Northern Labrador: Das nächste Alaska

von Gary Kiemle

Foto: Destination Canada

Von Rogier Gruys:
Der Typ, mit dem ich die Schiffskabine teilte, hatte drei Gewehre dabei. Denn er wollte nach Ottawa (Ontario) und man weiß ja nie. Er hatte auch traditionelle Snacks mitgenommen: eine Büchse Trocken-Saibling und Karibu-Dörrfleisch. Wie viele gut ausgebildete Einheimische studierte mein Inuit-Zimmergenosse auf dem „Northern Ranger” Ingenieurswissenschaften an der Universität, mit einem Stipendium. Aber er sehnte sich danach, nach Nunatsiavut, „Unser schönes Land”, heimzukommen – im Freien zu sein, zu jagen und mit seinem Vater Fischen zu gehen.

Zweifellos ist Labrador – der Namensteil der Provinz Neufundland und Labrador, den man oft unter den Tisch fallen lässt – eines der am wenigsten erforschten Gebiete von Kanada. Aber wenn Labrador abgeschieden wirkt, dann ist Nord-Labrador das Ende der Welt.

Erst vor eineinhalb Jahren stimmten die einheimischen Inuit einem weitreichenden „Land Claim Settlement“, zu einem Landanspruchs-Abkommen durch das Nunatsiavut geschaffen wurde. Nennen Sie es das nächste Alaska. Nunatsiavut liegt ganz weit oben in Kanadas fernem Osten, 72.000 Quadratkilometer unberührtes Land mit nur circa 5.000 beherzten Einwohnern. In den meisten Städten leben nur wenige hundert Einwohner. Straßen gibt es gar nicht.

Im Sommer kann man das Land nur und ausschließlich mit dem Boot erkunden. „Wildland Tours“ nimmt unerschrockene Reisende mit auf eine Eisbär-Erforschung-Tour. Nur zwölf Leute auf einem Expeditionsschiff, die angestrengt nach dem Ursus Maritimus, dem größten Bär der Welt, Ausschau halten. 2008 operieren die Touren zum ersten Mal. Sie bieten elftägige Abenteuer, mit einer Schifffahrt von Nain aus in den Norden, zu Kanadas neuestem Nationalpark-Schutzgebiet Torngat Mountains (2006 eröffnet).

Foto: Destination Canada

Authentisch? Oh ja. Es ist ein Land voller Überraschungen: Es gibt Inuit mit hellbraunem Haar und blauen Augen – eine Erbschaft der Siedler, die sich in den letzten fünf Jahrhunderten hier niedergelassen haben. Frontier-Rowdies gemischt mit tiefverwurzelten Einheimischen. Dutzende von Schwarzbären, die in der Tundra umherstreifen. Eine dünne Schicht Ödnis, unter der das pralle Leben hervorbricht – wie die tiefen grauen Fjorde, die von Wildblumen belebt werden. Fangen Sie Ihren eigenen neonorange-farbenen Saibling und grillen Sie ihn an einem Lagerfeuer. Das Leben ist voller Geheimnisse: Um heranzukommen, muss man unter die Oberfläche schauen.

Nain, Newfoundland

Am besten erkundet man Labradors isolierte Gemeinden mit dem „Northern Ranger”, dem Seelotsen der Gegend. Wegen des wechselhaften Wetters (es ist nicht ungewöhnlich, vier Tage auf eine Flugfreigabe warten zu müssen) und wegen den hohen Kosten ist Fliegen unerschwinglich. Das Fracht- und Passagierschiff legt in Goose Bay ab und reist nach Nain – einer Hauptstadt mit 1.200 Einwohnern – und zurück, in einer fünftägigen Rundtour. Sie bekommen in den ungefilterten Genuss von Labrador. Nutzen Sie die reichliche Zeit, um sich von den Einwohnern Geschichten erzählen zu lassen, gehen Sie in ein Museum und schauen Sie traditionellen Schnitzern beim Bearbeiten von Speckstein und Labradorit zu. Und vergessen Sie nicht, Karibusteak zu essen und vielleicht sogar Gänsesuppe (Ich habe den Kopf übriggelassen“, sagte ein Besucher neulich)

Labrador ist rau – wie Norwegen auf Steroiden. Es ist wild, dramatisch, sogar primitiv. Windböen werden Ihre Gesichtshaut strapazieren. Aber Sie werden in dem klaren, saphirblauen Wasser Robben sichten. Sie werden unheimliche Morgengrauen sehen, an denen der Nebel zwischen den Bergen hängt. Sie werden die winzigen Blaubeeren pflücken, aus denen man Labrador-Tee macht. Sie werden Wale atmen hören. Es wird ewig dauern, dahin zukommen, und genau deshalb werden Sie es wollen.

www.newfoundlandlabrador.com
www.bluepeak.net/ canada/northernranger

Rogier Gruys arbeitet in Vancouver, BC, als Product Officer imInnovation and Enhancement“-Team der CTC, spezialisiert auf Outdoor-Erfahrungen. Davor war Gruys in verschiedenen Hilfsprojekten der United Nations und Kanadas in Bhutan, Indonesien, Malaysia und der Mongolei engagiert. In der Mongolei arbeitete Gruys als Reiseleiter und Berater für Abenteuertourismus-Angebote. In seiner Freizeit ist er ein begeisterter Reise und Outdoor-Fotograf. Seine fotografischen Arbeiten wurden in verschiedenen Magazinen und Büchern veröffentlicht.  

 Mit freundlicher Genehmigung von Destination Canada

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