Abenteuer YUKON QUEST

by Heidi Giebl

… Five … Four … Three … Two … One … „GO“!

Am 3. Februar 2018 startet das 35. Yukon Quest International Sled Dog Race, das als härtestes Hundeschlittenrennen der Welt bezeichnete Abenteuer. Dieses herausfordernde Rennen folgt dem historischen Weg des Klondike-Goldrausches und erinnert an die Zeit der Pioniere und Goldgräber, Trapper und Postbeförderer, die dieses wilde, herrliche Land nahe dem nördlichen Polarkreis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschlossen, zu einer Zeit, wo es noch keine modernen Fortbewegungsmittel gab und die entlegenen Orte entlang des Yukon River nur äußerst beschwerlich mit dem Hundeschlitten über die Berge bzw. dem gefrorenen Yukon River erreichbar waren. Der Trail folgt der Route über mehr als 1.600 km durch den immer noch kaum bewohnten Teil Alaskas und Kanadas. Auch heute noch – im High-Tech-Zeitalter – leben in diesem Gebiet entlang des Yukon-Quest-Trails Goldgräber und Fallensteller in kleinen Blockhäusern ohne fließend Wasser und Elektrizität und bieten während des Yukon Quests großzügig ihre Gastfreundschaft an. Sie halten den „Geist des Nordens“ lebendig und teilen, was sie haben.

In geraden Jahreszahlen (2018) verläuft die Rennstrecke von Fairbanks in Alaska über Dawson City nach Whitehorse in Kanada (Yukon Territory); in ungeraden Jahreszahlen folgen die Schlittenhundeführer, die sog. Musher, dem Trail entgegengesetzt. Die Distanz beträgt jeweils rund 1.000 Meilen, ca. 1.600 km, und führt in der Hauptsache durch die arktische Wildnis und auf oder entlang dem Yukon River. In Alaska führt die Strecke von Fairbanks über Two Rivers, Mile 101, Central, Circle City bis nach Eagle; auf kanadischer Seite geht es über Dawson City nach Pelly Crossing, Carmacks und Braeburn und letztlich nach Whitehorse. Vier berühmt-berüchtigte Berge müssen auf dem Trail überwunden werden: Rosebud Summit (1.109 m), Eagle Summit (1.123 m), American Summit (1.042 m) in Alaska und King Solomons’s Dome (1.313 m) auf kanadischer Seite. In Dawson City, ca. Halbzeit des Rennens, ist eine „Zwangspause“ von 36 Stunden vorgeschrieben.

Maximal 50 Teilnehmer – sowohl Männer als auch Frauen – gehen an den Start und fügen sich einem strengen Reglement. Die Musher starten mit höchstens 14 bzw. mindestens 8 Hunden; wer nach ca. 10 – 14 Tagen über die Ziellinie einläuft, muss mindestens noch 6 Hunde im Gespann vor dem Schlitten haben. Der markierte Streckenverlauf ist vorgegeben und an allen Checkpoints finden Kontrollen jedes Teams statt. Zur Pflichtausrüstung zählen z. B. Schlafsack, Axt, Kocher, Schneeschuhe sowie für die Hunde eine ausreichende Zahl an Booties (kleine Strümpfe mit Klettverschluss, um die Pfoten vor Verletzungen zu schützen) sowie die Dokumentenmappe eines jeden Hundes. Jegliche Hilfeleistung von Außenstehenden, mit Ausnahme am Pflichtruheort Dawson City, ist untersagt.

Die Musher sind mit ihrem Team, den tapferen und mutigen Hunden, den Elementen der Natur über 1.000 Meilen in Einsamkeit unerbittlich ausgeliefert. Aber genau dieser Kampf, das Kräftemessen mit der Natur, ist jene Triebfeder, die dazu treibt, sich auf dieses harte und ehrgeizige Abenteuer einzulassen. Und die Musher lieben das Abenteuer, kennen die Spielregeln der Natur. Nur die Härtesten der Harten schaffen dieses anspruchsvolle Rennen in eisiger Kälte und Einsamkeit, unter Umständen ein Kampf auf Leben und Tod.

Steile Berghänge müssen mühsam erklommen oder gefährlich rasend schnelle Talabfahrten bewältigt werden. Musher und Hunde kämpfen sich durch urplötzlich auftretende Blizzards und gigantische Schneeverwehungen, schleppen sich mit dem über 150 kg schweren Schlitten durch kniehohen Schnee und sind beißendem Wind, sog. Windchill ausgesetzt.

Aber nicht nur ein vom Schneesturm verwehter Trail stellt große Herausforderungen an Mensch und Tier, auch die Gefahr des Einbrechens ins Eis beim Überqueren der zahlreichen Flussläufe, Sümpfe und Seen erfordert größte Vorsicht. Riesige Berge von Eisschollen bilden fast unüberbrückbare Barrieren und immer wieder müssen innerhalb Sekunden schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden, sei es, weil das Team vor einem sog. Overflow, also überfließendem, mit Schnee vermischtem, oft nicht sichtbaren Wasser steht oder von Wildtieren überrascht oder sogar angegriffen wird.

