The Great Trail – Unterwegs mit Sarah Jackson

by Heidi Giebl

Ein Beitrag zum „Weltfrauentag“ am 8. März 2018

Foto by Paul Daly

Sarah Jackson, sie gehört der sog. Generation Y, den Millennials an und ist auf der Suche, auf der Suche nach „ihrem“ Weg! Die sportliche 24-jährige Absolventin der University of Alberta (Bachelor of Arts in Soziologie) aus Edmonton hat große Pläne!

Inspiriert durch die Erzählungen eines Onkels, der den Camino de Santiago Trail – bekannt als „Jakobsweg“ – ging, beschließt sie, sich auch auf den Weg zu machen. Erfahrungen im Langstreckenwandern hat sie am Kilimanjaro in Tansania gesammelt. Diesmal soll es mehr sein, viel mehr! Sarah hat noch nicht viel von Kanada gesehen, sie möchte ihre Heimat näher kennenlernen, intensiv “erleben“! Sarah beschließt, den Trans Canada Trail (2016 umbenannt in „The Great Trail”) zu laufen: Von Küste zu Küste … vom Pazifik zum Atlantik … von Victoria, British Columbia nach St. John’s, Neufundland – eine Distanz von ca. 12.000 km! Ein gigantisches Vorhaben!

Noch nie ist jemand den Great Trail, ein Netzwerk von Freizeitpfaden von insgesamt ca. 24.000 km, diesen alle Provinzen und alle Kanadier verbindenden Weg von Küste zu Küste gelaufen.

Was erwartet Sarah? Wie geht sie mit den unterschiedlichen und drastischen Wetterverhältnissen um? Welche Gefahren der wilden und unberührten Natur kommen auf sie zu? Wie wird sie mit der Einsamkeit fertig? Viele Unwägbarkeiten liegen vor ihr!

Ausgestattet mit GPS und ca. 30 kg Gepäck, bestehend aus Rucksack, Zelt, Geschirr, verschiedener Elektronik und Ersatz-Akku-Packs, Kleidung und Nahrungsmittel macht Sarah Jackson sich im Juni 2015 in Victoria, British Columbia, auf den Weg. Bei sengender Hitze und Rauch von den Waldbränden in BC läuft sie los. Der Weg führt Sarah durch das Okanagan Valley, Fernie, Canmore, das Edmonton River Valley Trail System; sie überquert in Saskatchewan den North Saskatchewan River am Wingard Crossing (Eisüberquerung); Sarah wandert bei frostigen Temperaturen in Manitoba und Ontario, sie verbringt eine wunderbare Zeit in Quebec und ist voller Spannung, was sie im Norden Kanadas erwartet.

Als „Kind der Prärie“ nächtigt Sarah so oft es geht in ihrem Zelt. Sie schwärmt davon, unter einem Sternenhimmel einzuschlafen, der Blick auf die Flüsse, Canyons – das ist es, was Sarah glücklich macht!

Sarah ist überwältigt von der herzlichen Gastfreundschaft, die ihr widerfährt. Eine heiße Suppe, eine Tasse Tee, ein warmes Essen und eine sichere Bleibe über Nacht, wenn die Bedingungen für eine Übernachtung im Zelt ungünstig sind. Großzügige Hilfe kommt ihr von den freundlichen Kanadiern entgegen.

Sarah Jackson begegnet Fremden, die zu Freunden werden. Einige begleiten Sarah ein Stück, sie schließt neue Freundschaften. Gelegentlich gesellen sich während bestimmter Abschnitte ihres Wander-Abenteuers Familienmitglieder oder Freunde dazu, aber meistens wandert Sarah allein.

Kontakt zu ihrer Familie und ihren Freunden ermöglicht das Handy. Ausgestattet mit GPS wissen ihre Eltern stets ihren Standort. Sarah fotografiert und dokumentiert ihre Route stets aktuell auf Instagram – @sarahrosewalks.

Sarah entwickelt während ihres Trails ein sensibles Gespür für ihren Körper, hört in sich hinein. Nimmt wahr! Erkennt, wann es besser ist, eine Pause einzulegen und „lernt“, fremde Hilfe anzunehmen.

