Kanadische Sprachbegriffe – Teil 2

von Peter Iden

Eigentlich hatte ich es nicht geplant, einen zweiten Teil zu meinem Beitrag über “Kanadische Begriffe” zu schreiben. Aber dann kamen noch mehrere Begriffe auf, welche ich in meinen Recherchen übersehen hatte. Es gibt wahrscheinlich noch zahlreiche andere, oft nur regional bekannte kanadische Begriffe, welche inzwischen in den Enzyklopädien gelandet sind.

Jedenfalls wurde dann dieser zweite Teil der Kanadischen Begriffe durch ein Erinnerungsschreiben von Greenpeace über meine auslaufende Mitgliedschaft ausgelöst.

Er brachte bei mir wieder einige Gedanken in Verbindung mit dieser Organisation auf, deren Mitglied ich seit vielen Jahren bin.

Da dachte ich zuerst einmal an das Wort “hug” oder “hugger”, das viele Bedeutungen in Verbindung mit Greenpeace hat. Mitglieder der Organisation sind für ihre größtenteils friedvollen Proteste gegen die Abholzung kanadischer Urwälder bekannt, bei denen “Tree Hugging”, die Umarmung von uralten Bäumen, eine Rolle spielte.

Tree Hugger:

Die Wurzel dieses Begriffs ist wahrscheinlich Proto-Germanisch,  wie im nordischen “hugga” oder “hugian”, welches vielleicht am besten mit “umarmen” oder “umklammern” übersetzt wird.

Heutzutage ist “Tree Huggers” ein Begriff, der oft für Umwelt-Aktvisten benutzt wird, besonders solche, die für die Erhaltung der uralten Wälder der Welt aktivieren, (in Kanada z.B. für das Great Bear Rainforest Areal. Aktivisten haben weltweit unter anderem die Angewohnheit, die alten Bäume zu umarmen, um ihr Fällen durch die Holzfirmen zu verhindern.

Als Sammelbegriff wird “Tree Huggers” auch für die Schützer anderer Arten gefährdeter Natur benutzt. Die Herkunft dieses Begriffs ist interessant.

Tree Huggers, die Original-Version(en):

Die ersten “Tree Huggers” der Welt waren eine Gruppe von indischen Bauern in den Himalaya-Vorbergen, welche die für  sie lebensnotwendigen Wälder und Felder in 1973 erfolgreich vor der Fällung durch eine Holzfirma verhinderten, indem ihre Frauen die Bäume in den Waeldern umarmten.

Die weltweiten Medien machten den Begriff “Tree Huggers” in und nach den 1970’er Jahren zum Inbegriff des Aktivismus gegen die sinnlose Abholzung der alten Wälder. Das durch diesen Protest geborene indische “Chipco Movement” hat inzwischen die sinnlose Zerstörung der Himalaya-Wälder in der indischen Provinz Uttar Pradesh verhindert. Das Hindi Wort “chipak” ist verwandt mit “umklammern”.

Aber bereits in 1730 gab es in Indien eine ähnliche Kundgebung gegen fürstliche Holzfäller, welche Holz für den Bau eines neuen Palastes fällen sollten. Die 294 Männer und 69 Frauen, welche die Bäume durch Umarmung schützen wollten, wurden gnadenlos von den Holzfällern ermordet.

Der Begriff “Umarmung” (hug) wird in Kanada jedoch auch mit mehreren anderen Bedeutungen-n Kanada benutzt.

Christian Sidehug:

Ein “Christian Side Hug” ist wenn man einer nebenstehenden Person kurzfristig seinen/ihren Arm um die Schulter oder Hüfte legt.

Buddy Hug:

Die meisten Männer vermeiden körperlichen Kontakt (ausser Händeschütteln) mit anderen Männern. Der Begriff “Buddy Hug” wird benutzt wenn sich zwei männliche Freunde mit einer kurzen Umarmung begrüßen, ohne dass diese von anderen als  sexuelle Bestätigung ihrer Freundschaft angesehen wird. Ein kurzes Klopfen auf den Rücken ist meistens einbegriffen.

Group Hug:

“Group Hug” dagegen ist die gleichzeitige freundschaftliche Umarmung mehrerer Menschen (oft beiderlei Geschlechts), während “Cluster Hug” die rein männliche Form (wie z.B. bei Hockey- und Fußball-Spielen) bedeutet.

