Worte und Ausdrücke, die nur ein Kanadier kennt und benutzt

by Peter Iden

In Kanada gibt es verschiedene Worte und Ausdrücke, um Personen, ihr Gehabe und ihre Intelligenz oder ihre Ideologie für Gesprächspartner zu beschreiben. Man kann sie wohl am besten als “Slang” bezeichnen, weil sie fast nur in der Umgangssprache benuzt werden, aber selten schriftlich. Generell sind diese Worte auf bestimmte Menschengruppen beschränkt und werden nur in Zusammenhang mit diesen erwähnt.

“Canuck”
“Canuck” ist wohl die bekannteste und positivste Beschreibung für alle Kanadier. Sie sind sehr stolz auf diese Bezeichnung und haben sogar eines ihrer Hockey-Teams mit diesem Namen bedacht (die Vancouver Canucks).
Der Ursprung des Begriffs “Canuck” ist nicht klar bewiesen. Eine der Theorien basiert sich zum Teil auf der Beschreibung der kanadischen “Lumberjacks”, der Holzfäller mit ihren schottisch-karierten Jacken (sogenannte “Tartans” mit kreuzförmigem Muster, wie in den farbenfroh karierten Roecken der schottischen Männer).
Der Begriff “Cannaker” oder “Kanuker” wurde bereits um 1835 in den Logging Camps von Maine benutzt, um die französisch-kanadischen “Lumberjacks” zu beschreiben.
Eine der Theorien ist das das Wort sich auf der von den Irokesen oft benutzten Nachsilbe “uc” in Verbindung mit deren Wort “Kanata’ (Dorf) basiert, welche auch von einigen Etymologen als Ursprung des Landes-Namens “Kanada” erwähnt wird (also Kanata-uc).
In den britischen Kolonien (z.B. British Columbia, Fiji und Australien) wurde der Begriff für Arbeiter von den Pazifischen Inseln angewandt (welche ursprünglich nur Hawaiianer waren), basiert auf den Hawaii-Begriffen “kanaka oiwi” und “kanaka maoli” (Eingeborene Hawaiianer und Personen hawaiianischer Herkunft).
In Europa hatte und hatte der Begriff “Kanacke” über die Jahre mehrere verschiedene Bedeutungen, allerdings kaum positive und ausschliesslich auf Mitglieder spezifischer Volksgruppen bezogene.
In Süd-Afrika, wo mein Großvater 15 Jahre lang in brutaler britischer Kriegsgefangenschaft verbrachte, war der Begriff auf die ihn bewachenden Schwarzen ausgerichtet, welche ihren Hass auf die Kolonialmächte des afrikanischen Kontinents an den deutschen Gefangenen ausließen.
Es gibt also diverse Theorien über den Ursprung des Begriffs “Canuck”. Klar ist nur dass Kanadier stolz sind, so genannt zu werden!

