Einwanderung als Unternehmer: Eine lohnende Herausforderung

von Partner

Verfasst von Gerd Damitz


Für potentielle Einwanderer, die sich in einer Kategorie für Unternehmermigration bewerben möchten, bietet Kanada eine breite Palette von Unternehmereinwaderungsprogrammen an. Diese Programme werden von drei verschiedenen Instanzen angeboten und verwaltet

  • Kanadische Bundesregierung
  • Kanadische Provinzen, Quebec ausgenommen
  • Québec

Kanadische Bundesregierung

Vor einigen Jahren hat die kanadische Bundesregierung ihre passiven Investoren- und Unternehmerprogramme eingestellt. Stattdessen wurde ein Nischenprogramm eingeführt, das „Start-Up Program“, das sich auf Neugründungen von potenziellen Einwanderern konzentriert, die Drittkapital von Risikokapitalgebern oder Anleger-Investoren anziehen können. Das Nettovermögen des potenziellen Einwanderers ist nur zweitrangig, da das Ziel des Start-ups darin besteht, sich zu einem kleinen Wirtschaftsimperium mit positiven Auswirkungen auf den kanadischen Arbeitsmarkt zu entwickeln, und das Steuernaufkommen zu erhoehen. Alles ist möglich, aber es sind in der Regel Hightech- oder biochemische Industrien oder Innovationen, die die besten Chancen haben, erfolgreich zu sein.

 

Im Jahr 2017 legte das ‚Conference Board of Canada‘ eine Analyse und einen Bericht vor, der darauf hinwies, dass eine Wiedereinführung von Unternehmer- und Investorenprogrammen durch die Bundesregierung dem Arbeitsmarkt, der Wirtschaft und den Kommunen große Vorteile bringen würde. Derzeit bieten jedoch nur Provinzen unternehmerische Einwanderungsprogramme an <Quebec bietet als einzige Provinz ein passives Anlegerprogramm an>.

 

Kanadische Provinzen, Quebec ausgenommen

Derzeit bieten 8 Provinzen und 2 Gebiete Einwanderungsprogramme für Unternehmer und Landwirte an. Diese Provinzen haben Vereinbarungen mit der kanadischen Bundesregierung, die es ihnen ermöglichen, eine bestimmte Anzahl von Nominee-Zertifikaten an Antragsteller zu vergeben, die sich in diesen Provinzen niederlassen wollen. Die Provinzen haben die Befugnis  Programmkriterien, Nominierungsquoten und Verwaltungsregelungen festzulegen. Die Anforderungen des Provinz-Immigrationsprogramms unterliegen regelmäßigen Änderungen, da die meisten Provinzen bei der Entwicklung von Programmen, die den Bedürfnissen der Provinz am besten entsprechen, sehr dynamisch sind. Meistens muss ein interessierter Bewerber bestimmte Kriterien erfüllen, bevor er in eine Datenbank potenzieller Zuwanderer aufgenommen wird, oft als „Express Entry Registration for Entrepreneurs“ bezeichnet. Die Kriterien variieren von Provinz zu Provinz, aber im Allgemeinen beziehen sich die Anforderungen und Informationen auf Nettvermoegen, Business / Management-Erfahrung, beabsichtigte Investitionen, Englisch / Französisch Kenntnisse, Bildung, vorhandene Bindungen zur Provinz und erfolgte Sondierungsbesuche. Jede Provinz hat ihre eigenen bevorzugten Branchen und Unternehmen basierend auf bestmoeglichsten Nutzen fuer die Provinz. Sobald Antragsteller sich fuer die Datenbank qualifiziert haben und aufgenommen sind, werden jedem Bewerber Punkte zugewiesen, die davon abhaengig sind wie gut die vorgegebenen Anforderungen erfüllt sind. Die Provinz wird dann diejenigen Personen einladen, deren Gesamtpunktzahl einen von der Provinz willkürlich gewählten Punktestand überschreitet.  Der eingeladene Antragsteller muss dann einen kompletten Antrag zusammen mit Formularen, Dokumenten und einer Bearbeitungsgebühr einreichen, normalerweise innerhalb von 30 bis 60 Tagen. Ein Geschäftsplanvorschlag ist obligatorisch und muss den Provinzbeamten für Einwanderungsfragen oft in einem Interview erklärt werden, in dem auch die eingereichten Informationen und Dokumente überprüft werden. Die nachzuweisende Absicht, sich in der Provinz (mit Familie) niederzulassen und ein Unternehmen zu gründen (gemäß dem vorgelegten Geschäftsplan), sind weitere wichtige Anforderungen. Um die Provinzanbindung ausgewählter Bewerber zu erhöhen, werden in der Regel erst Arbeitsgenehmigungen für die Ersteinrichtung des Unternehmens erteilt. Erst nachdem das Unternehmen/Geschaeft erfolgreich aufgebaut wurde, wird das Nominee Provincial Certificate ausgestellt. Der Antragsteller erhält als Nachweis der Auswahl und Nominierung durch die Provinz ein Auswahlzertifikat. Er muss dann einen zweiten Antrag stellen, diesmal an die Bundesregierung, die allein befugt ist, das endgültige Visum für den ständigen Aufenthalt auszustellen und dafuer erst die medizinische und strafrechtliche Zulässigkeit des Kandidaten prueft.  Ein Antrag kann auch abgelehnt werden, wenn der Bundesbeamte feststellt, dass der Antragsteller beabsichtigt sich in einer ganz anderen Provinz niederzulassen, oder wenn der Antragsteller sein Vermögen illegal oder in nicht nachweisbarer Weise angesammelt hat. Letzteres ist jedoch sehr selten, da die Bundesländer die Bewerber sorgfaeltig auf solche Konflikte untersuchen.