“Nut Huggers:

Der Begriff bezeichnet Männerhosen oder zu enge Jeans, welche etwas zu fest im Schritt sind. Die weibliche Version wird mit “Twisted Sister”, “Clam Cuddlers”, sowie mit zahlreichen anderen ebenso nicht salonfaehigen Begriffen betitelt.

Butt Huggers:

Der Begriff ist eine Beleidigung für homosexuelle Menschen.

Bunny Hug:

So nennt man in Saskatchewan eine Kapuzenjacke (Hoodie) ohne Reissverschluss. Auch kurzfristig bekannt als ein Modetanz im frühen 20.Jahrhundert.

H’s and K’s, XXXX

H’s and K’s (Hugs and Kisses) oder “XXXX” (lots of kisses) wird sehr oft ohne tiefere Bedeutung in E-mails benutzt und deutet mehrere beiläufige Umarmungen und Küsse an.

Hug the Throne:

Eine total andere Bedeutung wird dem Begriff “hug” gegeben  wenn sich jemand übergibt. Dann heißt es z.B. “hug the Throne” (der Thron in diesem Fall ist die Toilette), wie auch in “hug the Porcelain Princess” (die Porzellan-Princessin umarmen), oder im kanadischen Slang “hug the toilet”.

Tree Hug:

“Tree Hug” wird auch benutzt, wenn man es zum Übergeben nicht mehr bis zur Toilette schafft und sein “Geschenk an die Natur” an einem Baum hinterlässt.

Newfie:

Ein allgemein im ganzen Land benutzter Begriff, um die aus Neufundland stammenden Kanadier zu bezeichnen. Obwohl ursprünglich von uninformierten Menschen mit abfälliger Meinung behaftet, ist er es keineswegs. Selbst Neufundländer nennen sich stolz “Newfies”.

Quaker:

Meine Tante in Philadelphia war Quaker und belehrte mich, dass die “Freunde” (sie nennen sich “Religious Society of Friends” oder einfach “Friends”) an ein friedvolles Leben glauben, in dem die geistige Gleichheit der Geschlechter, Integrität, Gemeinschaft und Einfachheit, sowie persönliche Verantwortung durch “das Licht innerer Quellen” gefördert wird. Quakers haben keine bombastischen Kirchen sondern nur “Meeting Houses”, keinen Klerus, keine Priester und keine aufwändigen religiosen Zeremonien. Ihren pazifistischen Glauben teilen sie mit denen der Amish, der Mennoniten und der Christadelphians.

Greenpeace:

Ich erwähne diese Organisation wegen der Relevanz zu meinem Hinweis am Anfang dieses Beitrags, und wegen der pazifistischen Aktionen ihrer Proteste.

Greenpeace wurde praktisch bereits in 1966 in Vancouver gegründet, als Geistesprodukt mehrerer US-Kriegdienst-Verweigerer, welche sich in 1969 in Vancouver ansiedelten.

Einer dieser Kriegsdienst-Verweigerer war der 51-jährige Rechtsanwalt und Pazifist Irving Stowe mit seiner kanadischen Frau Dorothy. Als Mitgieder ihrer Ausländergemeinde formierten diese in 1969 das “Don’t make a Wave Committee” als Protest-Gruppe gegen die US-Nuklearen Tests auf der Insel Amchitka in den Aleuten von Alaska.

In 1971 segelten sie in einem alten Fischkutter von Vancouver nach Amchitka, um dort die nuklearen Versuche der USA zu blockieren. Sie tauften ihr Schiff “Greenpeace”, zu Ehren der natürlichen Umwelt und des Friedens auf der Welt.

Ihr Versuch die nuklearen Tests zu verhindern waren erfolglos, aber sie waren die ersten Aktivisten, die das Überleben der menschlichen Rasse mit dem Überleben der Umwelt verbanden.

in 1972 änderten sie den Namen des “Don’t make a Wave Committee” auf “Greenpeace”, in Erinnerung an das Schiff, auf dem sie ihren Protest in Alaska austrugen.

Irving Stowe wechselte irgendwann von seiner jüdischen Religion auf die Quaker-Religion über. Ob Greenpeace daher eine Quaker-Organisation ist oder war bleibt offen. Jedenfalls wurde das Committee von den Quakers finanziell unterstützt.

Die Grundsätze der Quaker-Religion machte sich Greenpeace während ihrer friedlichen und waffenlosen Proteste zueigen.

Auf vielen anderen Ebenen wurde und ist Greenpeace ebenfalls aktiv. In ihren Protesten ueber die Naturschäden durch viele kommerzielle Aktivitaeten wurde die Greenpeace Organisation zur der jemals und weltweit einflussreichsten Aktivisten-Gruppe.

