Dinosaurier in Kanada

von Peter Iden
Eine kleine Lektion in der Erdgeschichte

Vor 10 Jahren schrieb ich schon einmal über Kanadas Dinosaurier im Kanada Spezialist (26. Juli 2010), mit den damals vorhandenen Referenzen und basiert auf unserem Besuch in Alberta’s “Dinosaurier-Land”. Inzwischen hat die Paläontologie gewaltige Schritte vorwärts gemacht. Mehrere der damaligen Theorien und wissenschaftliche Erkenntnisse wurden umgeworfen, und andere nahmen ihren Platz ein.

Wir befinden uns in den letzten Jahrzehnten in einem “Goldenen Zeitalter” der Paläontologie. Wir (oder vielmehr die Wissenschaftler) haben in den letzten 25 Jahren mehr ueber Dinosaurier gelernt als in den 250 Jahren vorher. Das Internet hat dazu erheblich als Informations-Medium beigetragen.

Alberta ist das “Heimatland” der Dinosaurier in Kanada. Das erste kanadische Fossil eines Dinosaurs wurde aber nicht in Alberta sondern in Saskatchewan gefunden, und zwar in 1874 von Sir George Mercer Dawson einem Geologen aus Nova Scotia. Er war nicht nur ein Geologe und Direktor der Canadian Geological Society, sondern auch ein Landvermesser, der zahlreiche Expeditionen fuer die CGS machte. Dawson City im Yukon sowie auch Dawson Creek in BC wurden nach ihm benannt.

Auf einer seiner Expeditionen in 1874 in den Killdeer Badlands im extremen Süden des Grasslands National Park in Saskatchewan, nahe der Montana-Grenze, machte Dawson eine überraschende Entdeckung indem er das erste kanadische Fossil eines Dinosauriers fand, einen Entenschnabel-Hadrosaurier.

Der erste Dinosaurier-Fossilienfund in Alberta kam erst 10 Jahre später. Joseph Tyrell war Geologe und Teil einer Mannschaft der Royal Geological Service während einer Expedition in den Badlands. Dort, am 12. August 1884, stolperte er praktisch über einen 70 Millionen Jahre alten Dinosaurier-Schädel, nur wenige Kilometer von dem heutigen Royal Tyrrell Museum entfernt. Er war sich über die Bedeutung seines Fundes bewusst und brachte den Schädel nach Calgary, von wo er nach Ottawa und letztlich Philadelphia zur Identifizierung transportiert wurde.

Seitdem wurden in Alberta etwa 60 bis 70 Arten von Dinosauriern gefunden, mit etwa 350 guten Skeletten und vielen Hundert Teilskeletten sowie Tausenden von Knochen allein aus dem Dinosaur Provincial Park bei Drumheller.

Die größten Dinosaurier in Kanada waren der 12m lange und 10 Tonnen schwere Tyrannosaurus und der 14m lange, 14 Tonnen schwere Edmontosaurus. Es gab noch größere bis zu 20 Tonnen schwere, aber die sind ohne Knochenfunde und nur durch ihre Fußabdrücke bekannt.

Wir wissen heute, dass Dinosaurier Vorfahren unserer Vögel sind, wie durch Entdeckungen in China und anderen Ländern bewiesen wurde.

https://www.nhm.ac.uk/discover/dino-directory/country/canada/gallery.html

Zweifler brauchen sich nur die Knochenstruktur einiger flugloser Vögel in Australien und Neuseeland ansehen, wie die des Strauss, Emu, Rhea und anderer Zweibeiner. Selbst unsere Hühner haben dieselbe Grundstruktur ihrer Knochen.

https://www.nhm.ac.uk/discover/why-are-birds-the-only-surviving-dinosaurs.html

Man kann die Nachfahren der Dinosaurier auch in anderen Tierarten wieder finden, wie in der Familie Crocdylia, zu der Krokodile, Alligatoren, Kaimane und Gaviale gehören. Krokodile und Dinosaurier, beides kalttblütige Reptilien, lebten zahlreich in derselben Zeitperiode. Aber obgleich die Vögel direct von den Dinosauriern abstammen, haben sich die Krokodile unabhängig von diesen weiter entwickelt.

Die ersten Dinosaurier (die Archosaurier) erschienen im heutigen Südamerika während der Triassischen Zeit vor etwa 230 Millionen Jahren.

Die Triassische Periode ist ein Teil des Mesozoikums. Ohne zu tief in die vielen Erdepochen einzutauchen, das Mesozoikum dauerte von etwa 252 bis 66 Millionen Jahre vor unserem Zeitalter und ist weiter unterteilt in die Triassischen (Trias, vor 251 bis 199 Millionen Jahren), Jurassischen (Jura, vor 200 bis 145 Millionen Jahren) und Kreidezeiten (von145 bis 66 Millionen Jahren) Wir leben heute in dem auf das Kreide-Zeitalter folgenden Kenozoischen Zeitalter.

Krokodile erschienen vor etwa 95 Millionen Jahren in der Kreidezeit. Zuammen mit den Vögeln sind sie die einzigen existenten Nachfolger der Dinosaurier.

Die modernen Methoden der Fossilien-Datierung haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert und sind weit mehr verlässlich geworden, und zwar mit bis zu zweitausend Jahren Genauigkeit. Zusaetzlich kommen besonders in der Altersbestimmung und Familienzugehörigkeit verschiedener Dinosaurier die äußerst korrekten Gen-Tests zur Geltung.

