Skurriles aus Kanada Nr. 66

von Bernadette Calonego

Kartenspiele finden vorerst nicht mehr in der Gemeindehalle statt.

Text und Bild: Bernadette Calonego

Endlose Winternächte

In Neufundland hat man ziemlich gut herausgefunden, wie man die dunklen Winterabende ohne Langeweile und ohne Einsamkeit verbringt. Nur hat der Corona-Virus jetzt alles über den Haufen geworfen. Die Neufundländer feiern normalerweise Weihnachten zwölf Tage lang und besuchen sich während dieser Zeit gegenseitig. Auch die Mummers kommen zu Besuch: Das sind Leute, die sich verkleiden, wie wir während des Karnevals.  Diesmal waren im Dorf, wo ich den Winter verbringe, leider keine Mummers zu sehen.

Andere Anlässe, auf denen sich Neufundländer treffen, wurden ebenfalls abgesagt: keine Darts-Turniere, kein Bingo (Zahlenlotto) im Feuerwehrlokal,  kein Kartenspiel in der Gemeindehalle. Jetzt findet alles in den Häusern im kleinstem Rahmen statt. Der Nachteil bei privaten Einladungen ist allerdings, dass die Leute nicht pünktlich eintrudeln, sondern wann immer es ihnen passt. Das Kartenspiel, das um sieben Uhr abends hätte beginnen sollen, findet erst eine Stunde später statt. Oder Gäste platzen herein, wenn man sich schon zur Ruhe legen wollte. Wenn man mit jemandem eine Zeit vereinbaren will, heißt es „vielleicht“ oder „das werde ich wahrscheinlich wieder vergessen“.

Ich glaube, ich warte, bis die Seen zufrieren. Dann kann ich beim Eisfischen gesellig werden und die Schweizer Pünktlichkeit zu Hause lassen.

 

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