Greenpeace hat etwa 130.000 Mitglieder in Kanada. Hauptbüro ist in Amsterdam.

Clicks:

Der Begriff “Kilometer” it zu lang und ungewöhnlich für Kanadier. Sie fahren und reden deswegen lieber in “clicks”, dem Slang-Wort für Kilometer.

Kerfuffle:

Aufregung über irgend etwas oder alles {“I’m in a kerfuffle”).

Molson Muffle:

Auch “Potbelly” genannt, ein Schmerbauch durch das Trinken von zu viel Bier.

For sure:

Das sagen Kanadier für “definitiv” oder “das ist sicher”.

Bum:

Das Hinterteil eines Menschen (wie in “she’s got a cute bum”). Primitiv als “ass” bekannt.

Rye and Ginger:

Das bestellt man in einer Bar, wenn man kanadischen Whiskey mit Ginger Ale trinken will.

The bill, please:

Danach fragt man, wenn man seine Restaurant-Rechnung haben möchte.

Elastic:

Ein Gummiband.

Tap:

Der Wasserhahn.

Washroom:

Man fragt danach, wenn man die Toilette benutzen muss.

Postal Code:

Der kanadische Begriff fuer Postleitzahl. “Zip-Code” in den USA.

Beavertail:

Ein Brioche-Teig in der Form eines flachen Biberschwanzes, bedeckt mit endlos erdenkbaren Zutaten wie Früchten, Zimt, Puderzucker, Maple Syrup – was immer einem einfällt. Beavertail-Stände sind auf vielen kanadischen Farm-Märkten, Ausstellungen, Handwerks-Messen usw. zu finden.

Poutine:

Was heutzutage als “Poutine” als Fast Food (u.a. at Macdonalds) und in Restaurants angeboten wird, ist eine traurige Abweichung von der traditionellen Mahlzeit, welche die ersten akadischen Siedler mit sich nach den Maritimes brachten.

Es ist lachhaft, dass selbst einige prominente Kanadier die heutige Poutine als Kanadisches National-Gericht proklamieren.

Die ursprüngliche “Poutine” in den vorwiegend akadischen Teilen der maritimen Provinzen (besonders in Nova Scotia) besteht aus roh geriebenen Kartoffeln, die in Klösse geformt und in der Mitte mit Schweinefleisch gespickt werden. Sie werden oft mehrere Stunden lang gekocht bevor man sie serviert und sind dort als “poutine rapee” bekannt.

https://www.youtube.com/watch?v=4q9Dyc6oUEc

Die heutige “Poutine” der Fast Food Restaurants wurde angeblich in 1957 in Quebec erfunden, als der Chef in einem Restaurant in Warwick, einer Kleinstadt nordöstlich von Montreal, auf Anfrage eines Truckers dessen French Fries zur Hälfte mit Käsebruch vermischte und diesem servierte. Nachdem einige Restaurants in der Gegend auch noch die übrig gebliebene Fleischsoße dazu taten, wurde das zuerst als “mixte” bekannte Gericht geboren.

Erst in den Fast Food Restaurants (wie McDonalds) wurde der Name “Poutine” für dieses (zumindest für mich) furchtbare “Gericht” geboren.

Butter Tart:

Ein kleines Törtchen in einer gebackenen Schale, mit einer Füllung aus Butter, Zucker, Crème, Rosinen und Nüssen (Walnüsse, Pecannüsse). Eine meiner Leidenschaften.

Tourtiere:

Eine kleine französisch-kanadische Fleischpastete, besonders in Quebec bekannt. Eine Anleihung an den in England und in den britischen Commonwealth-Ländern bekannten Gericht, aber besonders  an den typisch kanadischen “Meat Pie.

Loonie und Toonie

Die kanadische Zwei-Dollar-Muenze seit 1996. Der Name ist eine Anleihung an den Begriff “Loonie”, die Ein-Dollar Münze welche nach ihrer Einfuerung mit 40 Mllionen Muenzen am 30.Juni 1987 beinahe sofort in ganz Kanada als “Loonie” bekannt wurde, weil ihre Rückseite einen Loon darstellte.

5-Pin Bowling:

Kegeln mit einem kleineren leichten Ball ohne Fingerlöcher und mit nur 5 Kegeln, perfekt für Kinder und Erwachsene mit kleinen Händen.

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