KANADA: Bagels, Donuts, Muffins und Butter Tarts – Teil 2 von 3

von Peter Iden

DONUTS
Donuts sind ein Teigprodukt, welches im Gegensatz zu Bagels (welche zuerst gekocht und dann gebacken werden) sofort in sehr heissem Fett gebraten (frittiert oder deep-fried) werden.
Traditionell sind Donuts ein Gebaeck, welches mit verschiedenen Zutaten bereitet wird. Es gibt zwei Sorten von Donuts, eine mit einem Loch im Zentrum, die andere ohne Loch. Doughnuts ohne Loch haben meistens eine Creme-, Marmelade- oder Frucht-Fuellung (Beispiel: Boston Crème). Doughnuts mit Loechern sind mit Schokolade, Zucker, Puderzucker, Zuckerguss, oft mit farbigen Suesswaren verziert. Die vor der Zubereitung heraus gestampften Loecher kann man bei Tim Hortons als “Timbits” kaufen.


Doughnuts gibt es eigentlich in Oesterreich und Deutschland schon viel laenger als in Nordamerika. Um 1690 fuellte die Zuckerbaeckerin Caecilie (Cilli) Krapf in Wien ihre “Cillikugeln” (Krapfen) mit einer Fruchtmasse. Um 1750 formte ein Zuckerbaecker in Berlin seine handgeformten “Kanonenkugeln” aus Hefeteig und backte sie in einem Kessel in heissem Schweinefett.
Am Altjahrsabend wurden damals in unserer Familie traditionell “Berliner” serviert, gezuckert und mit Konfituere-gefuellt. In anderen Teilen Deutschlands und Oesterreichs sind sie als Kuechlein, Krapfen, Kraeppel oder Kuechli bekannt, in Berlin als Pfannkuchen. Besonders zur Karnevalzeit sind diese “Deutschen Donuts” in einigen Gegenden sehr beliebt.
Der Name der “Donuts” (zumindest die erste Silbe) ist leicht zu erklaeren: das “do” steht fuer den “dough” (Teig). Fuer die zweite Silbe “nut” (Nuss) gibt es keine definitive Erklaerung. Bekannt ist nur, dass damals die hollaendischen Immigranten in “New Amsterdam” (New York) ein Gebaeck aus Holland mitbrachten, welches den Namen “olykoeks” (Oelige-Kuchen) hatte und wahrscheinlich eine andere Oelsaat wie Leinsamen, Mohn, Hanf, Kuerbis, Fenchel usw. als Zusatz hatte, und dass diesem Gebaeck sehr oft Walnuesse zugefuegt wurden.
Unser persoenlicher Favorit ist der “French Cruller”, ein von einer Spezial-Maschine ausgestossener und (wie andere Donuts) tiefgebackenen, natuerlich sehr fetter und zuckerriger Teigring ohne Fuellung, in Deutschland ist es der “Spritzkuchen”, in Skandinavien populaer zur Weihnachtszeit, heist er in Daenemark “Klejner”, in Schweden “Klenaeter”. Der englische Name stammt aus dem altdeutschen “Kruller” (krullen = gedreht, curled = lockig) und wurde wahrscheinlich von den deutschen Siedlern im mittleren Westen von Nordamerika aus Europa mitgebracht. Crullers sind allerdings nicht ueber ganz Kanada verbreitet.
Ich schweife nun hier etwas in eine kurze Geschichte der Tim Hortons Kette ab, denn schliesslich ist Tim Hortons ja der Inbegriff fuer die Donuts in Kanada. Der Name war urspruenglich Tim Horton’s, aber fuer die Separatisten in Quebec war das ein rotes Tuch. Die franzoesische Sprache enthaelt kein Apostroph am Ende eines Namens. Das wird als “Anglo” verpoent, und alle Zeichen der englischen Sprache in offiziellen Namen, auf Beschilderungen usw. sind unter den Gesetzen der Provinz Quebec verboten.
Jim Charade, der erste Foerderer von Donuts in Kanada, wurde in 1934 in Montreal geboren und zog mit 18 Jahren nach Toronto um, wo er als Vertreter fuer die franzoesisch-kanadische Esswarenfirma Vachon arbeitete. Er versuchte die Firma zu ueberzeugen, in das Donut-Geschaeft einzusteigen, aber ohne Erfolg. In Toronto versuchte er kurze Zeit als Jazzmusikant zu leben, verdiente aber nicht genuegend um davon zu leben. Jim Charade hatte bereits in 1962 einen Donut Shop in einem Stripmall auf der Lawrence Avenue in Toronto eroeffnet, und einen zweiten in North Bay.
Zufaellig traf er bei seinem Friseur den Maple Leaf den Hockeyspieler und Stanley Cup Gewinner Tim Horton, der nebenberuflich Autos verkaufte. Die Rede kam auf Donuts, aber Horton war nicht an diesen interessiert und wollte lieber Hamburger und Hot Dogs verkaufen. Er hatte bereits einen Hamburger and Hot Dog Shop in North Bay eroeffnet. Charade ueberzeugte Horton, dass sein Name eine grosse Anziehungskraft fuer Kanadier hatte, und die beiden vereinten sich unter dem Namen TimandJim Ltd.
Tim’s Hamburger-Geschaeft in North Bay life nicht sehr gut, und so eroefnete er mit Jim in 1964 den ersten Tim Hortons Shop in einer alten Tankstelle in Hamilton, Ontario. Die Auswahl bestand aus zwei Sorten: Apple Fritter und Dutchie. Sie kosteten 69 cents, eine Tasse Kaffee 25 cents.
Tim Horton’s war oft abwesend und kein guter Geschaeftsmann, und auch Charade hatte wohl wenig Geshaeftstalent. Jedenfalls fand sich die kleine Kette von einem halben Dutzend Shops bei Tim’s Rueckkehr nach der 1964’er Hockey Saison dem Bankrott nahe. Jim Charade verliess die Firma in 1966. Der kanadische Multimillionaer Ron Joyce uebernahm die finanzielle Kontrolle der Firma und machte sie durch Franchise-Verkaeufe in wenigen Jahren zu einer Muli-Millionen Dollar Kette mit mehr als 3665 Laeden in Kanada und einigen anderen Laendern (2016).
Tim Horton starb am 21. Februar 1974, in einem Auto-Unfall, auf dem Weg nach einem verlorenen Hockeyspiel, scheinbar durch Einwirkung von Alkohol. Ein Jahr nach seinem Tod kaufte Ron Joyce die Firma von der Horton Famile fuer CAD 1,000.000
In 1995 wurde Tim Hortons von der amerikanischen Wendy’s Fast Food Kette Wendy’s gekauft und viele der Tim Hortons Laeden sind heute Nachbarn in denselben Gebaeuden. In 2014 wurde Tim Hortons wiederum verkauft, dieses Mal an die Holding Company Restaurant Brands International, welche von der brasilinischen Investment-Firma 3G Capital geeignet ist, der bereits Burger King, Heinz und Kraft Food gehoert.
Trotz dieser Verkaeufe an auslaendische Firmen ist und bleibt Tim Hortons ein Kultur-Phaenomen in Kanada.

