Sand ist ein Gefühl

by Peter Iden

Sand ist zwar kein Element (ein Wort mit sehr vielen Bedeutungen). Aber wer sich zum Beispiel komfortabel in seiner augenblicklichen Situation fühlt lässt es jedermann wissen: “Jetzt bin ich in meinem Element!”. Das gilt besonders auch für die Sonnenanbeter, welche sich an einem herrlich sandigen Strand wohl fühlen. Ob das damit zu tun hat, dass wir alle eines Tages zu diesem “Element” zurückkehren werden, wollen wir hier nich debattieren. Jedenfalls gibt Sand uns allen ein friedvolles Gefühl, wenn wir mit ihm am Strand, im Garten oder anderswo in Berührung kommen.


Am Strand kann er uns zum Beispiel diverse Gefühle übermitteln, sei er nun trocken oder nass, hart oder weich, kalt oder warm. Selbst trockener Sand hinterlässt uns seine eigenen Gefühle, ganz gleich ob es nun weicher Sand ist, wie an den meisten Stränden, oder scharfer Korallensand wie in Mexiko oder schwarzer Lavasand in Hawaii ist.
Sand ist also kein Element, sondern ein Gefühl.
Nirgendwo kann man das Gefühl von Sand so voll auskosten wie in Kanada. Ob auf den einzigartigen, gewaltigen flachen Stränden wie Wasaga und Sauble Beach in Ontario (als längste Süßwasser-Strände der Welt bekannt), der harten Long Beach auf Vancouver Island, der Devonshire Beach in Alberta oder der Grand Beach in Manitoba, man hat das Gefühl, dass man auf einem besonderen Sand läuft oder liegt.
Zwar zeigen selbst die kanadischen Strände alle irgendwann den “europäischen” Charakter der Übervölkerung, aber nur an den von Touristen bevorzugten Teilen. Wandert man nur wenige Meter weiter, dann befindet mant sich an beinahe einsamen Stränden mit nur wenigen Besuchern.
Aber auch das Thema “Sand ohne Strand” wird in Kanada ausgiebig angesprochen. Kanada hat (mit Ausnahme der Sahara und anderer großer Wüsten der weiter südlichen Gegenden der Welt) die größten Dünen-Landschaften der nördlichen Erdkugel.
Eine Warnung zum Anfang: An den Stränden des Inlandes braucht man sich keine Sorgen um die Strömungen zu machen (außer in der Nähe von Flußmündungen). An den Atlantik-Stränden oder den Pazifik-Stränden sollte man sich jedoch nach gefährlichen Strömungen erkundigen, bevor man sich zum Schwimmen in das Wasser begibt.

ATHABASCA SAND DUNES PROVINCIAL PARK
Angefangen mit der größten, dem Athabasca Sand Dunes Provinvial Park in Saskatchewan, eines der geophysischen Wunder in dem Borealen Oekosystem mit den nördlichsten Sanddünen in einer Größe (1,925 Hektar), in der gesamte Bundesländer verschwinden könnten. Er erstreckt sich 100km entlang der Südküste des Lake Athabasca. Erst in 1992 machten Alberta und Saskatchewan die Athabasca-Dünen zu Provinzparks und einer Ökologischen Weltreservation.
Die Dünen von Atahbasca sind durchschnittlich 12 Meter hoch, mit Kämmen bis zu 60 Meter Höhe. Die Athabasca-Dünen sind als Einzel-Abenteuer-Ziel in Kanada geeignet, jedoch nur mit dem Flugzeug oder einer Bootsfahrt von Fort McMurray zu erreichen.

LONG BEACH, VANCOUVER ISLAND
Einer unserer ersten Eindruecke bei unserem ersten Besuch von Vancouver Island war die “Long Beach”. Spektakulär in ihrer Einsamkeit und den gewaltigen Aufbauten von Treibholz lud dieser Strand uns zu einem langen Spaziergang auf dem harten Sand ein, gefolgt von einer ausgeeichneten Mahlzeit in der Wickaninnish Inn (welche den Strand übersieht). Andere Strände an den Buchten nördlich Tofino’s sind nur mit Booten zu erreichen, aber einsamere Strände als diese gibt es nicht in Kanada.

SANDDÜNEN DER GROßEN SEEN IN KANADA
Die Sanddünen der Großen Seen datieren etwa 4,000 bis 6,000 Jahre zurück, als die Wasserstände sehr hoch waren. Diese größten der Süßwasser Dünen und Öko-Systeme der Welt kann man an den Küsten aller der Großen Seen finden, auf der kanadischen wie auch auf der amerikanischen Seite. Die Ausmaße einiger dieser Dünenlandschaften macht sie sogar sichtbar für die Astronauten im Weltall. In “weltlicher” Grösse gesehen erheben sich die meisten zwischen 100 und 600 Fuß über dem benachbarten Wasserspiegel (30 bis 180 Meter).
Die Strandgräser und andere Pflanzen dieser einzigartigen ökologischen Wunderwelten müssen imstande sein, enorme Temperatur-Unterschiede zu überstehen, und dazu noch die abschleifenden Kräfte des windgeblasenen Sandes zu ertragen. Ein windiger Tag am Strand kann jedem diese Kraft verdeutlichen.
Die für mich am leichtesten zu erreichende Sanddüne der Großen Seen befinden sich direkt in Wasaga Beach, praktisch im Stadtzentrum (wo sonst? Gibt es etwas das Wasaga Beach nicht hat?). Sie ist etwa 100 Meter hoch, gelegen an einem Bogen des Nottawasaga River, welcher einst ein Strand war, und kann mit dem Auto erreicht werden, oder auf der 32 km langen Canoe-Tour des Nottawasaga River. Eine zweite, einige wenige Kilometer inland, ist mit einem guten viertelstündigen-Spaziergang zu erreichen.
Unsere Favoriten in den ersten Jahren unserer Familie waren der Sand Hill Park bei Port Burwell am Lake Erie sowie der Sand Dunes Provincial Park bei Picton am Lake Ontario. Fast alle Provinzen, zumindest die mit größeren Seen, haben solche Plätze, aber diese hier alle aufzuführen würde den Umfang dieses Beitrages übersteigen.
Sämtliche der Sanddünen stehen heute unter Druck der Immobilienfirmen, welche nach immer neuen Verkaufswerbungen suchen (wie wär’s mit einem Haus in einer Dünenlandschaft?). Hinzu kommen noch die “Dune Buggy Fans”, die ihre Geländewagen auf die Dünen loslassen wollen und damit diese empfindlichen Öko-Systeme zerstören.Welche Schäden sie anrichten haben wir zur Genüge an der Westküste von Washington, Oregon und Kalifornien gesehen. In den kanadischen Dünen sind, soweit ich weiß, keine motorisierten Fahrzeuge erlaubt. Die Bürgermeisterin von Sauble Beach in Ontario muss sich in Kürze vor einem Gericht gegen ihre Entscheidung verteidigen, einige der Dünen ihres Strandes “im Interesse der Touristen” zerstört zu haben.

 

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