„Hi!“
Der universelle Gruss “Hi” ist natürlich nicht nur auf Kanada beschränkt, sondern wird heute weltweit als Grußform angewandt, und ist verwandt als solche mit “Hey” und “Hello”.
Der erste historisch belegte Gebrauch der Anrede “Hi” stammt aus der Rede eines Indianers, der wahrscheinlich seine Zuhörer damit aufwecken wollte. In England wurden “Hy” und “Hey” sowie “Hiya” zum selben Zweck angewandt. Die mittelenglische Sprache hat zahlreiche solcher Aufweck-Rufe, wie z.B. hei, hai, ai, he, heh um die Jagdhunde aufzuwecken, so wie auch das römische “eho”, das griechische “Eia” und das deutsche “Hei” den selben Zweck hatten.
Das Wort “Hallo” hat eine ebenso interessante Geschichte, die zumindest auf etwa 1400 zurück geht. Ein Zweig des Wortes geht auf das mitteldeutsche “Holla” zurück (wie in dem Text des Volksliedes von Horst Lukowski “Horch was kommt von draussen rein, holla-hi, Holla-ho”).
Viele Menschen benutzen als Begrüßung das spanische Wort “Hola!” Aber die Spanier (wie auch Franzosen und Portugiesen) sprechen den Buchstaben “H” nicht aus, sondern belassen ihn lautlos. Von einer mit nur mit wenigen spanischen Worten bekannten Person mit “Hola” (mit einem lauten “H”) begrüßt zu werden zeigt deren Unwissen.
In der Schule in Deutschland hatte ich die angeblich “formelle” Art der Anrede oder Begrüßung im franzosischen Teil von Kanada gelernt. Leider sagte dort jedoch niemand “Comment allez-vous?” oder “Comment vous allez?”, nicht einmal “Comment ca vas aujourd hui?” wie ich es gelernt hatte, sondern nur kurz “ca vas?’. Die Antwort ist genau so kurz “Bien, merci!”.
Das in Kanada gesprochene Französisch ist eine veraltete Sprachform aus verschiedenen Dialekten der zuerst in Kanada eingesiedelten Franzosen, welche in erster Linie aus den Agrar-Distrikten des französichen Südens stammten, also nicht “Paris-Französisch” sondern “Bauern-Französisch” sprachen.
In Kanada schlichen sich natürlich im Laufe der Zeit sehr viele eingeborene und englische Worte in die Sprache ein. Für jemanden der wie ich mit “Schul-Französisch” hier landete unmöglich zu verstehen!
Aber zurück zu den Worten und Ausdrücken, welche von Kanadiern benutzt werden, um eine Person oder ihr Gehabe und Intelligenz als aufwertend oder abwertend darzustellen.
Die Herkünfte und ursprünglichen Bedeutungen von Redewendungen sind oft im Nebel der Zeit untergetaucht und vergessen worden, nicht aber die Worte selbst, welche noch im allgemeinen Gebrauch sind (besonders in der jüngeren Generation in Kanada).

“Nerd”
Das Wort Nerd selbst wurde zuerst in 1950 von dem Amerikaner Dr.Seuss (Dr. Theodor Seuss-Geisel, ein Neffe deutscher Einwanderer) in einem seiner mehr als 60 Kinderbüchern benutzt. (“If I ran the Zoo”). Es war eine der mythischen Kreaturen, welche er als Autor in diversen Branchen der Wissenschaften erfand.
Dr.Seuss-Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und verkauften über 60 Millionen Kopien. Er war kein Doktor, nahm aber den Titel in seinen Autorennamen auf, nachdem er kurzzeitig als Doctor-Undergraduate arbeitete (diese Asistenten werden von unwissenden Patienten oft als Doktoren betitelt, weil sie wie diese oft ebenfalls weiße Überkleidung tragen).
In Nord-Amerika war “Nerd” ursprünglich eine abwertende Bezeichnung für überintelligente, Brillen tragende Personen, welche von einem Thema so total besessen waren, dass man sich mit ihnen über keine anderen Themen unterhalten konnte, weil ihnen dafür die Kompetenz fehlte.
Heutzutage jedoch, wie zum Beispiel in ”Computer Nerd”, wird der Name “Nerd” sogar als Kompliment für junge Computer-Experten angesehen. Mein 15-jähriger Neffe ist stolz auf seine “Nerdiness” in den (für uns) Geheimnissen der Robotik, dem Rubic’s Cube und seines allgemeinen Computer-Wissens.
Man darf dabei nicht vergessen, dass mehrere große Computer- Firmen in der Welt (Microsoft, Facebook, Apple usw.) von “Computer-Nerds” wie Bill Gates, Mark Zuckerberg, Larry Gage, Steve Jobs und anderen gegründet wurden und zum Teil noch heute von diesen geleitet werden.
Besonders die Teenager, welche bereits ihre eigenen Worte fuer die ältere “unwissende” Generation hatten (“Squares”, “Morons” usw.) nahmen das neue Wort “Nerd” fast sofort in ihren Wortschatz auf, um Menschen zu bezeichnen, die ihre Kultur nicht verstanden.

