Labrador nicht verpassen!

by Bernadette Calonego

Text und Bilder: Bernadette Calonego    www.bernadettecalonego.com

 

Ich erhalte ab und zu E-Mails aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit der Frage, ob man Labrador in eine Neufundlandreise miteinschließen sollte. Schließlich heißt die Provinz offiziell „Neufundland und Labrador“. Man will von mir wissen, ob die Fahrt dorthin kompliziert sei und ob es zeitlich drin liege.  Meine Antwort ist immer: Nein für die erste Frage und Ja für die zweite.

Liegt ein Abstecher nach Labrador drin?

Ich höre oft von Reisenden aus Europa, dass sie die Größe der Insel Neufundland unterschätzten, bevor sie hierher kamen (sie ist so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen). In meinen Augen braucht man mindestens drei Wochen für eine entspannte Erkundung, die auch weniger bekannte Orte in Neufundland einschließt. Die Südküste von Labrador liegt praktisch auf der Strecke, wenn man nach L`Anse aux Meadows an die Nordspitze Neufundlands reist.  Auf dem Highway 430, dem Viking Trail, erreicht man den Fährhafen St. Barbe, der etwa dreieinhalb Stunden oder rund 300 Kilometer vom Flughafen Deer Lake entfernt ist.

Muss es unbedingt ein Flug nach Halifax sein?

Ich habe festgestellt, dass nicht wenige Neufundlandreisende nach Halifax in Nova Scotia fliegen und dort ein Motorhome mieten. Dann fahren sie über die Insel Cape Breton nach North Sidney, nehmen dort die Autofähre, was eine Überfahrt von rund sieben Stunden nach Port aux Basques in Neufundland bedeutet. Das ist ein enorm langer Anweg, der sich eigentlich nur lohnt, wenn man unbedingt Halifax und Cape Breton und einen Teil von Nova Scotia sehen will. Es würde ziemlich viel Zeit sparen, ein Fahrzeug am Flughafen von Deer Lake oder St. John`s zu mieten. Auch der Rückweg von Neufundland nach Halifax in Nova Scotia fiele dann weg. Dann hätte man wirklich Zeit für einige Tage in Labrador.

 

Ist der Süden von Labrador gut zu erreichen?

Die Überfahrt mit der Autofähre von St. Barbe zum Hafen Blanc Sablon dauert nur eine Stunde und 45 Minuten. Von dort führt eine asphaltierte Straße, der Trans-Labrador Highway, bis nach Port Hope Simpson (und noch weiter, aber dafür werden die meisten Reisenden keine Zeit haben).  Die Straße windet sich der Küste entlang, durch kleine Dörfer und durch eine eindrückliche Wildnis. Sie wird auch „Labrador Coastal Drive“ genannt (www.labradorcoastaldrive.com).  Ich finde sie eine der schönsten Aussichtsstraßen in Kanada, und ich fühlte mich sehr sicher auf ihr, obwohl ich allein reiste. Ich führe hier einige Vorschläge auf, was man in drei Tagen in Labrador machen kann.

 

 

Weshalb lohnt es sich, in L`Anse au Clair und Forteau Halt zu machen?

  1. Die roten Sandstrände in L`Anse au Clair sind fantastisch.
  2. Ein gut ausgebauter kurzer Wanderweg (Jersey Rooms Trail) führt zu den Ruinen einer alten Fischersiedlung. Dauer eine Stunde.
  3. In einer historischen Kirche befindet sich das Touristenbüro Gateway to Labrador Visitor Centre, wo man viele Informationen und Broschüren (und reichlich Auskunft) erhält.
  4. Im Dorf Forteau bietet das Hotel Florian Boottouren zu einer Insel mit Papageientauchern und zur Walbeobachtung an. Im Juni/Juli ist oft noch ein Eisberg dabei. Zur Feier des Tages kann man ein Viergangmenü im feinen Restaurant des Hotels Florian genießen, das sich an der baskischen Küche orientiert (theflorianhotel.com)

 

 

 

Warum ist L`Anse Amour mindestens so bedeutend wie L`Anse aux Meadows?

