Skurriles aus Kanada Nr. 42

by Bernadette Calonego

     So ein Käse!

Käseladen in Montreal

Text und Bild: Bernadette Calonego

Heutzutage muss ich mir nicht mehr den Kopf zerbrechen, was ich meinen Bekannten schenken soll. Das neuste Statussymbol bei kanadischen Gutverdienern? Käse. Nein, nicht der orange Alltagskäse Cheddar. Es muss exotischer sein. Kürzlich vertraute mir ein dreizehnjähriges Mädchen an, ihr Lieblingskäse sei Manchego aus Spanien. Es klang, als spreche sie von einer Markenjeans . Mike, ein guter Bekannter, der in der Nähe wohnt, erzählte mir, dass er in seiner früheren Heimatstadt Kelowna ehemalige Klassenkollegen aus der Jugendzeit traf. Natürlich kam die Rede auf Käse. Einer von Mikes Ehemaligen schwört auf  den italienischen Käse Burrata. „Kannst du den überhaupt in Kelowna kaufen?“, fragte Mike. „Nee, den lassen wir aus Vancouver einfliegen“, erwiderte sein Jugendfreund.

Einfliegen aus einer vier Autostunden entfernten Stadt- da versteht man als Europäerin die Welt nicht mehr. Käse ist – verglichen mit der Kaufkraft – viel teurer in Kanada als in Deutschland oder in der Schweiz.   Käse, der nicht Cheddar heißt, ist ein Luxus, den sich nur Wohlhabende als tägliches Lebensmittel leisten können.

In Vancouver soll es sogar einen Schwarzmarkt für gestohlenen Käse geben. Das las ich auf der Webseite
www.  vancouverisawesome.com. Offenbar ist Käse eine Ware – neben Rasierklingen und Vitaminen –, die man schnell für Bares  auf der Straße loswird. Wundert mich überhaupt nicht.

Für ein mittelgroßes Stück meines Lieblingskäses Chateau de Bourgogne (weder gestohlen noch eingeflogen, sondern aus dem Public Market in Gibsons) lege ich stets eine 20-Dollar-Note hin. Das schmerzt. Wenn ich Gäste zu einem  Raclette-Gericht einlade, gibt es  keinen traditionellen Raclettekäse. Der ist im Supermarkt einfach viel zu teuer. Der gute alte Cheddar muss genügen. Und der schmilzt ja schließlich auch.

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