Mindestlohn in Restaurants und Trinkgeld in Kanada

von Peter Iden

MINDESTLOHN (MINIMUM WAGE):
Obwohl die Bundesregierung in Kanada die Vorschläge zu diesem Thema macht, werden die wirklichen Mindestlöhne von den individuellen provinziellen Regierungen bestimmt. Sämtlliche Kanadier haben das Recht, den Minimum-Stundenlohn in ihrer Provinz (oder Territorium) bezahlt zu bekommen.
In Alberta z.B. wurde der Mindestlohn am 1. Oktober 2017 auf CAD 13,60 fixiert (Vorjahr CAD 12,20). Am 1. Oktober 2018 werden es CAD 15,00.
In Ontario wurde der Mindestlohn ab 1. Januar 2018 auf CAD 14.00 pro Std. gesetzlich festgelegt. In Kürze soll er auf CAD 15,00 steigen, aber viele Firmen sind dieser Aenderung bereits voraus geschritten und zahlen heute schon CAD 15,00.
Die Arbeitszeit für „Part-time Employees“ ist gesetzlich auf maximal 8 Stunden pro Tag festgelegt. Sie dürfen nicht mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten.


Firmen mit „Part-Time“ (stündlich bezahlten) Angestellten müssen diesen in Ontario binnen der ersten 5 Stunden ihrer „shift“ (Schichte) eine Esspause von 30 Minuten bewilligen. Obwohl eine Bezahlung für diese Pause nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, wird sie jedoch in den meisten Firmen als Arbeitszeit bezahlt.
TIPS (TRINKGELD):
Gute Tips belohnen gute Bedienung, und die meisten Angestellten in kanadischen Restaurants arbeiten wirklich zuvorkommend und freundlich daran, ihre Tips durch gute Bedienung zu verbessern. Tips sind in Kanada nicht gesetzlich geregelt.
Tips in Bargeld auf dem Tisch zu hinterlassen ist allerdings nicht die beste Idee, denn Abräumung von Geschirr und Nachbleibseln wird meistens nicht von denselben Leuten erledigt, von denen man bedient wird.
Genau so ergeht es mit den Tips, welche auf Kredit-Karten gegeben werden. Es bleibt dem Management überlassen, diese unter den Angestellten (inklusive der Koeche) aufzuteilen. Ob das immer passiert, ist nicht garantiet.
Kanadier gehören zu der seltenen Klasse von Menschen, die großzügige „Tips“ für freundliche und gute Bedienung hinterlassen, selbst an den Tischen, wo sie nicht bedient werden.
Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Bedienungskosten mit 15% bereits in allen Restaurants im Preis der Mahlzeit eingeschlossen sind, ist das in Kanada nur in wenigen Etablissements üblich. Deutsche und andere Europäer, die daran gewöhnt sind, sind in Kanada als „Bad Tippers“ bekannt.
In „Take-out“ Restaurants wie Tim Horton’s, Macdonalds, Harveys usw. sind Tips unnötig, denn schliesslich holt man ja seine Mahlzeit selbst ab und verlässt dann das Restaurant. Die meisten Take-out Restaurants haben jedoch einige Tische bereit für Kunden, welche ihre Bestellungen sofort verzehren möchten. An diesen Tischen ist keine Bedienung, aber wir z.B. hinterlassen oft 50 Cents oder einen Dollar auf dem Tisch für den Abräumer. Diese bekommt der Abräumer selbst.
TIM HORTON’S MACHT SICH UNBELIEBT:
Kanada’s Donut- und Kaffee-Kette Tim Horton’s (ursprünglich „urkanadisch“ doch seit 2014 in den Händen der gewaltigen brasilianischen Private Holding Company G3 Capital, denen u.a. auch Burger King, Kraft, H.J.Heinz, Anheuser-Busch, Anbev und InBev gehören) hat ihren Angestellten ab sofort die Annahme von Tips verboten. Das ist zwar gesetzlich erlaubt, aber nur wenige Take-Out Ketten mit Tischen verbieten es.
Zum selben Zeitpunkt wurden die Tim Horton’s Angestellten informiert, dass ihre (vorher bezahlten)gesetzlich vorgeschriebenen Pausen nicht mehr als bezahlte Arbeitszeit anerkannt werden, und dass die Firmenanteile an ihren medizinischen Teilkosten (wie für Zahnarbeiten, Brillen usw.) nicht mehr bezahlt werden.
Der Standpunkt von Tim Horton’s Management und Eigentümern basiert sich auf der Erhöhung des Mindestlohns am 1. Januar dieses Jahres auf CAD 15,00: „wenn wir unseren Angestellten höhere Löhne zahlen müssen, machen wir weniger Profit, und unsere Investoren erhalten weniger Dividende“.
Tim Hortons ist nicht mehr der Favorit der Kanadier. Die Kette steht heute an vierter Stelle hinter McDonald’s, Second Cup und Starbucks in der Take-out Kaffee-Kategorie. VanHoutte-A&W, Country Style, Robin’s Donuts und Coffee Time stehen dicht hinter ihnen in Popularität. Auch diese anderen haben Donuts und koennten mit einer Erweiterung ihres Donut-Programms auch Timmie’s von ihrem Donut-Thron herunter bringen. Die Behandlung ihrer Angestellten wird sicherlich mehr zum Abrutschen von Tim Horton’s beitragen. Aber um es in den Worten des Tim Horton’s Management zu sagen: „Tim Hortons Team Members should never be used to further an agenda or be treated as just an ‘expense.’ This is completely unacceptable“.