Dazu kommt noch, dass mehr Paläontologen als jemals vorher weltweit nach Knochenresten forschen.

Komplette Skelette wurden ebenfalls gefunden, sodass ein verlässlicher Familien-Stammbaum für die Dinosaurier entwickelt werden konnte.

Die Erde zur Zeit der Trias bestand au seiner einzigen Landmasse (Pangaea). Das Land war heiß und trocken und war mit gewaltigen Dünen bedeckt. Es gab keine polaren Eiskappen. Unterschiede zwischen Tieren und Pflanzen waren minimal. Reptilien, als Trockenland-Tiere, florierten in dieser Umgegend weil ihre Haut weniger Feuchtigkeit verlor, im Gegensatz zu anderen Tieren.

Am Ende der Trias-Periode jedoch brach Pangaea durch enorme Erdbeben und Vulkan-Ausbrüche in zwei Teile, Laurasia im Norden und Gondwana im Süden. Es war die Geburt des nordatlantischen Ozeans und seiner Nebengewässer.

Ein Massensterben der Tiere erfolgte zur selben Zeit. Wissenschaftler debattieren noch heute über die Gründe, aber Luftverschmutzung durch Vulkangase und Erdverdunkelung durch ihre ausgestossene Asche sind die bevorzugten Theorien.

Aber die Dinosaurier überlebten und konnten sich in vorher von anderen grossen Tieren belebte Gebiete ausbreiten. Ihre Evolution beschleunigte sich und sie vermehrten sich in dem nun wärmeren Klima, welches zusätzlich noch durch das Kohlendioxyd in der Luft und von schweren Regenfällen als Resultat der massigen Gewässer ihrer Umgegend begünstigt wurde.

In der Jura-Periode entwickelten sich die Pflanzen-fressenden riesigen Dinosaurier, an welche Steven Spielberg seine “Jurassic Park” Kreaturen anlehnte, nur dass er sie Menschen anstatt Pflanzen fressen ließ. Sie waren die größten Tiere, welche jemals in gewaltigen Herden auf der Erde wandelten.

Da die tektonischen Platten immer weiter auseinander trieben und die Kontinente formten, wie wir sie heute erkennen können (obgleich in anderen Positionen), entwickelten sich die Dinosaurier weiter unabhängig voneinander in verschiedenen Teilen der Welt. Viele andere Tiere entwickelten sich ebenfalls im Einklang mit den veränderten Lebensräumen und Konditionen.

Aber vor 66 Millionen Jahren verschwanden die Dinosaurier plötzlich während einer sehr kurzen Zeit, zusammen mit vielen anderen Tierarten.

Ein katastrophisches Ereignis ungeahnter Größe war ihr Ende. Einige Wissenschaftler glauben dass es ein riesiger Asteroid, Meteor oder Komet war, der auf unserem Erdball landete. Sie streiten sich noch heute darüber, aber wir wissen, dass diese Einschläge tatsächlich passierten, denn ihre gewaltigen Krater sind Zeugnisse dafür.

Das Sudbury-Gebiet in Ontario liegt in einem solchen Krater, mit 62 km Länge, 30 km Breite und 15 km Tiefe der drittgrößte der Welt, nach dem 300 km langen Vredefort-Krater in Südafrika und dem 150 km langen Chiczulub-Krater im Yukatan in Mexiko.

Diese Himmelskörper kollidierten mit der Erde mit extremer Geschwindigkeit. Eine gewaltige Explosions- und Hitzewelle warf enorme Materialien wie Felsen und Ruß in die Atmosphäre. Wir alle wissen aus Erfahrung was passiert, wenn die Sonne durch einen Rußmantel verschwindet. Dauert es länger, dann werden Pflanzen-Wachstum und die darauf basierte Nahrungskette gestört und zum Kollaps gebracht. Weniger Futter fuer die Pflanzenfresser, weniger Opfer für die von ihnen lebenden Fleischfresser auf dem Land und im Wasser.

Die Trümmer dieser außerweltlichen Körper-Einschläge wurden weltweit zerstreut und setzten für die Tiere und besonders für die Dinosaurier sehr ungünstige Lebens-Bedingungen in Bewegung, welche ihre 180 Millionen Jahre dauernde Anwesenheit auf der Erde besiegelten. Der Ozean-nahe mexikanische Einschlag führte zu massiven Tsunamis, welche die Kontinente überfluteten, während gewaltige Feuer in ihren Wäldern brannten.

Unsere heutige Konzentrierung auf die Zeichen einer “Globalen Erwärmung” verbleichen vor dem, was die Erde damals durchmachte, obwohl die Wissenschaftler bereits vor dem Einschlag eine Erwärmung bewiesen, welche durch die Aktivität von Hunderten Vulkanen resultierte. Die andauernde Verschiebung der Kontinente und die mehrere dadurch bedingten kleineren Klimawechsel trugen ihren Teil dazu bei.

Die einzigen überlebenden Tierarten waren die Vögel und einige Säugetiere die genug anpassungsfähig waren. Deren Evolution wurde durch die Abwesenheit von fleischfressenden Dinosauriern nun erstaunlich beschleunigt.

Wir, die Menschheit sind im Vergleich zu den 180 Millionen Jahren der Dinosaurier nur ein kleines Augenzwinkern in der Geschichte des winzigen Erdballs unseres unfassbar gewaltigen Universums.

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