 

Quebec

Das Kanada-Quebec-Abkommen gibt Quebec die ausschließliche Verantwortung für die Auswahl von Einwanderern und Flüchtlingen, die sich noch in ihren Heimatländern aufhalten. Ein ausgewählter Bewerber erhält ein Quebec Selection Certificate und muss sich dann in einem zweiten Antrag an die Bundesregierung wenden, die das endgültige Visum ausstellt, nachdem die positiven Ergebnisse der medizinischen und strafrechtlichen Untersuchung vorliegen. Die Bundesregierung kann Visa auch ablehnen, wenn der Antragsteller nicht beabsichtigt, sich in Quebec niederzulassen, oder wenn seine Vermögensbildung nicht nachweisbar ist. Aufgrund seiner individuellen Vereinbarung mit der kanadischen Bundesregierung kann Quebec neben den üblichen unternehmerischen Einwanderungsprogrammen auch ein passives Investorenprogramm anbieten. Das letztere ist für andere Provinzen verboten, die alle verpflichtet sind im Rahmen der Provincial Nominee Agreements die Gesetzgebung des Bundeseinwanderungsgesetzes zu befolgen. Ein erfolgreicher Antragsteller in Quebec muss als Voraussetzung ein spezifisches Nettovermögen mit einem überprüfbaren und aeusserst detaillierten Entstehungsnachweis haben. Weitere wichtige Faktoren sind Managementerfahrung, die Absicht sich in Quebec niederzulassen, und eine festgelegte, relative hohe Zahlung an die Regierung von Quebec als zinsloses Darlehen mit einer Laufzeit von 5 Jahren. Diese Gelder werden von Quebec verwendet, um die Wirtschaft und Infrastruktur zu verbessern. Quebec erlaubt es registrierten Finanzintermediären, den Antragstellern einen Teil der notwendigen staatlichen Zahlung als Darlehen zur Verfuegung zu stellen, eine Option die die meisten Antragsteller aufgrund der günstigen Kapitalrendite fuer andere Projekte nutzen.

Synopse

Die Migrationsprogramme und deren Anforderungen ändern sich ständig, diese Zusammenfassung bietet aber einen guten Überblick über die typische Programmstruktur.  Jeder, der sich für eine Bewerbung unter einer bestimmten Kategorie, insbesondere aber in den Geschäftsbereichen, interessiert, ist gut beraten, zuerst eine Konsultation mit einem lizensierten und kompetenten Einwanderungsberater zu machen. Für die Beratung bezahltes Geld kann Sie buchstäblich Tausende (und manchmal sogar Zehntausende) an Dollars sparen und Ihnen eine Anleitung und Strategie für den richtigen Weg geben, um unnötigen Stress auf dem Weg zu vermeiden.  Der Prozess ist sicherlich eine Herausforderung, aber die Belohnung, der Aufbau eines tragfähigen Unternehmen als Basis für das Leben in Kanada, ist es wert!

 

* Gerd Damitz ist lizensierter kanadischer Einwanderungsberater mit deutscher Beratungsgenehmigung, und seit ueber 20 Jahren aktiv. Er war massgeblich an der Gruendung und dem Aufbau des groessten kanadischen Einwanderungsberaterverbandes CAPIC, und der kanadischen Berufsverbandsbehoerde ICCRC beteiligt. Er ist President von Amirsalam & Damitz Canada Immigration Counsel (www.VisasCanada.com) und kann fuer Einwanderungsrechtfragen unter info@visascanada.com erreicht werden.

 

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