Eine Besonderheit der Arktis ist der blitzschnelle Wetter- und Temperaturwechsel. Im Winter verändert sich die Beschaffenheit des Weges fast täglich; wo heute Eis unter einer dichten Schneedecke ist, kann morgen offenes Wasser liegen.

Eine ungeheure Leistung wird von den Mushern und den Hunden abverlangt. Musher und Hunde sind ein eingespieltes Team und bilden im Sinn des Yukon Quest eine autarke Einheit. Das Vertrauen der Hunde – insbesondere der Leithunde – in den Musher scheint schier grenzenlos und beruht auf Gegenseitigkeit. Der ständige Wechsel zwischen bergauf und bergab kostet viel Zeit, Kraft und Kondition. Die Huskies leisten wahre Wunder an Schnelligkeit, Ausdauer und Kraft – sie sind weit härter als der Mensch und geben nie freiwillig auf. Viele Unwägbarkeiten liegen vor dem Team, viel Unvorhergesehenes kann auf dem langen Trail passieren.

Eines der größten Probleme ist unweigerlich die bei allen Mushern auftretende Müdigkeit; auch haben Halluzinationen – bedingt durch den tagelangen Schlafmangel – schon manchen Musher zum Aufgeben des Rennens gezwungen. Die Musher schlafen innerhalb 48 Stunden oft nur 2 bis 4 Stunden und Biwaks im Freien bei bis zu minus 50 °C gehören beim Yukon Quest zum Alltäglichen.

Der Trail erfordert über die gesamte Distanz absolute Aufmerksamkeit, schon die kleinste Unachtsamkeit kann fatale Folgen nach sich ziehen.

Es ist nicht immer leicht, die Meute laufbegeisterter Huskies unter Kontrolle zu halten, die aufgeregt an ihren Geschirren zerren, bellen, und kaum noch zu halten sind. Die Hunde wollen nur eins … laufen, laufen, laufen! Das Rennen gleicht oft einem wilden Ritt und der Musher ist verantwortlich, ausreichende Ruhepausen einzulegen, um die Energiebündel nicht zu überfordern.

 

In den Ruhepausen werden die Hunde bestmöglich versorgt! Die eiserne Musher-Regel „zuerst die Hunde, dann der Musher“ ist oberstes Yukon-Quest-Gebot! … eine kräftigende Mahlzeit, Wasser, Massagen für die Muskeln und sorgfältige Ballenpflege sowie ein Lager aus wärmendem Stroh und liebevoller vertrauter Zuspruch füllt die Energiereserven der überaus leistungsfähigen „Hundeathleten“ wieder auf. An allen Checkpoints sind Tierärzte, die für das gesundheitliche Wohl der Hunde sorgen.

Wenn der lange Trail in seiner beispiellosen Härte bezwungen ist, breites sich ein ungeheures Gefühl der Befreiung und Befriedigung aus … ein unbeschreibliches Glücksgefühl erfüllt die Musher und verdrängt die Erschöpfung!

Geschafft! Begeisterte Zuschauer säumen die letzten Meter vor der Ziellinie und jubeln den Teams zu … rührende Szenen spielen sich an der finish line ab! Die Strapazen des Yukon Quests lassen sich für Aussenstehende nur erahnen, wenn man in die von Schlaflosigkeit geröteten Augen der erschöpften Musher sieht.

Oft am Ende der Kräfte endet nach 1.000 Meilen, nach ca. 1.600 km, eine lange Reise in Einsamkeit durch Eis, Schnee, Kälte und Sturm. Zurück bleibt die Erinnerung an ein unermesslich beeindruckendes Abenteuer, das an die Grenzen physischer und psychischer Leistungsfähigkeit geht; Erinnerungen an einen unvergleichlichen Sternenhimmel, an kristallklare Nächte, märchenhafte mystische Nordlichter, herrliche sonnenüberflutete Landschaften, unberührte Waldgebiete, gelebte Gastfreundschaft entlang des Trails! Erinnerungen an eisig kalte und raue Nächte am Lagerfeuer – nicht der Romantik wegen – sondern um sich aufzuwärmen, um eine Mahlzeit für die Hunde und sich zuzubereiten, um Licht zu haben. Und … Tränen der Rührung und der innige Dank an jeden einzelnen Hund im erfolgreichen Team … sie haben das nahezu Unmögliche geschafft!

Preisgelder gibt es derzeit bis zum 15. Rang, aber … „Jeder, der nach 1.000 Meilen das Ziel erreicht, ist ein Sieger!“ so das Yukon-Quest-Motto!

Seit einigen Jahren sind die Teams mit einem GPS-Sender ausgestattet und das einmalige Yukon-Quest-Rennen kann weltweit live mitverfolgt werden (www.yukonquest.com bzw. www.yukonquest.info)

Am 3. Februar 2018 ist es in Fairbanks wieder soweit …für voraussichtlich 26 angemeldete Teams fällt am Chena River der Startschuss

… Five … Four … Three … Two … One … „GO“!

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Werner WalcherA Taste of Yukon Adventures Inc.

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1 comment

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Gerhard Simonek 21. Januar 2018 - 20:59

Sehr anschauliche Beschreibung

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