Wasserfälle in Kanada

von Peter Iden


Canning’s Falls, Hockley Valley, ON

Mein Geburtsort Hamburg liegt im Flachland, umgeben von dem ebenso flachen Schleswig-Holstein und Niedersachsen, der Elbe, der Alster, der Nordsee und der Ostsee. Ich bin also absoluter “Flachländer” und auch eine “Wasserratte”. Die “Berge” um Hamburg herum (wie z.B. die Harburger Berge mit dem höchsten Punkt von 155 Metern, waren die höchsten Berge meiner Jugend. Im Winter machte der 15 Meter hohe “Berg” hinter dem Concordia Sportplatz in Wandskeck (ich wohnte direkt daneben) sogar Schlittenabfahrten fuer uns Kinder möglich.
Meine Faszination mit den Bergregionen der Welt ist daher leicht zu erklären. Gebirgslandschaften, von Seen und Ozeanen umgeben und mit Seen und Wasserfaellen durchzogen, waren für mich schon immer Traumlandschaften . In Kanada habe ich sie gefunden!

Wasserfälle sind praktisch synonym mit Bergen jeder Art und Höhe. Ohne Berge gäbe es keine Wasserfälle. Und wenn Kanada irgendwo erwähnt wird, wer denkt nicht zuerst an “Niagara”?
Wie so oft bei meinen Beiträgen, so ist mir am Anfang selten bewusst, wieviel Material ich aus meinen Bildern, meinen Erfahrungen, vielen Websites und anderen Informationsquellen zusammen bringen kann, um einen informativen und interessanten Artikel zu schreiben.
Es gibt in Kanada 1.700 Wasserfälle, und diese Anzahl umfasst nur die wesentlichsten davon. Viele sind so klein oder liegen so versteckt, dass sie nur einheimischen Kanadiern bekannt sind. Eine Liste der geografischen Namen in Ontario allein enthält mehr als 400 Wasserfälle. Selbst ein Bericht über nur die wichtigsten davon würde zu weitläufig sein.
Trotzdem komme ich jedoch nicht darum herum, nur einige der bekanntesten kanadischen Wasserfälle zu erwähnen, wie z.B. die Della Falls im Strathcona Provincial Park auf Vancouver Island, mit 440 Metern der höchste in Kanada (Niagara ist “nur” 51 Meter hoch); Kakabeka Falls, der “Niagara des Nordens” 39 km westlich von Thunder Bay (40 Meter hoch); Virginia Falls in der Nahanni National Park Reserve in den Northwest Territories (96 Meter hoch); Takakka Falls in British Columbia’s Yoho National Park, (330 Meter hoch); Pissing Mare Falls im Gros Morne National Park in Newfoundland (343 Meter hoch); Montmorency Falls nur wenige Kilometer von Quebec City, wo der Montmorency River am Golf von St.Lawrence mit einem 84 Meter hohen Fall endet.
Ich habe jedoch diesen Beitrag auf die vielen Wasserfälle von Ontario entlang des “Niagara Escarpment” beschränkt, und zwar solche, welche nicht ein Teil des Touristen-Rummels sind, sondern klein, traumhaft schön und romantisch, und fast alle leicht zu erreichen sind. Im Laufe der Jahre besuchten wir zahlreiche dieser kleinen Wasserfälle entlang des Niagara Escarpment.

Etwa 50 Minuten (87 km) nördlich der Niagara-Fälle liegt die Stadt Hamilton, die sich stolz “Waterfall Capital of the World” nennt. Die mit “mehr als 100” in ihrer Umgegend gegebene Anzahl von Fällen mag etwas übertrieben sein für die Stadt selbst, welche stark industriell bebaut ist.
Aber selbst Stromschnellen und Dammfälle werden oft im Interesse des Tourismus als “Wasserfälle” tituliert. Ein Fluss kann also mehrere “Fälle” haben, solange diese mehr als 3 Meter voneinander liegen und ihre Höhe mehr als 1,5 Meter beträgt. Das erklärt also die “mehr als 100” Wasserfälle von Hamilton. Der Wasserfall in meinem ehemaligen Garten war demnach kein Wasserfall, sondern nur ein sehr teures Gerinnsel!

Webster Falls, Hamilton Ontario
Das Niagara Escarpment besteht aus den Nachbleibseln von Steilhängen ehemaliger geologischer Schichtstufen von zwei gewaltigen Ozeanen, welche einst Nordamerika in drei Hälften teilte. Es erstreckt sich wie ein gewaltiges Fragezeichen vom Norden des Staates New York über die Niagara-Fälle (welche dieser Formation ihren Namen gaben), die Bruce-Halbinsel, Manitoulin Island und dann wieder in die USA zurück nach Michigan, Wisconsin und Illinois.

Albion Falls, Hamilton, Ontario

Sichtbare Anzeichen dieser Landform sind nirgendwo mehr prominent als an den Niagara-Fällen selbst, aber man kann sie auch an den Felsenrändern einiger Strassen im Süden Ontarios sehen (nicht zu verwechseln mit den Felsen entlang vieler Straßen in Mittel- und Nord-Ontario; die bestehen aus Granit-Grundgestein). Beispiele des Escarpment liegen auch am Highway 26 zwischen Meaford und Owen Sound, sowie entlang der gesamten Ostküste der Bruce Peninsula in Ontario.

High Falls, Thunder Bay, Ontario

In 1967 Jahren fanden wir “unseren” eigenen romantischen Wasserfall etwa eine halbe Stunde nördlich von Toronto im Hockley Valley. Er lag versteckt auf einem Privatgrundstück etwa 6km nordöstlich von Orangeville und war auf einem kurzen Pfad erreichbar. Wir besuchten unsere namenlosen Fälle oft in den folgenden Jahren. Ihren Namen fand ich erst kürzlich: Canning’s Falls, wahrscheinlich nach der Familie benannt, denen das Land ursprünglich gehörte. Heute sind diese Fälle Teil ein Teil der Hockley Valley Provincial Nature Reserve. (das Hockley Valley ist seit 1989 eine von 18 UNESCO Biosphere Reserves in Kanada).

„Our Falls“: Canning’s Falls, Hockley Valley, ON

Das Hockley Valley bekam seinen Namen von Thomas Hockley, seit 1863 der erste Postmeister der Gegend. In 1908 wurden er und seine Frau Bella nach einem starken Regen von einer Sturzflut ( Flash Flood) übrascht und ertranken in Sicht ihrer 8 Kinder im Nottawasaga River. Die Kinder wurden danach von Verwandten und Bekannten im Tal aufgezogen.
Cannings Fall liegt am gleichnamigen Fluss, ein Zufluss des Nottawasaga River, dessen Ende an der Georgian Bay in Wasaga Beach liegt, wo ich seit 2019 nur zwei Minuten entfernt von ihm lebe. Der Nottawasaga River kann besonders im Frühling fast in seiner gesamten Länge mit Flachbooten (Kanus, Kayaks, teilweise sogar mit einem Sea-Doo Jet-Ski) befahren werden. Die Farm und das Land meiner jetzigen Freundin Jean liegt hier in Wasaga Beach direkt am Nottawasaga River. Meine erste Freundin in Kanada hieß ebenfalls Jean. Das Leben leitet uns auf wundersamen Pfaden!

(Anmerkung: Die Verantwortung für die Wahl der Bilder in diesem Beitrag liegt einzig und allein bei dem Autor unter der Fair Dealing Provision der kanadischen Copyright-Gesetze)

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