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2 Kommentare

Peter Iden
Peter Iden 19. Februar 2018 - 18:39

Eberswalde und Zietemann wurden auf keinen Fall vergessen, den sie warden ueberall unter „Spritzkuchen“ erwaehnt. Aber Zietemann konnte wohl damals in Berlin, wo ohne Zweifel bereits zahlreiche Konditoreien bestanden, keine Bewilligung bekommen, noch eine weitere zu eroeffnen, aber bekam diese in Eberswalde. Mich interessieren die damaligen Regeln wirklich nicht, aber Buerokratie dieser Art gab es schon immer. Eberswalde hat sicher noch mehr fuer dich interessante geschichtliche Fakten, wie auch Wandsbeck bei Hamburg, wo ich geboren und aufgewachsen bin, und die interessieren uns dann natuerlich besonders. Gruesse aus Brampton, Peter Iden.

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Gillert 18. Februar 2018 - 21:34

Der o.g. Spritzkuchen ist in meiner Heimatstadt Eberswalde entstanden. Konditormeister Zietemann hatte wohl in Stettin ein paar Ideen aufgeschnappt und war später von Berlin nach Eberswalde gezogen. Hier erfand er den ersten Spritzkuchen. Da in der DDR der Markenschutz nicht als so wichtig erachtet wurde, vergaßen viele den Zusatz „Eberswalder“-Spritzkuchen.
https://www.goontravel.de/eberswalder-spritzkuchen-suesses-aus-unserer-heimatstadt/

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