Touristen Mythos und Legenden in Kanada

von Peter Iden

Old-Yellowhead-7-feet-tall-Northern-Ontario

Bevor ein Leser diesen Beitrag liest, würde ich ihm/ihr raten, dieses Video über eine kanadische Legende anzusehen:
https://www.youtube.com/watch?v=iCwR-JAb9kU&feature=youtu.be
Kanadiern is allgemein bekannt, dass die Monarch Schmetterlinge jährlich nach Mexiko wandern, um unseren langen Winter dort zu verbringen. Jeden Frühling kehren sie wieder nach Kanada zurück.

Aber das ist natürlich kein Mythos und keine Legende, denn viele von uns haben zumindest einen Teil der Legende in Kanada mit erlebt. Der Mythos wird erst in Mexiko fabriziert.
Das Video gibt uns einen Einblick in die Tatsache dass das, was uns hier über die Monarchs in Mexiko in den Medien erzählt wird, nicht ganz der Legende entspricht.
Mehrere Journalisten fanden die Monarch Butterflies nicht an den Plaetzen in Mexiko und Guatemala, wo sie sich angeblich versammeln sollten. Einer der Gruende dafuer ist natuerlich dass ausgedehnte Rodungen fuer Farmland und Oelpalmen-Plantagen die Ueberwinterungsgebiete der Schmetterlinge in den kuehleren Landschaften dieser Laender zerstoert oder verlagert haben.
Nicht nur die Journalisten, sondern auch die Touristen werden durch falsche Informationen ueber die Tiere und Menschen, ihre Sitten, Gebraeuche und Legenden, oder ueber die Natur-Ereignisse und Fakten eines Landes von den Medien sowie den Touristenfuehrern falsch informiert.
In vielen Laendern (z.B. China) werden diese sogar von der Regierung spezifisch darauf trainiert, Falschheiten zu verbreiten.
Die Verbreitung falscher Tatsachen trifft auch auf Kanada zu, allerdings mit dem Unterschied, dass es die Touristenfuehrer selbst sind, die oft ihre Präsentationen “ausschmuecken”, um sie fuer ihre Zuhoerer mehr interessant zu gestalten.
Die Erzaehler von Geschichten wollen natuerlich ihre Zuhoerer fesseln, genau wie auch die Schreiber von Novellen ihre Buecher gelesen haben wollen.
Heutzutage ist es allerdings erheblich schwerer fuer Touristenfuehrer, Unwahrheiten zu erzaehlen, weil man korrekte Informationen im Internet finden kann. Mit der Vorsicht natuerlich, dass auch gerade in diesen Medien mehr Mythen und Legenden kursieren als irgendwo anders.
Kanada hat seine Auswahl an Kreatur-Legenden, welche von den Touristenfuehrern an ihre Gruppen weiter geleitet werden. Geister sind eine davon.
Hausgeister gibt es zu Hunderten in Kanada. Viele aeltere Gebaeude haben ihre eigenen Geister, die oft von Touristen besucht (gesucht?) und oft sogar “gesehen” werden!
See- und Wald-Monster sind da schon etwas mehr anspruchsvoll mit ihren Lokalitaeten.