Ihr Laufpensum beträgt ca. 5 km in der Stunde; meistens schafft sie etwa 20 km am Tag. Nach eigenen Angaben waren 43,2 km der längste Marsch. Jeden Tag wacht sie an einem anderen Ort auf. Eine gewisse Routine kehrt ein und Sarah beginnt, diese „Alltäglichkeit“ zu genießen. Sie fühlt sich „in der Spur“!

Karte:  Trans Canada Trail

Erschöpfung, Fehlanzeige! Sie lässt sich Zeit! Ihr geht es nicht darum, möglichst schnell am Ziel zu sein – Sarah geht es vielmehr um den „Weg“! Der Weg ist das Ziel!

Sarah hat eine Strategie entwickelt, mit Härte, etwa im tiefsten Winter in Manitoba, umzugehen. Ihre Strategie lautet: „… zu wissen, du musst nur einen Fuß vor den anderen setzen, setzt wirklich die Dinge in die richtige Perspektive“. Diese Erkenntnis beruhigt sie immer wieder und führt sie ans Ziel.

Sarah hat auch sehr schwierige Tage auf ihrem Trail erlebt – eiskalten Regen, Temperaturen bis -35 °C, heftige Winde, kalte Nächte im Zelt – sie musste lernen, manchmal Menschen um Hilfe zu bitten, etwa an einsamen Orten an fremde Türen klopfen, um zu bitten, sich aufzuwärmen.

Jammern, Fehlanzeige! Allenfalls beklagt Sarah die vielen lästigen Zecken in Manitoba, eine der unangenehmsten Herausforderungen auf dem Trail. Es sind auch nicht die Blasen, die sie beklagt, allenfalls fehlen ihr die Freunde, die Familie, vor allem am Anfang ihrer langen Reise.

Sie erlebt Kanada in seiner einzigartigen Vielfalt, genießt sowohl die großartige Landschaft als auch die unterschiedliche Lebensart der Menschen. Der Weg führt durch städtische, ländliche und wilde Gegenden, auch entlang der Landstraßen, da der TCT noch Lücken aufweist. Sarah liebt die Einsamkeit der Natur – eins werden mit der Umgebung! Sarah hat keinerlei gefährliche Wildtierbegegnungen während ihrer langen Reise … sie lebt im Einklang mit der Natur!

Foto by Paul Daly

Am 31. Mai 2017 ist Sarah Jackson am Ende ihrer Route. Sarah ist am Ziel angekommen! Über 11.500 km liegen hinter ihr und sieben Paar Schuhe hat sie für die Tour benötigt. Die letzten Kilometer sind sehr emotional. Sie spielt noch einmal die Musik ab, die sie so oft auf ihrem langen Weg begleitet hat. Nach fast zwei Jahren unterwegs auf dem Great Trail erblickt sie den Atlantik – Sarah ist gerührt!

In Cape Spear, Neufundland wird Sarah herzlich von Freunden und der Familie empfangen. Sie gibt den verschiedenen Medien, z. B. CBC, Interviews. Ihre Reise hat viel Aufmerksamkeit in Kanada und im Ausland auf sich gezogen.

Auf die Frage, nach einem Lieblingsort will Sarah sich nicht festlegen. Sei es die Schönheit British Columbias oder die unendlichen Weiten Saskatchewans – Sarah liebte jeden Schritt, jeden Kilometer des Geländes … einfach ALLES!

Sie schätzte es, jeden Tag an einem anderen Ort unter einem Sternenhimmel einzuschlafen … und das an den schönsten Plätzen der Welt! Die vielen Begegnungen mit den Menschen auf dem langen Trail – ein Highlight für Sarah!

Auch auf die Frage „Was ihr fehlen wird?“ antwortet Sarah schlicht „ALLES“!

Was bleibt? Bedeutsame Erfahrungen für das Leben! Einen Schritt vor den anderen setzen und so das Ziel stets im Auge behalten!

Sarah Jackson, die erste Frau, die den Great Trail von Küste zu Küste ging!
Sarah Jackson, eine bewundernswerte, selbstbewusste und mutige junge Frau!

Foto by Paul Daly

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