 

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1 Kommentar

Herbert Boenisch 8. Januar 2018 - 03:43

Hallo Peter,
danke fuer den interessanten Artikel, der sicher fuer viele Urlauber interessant ist. Ich moechte ein paar persoenliche Anmerkungen loswerden, da ich nun die letzten 3 Sommer in einem Restaurant (Riverside Cafe/Tete Jaune Lodge) gearbeitet habe. Viele dt.sprachige Urlauber sind bezueglich des Trinkgeldes verunsichert. 15% erscheinen vielen zuviel, die US Touristen geben fast immer 20 % und sind daher sehr beliebt bei den Servicekraeften. Schweizer gelten als geizig, aber auch viee Kanadier geben nicht immer Trinkgeld, besonders die local people interessanterweise.
Ich habe in 2 verschiedenen Hotels/Restaurants arbieten koennen und beide Male war die Verteilung des Trinkgeldes sehr fair geregelt. In meinem letzten Cafe wurde der gesamte „Topf“ geteilt durch die Anzahl der KollegInnen vom Abend. Auch der dishwasher hat fast die gleiche Summe bekommen. Der niedrigste Lohn war hier 14.50 $ plus Tip. So kamen wir alle auf mind. 25 $ die Stunde.
Wer hier in den Roeckies min.wages bezahlt findet kaum Arbeitskraefte, schon gar nicht erfahrene Leute. In Jasper und Banff bekommen die Leute in der Regel noch einen Bonus von 1-2 $ pro Stunde wenn sie die Saison durchhalten. Extra Premiums wie Krankenkasse gabe es im Best Western fuer Vollzeitkraefte. Aber davon gab es nur wenige, fast alle waren Teilzeit. Timmies wird Probleme bekommen, wenn sie die Politik weiterfuehren.
Eien kleine Anekdote zum Schluss: Mit nunmehr 66 Jahren werde ich von den Touristen fast immer fuer den Besitzer gehalten. Die meisten glauben ch bin pleite, Alki oder muss noch Alimente zahlen. Ich mache es 1- 3 Abende als Hobby und es ist eine tolle Erfahrung, oft natuerlich aber auch harte Arbeit.
Ich merke nur, das ich durch die Arbeit hier einfach von den Einheimischen als gleichwertig akzeptiert werde. Das Image des reichen dt. Rentners ist weg.

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