„MARATHON OF HOPE“

von Heidi Giebl

Das große Vermächtnis des Terry Fox

Die bewegende Geschichte des jungen sportlichen Kanadiers Terry Fox, dem „Prothesenläufer“, ging 1981 um die Welt.

Terry Fox wurde am 28. Juli 1958 in Winnipeg geboren und wuchs in Port Coquitlam nahe Vancouver an der Westküste auf. Terry Fox‘ Leidenschaft war schon immer der Sport. In der High School erkämpfte er sich durch seinen unermüdlichen Einsatz einen Platz im Basketball-Team, spielte Rugby und Fußball und wurde sogar gemeinsam mit seinem Schulfreund Doug Alward zum Athleten des Jahres gekürt. An der Simon-Fraser-Universität in Vancouver schrieb er sich ein, um „Bewegungswissenschaft“ zu studieren.

Doch seine Pläne zerschlugen sich jäh, als die Schmerzen in seinem rechten Bein immer unerträglicher wurden, er nicht mehr stehen konnte und sich schließlich in eine Spezialklinik begeben musste. Seine Annahme, die Schmerzen rührten von einem zurückliegenden Autounfall her, zerschlugen sich nach einer eingehenden Untersuchung. Er erhielt die niederschmetternde Diagnose, an einem bösartigen Tumor (Knochensarkom), der die Knochenmasse zerstört, zu leiden. Bereits einige Tage nach der bestürzenden Nachricht erfolgte die Amputation des rechten Beines oberhalb des Knies und eine leidvolle Chemotherapie schloss sich an. Terry war damals knapp 19 Jahre alt, seine Überlebenschancen standen bei 50 bis 70 Prozent.

Er erlebte während seines stationären Aufenthalts die Verzweiflung vieler Mitpatienten und die Gedanken, dass zwei Drittel der Patienten die Klinik nicht mehr lebend verlassen würden, ließen ihn nicht mehr los. Er erinnerte sich an die Zeitschrift, die ihm sein ehemaliger Basketballtrainer am Vorabend seiner einschneidenden OP, der Beinamputation, mitgebracht hatte. In dem Magazin las er die berührende Geschichte eines jungen New Yorkers, der den NY-Stadt-Marathon mit nur einem Bein gelaufen war.

Sein Entschluss stand fest: Auch er wollte laufen! Terry Fox wollte Geld sammeln, viel Geld einsammeln, um die Krebsforschung voranzutreiben. Sein Lauf sollte einem großen gesellschaftlichen Zweck dienen! Terry Fox beschloss, seinen eigenen Lauf, einen „Marathon der Hoffnung“ zu starten, um Menschen Mut zu machen. Der „Marathon of Hope“ war geboren!

Etwa zwei Jahre nach der Amputation begann Terry mit dem Lauftraining. Anfangs trainierte er in der Nacht, damit ihn niemand bei seinen Versuchen beobachten konnte. Er arbeitete hart an seinem Training – Terry Fox hatte eine Mission. Er wollte in nur sieben Monaten die ca. 7.000 km lange Strecke entlang des Trans-Canada-Highways von der Atlantikküste zum Pazifik zurücklegen. Das bedeutete, täglich die Distanz eines Marathons, also 42 km zu laufen! Eine riesige Herausforderung für Terry Fox – aber nicht um Ruhm und Reichtum seinetwillen zu erlangen, sondern um Geld für die so bedeutende und wegweisende Krebsforschung einzusammeln.

Am 12. April 1980 startete der damals knapp 22-jährige Kanadier Terry Fox in St. John’s in Neufundland seinen „Marathon of Hope“. Er tauchte als Startsignal seine Fiberglas-Stahl-Beinprothese in den Atlantik und lief los!