Ogopogo

Das Mythos von Ogopogo, dem Seemonster im Okanagan-See in British Columbia, ist eines der bekanntesten. Es erscheint in einigen Touristen-Literaturen als die kanadische Version von “Nessie”, dem Seemonster im Lake Ness in Schottland. Die Geschichte soll von schottischen Immigranten nach Kanada gebracht worden sein.
https://ogopogoquest.com/ogopogo-legend.php
Nach mindestens 10 Meldungen von Sichtungen machte es sich Bill Speciuk aus Kelowns zur Lebensaufgabe, die Geschichte von Ogopogo genau zu verfolgen und in seiner Website “Ogopogo Quest” aufzuzeichnen.
Den Ursprung als eine von Schotten nach Kanada gebrachten Legende ihrer eigenen “Nessie” zu betrachten, fiel dabei zuerst in’s Wasser des Okanagan-Sees.
Bereits im 16. Jahrhundert (also vor dem Besuch von Alexander Mackenzie in 1793), berichtet die Geschichte der Salish (Syilx) Indianer, dass im Okanagan-See ein grimmiges Monster lebt, welches sie “N’ha-a-itk” nannten. Bevor sie den See in ihren Kanus ueberquerten hinterliessen sie ihm kleine Tieropfer, um eine sichere Ueberquerung zu gewaehrleisten.
Der indianische Name blieb, bis er in 1924 von einem Tanzhallen-Song aus England (“Ogopogo-the Funny Foxtrot”) abgeloest wurde. In dieser Hinsicht ist also “Ogopogo” zwar nicht schottisch, aber auf jeden Fall britisch.
Nur den Tauchern im See, jedoch nicht unbedingt den Touristenfuehrern ist bekannt, dass eine grosse 2,5 Meter hohe und 4,25 Meter lange Statue eines lokalen Kuenstlers im fruehen 20. Jahrhundert bei Squally Point im Okanagan-See versenkt wurde.
https://www.facebook.com/watch/oceantecscuba/
Ohne auf alle ihrer laengeren Geschichten einzugehen: Kanada ist “Gastgeber” fuer die verschiedensten Mythen und Legenden.

Waheela-The-Great-White-Wolf

Da sind zum Beispiel der “Caddy” und das “Thetis Lake Monster” auf Vancouver Island, der “Wendigo” der Waelder der Grossen Seen, der “Mussie” vom Muskrat Lake nahe Ottawa (auch eine Art Nessie von Kanada), der “Waheela” Wolf des Nahanni-Tales, der “Old Yellowtop” Sasquatch in Nord-Ontario, und der “Loups-Garous” in Quebec.

Wendigo-Flesh-eating-Monster-Ontario

Natuerlich hat auch die Natur hat ihre Legenden. Als ehemaliger langjaehriger Naturfuehrer in Kanada muesste ich, zur Verteidigung meiner Kollegen zugeben, dass Fuehrungen ohne die Erwaehnung von Mythen und Legenden wahrscheinlich recht langweilig waeren.
Ich musste also schon ab und zu zumindest einige Anekdoten und Legenden in meine Touren bringen, letztere jedoch nur mit Wahrheits-Erklaerungen.
Eine meiner Anekdoten hat mit den Fruechten der Mayapple-Pflanze zu tun. Kanadier betrachten diese als ein toedliches Gift. Ich habe sie persoenlich, zum Schrecken der Teilnehmer, waehrend einiger meiner Fuehrungen gegessen, ohne zu sterben. Allerdings machte ich vorher sicher, dass die Frucht vollreif war.

Mayapple-Fruit-unripe-poisonous

Im reifen Stadium brauchten die Indianer von Nova Scotia bis Ontario (dem Ausbreitungsgebiet der Mayapple-Pflanze), sowie auch die Siedler sie als “Patent-Medizin” gegen Wuermer, Warzen und Verstopfung, und machten sogar Marmeladen und Gelee aus ihnen. Heutzutage wird Mayapple als Schutz gegen Leberschaeden und auch als Anti-Krebs Medizin untersucht.
Der Sinn meiner Stories war, wie immer, den Teilnehmern an meinen Touren etwas Interessantes mitzugeben, ueber das sie ihre eigenen Geschichten dann zuhause berichten konnten. Mehr jedoch noch, dass sie darueber nachdachten, was sie gerade gelernt hatten, um vielleich ihre eigenen Recherchen zu machen.
Natuerliche Pflanzen sind schon seit Jahrtausenden als Heilmittel bekannt. Sie sind in der neueren Medizin die Basis fuer zahlreiche wirkungsvolle Medikamente. Aber das ist ja nichts Neues. Maria Treben in Oesterreich und Euell Gibbons in Amerika predigten dieses ja bereits seit Anfang des letzten Jahrhunderts.

(Anmerkung: die Auswahl der Bilder in diesem Beitrag liegt einzig und allein in meiner Verantwortung unter der Fair Dealing Provision der kanadischen Copyright-Gesetze).

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