In L`Anse Amour haben vor rund 7500 Jahren prähistorische Indianer ein aufwändiges Grab für ein Kind gebaut. Darin fanden Archäologen im Jahr 1973 nicht nur ein Skelett, sondern auch mehrere aufschlussreiche Grabbeigaben. Der Grabhügel ist die älteste dokumentierte Begräbnisstätte dieser Art auf dem nordamerikanischen Kontinent. Mich hat dieses Grab und seine Geschichte völlig in Bann geschlagen.

Am Strand von L`Anse Amour findet man auch die Reste von Schiffwracks und etwas weiter auf derselben Erdstraße den zweithöchsten Leuchtturm Kanadas, Point Amour. Man kann bis auf die Spitze des Turms klettern oder im früheren Haus des Leuchtturmwärters übernachten.

www.tourlabrador.ca

Was macht Red Bay wirklich spannend?

Red Bay war einst ein unbekanntes kleines Fischerdörfchen,  bis eine kanadische Forscherin namens Selma Barkham während einer Europareise herausfand, dass hier vor vierhundert Jahren baskische Fischer während achtzig Jahren auf Waljagd gingen. Heute ist Red Bay ein Weltkulturerbe der UNESCO. Die Tötung von Walen ist wahrscheinlich kein angenehmes Thema für viele Touristen. Aber ich habe in Red Bay im Gemeindemuseum (Right Whale Exhibit Museum) sehr viel über existierende Wale gelernt, von dem ich keine Ahnung hatte.

Interessant ist auch die Geschichte der alten Schiffwracks in der Bucht von Red Bay, ein spannendes Stück Unterwasserarchäologie:
Ein Wrack hat man restauriert und es wird ausgestellt, das andere hat man wieder im Meeresgrund begraben, damit es erhalten bleibt.

Wer nicht die vielen ausführlichen Informationstafeln im Besucherzentrum von Parks Canada (Red Bay National Historic Site) lesen will, kann sich einen Erzähler im traditionellen baskischen Kostüm mieten, der die Geschichte von Red Bay sehr spannend und lebendig macht. Er führt Besucher herum und erzählt zum Beispiel von einem wahren Gerichtsfall um einen gestohlenen toten Wal, um den sich einige Basken jahrelang stritten, bis die Ehefrauen nach dem Tod der Männer die Sache beilegten.

 

Welche Spazierpfade lohnen sich in Red Bay?

  • Ein Spaziergang auf der vorgelagerten Saddle-Insel, wo einst das Walfett in Kupferkesseln gekocht wurde. Dort liegen baskische Walfänger begraben. Dauer etwa eine Stunde.
  • Wer die beste Aussicht auf Red Bay und Umgebung haben will, muss unbedingt die 689 Treppenstufen auf den Tracey Hill steigen. Oben ist man atemlos, weil das Panorama atemberaubend ist.
  • Ein kurzer Spaziergang endet am Walknochenstrand, dem Boney Shore Trail. Schädel und Halswirbelknochen von Walen, die vor rund vierhundert Jahren getötet wurden, liegen hier wie bemooste Steinbrocken im Gras.

 

Übernachten kann man eher unkonventionell in der Whaler`s Station.

http://www.redbaywhalers.ca/home/

In eineinhalb Stunden fährt man von Red Bay wieder nach Blanc Sablon zurück und nimmt dort die Autofähre nach St.Barbe.

 

Brauchen Sie noch zwei Tipps?

Wer noch mehr Zeit hat, sollte Battle Harbour besuchen, eine historische, restaurierte Fischersiedlung auf einer kleinen Insel, die man in einer Stunde mit dem Boot  von Mary`s Harbour aus erreicht. Aber das ist eine Geschichte  für ein andermal.

www.battleharbour.com

Wer seinen Ausflug nach Labradors Südküste als geführte Tour machen will (ohne Auto, man wird von der Fähre abgeholt und wieder hingebracht), hat diese Möglichkeit bei Tour Labrador.

www.tourlabrador.ca

 

Viel Spaß beim Erkunden von Labradors Süden!

www.destinationlabrador.com

 

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