Mit seinem Plan stieß Terry Fox zunächst auf wenig Zustimmung bei der Canadian Cancer Society. Auch war der Beginn seines „Marathon of Hope“ von Schwierigkeiten begleitet; das Wetter ließ ihn nicht die vorgenommene tägliche Distanz schaffen und die Spendengelder gingen anfangs nicht in der erhofften Höhe ein. Aber Terry Fox gab nicht auf, entschlossen und mutig kämpfte er weiter – Tag für Tag, Kilometer um Kilometer. Den „Marathon of Hope“ – er verlor ihn nie aus den Augen und schon damals spürte er, der Lauf würde auch ohne ihn weitergehen!

Am 1. September 1980, nach 143 Tagen und 5.373 zurückgelegten Kilometern (3.339 Meilen) durch sechs Provinzen musste Terry Fox in Thunder Bay an der Spitze des Superior Lake in Ontario, seinen großen Plan, von Küste zu Küste täglich einen Marathon zu laufen, vorzeitig abbrechen. Der Krebs hatte sich in der Lunge ausgebreitet und schwächte Terry Fox zunehmend.

Am 28. Juni 1981 hatte Terry Fox seinen tapferen Kampf gegen die heimtückische Krankheit verloren.

Der „Marathon of Hope“ brachte bereits zu Terry‘s Lebzeiten die stolze Summe von ca. $ 24 Mio an Spendengeldern für die Krebsforschung ein, umgerechnet einen Dollar von jedem Kanadier! Außerdem hatte Terry Fox erreicht, dass sich die Medien mit dem Tabu-Thema „Krebs“ beschäftigten. Es gründete sich die Terry Fox Foundation, die mit den gesammelten Geldern bis heute die Krebsforschung maßgeblich unterstützt.

Mit seinem „Marathon of Hope“ hat Terry Fox nicht nur die Herzen der Kanadier erreicht; in zahlreichen Regionen der Welt finden jährlich Terry-Fox-Läufe und Charity-Events im Gedenken an den mutigen kanadischen Prothesen-Läufer Terry Fox statt, um Geld für die Krebsforschung zu sammeln.

In Kanada startet der nächste Terry-Fox-Run am 16. September 2018. Die Veranstaltung findet jährlich am zweiten Sonntag nach Labour Day (in Kanada erster Montag im September) statt und die Laufstrecke variiert zwischen ca. 5 und 15 Kilometer. Es geht dabei aber nicht um die „Leistung“, sondern vielmehr um die „Teilnahme“!

Noch zu Lebzeiten wurde Terry Fox ins Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen und erhielt als jüngster Bürger in einer besonderen Zeremonie in seiner Heimatstadt von Port Coquitlam, BC, den Verdiensttitel „Companion of the Order of Canada“ verliehen.

Viele Ehrungen wurden Terry Fox postum zuteil – mehr als ein Dutzend Schulen sowie Straßen sind nach ihm benannt, sogar ein Berg in den Rocky Mountains in British Columbia trägt seinen Namen (Mount Terry Fox, 2.639 m). Im August 1981 wird er in die Canadian Sports Hall of Fame aufgenommen, Briefmarken (1982 und 2000) werden ihm zu Ehren kreiert und im Jahr 2005 wird eine „Terry-Fox-Ein-Dollar-Münze“ ausgestellt und viele Denkmäler und diverse Skulpturen schmücken zahlreiche Orte!

Insgesamt hat der „Marathon of Hope“ und die Terry Fox Foundation bis Mai 2016 ca. $ 715 Mio Gelder eingesammelt, die ausschließlich der Krebsforschung zugute kommen. Ein großes Vermächtnis!

Als Terry Fox am 28. Juni 1981 einen Monat vor seinem 23. Geburtstag im Kreis seiner Familie starb, gab es landesweit Trauer. Die Flaggen wurden auf Halbmast gesetzt. Kanada hatte einen Nationalhelden verloren, aber sein einzigartiges Vermächtnis wirkt bis heute und darüber hinaus in die Zukunft!

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