“Geek”
“Geek” ist ein altes englisches Wort, welches dort auf Menschen mit abnormalen geistigen oder körperlichen Persönlichkeitsmerkmalen angewandt wurde. “Geck” ist vielleicht am dichtesten verwandt mit dem Begriff und wird als Stammwort fuer “Geek” betrachtet, obwohl Gecks mehr von ihren eigenen Persönlichkeiten überzeugt sind und sich dann ihrer Umwelt dementsprechend präsentieren. Kurzum, Geeks sind Strotzer und Angeber.

“Dork”
Dork wird von Etymologen generell als Variante des Wortes “Dick” (Penis) betrachtet. Das Magazin “American Speech” war wahrscheinlich der Ursprung der Änderung des Wortes von dick auf dork. Der Begriff wird heute in der Pop-Kultur für Menschen verwendet, welche “uncool” oder ungeschickt, also sozial nicht kompatibel sind.

“Weirdo”
“Weirdo” ist zweifellos das Substantiv des Adjektivs “weird”, welche seinen Ursprung in dem alt-englischen “wyrd” hat. Shakespeare nannte die Hexen in MacBeth “the Wyrd Sisters” (nach den drei Schwestern der griechischen Mythologie), wegen ihrer übernatuerlichen Fähigkeit die Schicksale der Menschen zu kontrollieren. Das “o” in Weirdo ist ein mittelenglischer Laut, der vielen Worten angehängt wird, wie z.B. auch “Afro”, “Indo”, “Turko”, “Hispano” und “Helveto”.

“Goof”
Dumme Menschen wurden bereits im frühen 20. Jahrhundert als “Goofs” bezeichnet. Der Begriff kam aus England, wo “Goff” einen dummen Clown bezeichnete. Oder auch aus Frankreich, wo man Idioten “Goffe” betitelte. Im heutigen kanadischen Sprachgebrauch nennt man einen Fehler jeder Art “goof”. Wer in ein Fettnäpfchen tritt, einen Schnitzer macht oder einen Bock schießt, macht praktisch einen “gaffe”oder”goof”.

“Egghead”
Haarlose Kahlköpfe wurden im fruehen 20. Jahrhundert “Eierköpfe” (eggheads) genannt. Der Autor Carl Sandburg schrieb in 1918, dass Eggheads Menschen voller Wissen, aber anders vollkommen geistlos sind. In der Politik z.B. nannte Richard Nixon waehrend Eisenhower’s Wahlkampgne in 1952 Adlai Stevenson einen “egghead” Coneheads sind die Fernseher-Parallele für Eggheads.
In 1937 kreierte die amerikanische Cartoon-Firma Merrie Melodies die Serie “Eggheads” für Fernseh-Kinder. Egghead wurde später zum Vorbild von Elmer Fudd in den Warner Brothers Cartoons.

“Fudd”
Nicht sehr viel später wurde “Fudd” eine Beschreibung für die Gewehr-Liebhaber der USA. Nicht für alle Schusswaffenbesitzer, sondern nur für die, welche Gewehre “zum Jagen” ihr Eigen nannten, die jedoch auf Eigentümer von Handschusswaffen herab sahen. Deren Waffen nannten sie “doch nur zum Töten von Menschen geeignet”. Das Eignen von Schusswaffen jeder Art ist im Second Amendment der US-Constitution verankert. Wer dagegen protestiert wird als Traitor, Quisling, Imbecile, Dunce, Dolt, Dollard, Ignoramus oder Moron angeprangert.

Aber diese (hauptsächlich in den USA benutzten) Slang-Worte brauchen wir nicht zu beschreiben, denn Besucher hören sie nur selten, vielleicht sogar nie in Kanada.

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