zollhaus).

Nelsons Geschichte verlief in interessanten Wendungen und hat viele Spuren in der Region hinterlassen. Der Bergbauboom war nur von kurzer Dauer (bis ca. 1909) und Nelson konzentrierte sich schließlich auf die Forstwirtschaft, war Handels- und Regierungszentrum der Region. Ab den 1950er Jahren lag der Fokus auf dem Bildungssektor und es entstanden bedeutende Akademien und Bildungseinrichtungen.

Von der Vergangenheit zur Moderne: Auch heute hat Nelson sehr viel zu bieten!

Der außergewöhnliche Reiz dieser unkonventionellen Stadt liegt in der Fülle seiner architektonischen Schätze mit über 350 denkmalgeschützten Gebäuden (Weltkulturerbe) und trägt zum Ruf der Stadt als kulturelles Zentrum bei. Nelson hat pro Kopf mehr historische Gebäude als jede andere Stadt in British Columbia und die Bezeichnung „Kulturhauptstadt von BC“ ist wohlverdient. Die Gebäude können in einem Rundgang (Heritage Walking Tour) erkundet werden. Viktorianischer Baustil findet sich vor allem in den Häuserzeilen in der Gegend um die Baker Street, dem „Herz“ der Stadt. Zahlreiche Galerien und Handwerksläden haben sich hier in sorgfältig restaurierten farbenfrohen Gebäuden etabliert, heimelige Straßenrestaurants und Cafés laden zum Verweilen ein und im September zieht die „Queen-City Car Show“ (Oldtimershow) zahlreiche Besucher in die historische Baker Street. Straßenmusiker sind fester Bestandteil der Stadtkulisse und die Community unterstützt begeistert die bunte Mischung aus Theater, Tanz und Musikvorführungen des Capitol Theatres. Der Autor John Villani hat in seinem Buch „The 100 Best Art Towns in America“ Nelson zur „Besten Kunststadt Kanadas“ gekürt.

Unweit von Nelson befindet sich am berühmten Powder Highway BC, auch bekannt als „Powder Triangle“, eines der besten Skigebiete Kanadas (Kootenay Rockies Region)… WHITEWATER  SKI  RESORT!

Whitewaters wohlverdienter hervorragender Ruf für seinen leichten, trockenen und flauschigen „Champagnerpowder“ ist legendär. Hohe Auszeichnungen kommen von renommierter Seite (z. B. Lonely Planet, Ski Canada, Powder Magazine). Traumhafter Pulverschnee (ca. 12 m Schneefall pro Saison), anspruchsvolle Pisten mit unendlich vielen Möglichkeiten ziehen Wintersportler magisch an … ein Geheimtipp für Freerider und ein unvergessliches Winterabenteuer! Whitewater – ein fantastisches Terrain von zentraler Bedeutung, aber wie überall in den West Kootenays wird man nie auf Besuchermengen stoßen, sondern kann in aller Ruhe und stressfrei seinen Sport ausüben.

Nelson heute … eine Kleinstadt mit unbeschreiblichem Charme und Charakter … hier wird Laissez-faire „gelebt“ … in dieser Stadt scheinen die Uhren langsamer zu ticken! Die hier ansässigen Menschen lieben die natürliche Schönheit der Region und versuchen nach Kräften, sie zu bewahren. Ihr Bemühen, ein (einfaches) Leben in Harmonie mit der Natur zu führen, ist in den Kootenays immer noch lebendig und zeigt sich auch in den vielen engagierten Naturschutzgruppen, die es heute in dieser Region gibt. Nelson, dessen besonderer Liebreiz in den über 350 original erhaltenen Gebäuden aus den Pioniertagen und in dem sehr aktiven Lebensstil seiner interessanten Bewohner liegt, verleiht der Stadt ein Flair, das viele Besucher anzieht … einige bleiben für immer!

Nelson, ein Stück l(i)ebenswertes Kanada in wunderschöner Szenerie!

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