Biwak-Nachtlager ohne und mit Zelt in Kanada (Schlafen unter den Sternen)

von Peter Iden

Der englische Begriff “bivouack” und stammt ab vom Schweizerdeutschen “Beiwacht”. Es wurde auf die Wachtsoldaten angewandt, die ihre schlafenden Kameraden etwas abseits ausserhalb ihres Lagers vor Angriffen beschützen sollten. Der Begriff wurde von den Soldaten des Englischen Reiches oft “bivvy” genannt, weil er für sie zu französisch klang.

Das Schlafen unter den Sternen macht die Erfahrungen in der Natur mehr intensiv, weil man praktisch ein Teil von ihr wird, ohne selbst die schützenden Wände eines Zeltes. Ich lehne mich dabei an meine eigenen Erfahrungen an, während denen ich auf meinen dann-und-wann Wanderungen und Kanufahrten die Nächte im Freien verbrachte.

Das Schlafen im Freien unter Kanus, in einem guten Schlafsack oder sogar ohne diesen ist mir bekannt. Es begann bereits in den 1960’er Jahren. Weil wir uns damals keine Hochzeitsreise leisten konnten, verbrachten meine Frau und ich unsere vorgeplante Hochzeitsfahrt mehrere Tage in einem Kanu im kanadischen bush. Und wir schliefen nachts unter dem Kanu. Naja, ein wenig “Luxus” war schon dabei, denn wir hatten unsere aufblasbaren Gummi-Matratzen mit uns gebracht!

Einer der ungemütlichsten Plätze zum Schlafen ist in einem Kanu selbst. Es lässt praktisch kaum irgendwelche Körperpositionen zu, und ein schnelles Entkommen im Ernstfall ist unmöglich. Die Ausnahme ist ein Kanu in dem die Ruderbank und die Duchten temporär ausgebaut werden können. Eine Hängematte kann aus ähnlichen Gründen ebenso unkomfortabel werden.

Wer den Luxus eines Daches vorzieht, kann eine Zeltplane (“tarpaulin”) über seinem Schlafplatz errichten, falls es regnen sollte. Für die wirklich am Natur-Camping ineressierten Leute kann ich auch Camping im Winter vorschlagen, obwohl man dazu besser ein Tipi oder eine Kohte benutzt, welche die natürlichen Heime der nordamerikanischen Prairie-Indianer und der Samen (Lappen) Nordeuropas sind, und Feuer in ihrer Mitte ermöglichen.

Zugegeben, ich habe das nur einmal mit mehreren Freunden gemacht, um eine Kothe einzuweihen. Wir kampierten damals auf einer der ersten Pisten der Blue Mountains, neben dem bereits mehrere Jahre vorher von Josl Weider eröffneten Blue Mountain Resort. Meine Erinnerung daran blieb eine leicht angesengte Wolldecke, leider keine Fotos.

Im Algonquin Park in Ontario, und sicherlich auch in anderen Provinzen, kann man ein “Winter Camping Adventure” buchen. Nicht billig ( $ 675 bis $ 1.019), aber eine einmalige Lebenserfahrung. Aber das ist natürlich kein Biwakieren!
In Kanada ist Biwakieren gesetzwidrig, obwohl man erst einmal dabei entdeckt werden muss bevor man vielleicht mit einer Geldstrafe rechnen kann.
In einigen National- und Provinz-Parks kann man aber Permits für “Backcountry-Camping” kaufen; Zelten ist erlaubt, und fast niemand fragt dabei ob man ein Zelt mibringt. Die “Permits” müssen beim Verlassen des Parks abgegeben werden, sodass niemand als “im Backcountry verloren” gemeldet wird.


Biwak-Touren in Kanada sind im Mai bis Juli jedoch nicht zu empfehlen. Die Insekten, besonders die Moskitos, Stechfliegen, Bremsen und Gnitzen sind in diesen Monaten teilweise selbst nachts sehr aktiv.
Wichtig ist allerdings auch, dass man sich vorher über die Präsenz von wilden Tieren informiert. Nicht dass ihr Erscheinen vorausgesagt werden kann, aber die Bären, Wölfe und Koyoten einer Umgegend sind keine netten Schlafpartner!
Auch wichtig ist, dass man seine Biwak-Pläne bei einem Bekannten oder Verwandten hinterlässt. Im Falle einer Nicht-Rückkehr kann dieser dann die Authoritäten benachrichtigen.
Wenn man bedenkt dass jedes Jahr viele Hunderte von Kanadiern sich sogar bei einem Spaziergang im bush verlaufen, ist das absolut notwendig!
Ebenso wichtig ist es, die Wettervorhersage für die geplante Biwak-Zeit zu kennen. Temperaturen etwas über dem Nullpunkt sind komfortabel.
Bei Temperaturen unter Null Grad Celsius ist auch die richtige Kleidung geraten. Mehrere Lagen Kleidung erlauben Anpassungen an die vorherrschenden Temperaturen.
Ein guter warmer Rollhut schützt gegen Verlust von Wärme durch den Kopf. Regen-Kleidung wie z.B. ein Poncho und ein weitrandiger Regenhut tragen zum Komfort bei Regenwetter bei.
Ein Extrasatz von Grundkleidung hilft bei eventuell ungeplanten Gelegenheiten (wie z.B. einem Kanu-Umkippen) zum schnellen Kleidungswechsel.
Ein Minimum an Biwak-Ausrüstung, verstaut in einem guten Rucksack, besteht aus einem kleinen Ofen mit Propangas, Topf und Pfanne, Essbesteck, Teller und Tasse, Taschenmesser, Kopf-Lampe, einem Plastik- oder Edelstahl Wasserbehälter, Toilettpapier und Natur-Seife, und einem Erste Hilfe Kit.
Nicht vergessen: Ein Feuerzeug (Streichhölzer sind unzuverlässig bei Wind und Feuchtigkeit. Vielleicht auch etwas Holzwolle oder ähnliches als Zunder (Birkenrinde tut’s auch). Und eine kleine leichte Säge zum Feuerholz
Alle Ausrüstung muss wasserdicht in Plastikbeuteln verpackt werden.
Nicht vergessen: eine Kamera, um das Erlebnis für die Zukunft zu dokumentieren. Die beste Erinnerung ist allerdings ein Biwak-Abenteuer mit einem Partner zu erleben!


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